Wenn das ADHS ist hat jeder ein bischen ADHS

Wenn das ADHS ist hat jeder ein bischen ADHS

Ein kurzer Hinweis vorab: Ich bin kein Arzt und kein Wissenschaftler. Ich habe selbst ADHS – und versuche nur in Worte zu fassen, was wir oft nicht erklären können. :blue_heart:


Für alle denen das heute zu viel Text ist… :brain:

  • ADHS ist keine Faulheit und kein Charakterfehler – es ist anders verdrahtete Neurologie
  • Dein Gehirn blockiert oft das „jetzt starten“ – ganz egal wie sehr du es willst :prohibited:
  • Deadlines helfen manchmal – aber nur weil dein Gehirn in den Notfallmodus schaltet, nicht weil es „funktioniert“ :high_voltage:
  • Jeden Tag maskieren und kämpfen kostet enorm viel Kraft – auch wenn man es von außen nicht sieht :low_battery:
  • Mit dem Alter wird Kompensieren schwerer – und das kann in Burnout oder Erschöpfungsdepression enden :fire:
  • „Das kenne ich auch“ trifft wie eine Ablehnung – auch wenn es nicht so gemeint ist :blue_heart:

Ja. Den Satz kennen wir. Fast alle von uns.

Man versucht zu erklären, wie es sich anfühlt. Was es ist. Und bekommt zur Antwort: „Das kenne ich auch“ oder „wenn das ADHS ist, habe ich es auch“. Gut gemeint. Aber es trifft wie eine Ohrfeige. Man hat gerade den Mut aufgebracht, etwas Unsichtbares aber ungemein Anstrengendes sichtbar zu machen – und hört dann, dass das doch jeder kennt. Dass es eigentlich nichts Besonderes ist.

Eigentlich sehr menschlich: Wir können nie wirklich wissen, wie sich etwas für jemand anderen anfühlt. Wenn zwei Menschen „ich bin müde“ sagen, kann das doch völlig etwas anderes meinen - sie teilen nur das Wort, nicht die Erfahrung. Zerstreutheit oder Aufschieben kennt wirklich fast jeder. Aber das gleiche Wort bedeutet nicht die gleiche Erfahrung – und genau da liegt das Missverständnis.

Das Gehirn als Belohnungssystem :test_tube:

Unser Gehirn läuft auf Dopamin. Dieser Botenstoff ist manchmal wie ein Schalter damit wir von der Entscheidung etwas zu tun zur tatsächlichen Ausführung kommen. das ist wichtig, fang an, es lohnt sich. Bei den meisten Menschen reicht der Gedanke „ich sollte das jetzt erledigen“ aus, um diesen Mechanismus anzustoßen – nicht immer zuverlässig, aber oft genug.

Bei ADHS ist dieses System strukturell anders reguliert. Dopamin wird nicht in ausreichenden Mengen oder zum richtigen Zeitpunkt ausgeschüttet – besonders bei Aufgaben, die nicht neu, intrinsisch motivierend, spannend oder unmittelbar dringend sind. Dein Gehirn bekommt schlicht nicht das Signal „jetzt starten“. Nicht weil du es nicht willst. Sondern weil der neurologische Zündmechanismus anders verdrahtet ist.

Ein Bild, das das greifbarer macht: Stell dir vor, du hast großen Hunger – aber dein Körper produziert kein Hungergefühl. Du weißt, dass du essen musst. Du willst es sogar. Aber du stehst vor dem Kühlschrank und kannst dich nicht bewegen. Das ist keine Faulheit. Es fehlt das Signal. :prohibited:

Was viele nicht ahnen: Ich weiß meistens ganz genau, was ich tun müsste. Ich sehe die Aufgabe. Ich kenne die Konsequenzen. Und ich hasse mich dafür, dass ich trotzdem nicht anfange. Dieser Konflikt – zwischen Wissen und Können, zwischen Wollen und Tun – ist vielleicht das Schmerzhafteste daran. Und er ist von außen vollständig unsichtbar.


Warum der Vergleich zur Sucht hilft :counterclockwise_arrows_button:

Wer schon mal erlebt hat, wie ein Abhängiger trotz bestem Willen und vollem Bewusstsein über die Konsequenzen nicht aufhören kann – der versteht, dass Vernunft gegen Hirnchemie oft verliert. Einem Drogenabhängigem zu sagen „reiß dich mal ein bisschen zusammen“ ist auch nicht wirklich zielführend, ´denn das Problem liegt viel tiefer: da läuft etwas im Belohnungssystem außer Kontrolle.

Bei ADHS ist es die andere Richtung. Das System feuert da wo es eigentlöich gebraucht wird nicht zu viel – es feuert viel zu wenig. Das Ergebnis sieht von außen ähnlich aus: eine Person, die nicht tut, was sie sollte, was sie fast schon schmerzhaft will. Der Unterschied ist: Der Abhängige kämpft gegen einen überwältigenden Impuls. Der Mensch mit ADHS kämpft gegen die unfähigkeit das zu tun was man sollte – gegen das Ausbleiben eines Impulses, der einfach nicht kommt.


Task-Paralyse – wenn der Wille da ist, aber nichts passiert :rock:

Task-Paralyse ist kein Ausdruck von Faulheit. Es ist der Zustand, in dem du eine Aufgabe klar vor dir siehst, weißt wie sie geht, sie auch unbedingt erledigen willst – und trotzdem nicht beginnen kannst. Von innen fühlt es sich an wie gegen eine Glaswand laufen. Immer wieder. Immer fester. Jeden Tag. Bei Dingen, die andere in fünf Minuten erledigen.

Du schämst dich. Du versprichst dir selbst, dass es diesmal anders wird. Du entwickelst Strategien, Rituale, Umwege – und trotzdem landest du wieder vor derselben Wand. Irgendwann fragst du dich nicht mehr, warum es nicht klappt. Du hörst einfach auf zu glauben, dass es jemals klappen wird. Und verzweifelst daran zu sehen, dass alle anderen das irgendwie hinkriegen – nur du nicht. Dass du grundlegend kaputt bist. Zu faul. Zu schwach. Zu wenig. Oh danke du Drecks Gehirn :wink:

Und ja – unter extremem Druck, kurz vor einer Deadline oder wenn wirklich ernste Konsequenzen drohen, kann plötzlich doch etwas passieren. Aber das ist kein Beweis, dass „es ja geht, wenn man nur will“. Was dann passiert ist kein normaler Antrieb – das Gehirn schaltet in den Fight-or-Flight-Modus. Adrenalin und Stresshormone übernehmen die Rolle, die Dopamin eigentlich spielen sollte. Der Tiger greift an, und plötzlich funktioniert man. :tiger_face:

Das klingt nach einer Lösung. Ist es aber keine. Das ist körperlich und geistig erschöpfend, ungesund – und funktioniert nicht auf Bestellung. Manche von uns fangen irgendwann unbewusst an, Krisen zu produzieren (oder die Schwiegermutter einzuladen) um überhaupt handlungsfähig zu werden. Nicht weil wir dramatisch sind. Sondern weil es das einzige ist, was zuverlässig zündet. Und weil man irgendwann verinnerlicht hat, dass man nur unter Druck etwas schaffen kann.

„ADHS ist kein Aufmerksamkeitsdefizit – es ist eine Blindheit gegenüber der Zukunft. Je näher die Deadline kommt, umso mehr plane ich voraus, aber ich schaffe es nicht, etwas zu tun, bis es kurz vor 12 ist. Dann werde ich rumrennen und die Dinge zusammenklatschen. Und so wird alles zur Krise.“
— Dr. Russell A. Barkley, klinischer Psychologe und ADHS-Forscher


Der halbvolle Akku :low_battery:

Stell dir vor, du startest jeden Morgen mit einem halb geladenen Akku – und jede kleine Selbstkontrolle-Leistung, die andere kaum bemerken, kostet dich doppelt so viel. Reize ausblenden, Aufgaben priorisieren, Emotionen regulieren, gegen den eigenen Startmechanismus ankämpfen – das alles passiert ständig, gleichzeitig, und niemand sieht es.

Von außen sieht man jemanden, der „einfach mal anfangen könnte“. Man sieht nicht, dass du bereits seit dem Aufwachen kämpfst – gegen innere Unruhe, gegen das nagelnde Gefühl des Versagens, gegen einen Kopf, der gleichzeitig zu viel und zu wenig denkt. Der sich selbst beobachtet, bewertet, verurteilt. Der genau weiß, was er tun sollte und genau deshalb noch mehr leidet, wenn es wieder nicht klappt.

Was von außen wie Faulheit oder Rückzug wirkt, ist oft ein leerer Tank – weil einfach nur Funktionieren, das ständige Maskieren, das unsichtbare Kämpfen gegen das eigene Gehirn, schon alles gekostet hat. Und ein Mensch, der durch lebenslange Übung wirklich gut darin geworden ist, sich für sein eigenes Ich zu schämen.


Warum es mit dem Alter schwerer wird :hourglass_not_done:

Viele von uns haben jahrelang funktioniert. Durch Struktur, Adrenalin, Ehrgeiz, Verausgabung – nach außen manchmal sogar sehr erfolgreich. Niemand hat geahnt, was das kostet. Wir selbst oft auch nicht, weil wir nie etwas anderes kannten.

Aber irgendwann reicht es nicht mehr. Ein neuer Job, Elternschaft, ein Verlust – und das System bricht ein. Was dann oft als Burnout oder Erschöpfungsdepression diagnostiziert wird (Juhu…) ist häufig das Ende einer jahrzehntelangen unsichtbaren Kompensationsleistung. Und nicht selten der Moment, in dem ADHS überhaupt erst erkannt wird – begleitet von einer seltsamen Mischung aus Erleichterung und tiefer Trauer. Darüber, wie viele Jahre man sich selbst für kaputt/falsch gehalten hat. Wie viel Kraft man dafür aufgewendet hat, normal auszusehen, zu überleben.


Was hilft – und was nicht :speech_balloon:

„Das kenne ich auch“ ist gut gemeint. Unverständnis da sie es ja kennen. Vielleich sogar ein Versuch von nicht ADHSlern, „empathisch“ zu ein. Aber es macht die Erfahrung kleiner, als sie ist – so wie man jemandem mit chronischen Schmerzen sagt, es zwickt bei mir auch manchmal.

Was ich mir meistens wünsche, ist nicht Ratschläge, nicht Lösungen, und nicht der Hinweis, dass andere das auch schaffen. Es ist das Gefühl, dass mein Erleben real ist. Dass es gesehen wird. Dass ich nicht übertreibe. Dass ich nicht kaputt bin – sondern anders gebaut. Und dass das einen Unterschied macht.

Hilfreich ist echtes verständnis, Zuhören: Wie fühlt sich das für dich an? Was macht es schwerer? Was hilft dir? und das kostet nur ein bisschen Offenheit und Neugier. :blue_heart:


Weiterführendes :books:

Russell A. Barkley – klinischer Psychologe, einer der weltweit führenden ADHS-Forscher:

Wissenschaftliche Quellen:

ADHS & Burnout:


Ich hoffe, dieser Text findet die richtigen Menschen zur richtigen Zeit – und dass sich jemand damit etwas mehr verstanden fühlt. :blue_heart:

11 „Gefällt mir“

Aus deinen Texten liest sich so oft KI-generierter Inhalt heraus.

Nimms mir nicht übel, aber ich mag Foren gerade, weil Menschen hier kommunizieren.

Und keine Chat-Bots.

Hier muss, denke ich, niemand glattgelutscht rüberkommen oder immer nur supergeistreichen Content produzieren.

Und ich möchte auch nicht, dass das, was ich hier schreibe, zu Beantwortungszwecken von anderen durch eine KI gejagd wird.

„so oft“ kann nicht sein, zum ausformulieren hab ich mir diesmal das erste mal helfen lassen. allerdings nicht bei den Ihnalten. davor gibt es keinen einzigen Beitrag von mir der jemals emit ki erstellt wurde.

3 „Gefällt mir“

Bei mir ist das genau so wie beschrieben, aber mit AS-Diagnose. Das ist der Teil mit den exekutiven Funktionen, den sich ADHS und ASS teilen.

Was ich mich frage: viele mit ADHS fühlen sich innerlich getrieben, müssen immer etwas tun. Warum nutzen sie dieses „immer etwas tun müssen“ nicht für gerade solche Dinge? Oder tun sie es? Gibt es unterschiedliche Typen von ADHS im Hinblick auf das Aufschieben? Haben nicht alle ADHSler Probleme mit den exekutiven Funktionen?

Auf einem Spektrum gibts unterschiedliche Formen und Ausprägungen. Das macht es schön bunt. Ebenso bei ASS.

Wenn noch Begleiterkrankungen dazukommen, wird es nochmal komplexer.

Ein Kumpel hat ADHS mit ausgeprägter hyperaktiver Komponente. Gleichzeitig eine Zwangsstörung. In seiner Wohnung muss alles clean sein. Da darf nichts lange rumstehen und Unsauberkeit muss schnellstmöglich beseitigt werden. Ist der Gedanke einmal im Kopf, lässt es ihn nicht mehr los bis es erledigt ist.

Bin da körperlich vergleichsweise weniger hyperaktiv und wünsche mir manchmal, ihm vom Putzzwang etwas abnehmen zu können :man_shrugging:

Oder man hat über die Jahre (un)bewusst gelernt zu kompensieren und erledigt eher sofort alles, weil man weiß, dass es sonst liegen bleibt.

Bei vielen Dingen klappt das so für mich, während es in anderen Bereichen auch trotz Medikation immer noch wie eine unüberwindbare Blockade scheint, oder ohne Impuls von außen einfach nicht angegangen wird.

Durch Psychoedukation mache ich mich für sowas aber im
Kopf nicht mehr selber fertig. Das ist dann meistens eher so‘n lockerer Dialog mit dem Hirn:

„Heute nicht, sagste? So überhaupt nicht niemals nicht?“

Mhnöö! Kannste machen, watte willst :adxs_zunge:

„Joot. Leg dich wieder hin. Ich frag später nochmal.“

Da gibts nicht selten verschiedene Extreme.

4 „Gefällt mir“

ja, ich denke das ist eins der Hauptsymptome bei ADHS.
ich fühle mich auch dauerhaft getrieben ( habe „nur“ ADHS ). so wirklich zur Ruhe komme ich eigentlich nie. Ich kann mir aber leider nicht wirklich aussuchen wohin es mich treibt. Hyperfocus Themen oder so geht. Gerne auch 16h am stück, aber nicht der Kram den ich objektiv betrachtet eigentlich tun „sollte“.

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Befürchte, dass das bei vielen leider zwei unabhängige Systeme sind.

Ich habe das vermutlich auch, also das getrieben sein. Wenn mein Partner mir eine Pause aufzwingt, kann ich kaum still sitzen.

Aber die Wirklich wichtigen Dinge sind so schwer anzufangen. Da passt das Bild von der Glaswand mega gut.

Der Kopf schreit dich an, dass du es machen musst. Du willst es machen. Und du siehst die Aufgabe. Hinter dieser Glaswand.

Oder vielleicht liegst du auch in Glas eingegossen? Dass du dich nicht dahin bewegen kannst? Es ist halt einfach unmöglich, anzufangen.

Und wenn du dich hinsetzt, die Aufgabe anfängst, dann hast du diesen Riesen Wollhaufen (Darstellung der Aufgabe) und der hat so viele Knoten und Enden, dass man gar nicht weiß, wo man wirklich anfangen soll. Und man sitzt da, weiß, dass es fertig werden muss. Aber man findet den richtigen Anfang nicht. Vertüddelt sich und macht alles noch schlimmer.

Bis dann der Druck so groß ist und du einfach mit dem einem Ende anfängst. Und dann vielleicht voran kommst. Vielleicht fertig wirst.

Aber bis dahin fühlt es sich so unmöglich an. So schwer. So weit weg, als wäre da was dazwischen. Und etwas hält deine Hände fest.

Aber du musst was tun, also kannst du nicht ruhig bleiben. Keine Pause machen. (Also vielleicht doch irgendwie zusammenhängend?)

(Und ja, man kann Methoden lernen, wie es besser wird. Einfach irgendwie Anfangen hilft ja meist. Aber das ist super individuell und hängt auch von der Aufgabe ab. Je konkreter der Anfang, desto besser. Je mehr es einem liegt, desto leichter.

Als Beispiel: ein Modul vom Studium zusammenfassen ist unglaublich schwer, weil es heißt zusammenfassen. Aber es macht spaß, wenn das Modul gut ist . Bafög-Antrag stellen ist unglaublich trocken und nervig. Aber der Anfang ist super klar.)

(Und sorry, da kam gerade plötzlich was von Innen, war nicht geplant :joy::face_with_peeking_eye:)

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Hallo Lieber @Hagbard :sparkling_heart: Willkommen zurück

Ich freue mich gerade extrem darüber was für einen grossartigen Beitrag Du hier für uns alle im Forum geschrieben hast, vielen herzlichen Dank dafür.

Und ich möchte Dir deshalb unbedingt Danke sagen für all die Arbeit die Du Dir mit dem Verfassen Deines wirklich sehr einfühlsamen Text gemacht hast, dass hast Du wirklich Super gemacht. :+1:

Und ausserdem möchte ich Dir sagen das ich mich wirklich riesig freue Dich hier im Forum nach längerer Abwesenheit endlich wieder einmal lesen zu können, denn Du hast mir hier im Forum ehrlich gesagt wirklich gefehlt. :adxs_knuddel:

Und natürlich hoffe ich das es Dir gut geht, und ich mich sehr freuen würde wenn wir vielleicht in Zukunft wieder öfters etwas von Dir lesen können.

Und wie gesagt, Deinen Beitrag finde ich Super, denn genauso fühle ich mich mit meinem ADHS,
heisst genau so wie Du hier vieles beschrieben hast.
Merci vielmal. :people_hugging: :white_heart:

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Ja, das ergibt Sinn, kann ich nachvollziehen. Nur mit dem Unterschied bei mir, dass ich ganz gut zur Ruhe kommen kann. Ich kann auch statt etwas WIchtiges zu machen, mich entscheiden, gar nichts zu machen, ggf. einfach rumliegen. Natürlich wächst das schlechte Gewissen dann mit der Zeit.

Und das ist auch ein Problem bei mir. Manchmal fange ich nicht an, weil die ganze Aufgabe mir zu groß vorkommt, auch wenn sie in Wirklichkeit gar nicht so groß ist. Zum Beispiel Fensterputzen. Ja, es sind viele Scheiben und viele Rahmen, aber nichts, was man nicht schaffen könnte. Trotzdem schiebe ich das auf bis zum gehtnichtmehr, weil ich das Gefühl habe, da werde ich ja nie fertig, und wo soll ich anfangen. Gestern dachte ich, ich nehme mir nur ein einziges Fenster vor, aber das ist anscheinend immer noch zu viel, wegen Rahmen und innen und außen… Man kommt sich blöd vor oder denkt, man sucht nur Ausreden.

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Weil „solche“ Dinge kein Dopamin geben.

Das Belohnungszentrum braucht viel stärkere Anreize als bei Neurotypischen Personen.

Wenn wir ADHS’ler eine unliebsame Aufgabe absolviert haben, belohnt unser Gehirn und nicht. Da ist einfach nichts.

Das getrieben sein, kommt ja genau davon, zu niedriges Dopamin, irgendwas muss getan werden um das zu steigern.

„Sinnvolle“ Aufgaben sind leider nur selten gute Dopaminlieferanten…

Natürlich tun sie es (auch :sweat_smile:… manchmal) aber nicht ohne Aufschieben oder starke Überwindung.

Ich bekomme z.B. echt viel im Haushalt hin, aber nur weil ich damit andere Dinge weg schieben kann, die mir noch unangenehmer oder anstrengender wären… die Paralyse kenne ich im Gegenzug genauso.

Auf jeden Fall. Aber das aufschreiben ist schon ein generelles Problem, welches aber auch nicht bei jedem gleich stark ausgeprägt ist.

Es kann da auch von Tätigkeit zu Tätigkeit extreme Unterschiede geben.

Bei mir persönlich ist es z.B. so, dass ich manche Sachen auch sofort machen muss (oftmals Küche aufräumen am Abend) weil ich „gelernt“ habe, dass es am Morgen noch viel schlimmer ist, oder man dann keine Zeit mehr findet, oder zu viel auf einmal kommt. Ich mache es nicht gerne, aber ich bekomme es hin.

Anderes kann ich einfach ums verrecken nicht anfangen, bevor nicht die Deadline es zwingend nötig macht.

Ganz aktuell, eine Rede schreiben für die Hochzeit meines Bruders, die am Samstag ist…

Ich habe… eine Idee in welche Richtung es gehen soll ..

Telefonate (Ämter, Termine vereinbaren etc.).

Berichte schreiben auf der Arbeit.

Als ein paar Beispiele. Ich schaffe es einfach nicht damit anzufangen. Selbst wenn es dann gar nicht so schlimm ist wenn ich es endlich erledige.

Ich

kann

nicht

anfangen

ohne

die

Deadline

zu streifen (oder sogar soweit zu überziehen, bis eine Mahnung kommt).

Hat mir in der Schule und Ausbildung massive Probleme bereitet. Und auch jetzt noch auf der Arbeit.

Das ist genau das, was einem von außen z.B. keine r glaubt. Und weswegen ADHS’ler oder als faul betitelt werden (das Mantra meiner Schulzeit. Er ist ja nicht dumm, er könnte wenn er wollte, aber er ist stink faul)…

Anderes Beispiel: Aufräumen.

Ich schaffe das ganz gut, sofern es nur Sachen sind, die einen festen Platz haben. Sobald aber Sachen (z.B. neue) dabei sind, oder sogar viel davon, wo ich mir überlegen muss wo das hin soll, wird das zu einer extrem ermüdenden Tortur. Nicht selten landen die Sachen dann „auf dem Haufen“ oder in „dem Schrank“ (eine Metapher für das Ordnungssystem das ADHS Menschen oft haben. Weil sowas so auslaufend sein kann, wird es einfach irgendwo übereinander gestapelt, wo halt alles hin kommt, von dem man gerade nicht weiß wohin).

Mit ADHS kann man in Aufgabe eins hoch produktiv sein, in Aufgabe zwei überfordert wie ein Kleinkind das ein 5 Gänge Menü kochen soll.

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Den Text kann ich 1:1 so unterschreiben, vor allem seit ich erwachsen bin. Es klappte bei mir in der Kindheit gut, wenn ich von außen mit ausreichend Autorität strukturiert wurde (was meine Mutter getan hat), deshalb hatte ich tatsächlich in der Schule keine Probleme. Heute sieht das anders aus, und vielleicht oder ziemlich sicher hatte der ganze Druck in der Kindheit und Jugend negative Nachwirkungen. Bei Druck reagiere ich jetzt eher entgegengesetzt, dann mache ich erstmal gar nichts mehr, und das Nötigste erst in der letzten Sekunde. Pläne helfen mir nicht, weil ich mich nicht daran halte. Deadlines helfen, wenn andere Personen involviert sind, z.B. bei Verabredungen/Vereinbarungen. Macht aber gleichzeitig auch wieder Stress. Priorisieren ist schwierig, es gibt so vieles, was man tun müsste.

Sowas habe ich auch. Und irgendwann, wenn man die Schranktür aufmacht, purzeln einem die Sachen entgegen… (habe diese Woche gedacht, bei meinem Kleiderschrank fehlt nicht mehr viel, dann passiert es)

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Das hat bei mir nicht funktioniert. Ich hab soo oft bei den Hausaufgaben oder Lernen Streit mit meiner Mutter gehabt. Aber meine Mutter war Alleinerziehend und berufstätig, sie konnte es gar nicht so eng kontrollieren alles. Aber wenn, war es fast egal was sie angedroht hat, oder was für Strafen es gab.

Hausaufgaben hab ich allgemein kaum gemacht, völlig egal welche Konsequenzen drohen.

Ich habs einfach nicht hin bekommen mich Zuhause dazu zu überwinden.

Das war bei mir schon immer so. Und ist es heute noch. Jetzt erst Recht (nicht)!!!

Bei Terminen und Verabredungen ist es bei mir ganz entgegengesetzt zu vielen anderen mit ADHS.

Ich geh viel zu früh los und warte dann oft. Selbst wenn ich weiß, dass der mit dem ich mich treffe in der Regel auch immer zu spät kommt. Ich bin zu früh :see_no_evil_monkey:

Hey, vielen Dank für den Text! Ich biete als Psychotherapeut ADHS Diagnostik mit an und erlebe immer wieder, wie Menschen auch an der Diagnose zweifeln. Z.T. da sie sagen, aber das geht doch allen so, oder? Oder auch: Mein Bekannter mit ADHS ist so anders, da kann ich ja kein ADHS haben. Und erst mit mehr Berücksichtigung der Innenperspektive, so wie von dir beschrieben, wird dann doch zunehmend deutlich, dass die Diagnose sehr wahrscheinlich stimmig ist.

Ich hatte anfangs auch das ungute Gefühl, dass der Text von einer KI stammt (mit diesen typischen Icons etc.) und war dann richtig erleichtert, als ich Rechtschreibfehler gefunden habe. Da dachte ich, dass das in Zukunft hoffentlich als ein Erkennungsmerkmal des menschlichen Erhalten bleibt. Diese scheinbare Perfektion der KI empfinde ich eher als abstoßend.

Insgesamt muss ich meinen Eindruck los werden:

Es wird sich immer am Begriff „faul“ abgearbeitet. Wer ist denn faul, wo dies nun stimmt oder nicht stimmt?
Vielleicht sollte man das Pferd nicht von hinten aufzäumen und gegen das „faul“ argumentieren, sondern einfach begreifen, das jeder Mensch einen Grund(!) für „Faulheit“ hat. Egal ob neuronormal, neurodivergent, medizinischen Problemen oder was auch immer…

Ein Mensch hat einen Grund etwas nicht zu tun. Banal kann der Grund sein, dass man lieber etwas schönes statt etwas langweiliges macht…
Faul ist eine Bewertung, die diesen Grund negiert. Und es führt dies alles zu dieser Rechtferigungsspirale, die überhaupt nichts bringt.

Ich denke, das gilt es zu verstehen.

Ansonsten ja auch neuronormale Menschen suchen Dopamin. Mal rausgehen und ansehen, wie alle auf das dapominerzeugende Kasteln starren.

Solche Aussagen jeder hat ein wenig ADHS kommen eben daher, dass auch neuronormale Menschen sich überwinden und anstrengen müssen (ja, klar jeder Mensch muss das auf anderem Niveau, verschieden oft und vermutlich bei verschiedenen Themen, je nach Phase auch verschieden schwer etc. … das bitte jetzt mitbedenken). Man sollte das echt nicht so bierernst nehmen. :wink:

Ich denke drüber stehen hilft mehr, als gegen Windmühlen kämpfen… und viele neuronormale Menschen (ich habe selber kein ADHS) werden das eben nicht verstehen, wie man vieles, was einen selbst betrifft nie ganz verstehen wird. That’s life :wink:

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Ich vermute, dass ein Mensch, der von Kindesbeinen an als faul beschimpft wird, seinen „Grund“, wie du es nennst, dafür nicht kennt, schwer an den Folgeschäden dieser Betitelung durch andere Menschen (Eltern, Lehrkörper, Ausbildungsleitungen, Leitungskräfte usw. ) zu tragen hat. Ganz besonders dann, wenn eine ADHS Diagnose erst im 4. oder 5. Lebensjahrzehnt gestellt wird.

Solche Aussagen neuronormaler Menschen beruhen meiner Ansicht nach darauf, dass sie die tägliche! und nicht eben hin und wieder vorkommende Dopaminsuche nicht ansatzweise nachvollziehen können. Egal ob gewollt oder nicht.

Ich fände es auch gewinnbringend für mich, wenn ich drüber stehen könnte.

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Ich habe das Gefühl, dass auch neuronormale Menschen sehr gern täglich dopaminsüchteln.
Das sieht man am Medienkonsum sehr schön :wink:

Klar wird es bei ADHS ganz andere Liga sein. Dennoch es gibt halt Überlappungen.

Mein Beitrag soll auch eher helfen, solche Dinge wir „faul“ mal einzuordnen und evt. zu überwinden. Wegdiskutieren kann man da nix… wenn es nicht hilft, dann nur als Anregung sehen :wink:

Du hast es wirklich auf den Punkt gebracht. Ich danke dir von Herzen für diesen Text! Ich würde ihn gern, wenn ich darf, kopieren und meiner Familie zum Lesen geben. Vielleicht bewirkt es ja einen Funken mehr Verständnis.

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Nicht Betroffene bekommen aber kein massives Konzentrationsproblem, wenn was für sie langweiliges gemacht werden muss. Nicht Betroffene Produzieren doch schon Dopamin aufgrund der Vorfreude, dass sie Dopamin nach dem Beenden der langweiligen Tätigkeit bekommen oder habe ich da was Falsch Verstanden?

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Das ist für mich wie ein neues Puzzlestück in meinem ADHS-Puzzle! Habe den Text jetzt schon mit mehreren Menschen geteilt, weil das für mich nochmal ganz neu verknüpft, was ich bisher so zu ADHS „weiß“.

Ich war eine Zeit lang bei einer Tiefenpsychologin in Therapie wegen eines Burnouts. Da wusste ich noch nicht, dass ich auch ADHS habe. Es war schon ganz nett, jemanden zum Reden zu haben, aber ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass ich/wir immer noch nicht den Kern des Problems gefunden haben. Sie hat meinen Drang, ständig viel zu viele Aufgaben übernehmen zu wollen, vor allem darauf geschoben, dass mir in meiner Schulzeit mein Vater Druck gemacht hat, zu lernen.

Jaaa, hat er schon, aber ich fand die ganze Zeit, dass sich das nicht wie der eigentliche Grund für dieses Verhalten bei mir anfühlt. Und auch ihr Lösungsvorschlag, sich „einfach mal in Ruhe ans Fenster setzen und rausgucken“ und „Muße tun“ ist grundsätzlich nicht abwegig. Hilft mir auch durchaus manchmal. Aber das trifft auch nicht den Kern des Problems.

Jetzt habe ich wirklich das Gefühl, einen Schritt weitergekommen zu sein, vielen Dank Dir!! :heart_eyes:

Ich hänge nämlich schon wieder in genau der gleichen Situation: Viel zu viele Aufgaben vorgenommen/angenommen, die jetzt alle gleichzeitig anfangen zu brennen und ich sehe doch jetzt schon, dass die nächsten paar Monate eeeecht hart werden.

Aber die Lösung ist eben nicht, dass ich lernen muss, auch mal „Nein“ zu sagen (kann ich, aber ich habe ja auch Bock auf die Aufgaben!) und „einfach mal weniger zu machen“. Weil dann kriege ich das Problem mit der Dysphorie bei Inaktivität - ohne Stress mache ich einfach gar nichts mehr und es geht mir auch noch richtig mies dabei.

Bis die prokrastinierten Sachen so dringend werden, dass ich wieder in genau der gleichen verdammten Situation hocke, den Kram dann endlich gebacken kriege, weil der Notfallmodus aktiviert wird und alles ist wie immer. Mit dem Unterschied, dass ich vorher tage-, wochen- oder sogar monatelang depressiv und unzufrieden herumgehangen habe, nichts mit meiner Freizeit anfangen konnte und auch nichts geschafft habe.

Es ergibt jetzt einfach so viel mehr Sinn :smiley:

Eine Lösung habe ich leider trotzdem nicht… Ich hoffe, Elvanse hilft mir, diese vor mir stehende Phase jetzt besser zu bewältigen und perspektivisch eben auch mit einer etwas geringeren Aufgabenlast noch was erledigt zu bekommen. Weil dass die ganze Zeit im Notfallmodus leben als „Grundzustand“, um überhaupt was gebacken zu kriegen (was ich unbedingt will! Ich will was erreichen und bewegen und verändern und alles!), nicht gesund sein kann, finde ich auch logisch :sweat_smile:

Jetzt habe ich eigentlich nur nochmal das, was Du und Dein Freund, die KI (:grinning_face_with_smiling_eyes: ), geschrieben hast, nochmal in eigenen Worten geschrieben. Vielleicht hilft meine Erkenntnis ja irgendwem weiter, ansonsten wirklich vielen Dank für das neue Puzzlestück!

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Ich habe das Gefühl es geht hier im Bezug zu ADHS im wesentlichen ob man Tätigkeiten des Alltags bewältigen kann und wo die Grenze zu dem ist was jeder hat und einer Abgrenzung zu einer „Faulheit“

Aber ADHS ist doch um so vieles mehr als nur der Struggel mit Time, ToDo, Task , Tagesablauf etc…

Für mich gehört zu den Einschränkungen noch viel mehr dazu …

  • Reizüberflutung
  • Sensorische Empfindlichkeit
  • Zu viele Gedanken
  • Mangelnde Konzentration
  • Flüchtigkeitsfehler
  • Orientierungslosigkeit
  • Schlafprobleme
  • Auswirkung auf den Körper
  • Zu viele Assoziationen zu egal was im Kopf
  • Kommunikationsverhalten
  • Überall Kompensieren müssen
  • Potential nicht nutzen können
  • Chaos verursachen
  • Menschen unterbrechen
  • Sprachdurchfälle
  • Schreibdurchfälle
  • Fettnäpfchen
  • Auf Ernährung achten müssen
  • 1000 Ideen im Kopf
  • Sensiblere Wahrnehmungen
  • Zwischen den Zeilen hören
  • Zu schnell auf alles anspringen
  • Finanziell aufpassen müssen
  • Aufgedreht sein und schwer runterkommen
  • Impulse im Griff halten müssen
  • Zu jung aussehen und Kompetenzen abgesprochen bekommen
  • Anfälliger für bestimmte Krankheiten sein
  • Vorsorgetermine vergessen
  • Mehr Schäden verursachen
  • Ein dauerhaftes Stresslevel regulieren müssen
  • Sozialer overload
  • Medis nehmen müssen
  • Therapie machen
  • Soziale Kontakte zu wenig pflegen
  • Etc…
  • Denkblockaden bei einfachsten Wissen was plötzlich nicht abrufbar ist und zugleich komplexe Dinge erfassen
  • In meinem Falle keine Vollzeitsrbeit möglich
  • Langzeitstudenten gewesen sein
  • Arbeitsfähigkeit / Arbeitsplatz erhalten
  • Etc…ppp…

Das sind alles Dinge die ich immer noch habe, selbst wenn ich meinen Alltag im Griff hätte .

Selbst tagelang in stiller Natur kann es plötzlich sein, dass mich auch Naturklänge überreizen können.

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