Hallo miteinander,
Ich bin recht neu in diesem Forum und hoffe ich bi nhier in der richtigen Kategorie. Ich bin 28 jahre alt und männlich und habe letztes jahr die Diagnose ADHS bekommen. Ich erzähle erstmal ein bisschen von mir bevor ich zu meinem Problem komme.
Ich habe mit 14 Jahren die Diagnose schwere rezivierende depression und eine Angststörung bekommen und bin seit dem immer mal wieder rückfällig geworden, sobald es extremen Stress gab. Anzeichen für ADHS gab es in meiner Kindheit allerdings kaum. Ich bin nun seit 12 jahren bei meinem Psychiater und der hat so ziemlich alles bei mir mitgemacht und viel Einfluss auf meine Besserung gehabt und mir letztendlich auch die ADHS Diagnose gegeben.
Zu Beginn, sah es so aus als würde ich mein Abi niemals schaffen aufgrund meienr Probleme und ich würde dauerhaft eingewiesen werden aufgrund von mangeldem Interesse an Besserung. Ich war nie suizidal sondern einfach hoffnungs und antriebslos. Doch irgendwann habe ich mich daraus gekämpft, mithilfe von Klinikbesuchen und meienr Mutter die mir immer wieder sachen aufgezwungen hat, was rückblickend sowohl schädlich wie auch hilfreich war. Dies hat mir einen Alltag/Routinen aufgezwungen die ich immer gehasst habe aber doch dringend brauchte. Ich habe es dann doch irgendwie geschafft ein Abi zu machen und habe ein FSJ gemacht um dann anschließend Biowissenschaften zu studieren. Dort hatte ich auch meine Probleme, aber bin mit verspätung durchgekommen.
Bei der Bachelorarbeit wurden meine Kernprobleme das erste mal richtig deutlich. Ich kann nicht alleine zuhause sein, ich mache gar nichts mehr dann. Ich esse nicht, ich koche nicht, ich verlasse das Haus nicht mehr. Egal was mir spaß bereitet hat, ich habe es nicht mehr gemacht.
Daraufhin habe ich mich entschieden während meines Studiums wieder nach hause zu ziehen und ein framework für mein Leben zu haben. Meine bachelorarbeit war trotz Vorsschusslorbeeren des Profs und der Mitarbeiter dann eine 4.0. Ich konnte mich nie motivieren zu schreiben, ich hatte Panikattacken vor der Abgabe und musste mittels ärztlichen Attesten eine Aufschiebung des Abgabetermins herbeiführen. Dann war dennoch jegliche Formatierung durcheinander und ich wusste damals nicht, das man den Prof um hilfe bitten kann, das der mal drüber schaut. Unwissenheit,Angst und Motivationslosigkeit führten dann eben zu dieser Note. Letztendlich war das dann egal, ich bin trotzdem in den Master an der gleichen Uni gekommen und war dort sehr zufrieden. Fühlte mich zu diesem Zeitpunkt kaum depressiv, habe meine jetztige Freundin kennengelernt und viel positives feedback von professoren und kommilitonen bekommen, das ich wirklich gut bin in dem was ich tue und liebenswürdig bin.
Bis zum letzten Regelsemester war ich perfekt in der Zeit mit guten Noten. Dann kam die Masterarbeit an der ich nun seit 2 jahren hänge. Antriebslosigkeit war immer da, auch wenn es mir Spaß gemacht hat was ich tue. Nach den Vorlesungen musste ich nie nacharbeiten ich habe immer alles sofort verstanden und Fragen gestellt die auf viel Lob stießen seitens der professoren und bin dann nach den Vorlesungen nur noch am PC gewesen. Für mich war dieses ganze Lob zu dem Zeitpunkt völlig neu, weil ich mein lebenlang immer nur kritisiert wurde von meiner Mutter, das ich nicht gut genug bin oder es besser könnte aber nie gezeigt habe. Selbst nach IQ tests, Berichten von psychiatern und psychologen die meine ansichten und Stärken bestärkt haben, hat sie alles anders gesehen und mich als arrogant bezeichnet.
Mein Vater war nie da und mein Bruder hat mich in meiner Kindheit verachtet, weil ich mehr Aufmerksamkeit bekommen habe von meinem Vater als er( wenn er denn mal da war). Nach vielen jahren Verhaltenstherapie weiß warum meine Eltern so sind wie sie sind, kann damit meistens gut umgehen und das ganze ist weniger problematisch als es mal war. Dennoch hat es scheinbar tiefe spuren in meinen verhaltensweisen hinterlassen.
Ich strebe stets nach perfektion sobald es um etwas geht, was bewertet werden kann. Wenn eine person, zu der ich aufsehe (wie als Kind die Eltern) mich kritisiert oder ich angst habe fehler zu machen, dann führt das zu Panik und lähmung aber manchmal auch zu Antrieb aus Selbsthass.
Seit meiner Masterarbeit ist aus diesem Selbsthass nun Verzweiflung und Selbstmitleid geworden. Ich habe nie von 8-17 durchgehalten in den praktischen teilen meienr Arbeit, aber hatte das auch nie erwartet und deshalb lieber ein paar wochen länger an meinen Experimenten gearbeitet, was auch für alle okay war.
Während eines anderen projektes hingegen war ich extrem fleissig und habe ohne Probleme 8-17 Uhr geschafft, fantastische Ergebnisse geliefert und mehr gemacht als ich musste/von einem Studenten erwartet wird. Sobald es um den Tei lging, wo ich selbstständig schreiben musste, egal ob in der Bibliothek oder zuhause, habe ich mich immer wieder in themen verrannt und hatte dann mehr wissen zu den einzelnen themen als meine Betreuer, aber letztendlich nur 3 Sätze geschrieben. Dies hat sich dann über zwei jahre gezogen, währendessen haben Leute um mich herum ihren Abschluss gemacht, teils gute Noten bekommen ohne eine wirklich gute Arbeit gehabt zu haben, aber dennoch dachte ich, ich muss einen Bericht schreiben, der einer perfekten studie gleicht in den renomiertesten Journals (als student…).
Dann kamen Wochen und Monate wo ich mich gar nicht mehr motivieren konnte und hatte das beim Psychiater angesprochen. Nach vielem hin und her bekam ich dann die ADHS Diagnose (war ziemlich am Schwellenwert) und durfte entscheiden ob ich Methylphenidat nehmen wollte. Zunächst hat es gut funktioniert dann nicht mehr.
Ich habe immer früh morgens Probleme gehabt und daher unretadiertes MP zusätzlich genommen um aus dem Bett zu kommen und sonst concerta 45mg. Nach 3 monaten hatte ich dann wieder einen Termin und die wirkung hatte nachgelassen. Das letzte bisschen für den ersten Schritt hat mir immer gefehlt. Ich kann bis heuzte nicht besser beschreiben, was ich damit meine. Unter MP, wenn ich den ersten schritt gegangen bin und die Sachen tue, ich ich tun muss bekomme ich auch ein Gefühl der Freude bei der Tat und dem Abschluss eienr Sache. Ohne MP hatte ich das nie.
Für den ersten Schritt sind wir dann auf Lisdex umgestiegen und da probiere ich aktuell die Dosis noch aus. Bei 40mg hatte ich das Gefühl das die Hürde für den ersten Schritt niedriger wurde und habe dann erhöht. bei 50mg habe ich dauerhafte Nebenwirkungen die schwer erträglich sind. Bei 60mg habe ich dann das erste mal die Hürde kaum noch gespürt aber mich gleichzeitig gefühlt, wie ich mir Menschen beim Kokainkonsum vorstelle. Die Nebenwirkungen waren nicht auszuhalten und deshalb bin ich wieder auf 40mg runter.
Nun habe ich aber nicht mehr das Gefühl das die Hürde kleiner ist als vorher. Aktuell finanziert mich meine freundin durch und macht auch mehr im Haushalt als ich. Das ganze ist mir auch unangenehm, gleichzeitig war es immer so, dass ich unwissentlich nachc wegen gesucht habe möglichst wenig machen zu müssen und alle um mich herum dazu zu bringen mir die Arbeit abzunehmen. Ich versuche dies abzulegen, aber je schlechter der Tag desto schlechter gelingt mir das. Häufig habe ich dann morgen Migräne, Kopfschmerzen (auch ohne MP/LX) die mir einen weiteren Grund liefern die Hürde des ersten Schrittes nicht zu gehen.
Ich bin auch der Ansicht das diese Schmerzen häufig psychosomatisch sind oder im laufe des tages gehen, aber dann schaffe ich es nie noch Sachen zu tun die ich mir vorgenommen habe. Egal ob mir diese Sachen meistens Spaß machen oder nicht, der erste Schritt ist immer schwer außer für Sachen die schnelles einfaches Dopamin bringen wie zocken oder social media. Das ganze begrenze ich so gut es geht, finde aber immer wieder Gründe und Wege mich selbst zu betrügen. Ich verachte mich die meiste Zeit deswegen, bin verzweifelt und enttäuscht von mir und spüre das es bei meienr freundin mittlerweile auch beginnt. Heute hat sie auch zum ersten mal gesagt, das sie das so wie es jetzt ist nicht weig mitmachen wird, wenn ich ers nicht schaffe Sachen alleine zumachen.
Ich brauche extrinsische reize (bisher immer meine Mutter, die das bei meinem Vater auch so gemacht hat, als der ähnliche probleme hatte). Bei meinem Vater hat sich das verbessert als er Kinder bekam und hat sich dann komplett in der Arbeit verloren. Seit meine Eltern geschieden sind, ist er nun fast ausschließlich alleine zuhause und hat kaum Kontakt nach außen. Arbeiten tut er sporadisch.
Die Diagnose ADHS hat mir damals Hoffnung auf besserung gegeben, mittlerweile ist daraus resignation und Verzweiflung geworden.
Wie schafft man den ersten Schritt, wie zieht man Sachen durch?
Das Ergebnis oder Weg dorthin haben mich nie sonderlich motiviert, das Bestrafung oder Belohnung als motivation ausreichte, aber dennoch kann ich Anzeichen in meiner Historie sehen, das es das tun kann. Selbst die Aussicht das bisher alles umsonst war und ich ohne job/freundin/freunde zuhause versauere reicht mir nicht als Antrieb.
Ich habe nie ein großes Ziel gehabt, wie ich will ein Haus und Kinder oder möchte dort oder dorthin fliegen. Wenns nicht klappt, dann ist es so, mir egal. Aber gleichzeitig will ich nicht so leben. Das ganze ist so diffus das ich einfach nur noch verzweifelt bin und deswegen nach Hilfe schreie. Ich weiß nicht weiter. Das ganze problem scheint auf der ADHS zu beruhen, aber ich verstehe das ganze einfach noch nicht. Was kann ich tun um diese Probleme zu lösen?
Ich will einfach nur selbstständiger werden. Ich habe alles mögliche bisher ausprobiert, was mir einfiel medikamente, hypnose, Gruppentherapie,Verhaltenstherapie,psychotherapie, Nahrungsergänzungsmittel nach aktuellsten Studien alle durchprobiert zusammen mit dem psychiater,bewaltigungstaktiken von pomodoro timern, zu calls mit freunden um gemeinsam produktiv zu sein, raumänderungen,meditationen selbst esoterik. Kein Effekt blieb.