Das finde ich jetzt irgendwie beruhigend, dass das als Vorzug angesehen wird. Ich habe ja ein Psychologiestudium (mit M.Sc.) abgeschlossen, allerdings nicht im klinischen Schwerpunkt, sondern eher Bereiche, die mit Mensch und Technik zu tun haben sowie pädagogische Psychologie. ADHS war da z.B. auch Thema. Die Basics im Klinischen mussten wir trotzdem lernen und ich würde niemandem eine richtige PT vorenthalten/ausreden/verschweigen, wenn jemand den Anzeichen nach eine braucht.
Nach dem verschulten Bologna-Studium mit Beamtenstyle-MC-Klausuren und schlechten Erfahrungen als Arbeitnehmer hatte ich überhaupt keine Lust mehr, mich von irgendwem in irgendwas prüfen zu lassen, daher leider keine Ausbildung mehr drangehängt. Wenn man blind ist, kann zudem alles gut doppelt so lang dauern wie bei Gesunden. Anschließend machte ich mich als Coach und Freelancer selbständig, aber insgeheim eher, um meine Ruhe zu haben und die Ignoranten vom Arbeitsamt abzuhängen. Inhaltlich würde ich mir definitiv zutrauen, verantwortungsvolle Coachings durchzuführen. Es tritt dennoch etwas auf der Stelle, weil ich sehr schlecht in Selbstvermarktung bin und die Selbstvermarktung bei vielen anderen auch nicht attraktiv finde. Portale wie LinkedIn finde ich einfach grauenvoll und peinlich.
Das klingt jetzt vielleicht sehr abgehoben, aber was ich im Wesentlichen kann, ist anderen mein Fachwissen und meine Fähigkeit zum komplexen strukturierenden Denken auszuleihen. Das hat sich auch schon bewährt, als ich an der Uni Statistiknachhilfe gegeben und irgendwelche Chaotenstudis durch die Abschlussarbeiten beraten hatte. Die kamen mit einem Rucksack voller Fragmente angetanzt, die erst mal in eine Ordnung gebracht werden mussten. Dabei sage ich den Leuten nicht „Tu dies, mach das“, sondern es geht mehr darum, dass sie mit der Zeit das Gesamtbild erkennen und sich darin orientieren können. Bei @ppaul und den Psychologiethemen ist das ja auch ein bisschen so, dass ihm eine Art Übersetzer oder Guide beim Verstehen und Erkennen hilft. Bei Statistik/Forschung hingegen würde das so aussehen:
- Theorie, aktueller kenntnisstand
- Fragestellungen entwickeln
- Daten erheben auf geeignete Weise, um die Frage zu untersuchen
- Daten auswerten (kann ich ggf. übernehmen)
- Interpretieren, Fragestellung beantworten
Ich habe das Gefühl, solche Fähigkeiten sind nicht mal mehr an der Uni gefragt, wenn man nicht gleichzeitig auch ganz scharf darauf ist, die eigene Publikationsliste zu verlängern. Ich löse aber lieber Probleme als Erfolge und Status anzuhäufen. Und im Privatcoaching muss man Erfolg manifestieren, Persönlichkeiten transformieren und was noch alles. Den Rest erledigt KI. Wozu überhaupt Kompetenz, wenn doch jeder mit KI Kompetenz vortäuschen kann? Vielleicht sollte ich ins Ausland gehen, wo es an den Unis auch Stellen für reine Lehre gibt. Ich bin körperlich mehrfach eingeschränkt und nicht allzu belastbar. Mein Geist ist im Grunde das Einzige, was ich anbieten kann.
Sorry für den Rant, aber mit der Zeit ist da viel Frust entstanden über Berufswelt, Marktsituation und gesellschaftliche Zustände.