Wenn man feststellt, dass der Partner ADHS hat

Hallo zusammen, ich gebe zu: Das Thema ADHS ist für mich absolutes Neuland und daher vorab: Bitte entschuldigt, wenn ich irgendwelche Infos dazu falsch ausdrücke oder missverstanden hab!

Ich bin seit nun fast 15 Jahren mit meinem Mann zusammen / verheiratet! Wir sind grundverschieden, stammen aus zwei komplett unterschiedlichen Kulturen / Ländern und haben zu Beginn nicht einmal die gleiche Sprache gesprochen. Wir ticken komplett gegensätzlich und haben uns aber wahrscheinlich gerade aufgrunddessen irgendwie immer gegenseitig gepusht und bei Niederschlägen einfach zu neuen Themen motiviert. Wir haben viel zusammen erlebt, sind mehrfach umgezogen, haben Weiterbildungen / Ausbildungen gemacht und inzwischen ein riesen Grundstück und zwei Kinder! Alles Themen, die wir beide immer so wollten. Die letzten Monate waren für uns sehr stressig und die Streitigkeiten wurden immer extremer… umso mehr uns der Stress einholte, umso auffälliger waren die Themen…

Durch einen absoluten Zufall bin ich nebenbei auf das Thema „ADHS im Erwachsenenalter“ gestossen! Ich hatte kein bzw. ein komplett falsches Bild von ADHS und habe mich eigentlich nur aus Langeweile dazu im Internet etwas eingelesen und auf einmal erkannte ich meinen Mann wirklich zu 100% darin. Punkte, die ich ihm in den letzten Wochen vorgeworfen habe und die aber nach seiner Wahrnehmung einfach nicht stimmen, passten irgendwie aufeinmal alle zusammen:

  • Er führt nichts zu Ende… einfach nichts. Und egal wie oft ich ihm sage er soll einfach am Ende noch einmal einen „Blick zurück machen“ es bleibt immer etwas liegen
  • Er ist unglaublich chaotisch… Unser Haus ist voll von angesammelten Sachen, die er einfach immer an Ort und Stelle ablegt z.B. legt er Sachen, wenn er sie in die Garage bringen will einfach mitten auf dem Weg ab statt sie ganz an den „Zielort“ zu bringen.
  • Er vergisst einfach alles. Selbst Dinge, die vor der Tür stehen, werden „übersehen“.
  • Er startet immer neue Projekte oder gibt Geld aus für neue Hobbies, die dann aber irgendwann einfach liegenbleiben
  • Er ist sehr impulsiv, leicht gereizt aber direkt auch wieder runter
  • Er hört einfach nur die Hälfte von dem was ich ihm sage. Beispiel: Ich sage, dass er beim Einkaufen bitte kein Brot mitbringen soll, weil wir genug haben. Er steht beim Einkaufen und denkt „sie hat was zu Brot gesagt“ und bringt einfach zwei mit.
    Naja… die Liste ist lang.
    Früher war das irgendwie noch lustig und es hat mich auch nie gestört, dass er so vergesslich war. Selbst an meinem Geburtstag hat er öfters schon vergessen mir zu gratulieren. Da mir solche Themen aber nicht so wichtig waren, habe ich darüber nur gelacht.

Was früher irgendwie noch für mich „abfangbar war“ (z.B. haben seine Freunde bei mir mit ihm die Verabredungen ausgemacht, damit ich es in den Kalender eintrage) ist bei zwei Kindern, einem Vollzeitjob und einem Haus für mich nicht mehr schaffbar. Ich schaffe es einfach nicht für ihn mitzdenken und ihn an alles zu erinnern. Gleichzeitig wird es auch finanziell irgendwann immer schwerer, weil wir früher natürlich teure Hobbies gut bezahlen konnten, aber inzwischen einfach mehr Verantwortungen haben.
Dazu kommt, dass ich mir einbilde, dass es durch den Stress der letzten Wochen ausgeprägter geworden ist. Er hört teilweise mitten im Satz auf zu sprechen und dreht sich weg oder beantwortet Fragen einfach nicht, obwohl er sie hört. Das belastet die Kommunikation enorm.

Als ich ihm mit meiner Vermutung konfrontiert habe, hat er sich selbst kurz damit beschäftigt und es zu 100% bestätigt. Er sieht sich selbst darin wieder und in vielen Erkenntnissen auch endlich verstanden. Er hat sogar mit einem befreundetem Psychologen Kontakt aufgenommen, um sich erste Tipps zu holen. Dies hat er mir dann auch erzählt, aber in die Umsetzung kommt er nicht. Selbst bei dem einfachsten Sachen.

So sorry für den langen Vortext; ich kürze ab und komme nun zur Frage:
Wie kann ich ihm wirklich helfen bzw. unserer Familie? Ich bin ein absoluter Ordnungsfan und muss überall eine feste Struktur drin haben. Seit Jahren versuch ich ihm das durch irgendwelche Kalender, Ordner, Timer, Schilder, Zettel irgendwie aufzuzwängen, aber stelle jetzt fest, dass das einfach nicht zu ihm durchdringt und wahrscheinlich auch einfach nicht funktionieren KANN! Deswegen soll der Ansatz nicht sein, dass ich Ihm etwas vorgebe, sondern ich möchte ihm helfen, dass er für sich selbst einen Weg findet. Ich brauch keinen 100% Game Changer in X Wochen, aber ich will einfach wieder eine Besserung sehen…

Vorweg: Er verweigert jegliche Art von Medikamenten. Das liegt daran, dass es in seiner Familie (Mutter, Schwester) bereits einige Fälle gab, wo mit falschen Medikamente starke Extreme ausgelöst wurden, welche ihn echt hart getroffen haben. Da wird sich einfach nichts dran ändern. Ggf. Nahrungsergänzungsmittel, aber mehr wird er nicht akzeptieren.

Vielen Dank vorab.

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Also so als Ferndiagnose ist das schwer…

Ich würde versuchen, eine gewisse Routine rein zu bekommen, dass er immer die Sachen in einer bestimmten Reihenfolge erledigen kann. Das hilft, dass er nichts so schnell vergisst. Auch ein gemeinsam aufgestellter Tagesplan wird helfen. Lass ihn daran mitwirken, dann fühlt er sich nicht bevormundet, das merkt er sich auch leichter, als wenn du ihm überall nur Zettel hinhängst… Dann sollte er (soweit möglich) Aufgaben nacheinander erledigen. Wenn er mit einer Sache unterwegs zur Garage ist, warte mit neuen Infos, bis er zurück ist. Wenn du ihm unterwegs noch was hinterherrufst, ist er abgelenkt und die Sachen kommen nie dort an. Nach meiner Erfahrung bekommt er von dem, was du ihm da sagst, eh nur die Hälfte mit.

Wenn du das Chaos zumindest kurzfristig aushalten kannst, lass es liegen, vor allem, wenn es seine Sachen sind. Irgendwann wird es ihn stören und er räumt es allein aus diesem Grund schon weg. Also nicht immer alles hinterher tragen, da hat er keinen Grund, was zu ändern.

Wichtig ist auch positives Feedback schon bei kleinen Fortschritten. Dann merkt er, dass es sich lohnt und du es bemerkst, wenn er sich bemüht und gibt nicht so schnell auf.

Das Ganze jetzt ohne Gewähr auf Erfolg. Viel Glück!

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Hallo Julia 1986 und willkommen!

Ich finde es schön, daß du dir Gedanken um deinen Mann machst, nicht einfach aufgibst und schaust, was du tun kannst um euch allen in der Situation zu helfen.
Ja, klingt schon nach AD(H)S in irgendeiner Fom, aber das kann letztlich nur ein Diagnoseverfahren klären.
Wirklich gute Tipps kann ich dir glaube ich nicht geben, höchsten Hinweise und das sind natürlich Dinge, die ich nur aus meiner Perspektive betrachten kann, aber vielleicht hilft das ja schonmal ein bischen weiter.
Leider ist der erste TIpp : Habe viiiieeel Geduld mit ihm. Erwarte nicht zuviel auf einmal von ihm. Auch wenn er wirklich etwas ändern will und tatsächlich AD(H)S hat bringt es absolut nichts ihm etwas „aufzuzwingen“, es ihm immer wieder zu sagen, oder ihn vielleicht zu sanktionieren, weil ein ADxSler das einfach nicht nicht „so einfach mal“ umsetzen kann, auch nicht wenn er will und das Scheitern an der Stelle führt oft zu Frustration, Gereiztheit, Verzweiflung und geht aufs Selbstbewußtsein, deshalb haben viele ADSler im Laufe ihres Lebens immer wieder depressive Phasen oder sogar starke Depressionen. Nimm es also nicht persönlich. Sucht euch kleine Schritte die er bewältigen kann, möglichst viele kleine Erfolgserlebnisse. Kleine Schritte. Fragt euch welche seiner Fähigkeiten er vielleicht nutzen kann um etwas zu ändern. Andere, ungewöhnliche Wege gehen. Das kann man leider nicht so präzise sagen was da hilft, das muß leider jeder für sich rausfinden. Auch eine Therapie könnte da helfen. Grundvoraussetzung ist von seiner Seite sich aktiv mit der Problematik auseinanderzusetzen und an sich zu arbeiten.

Das ist auf einer Seite schonmal eine gute Grundvoraussetzung mit der Struktur, auch wenn es vielleicht das ist, was es dir noch schwerer macht seine Unstrukturiertheit zu ertragen. Meiner Erfahrung nach, helfen Strukturen von außen. Und das aufstellen einfacher, kleiner, realistisch umsetzbarer Regeln. Das wird nicht auf Anhieb klappen.
Ihr werdet beide Geduld brauchen.
Denn zum anderen kann das bedeuten, dass Du vielleicht mehr Ordung brauchst, als er in der Lage wäre einzuhalten, und entschuldige meine drastischen Worte, aber selbst mit Therapie und Medikamenten und viel Geduld auf beiden Seiten und viel Arbeit an sich auf seiner Seite wird es dann nicht irgendwann so sein, dass er super Ordentlich und Strukturiert sein wird (wenn wir von AD(H)S ausgehen). Es kann sich bessern aber es wird wahrscheinlich auch immer wieder Rückschläge geben.
An dieser Stelle deshalb der Tipp an dich. Auf welche Punkte deiner Ordnung und deiner Strukturen kannst du verzichten? Was könntet ihr/du vielleicht umstrukturieren, damit es ihm leichter fällt an Dinge zu denken/sie wegzuräumen oder sie eben nicht mehr wegräumen muss. Wie ud in wieweit kanst Du ihm entgegenkommen. An was könntest du dich gewöhnen? Es ist ja vielleicht ein bischen einfacher bestimmte Dinge zu ertragen, wenn du weißt warum er einfach nicht so ordentlich sein kann. Auch das kann ich nicht präziser formulieren, denn ich kenne euch und eure Lebensumstände ja nicht und es gibt da leider keine „Generallösung“.

Man kann und sollte niemanden zwingen Medikamente zu nehmen, aber da solltest du dir vielleicht auch noch keine Gedanken drum machen, da würde ich eine Diagnostik und eine mögliche Therapie erstmal abwarten.

Gut ist ja schonmal, dass ich dir da ja Teilweise nichts neues erzähle (sorry, den Satz hatte ich vorm Schreiben übersehen :wink: :woman_shrugging:. Das das belastend für eine Beziehung sein kann, gerade je mehr Verantwortung da ist ist klar, umso mehr braucht man einen verständigen Partner, den er mit dir ja zu haben scheint.
Eine späte Diagnose kann einen übrigens auch erstmal ganz schön aufwühlen. Viele Leute überdenken nochmal ihr ganzes Leben, um überhaupt klarzukriegen wie man denn eigentlich funktioniert und was ändern kann, weil man ja sein ganzes Leben immer nur gegen Windmühlen gekämpft hat und quasi als Huhn versucht hat zu fliegen, weil, man ist doch ein Vogel, das muß doch gehen! Da kommt oft auch einiges an Trauer hoch, weil man vielleicht Zeit damit verschwendet hat zu versuchen so zu funktionieren wie „die anderen“ auf eine Weise wie man es einfach nicht kann und vielleicht auch Chancen verpasst hat o.Ä. oder sich schuldig gefühlt hat, wenn man gewissen Erwartungen, denen man wirklich gerecht werden wollte nicht gerecht geworden ist obwohl man ssicch angestrengt hat.
Das mit dem Geld ausgeben für Hobbies und dergleichen, tja, das liebe Thema Spontankäufe. Vielleicht ein klares Budget setzen, und ganz klar abmachen nicht mehr als einmal im Jahr oder ähnliches? Wenn die Freunde schon Verabredungen über dich treffen, denen die Problematik also vertraut ist, vielleicht können sie ja die Erinnerungsfunktion selbst übernehmen, das du etwas entlastet wirst.

Ich kann mir vorstellen, dass es keine Einbildung ist. Stress mindert die Konzentration.

Das ist mir total vertraut und wohl auch den meisten hier im Forum. Die einfachsten Sachen sind für uns ganz oft eben nicht die einfachsten Sachen.
Es wäre natürlich schön, wenn dein Mann sich selbst mal im Forum umschaut. Wenn er kein „Forumstyp“ ist, kann er ja einfach mal rumschauen, als Gast oder über deinen Account. Es gibt hier wirklich sehr viele Interessante Erfahrungsberichte, Tipps und auch Lustiges in dem er sich vielleicht wiederfindet oder was ihm vielleicht auch hilft. Und auch die ADxS.org Seite steckt voller interessanter und hilfreicher Informationen.
Ich wünsche euch viel Geduld und dass ihr da weiterkommt, vielleicht ja auch mit Hilfe des befreundeten Psychologen?
Und bloß nicht den Humor verlieren.

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@Julia1986
Ich bin genau so ein Mann wie Du ihn beschreibst.
Meine Partnerin hat mir in den letzten Jahren Todo-Blöcke gekauft, Terminpläne gemacht, mir eine Chance nach der anderen gegeben die ich heulend vor ihr sitzend gerne angenommen und dann dich nie umgesetzt habe.
Druck hat alles nur verschlimmert. Auch die Diagnose, die Medikation mit Ritalin haben mir aber nicht mehr der Beziehung geholfen.

Wenn es ADHS ist, kann viel Sport und wenig Koffein/Alkohol helfen. Aber mit Frau und zwei Kindern wird das schwer umzusetzen.
In meinen Augen ist die Lösung:
Diagnose, Medikamente, sein eigenes Leben ordnen und dann schauen wieviel Verpeiltheit durch Reduzierung der Dosis das gesunde Mittelmaß für eure Beziehung ist.

Sorry das es jetzt hart klingt, aber er merkt gar nicht was er dir antut und irgendwann kannst du nicht mehr.

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@Diemitden-Ideen den Schlusssatz wegen dem Humor kann ich nur unterstreichen, ohne Humor kann man das ganze eh grad vergessen, also bei mir persönlich läuft dann grad garnichts mehr, dann mache ich einfach dicht oder schalte auf durchfahrende Züge. :steam_locomotive::tram:
Als wäre das Leben und der ganze Murks nicht schon anstrengend genug.
Puh echt und wenn dann womöglich noch immer alles so tierisch ernst vorgetragen oder nachgetragen wird?, Nein Danke!, nichts für mich, da ergreife ich dann früher oder später lieber die Flucht, das könnte ich nicht lange aushalten.
Zum Glück hat mein Schatz so einen tollen Humor, ansonsten wären wir wahrscheinlich nicht mal zusammen gekommen, also ein Paar geworden, für uns beide ist Humor EXTREM WICHTIG!. :smiley_cat:

P.s. und jemand zu finden mit dem man sogar den gleichen Humor teilt ist eigentlich Gold wert.
Und wenn man bedenkt, dass ich Adhs habe und ohne Medikamente durch’s Leben spaziere, mein Schatz vermutlich auch Adhs hat, nur halt ohne Diagnose und deshalb logischerweise auch ohne Medikamente, kommen wir zwei erstaunlicherweise extrem gut zurecht.
Aber vor allem gelingt uns das eben deshalb so gut weil wir so unglaublich viele Gemeinsamkeiten haben, dass wir Seelenpartner sind und das Leben nicht mehr wirklich sooo ernst nehmen.
Wie auch immer, Humor kann vieles im Leben erleichtern, und bei uns beiden ist es so. :clown_face:

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:sweat_smile: Tausendmillionen Ausrufungszeichen!!!(kein Bock zu zählen…

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Liebe @Diemitden-Ideen entschuldige bitte wenn ich noch mal eine Altersweisheit aus meinem Leben raushaue, das tue ich NICHT um andere belehren zu wollen, NICHT um meine narzisstische Ader auszuleben, ok vielleicht ein bisschen :sweat_smile:, aber ok vor allem nur deshalb weil ich sehr emphatisch bin, was dann aber „eigentlich“ wieder nicht in Übereinstimmung mit Narzissmus ist, aber Egal, wie gesagt nur deshalb, weil ich insgeheim „hoffe“ das andere vielleicht von meinen Lebenserfahrungen irgendwie „profitieren“ können.
Puh muss kurz Luft holen… :hot_face:, jedenfalls ist mir „rückblickend“ , wenn ich über meine langjährige Ex Beziehung sinniere so durch den Kopf gegangen, dass ich, als ich noch „jung“ war, eigentlich irgendwie total von solchen Klischee Bildern darüber was angeblich eine „gute“ Beziehung „ausmacht“, also wie das „perfekte“ Heim, die „perfekte“ Beziehung, die „perfekte“ Familie, das „perfekte“ Sexleben, der „perfekte“ Job und so weiter und so weiter „eigentlich“ aussehen „sollte“ total verrückt gemacht habe, und DAS im wahrsten Sinne des Wortes!.
Was ich damit „eigentlich“ sagen will ist… .
Sorry muss vorher eine kurze Pause einlegen bevor ich weiter schreibe, ok?.

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Jedenfalls bevor ich weiter schreibe, was ich nur tuen werde wenn es jemand wirklich interessiert.
Perfekt gibt es nicht, Perfektionismus zerstört Beziehungen.

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Die Erkenntnis, wahrscheinlich ADHS zu haben, kann auch ohne Medikamente viel helfen. Indem man sich nicht mehr selbst fertig macht, gnädig zu sich ist und versucht besser zu verstehen wie man tickt. Ich denke, allein das wird ihm und eurer Partnerschaft gut tun. Ich habe auch den Eindruck, ihr habt eine gute Grundlage, miteinander zu reden.

Langfristig wäre natürlich eine (medikamentöse) Behandlung gut, und sag niemals nie, es ist ein Prozess bis dahin. ADHS ist ja erblich wie du sicher schon gehört hast. Das heißt, es kann durchaus mit (unerkannter) ADHS zu tun haben, dass es in seiner Familie (Mutter, Schwester) bereits einige Fälle gab, wo mit falschen Medikamente starke Extreme ausgelöst wurden, welche ihn echt hart getroffen haben.

Aber die Ursache für die negativen Erfahrungen waren, wie du selbst schreibst, die falschen Medikamente. Die richtigen Medikamente würden vermutlich helfen, und raus aus der Nummer kommt man eh nicht, denn keine Medikamente haben ja auch Nebenwirkungen, nämlich die der unbehandelten ADHS.

(Allein schon die erhöhte Unfallwahrscheinlichkeit bei ADHS (die durch Medikation stark gemildert werden kann) stellen jede mögliche Nebenwirkung der Medikamente um ein Mehrfaches in den Schatten. Anders gesagt, dass ein ADHS-ler ohne Medis wegen Unachtsamkeit durch einen Unfall stirbt oder schwer verletzt wird, ist unendlich wahrscheinlicher als schlimme Nebenwirkungen der Medikamente.)

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Natürlich muss ich hier @Falschparker völlig Recht geben, die richtigen Medikamente bei Adhs oder auch ASS oder anderem psychischem Leidensdruck können wirklich sehr behilflich sein.
Es kommt eben immer darauf an wie hoch der persönliche Leidensdruck in einem jeweiligen Lebensabschnitt, den persönlichen täglichen Anforderungen und so weiter ist, dass sollte eigentlich jedem selbst klar sein, ist sozusagen selbstredend und immer sehr individuell zu betrachten. So oder so kann es wirklich sehr hilfreich sein, wenn man bei einem Verdacht auf Adhs nur schon vorab mal einen Selbsttest auf Adhs macht, Literatur dazu liest, oder in einem Selbsthilfe Forum Hilfe sucht um der Sache auf die Spur zu kommen.
Danach können dann, wenn man will, nächste Schritte, zum Beispiel Richtung Diagnose und/oder eventuell Medikation erfolgen, wenn man glaubt dass einem dies aus dem eigenen Schlamassel hilft.

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Nicht desto trotz der sehr guten Ausführungen von unserem lieben @Falschparker darf man bei dem Thema Beziehung nicht vergessen, dass auch Normalos, also Nicht-Adhsler: innen ihre liebe Not mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu haben scheinen, was die bekannten Zahlen von Scheidungen meiner Meinung nach deutlich zu untermauern scheinen, da WIR Adhs’ler: innen ja Prozentual nur einen kleinen Teil der Bevölkerung ausmachen.
Das heisst im Prinzip ja nur, dass wir Adhs’ler: innen nur anscheinend etwas „mehr“ Mühe mit den allgemeingültigen Anforderungen haben, als es die Normalos ebenfalls haben.
Und nach meiner eigenen Lebenserfahrungen liegen eben sehr viele Gründe darin, dass die Überforderung bei uns schneller erreicht ist als bei Nicht-Adhsler: innen, aus den bekannten Gründen darüber worin sich die Probleme für Adhs’ler: innen ergeben.
Aber was aus meiner Sicht total falsch ist, ist ALLE Fehler immer sofort auf sich zu nehmen, sich selbst abzustempeln, zu denken „es muss ja ALLES an MIR liegen weil ich Adhs habe“.
Und da wären wir wieder bei diesem typischen Adhs Denkmuster: entweder/oder, heiss oder kalt usw. .
Aber sooo einfach ist es dann eben auch wieder nicht, denn viele Menschen scheitern an den oft viel zu hohen Anforderungen des Lebens, auch ohne Adhs.
P.s. im Endeffekt ist es doch so, je mehr Übereinstimmungen ich mit meinem Partner habe, desto besser und harmonischer wird die Beziehung sein.
Wenn das nicht so ist, läuft es sehr oft darauf hinaus das sich einer der Partner als der stärkere behaupten will, was dann in Machtkämpfen endet.
Das ist die nackte Wahrheit und nichts anderes.
Die nächste Wahrheit ist die, dass das eigentlich niemand will, deshalb fühlt man sich dann allzuoft unglücklich in einer Beziehung.
Aber anstatt dieser Wahrheit ins Gesicht zu blicken, hält man die Beziehung lieber trotzdem aus, aus Angst vor Verlust und und und.
Statt von Anfang an, schon bei der Partnersuche gezielt darauf zu achten, was einen eigentlich wirklich verbindet und da auch weiter nachzuhaken um zukünftige Probleme sozusagen im Vorfeld zu eliminieren.
Aber eben, muss ja jede:r selbst wissen, gute Nacht.

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Nimm es mir bitte nicht übel liebe @Julia1986 , aber im Grunde hören wir ja hier nur Deine Sicht, wie Dein Partner das ganze sieht können wir ja gar nicht wissen, er kann ja seine eigene Sicht hier garnicht schildern, was ich persönlich eigentlich irgendwie schwierig finde, aber ok ich habe genug gelabert, ich wünsche euch beiden auf jeden Fall alles Gute. :four_leaf_clover:

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Das ist richtig, aber Julias Sicht ist besser als gar keinen Einblick zu haben, wenn sie hier schon Hilfe sucht. Und es ist ja nicht so, als würde sie ihren Mann hier anklagen, sondern sie sucht halt Hilfe bei Leuten, denen es ähnlich geht wie ihrem Mann, um ihn besser zu verstehen und dann unterstützen zu können.

Natürlich wäre es trotzdem hilfreich, würde sich ihr Mann hier auch äußern. Aber so eine Diagnose muss er vielleicht auch erstmal selbst verarbeiten.

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Ja natürlich, auf jeden Fall, meine Gedanken sind eigentlich sowieso allgemein gefasst, also nicht explizit auf die Beziehungsprobleme zwischen der lieben @Julia1986 und ihrem Mann, sondern ehr vielleicht als Anregung gedacht insofern das Beziehungsprobleme eben vielschichtig und komplizierter sein können als es scheint.
Natürlich ist es schön das sie sich interessiert und Mühe gibt, nach Lösungen sucht, und dazu wünsche ich ihr nur das allerbeste und viel Glück. :four_leaf_clover:

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Ich gebe @AbrissBirne völlig Recht, es ist der persönliche Druck des Betroffenen, der den weiteren Weg entscheidet. Und hier ist natürlich die große Frage, ob er überhaupt leidet?
Dass er sich informiert hat und sogar einen Psychiater kontaktiert spricht etwas dafür, wobei ich natürlich nicht weiß, ob er das nur wegen sich gemacht hat.

@Julia1986

Nehmen wir an, er hat Adxs:

Der Stress und die wachsende Verantwortung können die Adxs Symptome extrem verschlimmern. Daher ist die Frage, war es bei ihm immer so schlimm oder erst in letzter Zeit?

Ohne Medikamente kann man sich leider wenig helfen, aber trotzdem einige Ideen:
Getrennter Wohnraum. Wenn euer Haus groß genug ist, solltet ihr tatsächlich darüber nachdenken, dass er sein eigener Wohnbereich hat, wo er sein Chaos und Unordnung ausleben kann bis er daran ersticht. Liegendes Werkzeug und Sonstiges im Garten lässt du schön liegen, bis er daran selbst stolpert oder dieses verrottet.
Ergotherapie *
Kaffee/schwarzer Tee
, Nikotinpflaster*
Sport in Maßen
Schick ihn regelmäßig allein in den Urlaub und im Alltag soll er nach Möglichkeit sich jederzeit zurückziehen können. Manche Adxsler ermüden sehr schnell, da unser Reizfilter kaputt ist. Außerdem ist uns unser me time heilig.
Keine Vorwürfe und Beleidigungen, diese bringen nichts, verschlimmern eher alles.
Falls finanziell drin, würde ich lieber ein Coach, der auf Adxs spezialisiert ist als ein Psychotherapeut empfehlen.
Lies das Buch Lass mich, doch verlass mich nicht: ADHS und Partnerschaft von Neuhaus. Soll die Partnerschaft Bibel sein. Habe es selbst nicht gelesen, wird aber immer empfohlen.

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Guten Morgen zusammen,
erst einmal vielen lieben Dank für die vielen ausführlichen Antworten! Das hätte ich so garnicht erwartet und hat mir schon unglaublich viel geholfen oder Denkanstösse gegeben! Natürlich steht eine Diagnose noch aus, aber um so mehr ich lese um so mehr erkenne ich meinen Mann mit all seinen Eigenheiten darin wieder! Da bin ich etwas überrascht - denn bisher dachte ich mein Mann wäre ein Unikat :sweat_smile:
Ich glaube nicht, dass er sich selbst in dem Forum richtig melden wird aber ich werde ihn ermutigen! Er tauscht sich irgendwie nicht gerne im Internet aus, maximal in Facebook-Gruppen aber da auch nur zu Fachthemen. (Falls jemand einen Youtube Kanal empfehlen kann, dann wäre das 100% seins)
Naja, versuchen werde ich es natürlich trotzdem!
Was mich dennoch überrascht ist, dass er seit ich ihm davon erzähle und auch Beispiele etc. gebe er sich nicht dagegen weigert, dass es das wahrscheinlich ist. Er ist zum Beispiel immer der Meinung gewesen er braucht nicht unbedingt so viel Schlaf wie ich. Teilweise ist er erst nachts um 2 ins Bett und um 6.30 sind wir wach! Früher war er auch immer so eine Nachteule, aber da konnten wir auch ausschlafen! Mit Kindern ist die Nacht nunmal begrenzt. Die letzten Wochen habe ich ihm gesagt, dass mir aufgefallen ist, dass die Tage danach für mich sehr schlimm sind, weil er irgendwie anders ist… noch weniger ansprechbar, schnell aufbrausend und chaotischer. Das war nach seiner Einschätzung nicht so und somit hat sich nichts geändert.
Gestern Abend wollte er dann um halb 10 noch mit etwas für die Arbeit anfangen und ich habe gesagt, dass er das lassen soll und wir gehen beide früh schlafen und das Handy bleibt weg. Das hat er zum ersten Mal ohne Murren einfach gemacht.

Bevor ich noch einmal oben durch die Themen gehe: Mir geht es als Partner auf einmal viel besser, weil ich seit so vielen Jahren gegen Windmühlen kämpfe und in den letzten Wochen wirklich kurz vor dem Aufgeben stand! Jetzt aber verstehe ich, dass das war als würde ich versuchen ohne Reifen los zu fahren und probier es einfach immer und immer wieder ohne das Problem der fehlenden Reifen zu erkennen! Momentan steh ich zwar immer noch ohne fehlende Reifen da, aber weiss zumindest, woran die Fahrversuche davor gescheitert sind, wodurch es mich irgendwie nicht mehr so pessimistisch auf die Zukunft blicken lässt.

Mir ist dennoch vollkommen bewusst, dass a) das ein langer und schwerer Weg ist, b) ich als Perfektionist und Ordnungs-Strukturmensch mich auch stark verändert muss, um ihn ein besseres Umfeld zu schaffen und c) das auch - sofern es sich alles bestätigt - nicht unbedeutend ist für unsere Kinder! Meine Tochter ist erst 2 Jahre alt, aber ich wurde schon öfters darauf hingewiesen, dass sie in bestimmten Dingen „anders“ ist … sich zum Beispiel 60-90 min extremst mit kleinen Bastelsachen beschäftigen kann - in anderen Momenten aber wie weggetreten zu sein. Was daran einfach normal zum Altern gehört und „normales“ ausblenden von Mama und Papa ist, wird sich sicher noch zeigen.

Generell möchte ich aber auch sagen, dass mein Mann auch viele sehr liebenswerte Eigenschaften mitbringt für den ich ihn ja auch sehr schätze und geheiratet habe! Er ist für seine Freunde und Familie immer und sofort da und scheint dann auch keine Müdigkeit zu kennen. Er ist unglaublich fleissig und Ideenreich. Unser Haus - 180m2 - hat er komplett selbst renoviert. Auch Themen, die er nicht konnte, hat er sich angeeignet. Da ich selbst manchmal einfach ein sehr festgefahrener Typ bin, liebe ich diesen lebensfrohen Aktionismus.

So jetzt aber zu Euren Texten :grinning:

Wenn du das Chaos zumindest kurzfristig aushalten kannst, lass es liegen, vor allem, wenn es seine Sachen sind. Irgendwann wird es ihn stören und er räumt es allein aus diesem Grund schon weg. Also nicht immer alles hinterher tragen, da hat er keinen Grund, was zu ändern.

Entspricht nicht ganz meinem Naturell, aber ich gebe mein bestes! Wir hatten zeitweise im Wohnzimmer/Esszimmer eine Box stehen, wo ich alle seine Sachen reingelegt habe, damit er sie dann wegräumt. Wenn die Box dann übergelaufen ist, habe ich sie in seine Werkstatt gebracht (Chaos Pur!!!), aber inzwischen stehen da unten 10 unausgeräumte Boxen. :see_no_evil:

Eine späte Diagnose kann einen übrigens auch erstmal ganz schön aufwühlen. Viele Leute überdenken nochmal ihr ganzes Leben, um überhaupt klarzukriegen wie man denn eigentlich funktioniert und was ändern kann, weil man ja sein ganzes Leben immer nur gegen Windmühlen gekämpft hat und quasi als Huhn versucht hat zu fliegen, weil, man ist doch ein Vogel, das muß doch gehen! Da kommt oft auch einiges an Trauer hoch,

Ja das ist auch in guter Hinweis! Es ändert glaube ich sehr viel - auch rückblickend auf verschiedenen Probleme, die er mit seiner Mama und Schwester hatte…
Ich versuche daher aktuell ihn mit dem Thema auch nicht zu überlaufen… normal bin ich eher der Typ, der dann tausend Infos raussucht und überspitzt gesagt daraus einen Vortrag macht und ihm morgens am Frühstückstisch überrenne! Ich verstehe aber jetzt, dass das zu viel ist also brems ich mich gerade selbst aus und versuche es mit ganz kleinen Häppchen.

Wenn es ADHS ist, kann viel Sport und wenig Koffein/Alkohol helfen.

Welche Rolle genau spielt Koffein? Wir sind wirklich ziemliche Kaffee-Junkies, aber auch das lässt sich natürlich reduzieren.
Sport versuchen wir schon seit längerem mehr durchzuhalten, weil er auch immer mehr zugenommen hat, aber wie du schon schreibst ist das mit Kindern schwer durchzuhalten. Wenn ich aber weiß, dass es hilft, dann übernehme ich halt jeden Abend eine Stunde die Kinder und den Haushalt! Dafür haben sie am Rest des Tages einen „anwesenderen Papa“.

ohne Humor kann man das ganze eh grad vergessen, also bei mir persönlich läuft dann grad garnichts mehr, dann mache ich einfach dicht oder schalte auf durchfahrende Züge. :steam_locomotive::tram:

Wahrscheinliuch haben wir genau deswegen auch viele Jahre problemlos harmoniert :slight_smile: Während meine Freundinnen sich teilweise aufgeregt haben, weil der Freund an Valentinstag kein Geschenk hat, kann ich über so etwas nur schmunzeln und nehme mich glaube ich da selbst nicht zu wichtig! Als er an meinem Geburtstag anrief und mir irgendwas komisches erzählte statt zu gratulieren habe ich nur gelacht! Einmal hat er mich zu einem Event angemeldet und als er mir die Karten gegeben hat stand da mein falscher Name drauf, weil er einfach vergessen hatte, dass wir seit 3 Jahren verheiratet sind und ich seinen Nachnamen hab. Ich habe so herzlich drüber gemacht!

(Allein schon die erhöhte Unfallwahrscheinlichkeit bei ADHS (die durch Medikation stark gemildert werden kann) stellen jede mögliche Nebenwirkung der Medikamente um ein Mehrfaches in den Schatten. Anders gesagt, dass ein ADHS-ler ohne Medis wegen Unachtsamkeit durch einen Unfall stirbt oder schwer verletzt wird, ist unendlich wahrscheinlicher als schlimme Nebenwirkungen der Medikamente.)

Dieser Teil hat mich sehr zum Nachdenken gebracht und darüber werde ich auch noch einmal mit ihm sprechen. Als er unser Haus renoviert hat, hat er sich mit der Flex in den Oberschenkel geschnitten. Er hatte sie ausgemacht und wollte absetzen, aber hat einfach nicht mitbekommen, dass sich das Blatt (oder wie man es nennt) noch dreht. Er hatte damals sehr viel Glück, dass nicht mehr passiert ist!

Aber was aus meiner Sicht total falsch ist, ist ALLE Fehler immer sofort auf sich zu nehmen, sich selbst abzustempeln, zu denken „es muss ja ALLES an MIR liegen weil ich Adhs habe“.

Aus der „Gegenseite“: Ja, ich muss definitiv aufpassen ihm jetzt nicht immer die Schuld zu zu schieben. Das wäre sehr einfach, aber egal in welcher Beziehung: Beide Seiten beeinflussen immer die Kommunikation!

Der Stress und die wachsende Verantwortung können die Adxs Symptome extrem verschlimmern. Daher ist die Frage, war es bei ihm immer so schlimm oder erst in letzter Zeit?

  • sorry, allmighty irgendwie haben wir parallel geschrieben, aber deinen Kommentar hab ich jetzt noch gelesen.
    Die letzte Zeit haben es extrem verschlimmert, weil auch der Stresspegel bei uns enorm zugenommen hat. Aus zwei Gründen: 1. der Geburt unseres zweiten Kindes (schlaflose Nächte etc. + dass man bei zwei Kindern gefühlt immer jemanden da hat) und 2. seiner Entscheidung sich selbstständig zu machen.
    Darauf bin ich noch nicht weiter eingegangen, weil mir das Thema mega Bauchschmerzen macht. Er hat gerade erst seine eigene Firma gegründet, welche aber erst zu Beginn des nächsten Jahres wirklich seine Vollzeit-Stelle werden soll! Er sagt, dass viele Dinge da gut laufen werden, weil das sein Bereich ist… sein Interessensbereich… weil er das nach seinen Vorstellungen gestalten kann und sich auch fachlich entwickeln kann. Momentan hängen wir aber in der administrativen Schleife von Steuerberater, AGBs, Versicherungen etc. - dies meistens abends um 21 Uhr, wenn die Kinder schlafen und nachdem wir uns noch schnell einen Espresso reingehauen haben. Er arbeitet ja auch noch Vollzeit! Das ist für jeden anstrengend, ich dachte ich tue ihm einen Gefallen, wenn ich ihm bei dem Wunsch unterstütze, aber merke gerade, dass das alles nur noch verschlimmert hat.

Noch eine abschließende Frage: Wie steht ihr zum Thema Handynutzung? Ich habe das Gefühl, dass er andauernd am Handy hängt. Er liest einfach nur: Nachrichten, Blogbeiträge zu seinen Fachthemen, aber auch zu jedem noch so uninteressantem Thema. Ich glaub er würde sich selbst den letzten Beitrag über eine umgefallen Palme in Costa Rica durchlesen und konsumieren! (Längere Sachen wie ein Buch liest er nicht, aber diese „häppchen“-Nachrichten Beiträge in Massen) Nach meinem Empfinden ist das aber zu viel und der Kopf braucht - wie bei jedem von uns - mal Pause und ich überlege wie wir das Handy (auch meins) aus dem Alltag raushalten können.

Ich dank euch schon einmal vom ganzen Herzen! Bin etwas überfordert und gleichzeitig erleichtert!

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Das Buch werde ich mir anschauen! Vielen Dank

Der letzte Satz war hart, aber wahr! Ihm zu helfen ist auch mein Eigenschutz! Dank dir für die harten, aber deutlichen Worte!

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Hallo Julia!
Kurz was zur Handynutzung: Ich mache das auch (hab da so ein Handyspiel, dass ich gerne mache).
Das kann (muss aber nicht!) so `ne Art Schutz- / oder Alibifunktion für ihn haben.

Nach dem Motto: „Wenn ich mich hier fleißig mit dem Handy beschäftige, lassen mich alle mit anderen Problemen in Ruhe und sprechen mich nicht an.“ Er flüchtet sich dann etwas in seine eigene Welt und lässt seinen Kopf mal „gegen die Wand fahren“ (wie ich das immer nenne). Er gönnt seinem Hirn dann eine Auszeit für das, was man als „Tagträumen“ bezeichnet.

Kurz: Ich glaube nicht, dass er sich wirklich mit dem beschäftigt, was er da liest. Deine Ausführungen (Palme in Costa Rica) lassen mich darauf schließen.

Das würde dann vor allem passieren, wenn der Tag besonders stressig war. Wenn dem so ist, lass ihn sich bitte in seine Welt flüchten. Er gönnt seinem Kopf dann gerade die Pause, von der du oben schreibst und wird dir wieder aufmerksamer zuhören, wenn er „fertig“ ist.

Frag ihn einfach anschließend (nicht währenddessen - wenn ich Recht habe, hört er dir sowieso nicht zu oder du bekommst eine unwirsche Antwort!) mal liebevoll, was er da gerade gelesen hat. Und tu so, als würde dich das wirklich interessieren, sonst fühlt er sich kontrolliert und „ertappt“. Mal sehen ob er dir das beantworten kann.

Das ist jetzt wieder aus eigenem Erfahrungsschatz. Eine Garantie gebe ich darauf nicht.

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Ich kann gar nicht mehr zählen wie oft ich nur noch stammeln konnte das es nicht meine Absicht war, es mir leid tut oder ich das nicht gewollt habe…
Und jeder Versuch ohne medizinische Hilfe etwas zu verändern hat mich nur noch mehr gelähmt.

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