Dem möchte ich mich anschließen.
Was ich u. a. aus meiner eigenen Geschichte gelernt habe ist, dass man andere Menschen niemals oberflächlich verurteilen sollte.
Ich wurde erst mit 38 von einer ADHS-Spezialambulanz (was ist schon offiziell genug?) diagnostiziert. Äußerlich betrachtet stimmt bei mir aber doch ALLES: ich hab eine einigermaßen glückliche, funktionierende Familie gegründet, einen tollen Job, ne harmonische Partnerschaft. Außer Adipositas Grad 2 (die, wie jeder weiß und einem vermittelt, nur aus reiner Faulheit entsteht) hat DIE doch also gar keine Probleme! Fakt ist: es ging mir NOCH NIE „gut“! Was ich bis zur Perfektion kann: Maskieren und Funktionieren. Aber irgendwann kommt der Zusammenbruch.
Zum Teil gehe ich da schon auch eher offen mit um. Zum einen, weil ich endlich (!) erklären kann, was da so alles in mir drinnen los ist. Aber auch, weil ich während der Eindosierung Verständnis und Unterstützung benötige. Jeder Mensch hat das Recht darauf Hilfe anzunehmen.
Ein weiterer Grund ist, weil ich für meine Ideale und Überzeugungen eintrete und für eine bessere Welt kämpfe. Ich bin froh, dass – auch durch den sachlichen, positiveren Umgang der Medien – meinen Kindern viel Leid erspart bleiben wird. Auch deswegen rede ich. Ich kläre Lehrkräfte, Förderschulkräfte und andere Eltern (wo es überhaupt Sinn ergibt) auf, rede eher mal offen als lieber nicht über die Thematik – auch wenn’s immer wieder sehr verletzt (besonders in der Rolle als Eltern) in Schubladen geschoben zu werden.
Deshalb ist es wichtig, einen für sich geschützten Raum zu haben, an dem jeder offen über alle Probleme reden/schreiben kann. Da draußen kann’s so hart sein.
Je mehr Betroffene Hilfen einfordern, desto mehr muss das Gesundheitssystem reagieren. Hast du das schon mal aus dieser Perspektive betrachtet?
Daran sieht man sehr gut, wie der Algorithmus in sozialen Medien funktioniert. Es erweckt zwar den Eindruck, kann in der Realität, wie geschrieben, aber völlig anders aussehen.
Der humorvolle Umgang kann sehr heilsam sein, wenn man sich frisch diagnostiziert mit seinem bisher vergangen Leben auseinander setzt. Es schafft zusätzlich ein Verbundenheitsgefühl. Wie auch Beiträge, in denen Menschen sich völlig „nackt“ machen und ihre Struggles weinend im Internet dokumentieren. Je nach Persönlichkeitstyp, kann das auch eine Möglichkeit der Verarbeitung sein. Ich bin für sowas echt dankbar. Fühle mich weniger alleine.
Danke und Word! ![]()
P. S. Ich zweifle übrigens auch immer noch regelmäßig an meiner Diagnose. ![]()