Wie war eure Kindheit bzw. Verhältnis zu euren Eltern?

Hallo zusammen,

ich schreibe hier als Mama eines 6 jährigen Jungen, der vermutlich ADHS hat. Die Diagnostik gehen wir jetzt an, aber alle Zeichen Deuten daraufhin.

Nun ist es so, dass unser Familienleben sehr stark beeinflusst wird durch sein Benehmen . Er ist kein aggressives Kind, aber er provoziert wo er nur kann. Er ärgert JEDEN! Er hat keine Impulskontrolle. Er lügt, seit er sprechen kann. Man kann ihn nichts glauben, sich nicht auf ihn verlassen. Er ist laut, extrem zappelig, voller Energie und einfach super unruhig. In der Schule hat er mittlerweile auch Probleme. Es kommt oft zum Streit mit anderen Jungen und mit den Erziehern in der OGS. Das zu seinem Verhalten. Nun beeinflusst das so unser Zusammenleben, dass es auch öfter Kracht. Vor allem Zwischen ihm und seinem Vater. Seine große Schwester hat gar keine Lust mehr auf ihn und ich habe auch keine Kraft mehr und kann ihn nicht mehr verteidigen.

Nun habe ich große Schuldgefühle und habe Angst, dass wir ihn „kaputt“ machen. wie gesagt, wir sind dran. Auch ein Elterntraining ist in Planung.

Jetzt die Frage: wie war eure Kindheit? Das Verhältnis zu euren Eltern? Wie hat das euch in eurem Erwachsenenleben geprägt? Was hättet ihr euch von euren Eltern gewünscht, was hätten sie besser machen können oder was war positiv?

Ich ich glaube, mit ein paar Erfahrungsberichten wäre mir bisschen geholfen.

Danke :folded_hands:

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:+1:

So schnell geht man nicht „kaputt“, es sei denn man macht echt schlimme Dinge mit einem kleinen Menschen. Jahre Lange Überforderung kann aber auch ausreichen.

Selbst mal nachschauen lassen ob man ADHS hat, Achtsamkeit, Akzeptanz und mehr Liebe. Ich weiß meine Erwartungen sind Hoch aber ersteres und letzteres sollte in jedem Fall drin sein. :heart:

Ich wünsche euch von Herzen alles gute. :people_hugging: :heart:

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Hallo Aniula,

herzlich willkommen im Forum!

Dein kleiner Junge tut mir schon jetzt leid von deiner Schilderung. Es muss sehr schlimm für ihn sein, immer anzuecken. Und für euch ist es natürlich sehr sehr anstrengend.

Schaut, dass ihr schnell eine Diagnose und Medikamente für ihn bekommt, die für Entlastung sorgen, und zwar bitte nicht nur für die Schule, sondern auch für die Nachmittage und Abende. Nicht damit ihr es bequem habt, sondern damit er bessere Erfahrungen im Familienleben macht.

Ich habe meine Diagnose erst mit 37 bekommen, inzwischen bin ich 60. In den 70-ern gab es natürlich keine ADHS-Behandlung, ich galt einfach als faul, vorlaut, kann seine Sachen nicht zusammen halten, geht immer auf den letzten Drücker und ist natürlich an allem selbst schuld, und das dachte ich auch selbst. Wie ich mich benahm, war mir hinterher oft sehr sehr peinlich, aber wie ich aus der Rolle raus komme, wusste ich natürlich nicht.

Nach meiner ADHS-Diagnose war eine wichtige Sache für mich, meiner Mutter zu vergeben, denn die war immer (in meinen Augen) perfekt, aber ich habe so viele Gegenstände verloren und das fand meine Mutter immer ganz schlimm. Rückblickend war der Verlust der verlorenen Gegenstände materiell keine große Sache für meine Eltern, aber das wusste ich damals nicht.

Mit Hilfe einer Psychologin habe ich damals meiner Mutter bewusst vergeben und das war sehr gut für unser weiteres Verhältnis (aber ohne dass ich es ihr erzählte), das war ungefähr 2004 und sie lebte noch bis 2019.

Bei meinem Vater war es anders, der war überhaupt nicht perfekt, er hat auch viele Gegenstände im Zug oder sonstwo vergessen, er verzettelte sich auch bei der Arbeit und er war auch etwas impulsiv. Ich konnte mich gut mit ihm identifizieren, weil wir so ähnlich waren. Rückblickend habe ich ADHS von ihm geerbt, so wie ich ADHS an beide meiner Kinder vererbt habe.

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Schnellstmöglich machen :slight_smile:

Sollte ADHS dahinterstecken, ist es wichtig, dass das Umfeld involviert wird und verstehen lernt.

In meiner Familie hätte einiges besser laufen können, wenn wir damals auf dem Wissensstand von heute gewesen wären.

Die genetischen Komponenten kommen auch noch dazu.
Vielleicht finden sich im Laufe der Zeit Merkmale bei dir und dem Mann, oder einem von euch.

Möglich ist alles :slight_smile:

Wenn du Erfahrungsberichte und Lebensläufe suchst, wirst du in der Kategorie Tagebücher ganz bestimmt fündig.

Es gibt auch Fallbücher wie dieses hier. Das hat mir damals vor der Diagnostik sehr geholfen, die verschiedenen Facetten und Verläufe zu verstehen und mit meinem Werdegang zu vergleichen.

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Wäre froh gewesen wenn mein Kinderarzt nicht so blind gewesen wäre und eine ADHS Diagnostik organisiert hätte.

Hätte mir mehr Rückendeckung in der weiterführenden Schule gewünscht da ich dort jahrelang gemobbt wurde.

Wird meinem Kind nicht passieren..

Habe sonst eine liebevolle Kindheit gehabt und man hat uns alles nur erdenklich notwendige gezeigt und bei gebracht.

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Ich kann nicht gross von persönlichen Erfahrungen sprechen, da ich selbst extrem angepasst war. Meine Anmerkungen sind deshalb wahrscheinlich nicht wirklich hilfreich, weil meine Perspektive ganz anders ist und ich wahrscheinlich Dinge schreibe, die du schon weisst.

Ich habe arbeitsbedingt manchmal mit Kindern zu tun, die extrem anecken. Von aussen ist es auch schwierig das Ganze objektiv zu betrachten, aber im Moment habe ich bei einer Familie das Gefühl, dass es in ihren Augen nur zwei Extreme gibt. Entweder man schimpft mit dem Kind, oder man nimmt es in Schutz, und schwingt so, je nach dem, zu sehr mit den Gefühlen des Kindes mit.

Ich glaube aber, dass man auch etwas zwischen drin machen könnte. Also wenn das Kind lügt, muss man nicht gerade alles als Lüge bezeichnen, oder im anderen Extrem alles glauben, sondern man kann auch das Kind in seinen Emotionen einfach validieren. Zum Beispiel wenn es Streit gibt und das Kind traurig ist und erzählt, dass das andere Kind Schuld ist, obwohl der Streit vom eigenen Kind ausgeht, muss man nicht entweder sagen: “Lüg mich nicht an!” Oder : “so gemein von xy!” Sondern man könnte einfach sagen: “ich merke, dass dich das sehr traurig macht, dass ihr gestritten habt.” Man kann dann auch schauen, was man in dem Moment machen kann, dass es dem Kind besser geht.

Erst in einer ruhigeren Situation (falls es dies überhaupt mal gibt) in der man es miteinander gut hat, könnte man nach Möglichkeiten suchen, wie man damit umgehen möchte. Häufig werden “Wenn dann Pläne” vorgeschlagen. Zum Beispiel: immer wenn mir langweilig ist, nehme ich aus der Spass Kiste etwas heraus mit dem ich spielen kann. Etc.

Wichtig ist die Beziehung zueinander zu halten. Was dir ja auch wichtig ist, aber wahrscheinlich sehr schwierig ist. Hier ist es super, wenn du möglichst Hilfe erhälst, damit du genug Ressourcen hast.

Eine Diagnose würde euch bestimmt unterstützen. Dann wäre Psychoedukation für alle sicher auch hilfreich.

Mir hat das Buch: Zappel-Zirkus-Zacharias vom Hogrefe Verlag sehr gut gefallen. Dort geht es auch vor allem um Selbstakzeptanz.

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Herzlichen willkommen :four_leaf_clover:

Mein Sohn ist im Herzen ein wirklich sehr lieber Kerl, der meiner Fliege was tut, aber provoziert den ganzen Tag, weil das leider seine erlernte Art des Dopamin Kicks ist. Wir sind in der Eindosierung und es scheint besser zu werden.

Das kann ich nachvollziehen, ist extrem anstrengend. Hat der Vater auch ADHS? Bei uns gibt es den größten Krach zwischen dem Sohn und mir, die auch ADHS hat, man könnte sagen unsere Emotionalität und Impulsivität potenziert sich gegenseitig. Darum…

… Ist das sehr gut! Bis dahin lies dich hier und auf der dazugehörigen Infowebsite ein. Außerdem sehr hilfreich der ADHS Family Podcast (Klick).

Allein die Tatsache dass du hier nach Hilfe fragst, zeigt mir dass du nicht so viel bei ihm kaputt machst. Alle Eltern machen Fehler, und ich glaube, man macht noch ein paar mehr Fehler, wenn man ein Kind mit ADHS hat und man weiß es nicht. Leider ist das so. Aber versuch deinen Fokus auf das zu legen, was ihr jetzt ändern könnt, nicht auf das was war.

Puh, da könnte ich ins oversharen verfallen. Darum halte ich mich kurz. Mein Vater (vermutlich ADHS) hatte Suchtprobleme die unsere Familie kaputt gemacht haben, die Beziehung war weder gut noch schlecht, er war mit seinen eigenen Problemen überfordert. Meine Mutter hat sehr viel aufgefangen, und, - das hat mich mein Leben lang durchgetragen - ich wusste dass sie mich immer liebte, ganz egal was ich tat. Und ich war kein einfaches Kind und ein schrecklicher Teeny. Aber ich wusste ich konnte immer zu ihr kommen. Sie hat mir immer vertraut und an mich geglaubt. Unsere Beziehung war von mir aus schwierig aber sehr eng, besonders als ich erwachsen wurde.

Alles Liebe für dich :white_heart:

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Ihr seid auf dem guten Weg!

Meine Kindheit war leider von Schicksalsschlägen (Tod zweier Geschwister im Säuglingsalter) und den daraus resultierenden Trauma meiner Eltern geprägt. Die Mutter labil, ADHS-Vater viel unterwegs gewesen. Da der Vater Lehrer an derselben Schule war und wir im kleinen Ort gelebt haben, also schön lieb und brav sein, habe ich im Laufe der Kindheit, auch durch Schläge meiner Mutter gelernt perfekt zu maskieren. Ich hätte mir gewünscht, dass meine Eltern ihre Emotionen mit mir teilen und nicht „wegarbeiten“ durch Vollzeittätigkeiten. Hilfe hätten sie sich nicht holen können, in Sibirien gab es zu der damaligen Zeit einfach keine Depressionen oä.:upside_down_face:Aber mehr Zeit mit mir und meiner einzigen Schwester hätten Sie verbringen können. Konnten sie aber auch aus diversen Gründen nicht. Schwierig. Konsequenz waren eine katastrophale Pubertät und wiederkehrende Depressionen. Ich war lange wütend auf die Eltern, heute mit 42 und 3 eigenen Kindern sehe ich meine Kindheit mit etwas anderen Augen. Fakt ist, es hätte richtig schief gehen können mit mir…1 von 3 unserer Kinder hat ADHS und wir geben alles um ihr diesen Weg wie meinen zu ersparen. Das heißt viel gemeinsame Zeit, immer wieder horchen wie es ihr geht und was sie braucht. Gemeinsame Strategien für schwierige Situationen entwickeln und ab März 26 auch medis ausprobieren, da sie mit ihren 8 Jahren bereits jetzt in der Schule stark maskiert.

Alles Gute!

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@Aniula , auch auf die Gefahr hin das ich hier eventuell mit meinem Beitrag aufgrund meiner sehr direkten Ehrlichkeit vielleicht „anecke“ gehe ich dieses Risiko trotzdem ein, und zwar weil mich 2 Sachen bei Deinem Post wirklich sehr stark stören.

  1. Das Du geschrieben hast das Dein Sohn „seit er sprechen könnte Lügen würde“, was meiner persönlichen Ansicht nach eine Aussage über ein kleines Kind ist die mich ehrlich gesagt fast aus den Latschen gehauen hat, und zwar weil in diesem einen Satz meiner persönlichen Meinung nach soviel Verachtung mitschwingt, dass mir für einen Moment fast die Luft weggeblieben ist.
  2. Deine Erwähnung darüber das Deine Tochter am liebsten nichts mehr mit ihrem Bruder zu tun haben möchte, und ausserdem auch der Vater anscheinend keinen Hehl aus seiner Ablehnung gegenüber seinem eigenen Sohn zu machen scheint, sowie Du Dich als Mutter anscheinend komplett überfordert zu fühlen scheinst, und aber anscheinend „die Schuld“ innerhalb eurer Familie eurem ERST sechs jährigen Sohn zugeschoben wird, was mich ehrlich gesagt sehr stark schockiert.
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P.s.
Denn Liebe @Aniula weisst Du denn nicht das ein Kind das gerade das Sprechen lernt noch nicht mal weiss „WAS Lügen überhaupt ist“?, und zwar weil das Gehirn in diesem Alter ja noch nicht mal soweit entwickelt ist damit so ein kleines Kind überhaupt erfassen kann, was der der Unterschied zwischen Wahrheit oder Lüge ist.

Abgesehen davon, was das unzuverlässig sein angeht, ist es völlig normal das Kinder z.B. ständig etwas vergessen, und zwar weil das menschliche Gehirn erst im Alter von ca. 25 Jahren entgültig voll entwickelt ist, heisst das Wachstum des Gehirns vollständig abgeschlossen ist.

Jedenfalls, ob Dein Sohn deshalb, heisst aufgrund der Beschreibung Deines Sohnes, und Deinen, und anscheinend auch dem Rest eurer Familie, und den „Problemen“ die ihr mit eurem Sohn zu haben scheint, deshalb wirklich auf ADHS bei dem Jungen schliessen zu wollen, finde ich persönlich ehrlich gesagt mehr als fragwürdig, und würde deshalb ganz ehrlich gesagt lieber euch allen, heisst der ganzen Familie, eine Familientherapie empfehlen, um dabei vielleicht heraus zu finden warum euer Sohn in eurer Familie anscheinend von Anfang an einen schweren Stand abbekommen haben könnte.

Und um all den Problemen mit Deinem Sohn und Deiner Familie näher zu kommen wünsche ich Dir Kraft, Stärke, Liebe, Geduld, Glück, Gesundheit und aus tiefstem Herzen alles Gute. :heart::four_leaf_clover::flexed_biceps:

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P.s.
Liebe @Aniula :heart:
Bitte entschuldige wenn ich sehr ehrlich geschrieben habe was ich persönlich beim durchlesen Deines Post empfunden habe.

Doch leider ist das nun mal die Wahrheit darüber was mir persönlich beim lesen Deines Post durch meine Birne in diesem Moment gegangen ist.

Und da mir Deine Not und Verzweiflung nicht entgangen ist habe ich das ehrliche und aufrichtige Gefühl das Du wirklich und unbedingt Hilfe von aussen brauchst, und zwar nicht von mir, und wahrscheinlich kann Dir auch kein anderer Laie aus unserem Forum Dir momentan fachlich qualiziert weiter helfen, es sei denn es wäre momentan gerade irgend eine Fachperson im Forum anwesend, oder mitlesend, von der weder ich noch andere User/innen wissen, und Dir vielleicht jetzt gerade seine Hilfe anbieten kann.

Doch trotz allem sollst Du wissen das Du hier in diesem Forum herzlich Willkommen bist, und dann natürlich das wir alle hier Dir wirklich so gut wir können, und aus tiefstem Herzen helfen wollen.

Heisst mit was wir Dir und Deiner Familie hier vielleicht im Moment konkret helfen könnten, wären eventuell z.B. diverse Adressen von diversen Fachärtzen/innen bei familiären Krisen Situationen, oder wie z.B. die Empfehlung einer psychiatrischen Notfall Ambulanz in Deiner Nähe.

Doch ist es immer der erste Schritt den Du selbst machen musst, heisst das Du erstens selbst erkennst das Du und Deine Familie eine qualifizierte und kompetente psychologische Hilfe brauchen, und zweitens sich dann so schnell wie möglich die entsprechende Hilfe einzuholen.

Und sobald Du damit anfängst Dich diesem Weg gegenüber zu öffnen, so wird für jeden innerhalb eurer Familie wieder eine neue Hoffnung entstehen, und das wünsche ich Dir und Deiner Familie aus tiefstem Herzen, heisst einen positiven Neuanfang für Deine ganze Familie. :heart:

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Da wäre ich ganz vorsichtig… ihr müsst dringend unterscheiden, ob er bewusst provoziert oder ob sich das Umfeld provoziert fühlt… das sind nämlich zwei völlig verschiedene Sachen… (ein Beispiel aus meiner Kindheit: Ich sollte mein Schulfach aufräumen. Für mich war es in Ordnung und ich habe nicht verstanden, was man von mir wollte. Also habe ich entsprechend reagiert. Diese Reaktion wurde als Provokation gewertet, obwohl ich eigentlich nur eine Erklärung gebraucht hätte, wie „aufräumen“ geht.)

Ja, hallo… Du glaubst deinem Sohn kein Wort, seit er sprechen kann? Fang damit an…

Das reicht nicht… Ihr müsst ihn lieben, wie er ist, es gibt ihn nur in dieser Version… Und statt ihm alle Verantwortung für eure Probleme im Familienleben aufzuhalsen (er spürt das ganz sicher), solltet ihr ihm vielleicht nur mal kurz in seine Welt folgen, statt zu erwarten, dass er sich in eurer ohne Erklärungen zurechtfindet…

Bitte verzeih, wenn das etwas roh klingt. Du suchst hier Hilfe und Antworten, also ist dein Sohn dir nicht egal.

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Ich kann dir nicht aus eigener Erfahrung berichten, aber als Mutter eines Sohnes mit ADHS.

Aus meiner Sicht unbedingt die Diagnostik anstreben so bald wie möglich, und dann mit Medikation starten. Das vereinfacht so vieles!

In der Zwischenzeit: Unbedingt Zeiten zu zweit mit deinem Sohn einbauen. Provozieren ist oft eine Suche nach Verbindung, Aufmerksamkeit - besser negative als gar keine. Und es gibt natürlich Dopamin, was einem ADHSler ja grundsätzlich fehlt. Andere Dinge anbieten, die Dopamin geben (google mal nach Dopamin Menü). SPORT / Bewegung, Hallenbad, Trampolin… Verantwortung übertragen (ich brauche deine Hilfe). Zuhause, wenns zwischenmenschlich grad schwierig ist, helfen oft auch Hörspiele (mit Noise Cancelling ev.), um ihn etwas „abzuschotten“.

Lügen ist meiner Erfahrung nach 1. ein Ausprobieren, was passiert und 2. lügt unser Sohn, wenn er weiss, dass er für die Wahrheit Ärger kriegt (Strafe oder auch Schimpfe reicht schon aus).

Wenn er im Kindergarten zB Dinge mit nach Hause gebracht hat, und behauptet hat, er hätte das geschenkt bekommen, habe ich ihm jeweils zB gesagt: „Frag doch morgen nochmal ob es wirklich geschenkt oder nur ausgeliehen ist. Du kannst es sonst auch einfach zurücklegen wenn grad niemand schaut.“ Das macht keinen Druck und gibt die Möglichkeit, den Fehler ohne Gesichtsverlust zu korrigieren.

Das sind gerade meine spontanen Gedanken dazu.

:four_leaf_clover:

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Ja, würde ich aus eigener Erfahrung auch so unterschreiben.

Ich habe meine Diagnose erst Anfang 20 bekommen; mein Bruder bekam seine Autismus Diagnose mit 5. Unser Vater ist neurodivergent (seeeehr Autistisch, hat aber keine offizielle Diagnose und war nie in Behandlung deswegen). Mein jüngerer Bruder hat dann natürlich alle Aufmerksamkeit bekommen (Therapie, Ärzte, Schulbegleitung etc pp) und ich als ältere Schwester musste halt “funktionieren”, auf kosten meiner Psyche. Ich wurde bereits im Grundschulalter zur Betreuerin, Köchin, Haushaltshilfe und nebenbei auch noch Therapeutin meiner Eltern. Dass das extrem übergriffig und ungesund für ein Kind ist, muss ich glaube ich nicht erwähnen. Mein ADHS hat sich als Kind v.a. durch Tagträumerei ausgezeichnet, aber auch durch Rückzug und Still-sein. Daher ist es auch erstmal niemandem groß aufgefallen.

Als ich dann in die Pubertät kam, gingen die Probleme richtig los. Schwierigkeiten in der Schule (auch mobbing), Schulwechsel, ich habe gegen die Strengen Regeln meiner Eltern rebelliert, was mit einer gestörten Impulskontrolle meinerseits natürlich immer extrem in Streit ausgeartet ist, ich habe Teilweise durchaus bewusst provoziert (weil gibt Dopamin), aber teilweise hat meine Mutter sich auch ganz sicher zu Unrecht provoziert gefühlt- und das dann aber an mir ausgelassen. Ich war schon immer der “Puffer” in der Familie, jeder kam zu mir, wenn er irgend ein Problem hatte und sich auskotzen wollte :confused: wie es mir dabei geht, hat niemanden wirklich interessiert.

Meine Eltern waren - und sind - emotional nicht verfügbar, Anerkennung und nette Worte mussten wir uns erarbeiten (gute Noten, gutes Benehmen), wenn wir das nicht taten, gab es physische und psychische Gewalt. Ich habe mit der Zeit Depressionen und auch Su!z!dgedanken entwickelt. War bei einigen Jugendpsychologinnen, aber mein ADHS hat niemand erkannt.

Mit 19 bin ich dann direkt nach dem Abi geflohen, freiwilliges Jahr, gearbeitet und in einer WG gewohnt, jetzt wohne ich 300km weit weg und sehe meine Eltern so alle 3 Monate mal. Den abstand brauche ich definitiv… Das Verhältnis heute ist angespannt, wir kommen mal paar Tage miteinander aus, aber wenn wir zu viel Zeit aufeinander verbringen, fliegen wieder die Fetzen.

Als ich meine ADHS Diagnose bekam, hat meine Mutter erstmal alles geleugnet :clown_face: , dann ist sie in die Opferrolle gefallen, wie schwer doch für sie alles war mit zwei so anstrengenden Kindern, und inzwischen suhlt sie sich in ihren Schuldgefühlen, dass sie es nicht früher erkannt hat usw. Ja, natürlich ist mir als Erwachsene klar, dass sie damals massiv überfordert war, und wir hatten auch Unterstützung vom Jugendamt einige Zeit, aber dennoch…. entschuldigt das mMn vieles nicht, was schiefgelaufen ist.

Also was ich dir raten kann: Lass dein Kind nicht alleine. Gib ihm niemals das Gefühl, er sei “zu viel”. Versuche, immer in Verbindung zu bleiben. Nimm seine Sorgen ernst. Das gilt natürlich auch für den Vater und die Schwester! Es gibt für ein Kind nichts schlimmeres, als das Gefühl zu haben, man sei der komische Freak. Alleine, weil keiner einen Versteht. Ich habe mich viele Jahre seeeehr einsam gefühlt. Und ungeliebt.

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Hallo,

also Zuwendung ist natürlich nie ein Fehler. Aber ich warne vor „Deutung“. Das ist so ein Vorgehen in der Psychologie: Was will uns die Person damit sagen?

Aber ADHS-ler/innen wollen nichts sagen, sie wollen auch nicht tun was sie tun (vieles jedenfalls), sie handeln so durch ihre ADHS.

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Check ich nicht, ich glaube ich nehme es zu wörtlich. :thinking:
Nicht alles muss ein ADHS oder ASS Symptom sein.

Edit: Aber man sollte Definitiv auch nicht alles auf was anderes schieben…, was Psychologen öfters tun? :thinking:

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Ich denke @Falschparker meint, dass das Kind nicht extra provoziert um zb Aufmerksamkeit zu bekommen, sondern dass es ein “normales Adhs-Verhalten” sein könnte. Getrieben sein, Unruhe, Spannung muss raus etc

Er kann einfach nicht anders.

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Trotzdem ist der Tipp, Zeit zu zweit zu verbringen, für jedes Kind wichtig mit und ohne ADHS.

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Meine Eltern sind geschieden und leben beide an meinem Herkunftsort, der in ähnlicher Entfernung liegt. Mit meiner Mutter hatte ich durchgängig Kontakt. Mit dem Vater gab es mehrere Abbrüche, jetzt sind wir gerade wieder „zusammen“. Es gab sogar die erste Weihnachtspost ever (danke Stiefmami!).

Mit beiden ist es so mittelprächtig. Etwas anstrengend und nervig. Alte Eltern (> 80). Sie bemühen sich, nett zu sein. Es gibt keinen Stress, weil von beiden Seiten alles umgangen wird, das Stress machen könnte. Abgesehen von der gemeinsamen Sorge um meinen Bruder, der gerade nur schwer seinen Weg findet. Auf die Frage „was haben wir nur falsch gemacht“ antworte ich ausweichend. Sie können mir aus der Zeit keine Dinge sagen, die ich nicht schon weiß. Entschuldigungen erwarte ich keine.

Das Spiel spiele ich mit jedem der beiden 2-3 mal im Jahr jeweils einen halben Tag. Das ist für mich der Kompromiss zwischen „sind ja meine Eltern“, meinen Verpflichtungen Ihnen gegenüber und meinen Bedürfnissen.

@CirillaVonCintra was treibt Dich, bei Deinen Eltern mehr zu investieren, obwohl es deutlich anstrengender erscheint?

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Same same.

Tja wie du schon sagst -”sind ja meine Eltern”. Ich fühle mich ihnen einfach verpflichtet als Tochter. Kontakt zu halten, sie zu besuchen, Zeit mit ihnen zu verbringen, Geschenke zu Weihnachten etc pp. Ich fände es irgendwie… unhöflich es nicht zu tun. Was mich zu meinem Bruder bringt - er hat zumindest zu unserer Mutter den Kontakt komplett abgebrochen. Also sie schreibt ihm regelmäßig, aber er ignoriert sie gekonnt. Er kommt auch nur zu Besuch, wenn ich da bin, und dann aber auch für maximal 1 Nacht. Wenn sie mit ihm reden will, gibt es nur Ja/Nein antworten oder brummt irgendwas vor sich hin (er hat ASS).

Das finde ich irgendwie schon respektlos, ja trotz unserer schwierigen Kindheit. Ich weiß nicht, trotz allem was sie uns angetan haben, finde ich gehört sich das nicht (Ich möchte allerdings hier im Forum niemanden angreifen / vorwürfe machen, der keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern hat. Wenn das für euch der richtige Weg ist, do it!).

Unsere Eltern sind auch schon etwas älter (>60), man muss sich natürlich auch mal Gedanken machen um das Testament, die Immobilie, Patientenverfügung etc. Die letzten Jahre seit ich Volljährig bin, wurde alles mir aufgehalst - Kontovollmachten, Patientenverfügungen, Testamente, Beerdigungswünsche etc, das alles liegt in Kopie bei mir und Ärzten/der Bank/Notar, ich bin für alles alleine Zuständig, mein Bruder hält sich da komplett raus. Finde ich halt auch echt Kacke von ihm :sweat_smile: und auch deshalb fühle ich mich verantwortlich, weil aus mir sich ja da niemand drum kümmert (in der Verwandtschaft). Mit der Konsequenz allerdings, das er aus dem Erbe meiner Mutter komplett ausgeschlossen ist aktuell (außer dem, was ihm Gesetzlich zusteht). Diverse Konten, Zusatzrenten, Lebensversicherungen und weiß der Geier werden an mich ausgezahlt nach dem ableben unserer Mutter. Auch das Haus werde, Stand jetzt, ich alleine bekommen (gehört nur der Mutter, Vater steht nicht im Grundbuch). Ich weiß nicht, ob mein Bruder das anfechten kann, die Immobilie ist schließlich eine gute Wertanlage, das sehen wir dann.. ich seh´s schon kommen, irgendwann ist sie tot und dann plötzlich kommt er an und will Geld sehen. Ich will mich ja ungern mit ihm über das Erbe streiten, andererseits sehe ich es aus oben genannten Gründen, wie meine Mutter, nicht ein, dass er was bekommt. Er kümmert sich ja um nichts…

Okay ich bin jetzt etwas vom Thema abgekommen aber du siehst, die Situation ist etwas schwierig.

PS: Mein Partner, auch ADHSler, Scheidungskind, fährt da auch eine harte Linie was seinen Vater angeht. Er hat den Kontakt komplett abgebrochen seit er 18 ist, hat ihn seitdem nicht gesehen, verweigert jegliche Kontaktaufnahme seitens der Familie seines Vater (auch Oma und Tante seit Jahren kein Kontakt). Er hat mal zu mir gesagt: “Ich werde meinen Vater nur noch einmal sehen, und das ist bei seiner Beerdigung. Ich will sichergehen, dass er wirklich tot ist”. Ich weiß nicht mal genau, was die Gründe sind… ich dränge ihn nicht dazu, es mir zu erzählen (wir sind auch noch nicht lange ein Paar). Er hat noch einen jüngeren Bruder, der will auch keinen Kontakt. Ich denke mal, irgendwann werden sie halt den Pflichtteil Erben, den Rest wird der Vater (vermutlich?) auch anderweitig vererben…würde ich zumindest so machen, wenn ich meine Kinder seit Jahrzehnten nicht gesehen hätte und ich ihnen offensichtlich egal bin.