Wie fühlt ihr euch mit Medikamenten?

Hallo ihr Lieben,

Ich wollte euch fragen, wie ihr euch nach der Einnahme der Medikamente fühlt, was an Symptomen sich merklich verbessert hat und was aber geblieben ist.

Ich (37) habe meine Diagnose vor 3 Jahren erhalten, dann hatten wir versucht mich einzudosieren, erst mit Medikinet Adult und dann mit Elvanse. Zuletzt war ich damals bei (testhalber) 70 mg Elvanse. Bevor ich mich mit irgendeinem Medikament gut eindosiert fand und zufrieden war, bin ich (glücklicherweise) wieder schwanger geworden und habe alles abgesetzt. Nachdem ich abgestillt habe und nun wieder Teilzeit arbeite, wollte ich es wieder mit den Medis probieren. Klar, ich weiß, mal sollte es unter ärztlicher Aufsicht machen… aber da ich noch so viel von damals in unterschiedlicher Dosierung da hatte und das Vorgehen ja auch noch kannte und es einfach so unglaublich bequemer war, habe ich eigenständig wieder damit angefangen. Ich bin nun aber (wie auch damals) verunsichert, ob Medikamente bei mir richtig wirken, ob die Dosis einfach noch nicht gefunden wurde oder ob ich zu viel erwarte.

Meine ADHS Hauptprobleme sind:

  • leichte Ablenkbarkeit/Vergesslichkeit: zB. Komme ich nach einkaufen mit vollen Taschen heim, stelle sie ab, hole gefrorenes raus und bringe es zur gefriere neben der Waschmaschine. Diese piepst weil fertig, also räume ich sie aus. Danach finde ich im Wohnzimmer etwas zum aufräumen… und vergesse die vollen Taschen in der Küche mit Sachen für den Kühlschrank und denke erst wieder daran, wenn ich zufällig dran hin laufe. Ansonsten, wenn ich mir Sachen nicht aufschreibe, vergesse ist sie (aber natürlich muss ich dann auch noch dran denken, regelmäßig auf meine Notizen zu schauen!). Und ich mache viele Sachen unbewusst, suche nach dem Einkaufen den Fahrradachlüssel, dabei habe ich ihn schon ins Schloss gesteckt. Und Dinge suchen tu ich natürlich auch regelmäßig.

  • Prokrastination /Hyperfokus: wie viele schiebe ich (unangenehme) Dinge gerne auf. Dazu gehören einfache Dinge wie Überweisungen machen (ich sammle immer lieber etwas, bis es sich „lohnt“, vergessen zwischendurch dann aber auch wieder es zu machen) aber eben auch leider in der Arbeit. Es ist dann teilweise so, dass ich nicht gescheit arbeiten kann, weil mich zB. Die ganze Zeit beschäftigt, wie ich sinnvoll das große Kinderzimmer in zwei einzelne Zimmer/Bereiche Abteilen kann und dann ständig am recherchieren/überlegen bin, als am liebsten direkt in Angriff nehmen möchte und mich dann eben NULL auf die Arbeit konzentrieren kann.

  • Hochsensibilität: meine empfsamkeit/ Empathie nervt mich etwas. Ich nehme mir Sachen schnell zu Herzen,

Ich bin natürlich mit all dem irgendwie durchs Leben gekommen. Als ich nur nach mir selbst schauen musste, war das alles kein „Problem“, ich war gewohnt nur Mittelmaß zu sein, Prokrastination ja, aber unter Druck auf den letzten Drücker trotzdem immer alles irgendwie geschafft und Sachen verlegt ja gut, bin halt schusslig, muss man suchen. An meine Belastungsgrenze kam ich erst mit Familie: familienorganisation inkl. Termine aber auch sonstiges wie immer passende Kleider, Schuhe etc. und passende Ausrüstung wenn wieder für Ausflüge etc. Sachen mitzugeben waren. Überhaupt, nicht nur an meine Termine zu denken, sondern an alle, regelmäßiger Kindertermine wie auch unregelmäßige wie U-Untersuchungen und Impftermine. Dazu der ganze Haushalt und dann noch Teilzeitarbeit.

Ich habe manchmal das Gefühl, das die Produktivität in der Arbeit mit meiner Grundlaune steht und fällt. Heißt, wenn ich mich auf eine Kollegin gefreut habe, die dann doch nicht da ist, bin ich irgendwie schon etwas betrübt. Auch bin ich produktiver, wenn ich mit jemand anderem im Zimmer sitze (was oft nicht der Fall ist, da Pool-Büros), als wenn ich alleine bin, da hänge ich oft sehr meinen Gedanken hinterher (zu viel Privates im Kopf: siehe Kinder Zimmer Abteilen oder: Termin für Tennis muss noch ausgemacht werden oder: recherchieren, wie man einen 4-Jährigen Zappelphilipp abends schneller ins Bett bekommt oder oder oder, irgendwas findet sich schon immer).

Ich habe nun das Gefühl, das geht mit den Medikamenten nicht richtig weg oder ich habe eben noch nicht die passende Dosierung.

Ich war jetzt eine Zeit echt gut in der Arbeit, dachte super, die Medikamente wirken (da war ich bei 10-10 bzw. 20-20 Medikinet adult). Auch war ich erstaunt, was für gute Formulierungen mir teilweise bei Schreiben kamen. Und dann diese Woche -trotz Medikamente- voll der Durchhänger. Extrem unproduktiv. Prokrastination vom freiesten. Und der „negative“ Hyperfokus (mit den Sachen mit denen ich mich Beschäftige leider STATT die Dinge zu erledigen, die ich sollte) lässt sich nicht richtig stoppen. Finde irgendwie nicht den Anfangsimpuls mal anzufangen.

Auch mit Medikamenten muss ich mir Sachen am besten aufschreiben, damit ich sie nicht vergesse.

Was das Gedankenkarussel angeht, bin ich mir nicht sicher, mal ist es besser (Zufall?) mal mal auch irgendwie nicht (vielleicht müsste ich hier genauer notieren wann ich mich wie fühle).

Ob ich generell ruhiger kann ich nicht sagen. Sicher ist jedoch, dass wenn die Kinder laufend streiten, dabei laut sind und raufen, mich das jedes Mal wahnsinnig stresst. Sie hören natürlich nicht auf, nur weil ich das sage und wenn es dann immer und immer weiter geht, fängt es dann an in mir zu brodeln, bis es einfach raus muss, und ich wütend auf den Tisch oder Türrahmen klopfe und Rufe : JETZT REICHT‘S!! :see_no_evil: (dann ist wenigstens mal kurz Ruhe :see_no_evil:)

Ups, das ist jetzt doch deutlich länger geworden. Falls überhaupt jemand Lust hatte das alles zu lesen :see_no_evil:, also ich wollte mich daher bei euch erkundigen, wie ihr findet, dass das Medikament bei euch wirkt, was sich konkret verbessert hat (oder was auch gleich geblieben ist). Ich habe natürlich gelesen, dass es oft sehr „subtil“ ist, aber ich kann mir da teilweise nur wenig darunter vorstellen. Nur damit ich ein bisschen besser einschätzen kann, was ich eigentlich genau erwarten sollte.

(Mein Vorrat neigt sich auch bald dem Ende und ich muss nun endlich einen Termin beim DOC ausmachen -eines der Aufgeschobenen Dinge-. Bis dahin dahin will ich auch weiterhin meinen Puls im Auge gehalten, weil ich je nach Dosis mich dann auch immer erstmal wie auf zu viel Kaffee fühle mit höherem Puls…)

Habt noch einen schönen Tag!

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Hallo! :wave:

Ich hoffe, Du verzeihst mir, wenn ich schreibe, aber nichts zum Medi-Thema beitrage.

Du hast mit Arbeit, Haushalt, und mehreren Kindern auch objektiv viel zu tun, finde ich.

Gibt es eine Partnerperson, die Dich entlasten kann, auch etwas vom ‚Mental Load‘, der ganzen Termin - und Orgaarbeit? Auch absolut neurotypische Frauen haben da eine Grenze und nur 24 Stunden pro Tag. Medis können ja das gesellschaftliche Grundproblem nicht lösen, dass Frauen in einem klassischen Rollenmodell irgendwie für alles zuhause zuständig sind und dann noch arbeiten gehen müssen (und wollen).

LG

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Leider nur bedingt. Meine Eltern helfen mir mit den Kindern an den Tagen wo ich arbeite und betreuen diese bis Abends. Und wenn ich einen Engpass habe und Hilfe brauche natürlich auch jederzeit.

Mit meinem Partner… das ist ein anderes Thema. Unter der Woche kommt er immer erst kurz vor dem Zubettbringen nach Hause. Mittlerweile nehmen aber zunehmend die negativen Eigenschaften überhand, weswegen ich nicht mehr glücklich in der Ehe bin und einzig wegen der Kinder noch bzgl. Einer Trennung hadere. Mein Partner ist leider ziemlich egoistisch, teilweise abwertend und mittlerweile leider Verständnis- und Empathielos. Er sieht nicht was ich mache, findet meinen Alltag nicht stressig und meint ich arbeite nicht effektiv. Wertschätzung bekomme ich schon lange keine mehr. Darauf angesprochen meint er nur, er könne ja auch nur wertschätzen, was er gut fände… wenn ich mit 2/3 Kindern am WE wo hin gehe, mache ich es mir schon besonders einfach, weil ich den kleinsten nicht noch mitnehme. Und bei anderen Sachen ‚picke ich mir angeblich die Rosinen raus. Und was ihn massiv stört ist das Chaos in der Wohnung. Ich war schon immer ein Chaot der Sorte Sammler, so hat er mich vor 15 Jahren kennengelernt. Aber ich habe ich extrem bessert (finde ich), aber mit 3 Kindern unter 8 im Haus, ist Aufräumen einfach eine Never-ending-Story. Ganz zu schweigen von den ganzen Sachen die man regelmäßig aussortieren und fürs Geschwisterkind irgendwie aufbewahren muss (Kleidung/Schuhe…). Und bei drei Kinder gibt es einfach viel Spielzeug, dass sich ständig überall verteilt (und man selber legt halt sich mal kurz was ab was man dann vergisst). Mein Mann hat zu hohe Ansprüche an mich, die ich nicht erfüllen kann und auch mittlerweile nicht mehr erfüllen will.

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Oh mannnn… Was für eine blöde Situation! Ist leider keine seltene.

Ich spare mir jetzt mal irgendwelche theoretischen Tips.

Hallo @Pukki und herzlich willkommen hier.

Zuerst einmal solltest du schleunigst einen Termin beim doc ausmachen - erfahrungsgemäß dauert es inmer eine ganze weile bis man einen bekommt.

Was mir spontan einfällt wenn du sagst es wirkt manchmal nicht so gut: hast du mal beobachtet, wo im Zyklus du dich aktuell befindest? Das spielt oft auch eine Rolle bei der Wirkung.

Was nimmst du jetzt genau? Medikinet adult? Dann weißt du vielleicht, wenn du 20mg nimmst, effektiv als Einzeldosis nur 10mg zur Verfügung stehen? Weil die andere Hälfte später freigesetzt wird…

Klingt jedenfalls sehr stressig bei dir und Hut ab wie du das managst.

Woran ich merke, dass die Medis wirken?

  1. Wenn ich nicht so müde bin und neben mir stehe.
  2. Wenn ich mich aufraffen kann, den Abwasch zu machen weil es notwendig ist obwohl ich keine Lust habe.
  3. Wenn ich es schaffe, vor dem Einkaufen einen Zettel zu schreiben und tatsächlich auch kaufe was ich brauche (und nicht eine halbe Million anderer unnötiger Dinge)
  4. Wenn ich weniger oft sagen muss „hab ich vergessen“

Hoffe das hilft dir weiter :blush:

Ja ihr lieben vieles davon kommt mir bekannt vor, ich kann solche Berichte wie die von euch heute relativ entspannt lesen da meine Kinder schon gross sind, natürlich bleibt man immer Mutter, wird sich immer um seine Kinder sorgen, dass hört eigentlich nie wirklich auf, deshalb lebe ich auch heute nicht „frei“ oder „unbesorgt“, manche Probleme bleiben, werden nur anders, verschieben sich, aber die Sorgen bleiben letztendlich immer vorhanden.

Früher waren es solche Dinge wie von euch hier beschrieben, heute geht es ehr um den Job, Geld, Miete, eine Wohnung finden ect., aber ja: Kinder machen ist nicht schwer, Kinder haben dagegen sehr, ich liebe meine Kinder vom ersten Tag an und so wird es immer bleiben, aber „einfach“ ist es nie gewesen, dass ganze Brimborium.

Und je länger je mehr gibt es dann Partnerschafts Probleme, Unstimmigkeiten, Streit, der Partner geht vielleicht fremd, man weiss nicht wo er sich gerade herum treibt, während man zuhause versucht alles am laufen zu halten, immer allein, ich zumindest hatte niemand, keine Kita, keine Verwandten, nichts.

Und dann haltet man durch, solange man kann, bis der Zusammenbruch, der „Burnout“ kommt, und alle tun erstaunt: „was DU?, wie kann das sein?, Du warst doch immer so glücklich und so stark, hast vieles erreicht, kannst stolz auf Dich sein“. Als dann die Scheidung kam, wo bleibt er da der Stolz?.
Nichts ist am Ende so verlaufen, wie wir es uns mal „erträumt“ hatten, dass was davon blieb sind nur noch Scherbenhaufen.

Und wie es in mir drin aussah hat eh keiner gesehen, als ich langsam zerbrach, meine Kräfte schwanden und schwanden, bis ich manchmal kaum noch aus dem Haus kam, immer müder und erschöpfter war.
Ja das „Familienleben“ ist schwer, und mit Adhs noch viel mehr.

P.s. ich vergass, mit Medis ging es mir besser, hoffe deshalb das ich bald wieder welche bekomme.

P.s. dazu kommt dann noch Arbeitslosigkeit mit über 50, wenn es dann zu allem dazu noch heisst: „wer Arbeit will, der findet sie auch“, wie ich diese Sprüche von Leuten hasse.
Keine Ahnung von nichts, von meiner Situation, ohne Ausbildung, „nur“ Mutter und Hausfrau, mein Leben in die Familie investiert, aber DAS war und ist ja anscheinend alles nichts wert.
Und dann kriegst Du nicht mal mehr einen Hilfsarbeiter Job weil ein riesiges Loch in Deinem Lebenslauf klafft, weil Dir die Erfahrung fehlt, Du nicht mehr mitkommst, beruflich schon lange angehängt bist, da noch mal rein zu kommen, so gut wie unmöglich ist, der Zug mit über 50 abgefahren ist. Und dann kommen die Depressionen immer nur noch schlimmer. Aber dann fang bloss nicht an zu jammern, denn auch das nimmt Dir jeder krumm.
Aber was will man machen, manche müssen ganz unten durch, interessieren tut das kaum jemand.

P.s. und ja so kann es passieren das man noch vor Ende seines Lebens vor einem Scherbenhaufen steht. Aber das Leben geht weiter, Du kannst Dich nicht ausruhen, nicht erholen, denn es wird ja keinem etwas geschenkt, immer weiter, immer weiter, irgendwie muss es ja gehen, da gibt es kein Entrinnen.
Und heute bin ich froh wenn mir meine Kinder, oder mein Partner sagen: „ich liebe dich, wir stehen das zusammen durch“, dann hält mich das am Leben, alles andere ist mir mehrheitlich inzwischen Wurst, die Menschheit fährt sich unentwegt entgültig gegen die Wand, da gibt es schon lange nichts mehr zu beschönigen, kann man nur noch hoffen das es noch eine Zeitlang wenigstens, einigermassen gut geht.
Also passt auf euch auf, bevor alles entgültig den Bach runter geht möchte ich rufen, aber lass es lieber sein, denn bringen tut auch das am Ende nichts. Nicht desto trotz: niemals aufgeben, denn irgendwie geht ja trotzdem alles immer irgendwie weiter, immer schön positiv bleiben. :+1::heart::smiley_cat:

P.s. Sorry für meinen Sarkasmus, aber so ist es eben mein Leben, dass ist meine nackte Realität, da wird es manchmal eben echt schwierig „nicht“ sarkastisch zu werden, oder zu sein. :face_exhaling:

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Ich hatte jetzt in letzter Zeit 20-20 Medikinet Adult genommen. Weil es jetzt aber die letzte Woche gefühlt nicht mehr gut gewirkt hat, habe ich heute testhalber zu elvanse 30 mg gegriffen. Aber war auch nicht besser, was Motivation betrifft. Gedanken im Kopf etwas ruhiger würde ich sagen, aber kann mich nicht aufraffen.

Zyklus, stimmt, da war was, das habe ich schon oft gelesen aber nie entsprechend etwas angepasst, da ich ich eigentlich immer bei der Dosis gefühlt an der Grenze war, wenn ich mehr nehme habe ich immer dieses bedrückende Gefühl von zu viel Kaffee/schneller Herzschlag/höherer Puls. Aber vielleicht wäre das ja dann je nach Zyklusphase auch gar nicht so ausgeprägt. Aktuell bin ich in der 2. Hälfte, würde eigentlich gut zum Motivationseinbruch passen :see_no_evil:

genau die gleichen Hauptsymptome habe ich auch.

  • Exekutive Dysfunktion - also Sachen die nicht aus eigenem Wunsch gemacht werden ( hobbies,hyperfokus etc) nicht anfangen können, erst wenn die Deadline droht im stressmodus dann reinklotzen zur letzten Minute
  • Reizfilter / konzentration/Ablenkbarkeit

was mir auffällt, es wird zwar durch die Medikamente deutlich besser bei mir, aber hauptsächlich auf der Arbeit wo eh immer ein gewisser Stresslevel herrscht, aber im Privatleben ist es deutlich schwerer.
Es geht zwar auch im Privatleben oft besser als ohne Medis, aber da tendiere ich dann doch noch häufiger zum verdrängen oder vor mir herschieben. Hab halt den Großteil meines Lebens viele unangenehme Themen einfach tief in mir vergraben, Deckel drauf und verdrängt. Das will erstmal aufgebrochen und neu erlernt werden.

Und ja, durch das Lernen über ADHS habe ich viele Methoden geändert um meine Schwächen auszugleichen. Auf der Arbeit habe ich eine tägliche ToDo liste vor mir liegen. alles was ich nicht sofort erledigen kann kommt da drauf. was da nicht drauf steht existiert quasi nicht.
Jeden Morgen schreibe ich mir die unerledigten Punkte des Vortages neu auf die heutige Liste. Und diese Liste liegt immer sichtbar direkt vor mir. Das hilft mir ungemein.

Die Medikamente machen einen nicht zum Arbeitstier. Wir können damit auf ein Level mit den neurotypischen Menschen ohnne ADHS kommen beim Antrieb. Aber die behaupten ja auch alle das zu kennen was bei uns die Symptome sind. Die Medikamente geben uns die Möglichkeit. wir müssen dann immer noch schauen was wir damit machen (können?)

und zum Thema Exekutive Dysfunktionen empfehle ich gerne den Text hier: Die Metapher mit den Türen - oder exekutive Dyskunktion mal gut erklärt
lohnt sich in jedem fall den zu lesen… alleine weil der uns selbst so unglaublich gut beschreibt :wink:

LG

Hagbard

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Das stimmt tatsächlich :wink:

Allerdings verzettel ich mich nach wie vor sehr oft und wenn es stressig wird im Job, prescht alles auf mich ein. Da bekommen neurotypische Personen eher den Pack-an, während ich nur schreiend weglaufen oder massiv prokrastinieren könnte :laughing:

Ist echt teilweise schwer, auch mit Medis. Wobei Medikinet bei mir im Job ob um Längen besser funktioniert hat, aber elvanse dafür im Sozialen :thinking:

Und je älter man wird desto schwerer finde ich das Zurechtkommen mit den Symptomen. Als Teeny war mir das alles egal, mit Verantwortung als Erwachsener geht das leider nicht mehr so easy :face_with_peeking_eye:

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Ja der Beitrag von unserem lieben @Hagbard ist für mich, einer der besten den ich je las.
Und das meine ich nicht sarkastisch, sondern ganz im Gegenteil, jeder Mensch, egal ob mit oder ohne Adhs, der sich vom Leben und seinen täglichen Anforderungen überwältigt, überfordert fühlt, sollte darauf achten, dass er: sie die Türen die es zu öffnen gibt, in seinem täglichen Leben, egal um was es schlussendlich geht, auf ein überschaubares Minimum beschränkt.
Und ich für meinen Teil habe das jetzt zwar erst spät aber trotzdem kapiert, will wirklich versuchen mein Leben jetzt doch noch auf ein Minimum zu reduzieren, so wenig wie möglich Recourcen aufzubrauchen, und zwar in allen Belangen des Lebens.
Ja der Beitrag von Hagbard, die Metapher mit den Türen, gefällt mir auch sehr gut.:+1:

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Wie machst du es dann, nimmst du unter der Woche Medikinet und am Wochenende Elvanse?

Ja, das finde ich auch. In Schule/Studium hatte es gereicht, punktuell unter Druck abzuliefern, aber auf Arbeit geht das so ja nicht, da sollte man annähernd gleichbleibend Leistung bringen. Ich arbeite sehr selbstständig, was Fluch (wegen Prokrastination) und Segen (wegen maximaler Flexibilität) zugleich ist. Früher hat mir meine Arbeit Spaß gemacht, da ging es locker von der Hand. Aber seit ich Familie habe hat sich der Schwerpunkt verlagert. Und damit einhergehend die eigenen Anforderungen an Organisation. Wenn ich was für mich zB. Zuhause vergesse, ist halt so, abgehakt, geht irgendwie ohne. Wenn ich aber die Sonnenmütze vom KiGa Kind daheim vergesse und das dann beim Abgeben deswegen heult, ist halt immer blöd :see_no_evil: etc…

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Das stimmt, das ist wirklich toll geschrieben! Und ich kann einigen echt zustimmen: der Saug-Wischroboter ist wirklich eine der besten Anschaffungen gewesen und es bereitet mir jedes Mal Freude, wenn ich nach Hause komme und der Boden ist schon sauber :blush:. Und vor ein paar Wochen habe ich angefangen gefrorene geschnittene Zwiebel/Knoblauch zu kaufen. Ja gut, es ist teurer, aber es ist so wahnsinnig praktisch und spart so viel Zeit und Energie. Ganz zu schweigen von den Lebensmittel-Lieferdiensten :see_no_evil:

Hey @Pukki
Ich nehme Elvanse durchgehend, da ich die Wirkung des Medikaments als gleichmäßiger empfinde. Aber es gibt Momente, da denke ich, jetzt wäre Medikinet besser, zB wenn ich in Excel konzentriert etwas ausarbeiten muss. Ich bin einfach zu sehr abgelenkt.

Beide Medikamente bekomme ich nicht, ich glaube das muss ein Arzt begründen.

Man muss einfach durch Erfahrungen herausfinden welches Medikament am besten funktioniert.

Ich wünsche dir auf jeden fall ganz viel Glück :sunny:

Ihr schreibt mir alle so aus der Seele, und das schreib ich als nicht alleinerziehender Papa. Seit ich Kinder habe ist mein Respekt vor allen alleinerziehenden Elternteilen ins unermeßliche gewachsen und natürlich steht das im Kontext mit dem Beruf. Wie beschrieben, ist man früher als ADHS’lerin halt auf der Couch versackt nach der Arbeit, oder hat die Energiereserven mit exzessivem Auspennen am Wochenende aufgeladen, wenn man nach dem job auf etwas kein Bock hatte, hatte man kein Bock. Wenn man fertig war, war man fertig und so hielt man sich, freilich in vielen Fällen nicht wirklich glücklich, über Wasser. Die Nummer läuft natürlich so nicht mehr mit family und wenn die Kurzen in der Schule / Kita sind, hat man oft schon ein Stresslevel, was man früher nach einem Arbeitstag hatte, bereits am frühen Vormittag erreicht. Bei mir ist es auch so, dass dann einfach oft die Kraft fehlt Dinge zu tun, für die früher noch genug Power da war, (Sport), oder wenn ich dann mal trainiere, übertreib ich so dermaßen, dass nach dem ersten Adrenalinkick die Luft völlig raus ist. Das Verständnis des Partners / der Partnerin für ADHS bedingte Aussetzer reduziert sich ja auch erheblich, weil Er / Sie gleichfalls am Limit ist. Da kommen dann nicht selten mehr Konflikte ins Spiel. Beruf, Kinder, unter Umständen um die eigenen Eltern kümmern, vielleicht muss man sich da einfach auch die „Unperfektheit“ gönnen um durchzuhalten, dass kann auch ne Medikation alleine nicht rocken. Ich sende einen festen Drücker an alle gestressten, ausgebrannten, verzweifelten in der Runde. (Ich bin auch gerade mal wieder am Limit) Wir sind nicht allein

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Bei mir ähnliche Situation. „Mental Load“ lässt grüßen. Mir helfen die Medikamente, in stressigen Situationen ruhig zu bleiben und nicht mehr das Gefühl zu haben: „Das schaffe ich nie!“ oder die Kinder aus Überforderung anzumotzen. Und das ist eine unglaubliche Erleichterung. Ich habe momentan noch mit der Eindosierung zu kämpfen, aber die positiven Effekte sind schon zu spüren.

Wenn es mir wieder alles über den Kopf steigt, versuche ich mich zu besinnen, was wirklich wichtig ist. Und das ist glücklich sein (deine Kinder und vor allem du). Sche… auf die unordentliche Wohnung. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, wird es wieder besser. Alles hat seine Zeit. Wenn es dich nervt, geh mit den Kids raus und mach was Schönes (und wenn es nur eine halbe Stunde ist). Das macht dir den Kopf frei und die Kinder haben Spaß. Das hilft zwar nicht gegen die unaufgeräumte Wohnung, aber es macht glücklich und danach fällt das Aufräumen leichter.

Wenn ich es schaffe, mache ich mir eine Prioritätenliste. Wichtigstes oben, unwichtigstes unten. Das wird dann abgearbeitet.

Es ist echt furchtbar, dass sich manche Männer völlig aus der Verantwortung ziehen. Aber du kannst nur dich ändern, andere nicht. Dein Umfeld reagiert dann auf die Veränderung. Hoffentlich so, wie du es dir wünscht.
Und manchmal denke ich, es ist besser, alleine zu sein, als einen unzuverlässigen und ständig nörgelnden Partner zu haben. Dann fällt wenigstens dieser Druck weg. Aber einfach ist das nicht.

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Ich war beim ersten Kind die ersten 6 Jahre alleinerziehend. Die Bude war zwar liederlich, aber ansonsten habe ich mir den Alltag passend gemacht. Allerdings hatte ich noch nicht so gravierende Auswirkungen, ich war 23 als ich Mutter wurde. Um 8 Uhr abends war Feierabend, das Kind im Bett und ich hatte Freizeit. Abwasch? Ach naja, ich warte bis die Spülmaschine voll ist. Der Knabe hat immer viel geschlafen, auch Mittags, da habe ich auch gepennt oder mein Ding gemacht. So ging es prima, ohne Druck. Allerdings habe ich nur gejobt, in kleinen Geschäften von 10h bis 16h, morgens war es also entspannt. Dann das Kindl aus der Kita abholen und mit anderen Müttern auf dem Spielplatz abhängen oder wir waren auch oft bei meiner Schwester, die in der Nähe wohnte. Hart waren nur die Zeiten, wenn ich krank war. Das ist glaube ich der Horror für alle Alleinerziehenden.
In der Partnerschaft mit Kind bin ich schwerer klar gekommen. Denn mein Freund ist Pendler und war täglich 12-14h nicht da (seit Corona Homeoffice, juchhee!). Zudem bin ich regulär berufstätig, älter, der Große war noch Schüler, das Baby auffällig, die Bude durfte nicht mehr liederlich sein usw Da war ich dann schon schnell auf dem Zahnfleisch. Das Gesamtpaket „Mutter-Angestellte-Partnerin“ hat mich sehr geschlaucht. Du rennst den ganzen Tag und dann kommt er abends heim und will noch was Männer so wollen :face_with_hand_over_mouth:
Zum Glück wird das Baby bald 11 Jahre alt :joy: