Ja, würde ich aus eigener Erfahrung auch so unterschreiben.
Ich habe meine Diagnose erst Anfang 20 bekommen; mein Bruder bekam seine Autismus Diagnose mit 5. Unser Vater ist neurodivergent (seeeehr Autistisch, hat aber keine offizielle Diagnose und war nie in Behandlung deswegen). Mein jüngerer Bruder hat dann natürlich alle Aufmerksamkeit bekommen (Therapie, Ärzte, Schulbegleitung etc pp) und ich als ältere Schwester musste halt “funktionieren”, auf kosten meiner Psyche. Ich wurde bereits im Grundschulalter zur Betreuerin, Köchin, Haushaltshilfe und nebenbei auch noch Therapeutin meiner Eltern. Dass das extrem übergriffig und ungesund für ein Kind ist, muss ich glaube ich nicht erwähnen. Mein ADHS hat sich als Kind v.a. durch Tagträumerei ausgezeichnet, aber auch durch Rückzug und Still-sein. Daher ist es auch erstmal niemandem groß aufgefallen.
Als ich dann in die Pubertät kam, gingen die Probleme richtig los. Schwierigkeiten in der Schule (auch mobbing), Schulwechsel, ich habe gegen die Strengen Regeln meiner Eltern rebelliert, was mit einer gestörten Impulskontrolle meinerseits natürlich immer extrem in Streit ausgeartet ist, ich habe Teilweise durchaus bewusst provoziert (weil gibt Dopamin), aber teilweise hat meine Mutter sich auch ganz sicher zu Unrecht provoziert gefühlt- und das dann aber an mir ausgelassen. Ich war schon immer der “Puffer” in der Familie, jeder kam zu mir, wenn er irgend ein Problem hatte und sich auskotzen wollte
wie es mir dabei geht, hat niemanden wirklich interessiert.
Meine Eltern waren - und sind - emotional nicht verfügbar, Anerkennung und nette Worte mussten wir uns erarbeiten (gute Noten, gutes Benehmen), wenn wir das nicht taten, gab es physische und psychische Gewalt. Ich habe mit der Zeit Depressionen und auch Su!z!dgedanken entwickelt. War bei einigen Jugendpsychologinnen, aber mein ADHS hat niemand erkannt.
Mit 19 bin ich dann direkt nach dem Abi geflohen, freiwilliges Jahr, gearbeitet und in einer WG gewohnt, jetzt wohne ich 300km weit weg und sehe meine Eltern so alle 3 Monate mal. Den abstand brauche ich definitiv… Das Verhältnis heute ist angespannt, wir kommen mal paar Tage miteinander aus, aber wenn wir zu viel Zeit aufeinander verbringen, fliegen wieder die Fetzen.
Als ich meine ADHS Diagnose bekam, hat meine Mutter erstmal alles geleugnet
, dann ist sie in die Opferrolle gefallen, wie schwer doch für sie alles war mit zwei so anstrengenden Kindern, und inzwischen suhlt sie sich in ihren Schuldgefühlen, dass sie es nicht früher erkannt hat usw. Ja, natürlich ist mir als Erwachsene klar, dass sie damals massiv überfordert war, und wir hatten auch Unterstützung vom Jugendamt einige Zeit, aber dennoch…. entschuldigt das mMn vieles nicht, was schiefgelaufen ist.
Also was ich dir raten kann: Lass dein Kind nicht alleine. Gib ihm niemals das Gefühl, er sei “zu viel”. Versuche, immer in Verbindung zu bleiben. Nimm seine Sorgen ernst. Das gilt natürlich auch für den Vater und die Schwester! Es gibt für ein Kind nichts schlimmeres, als das Gefühl zu haben, man sei der komische Freak. Alleine, weil keiner einen Versteht. Ich habe mich viele Jahre seeeehr einsam gefühlt. Und ungeliebt.