Will mein ADHS zurück

Klingt vielleicht total schräg, aber ich bin zur Zeit echt blöde drauf. Bei mir wurde mit 7 Jahren starke ADHS mit Autismus in Kombi mit überdurchschnittlicher Intelligenz festgestellt. Wie es so war zu der Zeit, wurde ich ( durch meine Familie ) als Psycho abgestempelt und man sah nur die Intelligenz, der Rest wurde gepflegt " nicht beachtet ". Was daraus wurde, kann man sich ja vorstellen.

Da ich in einem Alter war, wo man selber diese Dinge nicht begreift, habe ich mein Leben lang geglaubt ich sei " Psycho " . Von Ärzten als Depressiv abgestempelt, mit dem Beisatz: Ihnen ist eh nicht mehr zu helfen. Vor 5 Jahren dann der Burnout aufgrund meiner Arbeitsweise ( immer korrekt, ohne Abweichungen, alles lieber selber gemacht ) und wieder Antidepressiva. Diese nehme ich nun seit 5 Jahren.

Seit zwei Jahren merke ich, dass nichts mehr so läuft wie bisher. Die Medis sorgen dafür, dass ich null Gefühle,- Emotionen habe und immer mehr in ein tiefes antriebloses Loch falle. Bis dato konnte ich durch die autistischen Züge in meine Welt flüchten ( malen, Wohnung umräumen…halt alles anders gestalten, aber mit einer gewissen Struktur dahinter ). All das fängt an mir zu fehlen. Natürlich fehlt mir nicht die Aggression, die Stimmungsschwankungen, oder das hyperaktive, aber es ist noch da, gefangen in meinem Kopf,- Körper, aber es kann nicht raus, weil es durch das Citalopram und Quetiapin unterdrückt wird.

Früher konnte ich den ganzen Tag aktiv sein, heute suche ich Gründe um eine Pause zu machen und komme dann aus dieser Nummer nicht mehr raus. Mir fehlt schlicht der Antrieb dafür. Zwischendurch war ich durch eine OP für ein Jahr abhängig von Opiaten, die mich tatsächlich wieder in die Spur gebracht haben. Ich hatte Antrieb, war konzentriert und hatte wieder Freude am Leben. Kaum nahm ich diese nicht mehr, trieb ich wieder dahin, in meinem Sumpf aus Wirbel im Kopf und Antriebslosigkeit.

Am kommenden Donnerstag habe ich einen Termin beim Psychiater, da ich das so nicht mehr haben möchte, aber was sage ich dem? Ich will mein ADHS wieder, aber bitte ohne Nebenwirkungen, ohne die negativen Seiten? Bin ich vielleicht doch einfach nur Psycho? Es tut mir leid für den langen und vielleicht unverständlichen Text, aber vielleicht können mir Menschen helfen die Richtung wieder zu finden, die ich verloren habe.

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Ansatzweise kann ich dich verstehen @shutterfly
Bei mir ist es nur ein ADS.
Ich nehme seit 6-7Monaten mein Ritalin, auf der Arbeithilft es mir sehr, aber die Beziehung hat mein „besseres Funktionieren“ trotzdem nicht gerettet.
Deshalb gönne ich mir jetzt öfters mal einen „blauen Nachmittag“ (nein kein Alkohol) oder ein „verpeiltes Wochenende“ wo ich bewusst kein Medikament nehme, mich aber kreativer und vielleicht auch glücklicher fühle.
Wenn man stundenlang im Anblick eines Baumes versinken kann. Sich an einer Schneeflocke am Fenster freut.

Bei Dir dürfte das Ausschleichen der Medikamente ein größeres Problem werden. MPH ist da ja komplett unproblematisch.

Solange Du nicht unter Vormundschaft stehst bestimmst Du über die Medikamente die Du zu Dir nimmst. Also sprich mit dem Doc, eigenmächtiges Absetzen kann man machen, ist aber doof.
Wenn Du dort erklärst was Dein Ziel ist solltet ihr gemeinsam einen Weg finden.
Ich freue mich zu hören was dabei rauskommt!

@shutterfly

Welche Medis nimmst Du denn?

Erst einmal vielen Dank für die rasche Antwort :-). Mein Privatleben steht auf einem ganz anderen Blatt, da habe ich für mich schon beschlossen mich diesem Wahnsinn gar nicht mehr hinzugeben. Das betrifft die Familie, genauso wie Beziehungen. Unter Vormundschaft stehe ich glücklicher Weise nicht, da ich schon ü 50 bin und nach Außen mein Leben gut im Griff habe. Ich habe gelernt die jeweils passende Maske aufzusetzen und das Bild zu liefern, das gewünscht ist.

Die Medikamente einfach absetzen, habe ich auch nicht vor. Ich frage mich halt nur ob ein Psychiater mich wirklich versteht und habe etwas Angst mich dem auszusetzen. Während ich das hier schreibe, merke ich selber dass es ein wenig nach Mimimi aussieht und ich verlernt habe mich vernünftig auszudrücken.

Selbstverständlich werde ich nach dem Besuch Bericht erstatten.

Wenn Du etwas an Deiner Situation ändern möchtest ist es kein Mimimi sondern ein berechtigtes Interesse.
Zumal niemand ausser Dir dabei involviert ist und Du keine Rücksicht nehmen brauchst.

Hallo und herzlich Willkommen @shutterfly :grinning:
Ich habe eine Zeitlang ein Adhs Medikament plus Anti-Depressiva genommen, meine Medikamente hatten aber leider nach ungefähr zwei Jahren nicht mehr die gewünschte Wirkung gezeigt.
Besonders das Anti-Depressiva das anfangs gut gegen meine Antriebsschwäche gewirkt hatte verlor immer mehr seine Wirkung, so das ich trotz des Anti-Depressiva weiterhin unter massiver Antriebsschwäche litt, sogar den Eindruck hatte das diese meine Antriebsschwäche noch verstärkt hatten und das obwohl es hoch dosiert war.
Das Adhs Medikament half mir hingegen besonders gut gegen meine Impulsivität, aber die Steigerung der Konzentration liess auch relativ schnell nach, bis es irgendwann auch nichts mehr zu nützen schien.
Ich vermute das bei mir nach zwei oder zweieinhalb Jahren so eine Art Gewöhnungseffekt eintrat und die Medikamente deshalb ihre Wirkung verloren. Schlussendlich abgesetzt habe ich sie aber dann aus einem anderen Grund, nämlich weil ich Bluthochdruck und Drehschwindel Anfälle bekam, was mir wirklich grosse Angst und Sorgen machte.
Nach dem Absetzen der Medikamente habe ich mich lange ziemlich schlecht gefühlt, vor allem weil ich wieder verstärkt starke depressive Episoden hatte und auch wieder unter einer extrem starken Antriebsschwäche litt.
Inzwischen geht es mir aber wieder besser und ich bin voller Zuversicht das ich auch meine Antriebsschwäche wieder in den Griff bekommen kann.
Jetzt weiss ich auch das sich das Adhs im Laufe des Lebens verändern kann und auch von Faktoren wie Alter, Hormonellen Veränderungen, Ernährung, Lebenssituation, Zusatzerkrankungen, Stress und wahrscheinlich noch von vielen anderen Einflüssen abhängt.
Seit mir das klar geworden ist versuche ich gewisse Dinge die ich vorher nicht wusste oder einfach auch nicht beachtet hatte zum positiven zu verändern.
Dabei habe ich beobachtet das mir gewisse Dinge wie Sport, gesunde ausgewogene Ernährung, Zucker Einschränkung, Alkohol Verzicht, Vitamine D3, C, B, Eisen, sowie eine aggressionslose und stattdessen positive Lebenseinstellung gut tun.

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Hallo Shutterfly,

ich denke du blockierst dein Denken durch falsche Gleichsetzungen. Du willst nicht „dein ADHS zurück“, sondern du möchtest nicht mehr die Antriebsarmut als Nebenwirkung deiner jetzigen Medikamente. Und das finde ich völlig berechtigt, es geht ja um deine Lebensqualität!!

Wenn die Probleme, die durch das Antidepressivum und das Antipsychotikum bekämpft werden, Komorbiditäten der ADHS sind, wäre es der bessere Ansatz, ein ADHS-Medikament, d. h. ein Stimulans, zu nehmen und nur eventuell noch etwas Anderes dazu, falls das Stimulans nicht gut genug hilft.

Vermutlich war es nicht die richtige Entscheidung, das Stimulans abzusetzen weil es scheinbar nicht mehr half - es gibt da ja mehr Aspekte als Konzentration. Und Bluthochdruck und Schwindel könnte man begegnen durch Anpassung der Dosis - vielleicht hattest du zu viel genommen - oder Wechsel des Produktes.

Kennt sich dein Psychiater denn gut aus in Bezug auf ADHS und Komorbiditäten? Ich wünsche dir alles Gute für Donnerstag.

Der Arzt zu dem ich gehe, ist wohl sehr gut auf seinem Gebiet , ob das wirklich so ist kann ich natürlich erst beurteilen, wenn ich den ersten Termin hatte.

Ein Stimulanz in dem Sinne habe ich ja noch nie bekommen, außer die Opiate, die ich mir selber kurzzeitig " verschrieben " habe. Leider haben die verdammt gut geholfen und es fällt mir nicht leicht dies überhaupt zuzugeben.

Ich werde die Tipps mal anwenden, alles wie bisher weiter nehmen und den Termin am Donnerstag abwarten. Vielleicht habe ich ja Glück und der Arzt weiß wirklich was er tut.

Vielen vielen Dank für Eure Antworten :slight_smile:

Ach so, sorry, ich hatte zwei Beiträge verwechselt, das warst ja gar nicht du, die über Bluthochdruck und Schwindel berichtet hatte. :adxs_tuete:

Okay, d. h. du hast bisher gar keine ADHS-Erwachsenen-Diagnose, sondern „nur“ eine die du als Kind bekommen hattest? Wobei natürlich Vieles dafür spricht, dass du weiterhin ADHS hast.

Den Psychiater, zu dem du am Donnerstag gehst, kennst du bisher gar nicht? Woher bekommst du denn deine jetzigen Medis?

Und ob dein neuer Psychiater ADHS behandelt, weißt du das?

Dass du illegale Stimulanzien mal genommen hattest und die gut wirkten, musst du ja nicht erwähnen, jedenfalls nicht sofort bis du den neuen Arzt einschätzen kannst.

Das ADHS hat mich mein Leben lang begleitet, nur habe ich im Laufe der Jahre gelernt mich nach außen hin anzupassen, was gründlich in die Hose ging. Es ist nicht so leicht, wenn man von der eigenen Mutter ständig als Psycho und " nicht normal " tituliert wird, nur weil sie selber unfähig war ( ist ) damit umzugehen. Irgendwann habe ich angefangen das zu glauben und mich gar nicht mehr verstellt, so ganz unter dem Motto: ist der Ruf erst ruiniert…

Vor 5 Jahren war ich in einer Gemeinschaftspraxis der Alexianer, die auf ADHS spezialisiert sind, weil ich einen Burnout hatte. Mein Pech war, dass die behandelnde Ärztin kurz vor der Rente stand und wir von Anfang an keinen guten Draht hatten. Sie fühlte sich durch meine Art mit der Situation umzugehen nicht erst genommen und unterstellte mir doch glatt eine Egoistin zu sein. ( Bin heute noch schockiert ). Ich weiß dass es schwierig ist mit mir um zu gehen und der Autismus macht es nicht besser, aber sie sah nur die Situation und nicht den Menschen dahinter. So kam ich an das Quetiapin und Citalopram. Ich habe es hingenommen und dachte mir " wenn es hilft mich ruhig zu stellen ist doch alles guddi ". Anfangs war auch alles guddi, dann brauch trotzdem immer mehr mein ADHS durch und ich kann von Glück reden, dass ich noch nie einen auf die Schnütt bekommen habe, weil es unkontrolliert zu Wutausbrüchen und anderen netten Dingen kam. Im Laufe der Jahre zog ich mich dann immer mehr zurück, was anfangs auch O.K. war. Die letzten Zwei Jahre merke ich aber, dass ich alles verliere. Freunde, die ich von klein auf kenne wenden sich ab, weil ich durch den Autismus immer tiefer in mein Schneckenhaus krieche. Früher habe ich viel gearbeitet, habe Firmen geleitet und wurde gefordert, was aber auch ausgenutzt wurde, da ich neben der Arbeit auch Struktur brachte. Oft wurde ich von anderen Firma eingekauft, um genau das auch wo anders zu vollziehen. Bis der Burnout kam.

Mein Hausarzt hat mir meine Medis verschrieben und vor zwei Wochen sagte er es sei an der Zeit zu einem Facharzt zu gehen um mir Stimulanzien verschreiben zu lassen. Er kennt mich seit 30 Jahren und weiß auch dass es vorher keinen Sinn gemacht hätte, da ich durch die Letzte Erfahrung nicht bereit war.
Er sagte mir dass die gute Dame nun in Rente ist und ich es noch einmal versuchen soll. Ergo rief ich dort an und fragte direkt nach einem ADHS Spezialisten. Für diesen habe ich nun den Termin.

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Diese deine Gedanken kann ich so gut nachvollziehen.
Ich selbst fühle mich oft in meinen eigenen gedanken gefangen, mir geht so viel durch den Kopf, aber es in vernünftige, ausdrucksstarke, (für andere) verständliche Worte zu kleiden, fällt mir unglaublich schwer.
Wenn ich es versuche, fällt das gedankenkonstrukt in sich zusammen wie ein Kartenhaus.
Ich habe mich immer von Ärzten unverstanden und in meiner Not so ungesehen gefühlt, dass ich es mit der Zeit aufgegeben habe.
Erst ein Zusammenbruch vor einem Jahr hat mich dazu bewogen, mich mit dem Thema wieder mehr auseinander zu setzen und einen neuen Anlauf zu nehmen, mir Hilfe zu suchen. Mein erster Versuch verlief leider auch nicht besonders gut, wie du sagst, man wird so schnell mit Antidepressiva abgespeist und keiner sieht, was dahinter steht.

Ich finde jedenfalls nicht, dass es nach Mimimi klingt, eher nach einem Hilferuf. Und ich finde du machst gerade einen echt mutigen Schritt nach vorn und für dich selbst.

Ich danke Dir für Dein Verständnis :-), tut im Moment wirklich gut. Nun war ich ja beim Psychiater und ich überlege noch ob der Besuch positiv oder negativ war. Als erstes muss ich innerhalb von 14 Tagen das Quetiapin ganz weglassen und das Citalopram auf 10mg runterdosieren. Klappt ganz toll ( Ironie aus ). Die erste Woche ist rum und ich bin am Ende. Nachts kann ich nicht schlafen, weil natürlich wieder die Gedanken rotieren, tagsüber bin ich in Watte gepackt und voll daneben.

Wenn ich das Ganze noch eine Woche schaffe ohne durchzudrehen, gibt es Bupropion. Manche kommen damit klar, andere gar nicht. Mal schauen was passiert.

Dir wünsche ich auf Deinem Weg viel Erfolg und vor allem dass Du verstanden wirst :slight_smile:

Und was soll das jetzt? Bupropion ist kein ADHS-Medikament, für den Fall dass das jemand behauptet hat.

Hmm ich kenne Bupropion bzw Elontril auch ganz gut. Ich kam mit normalen ADs überhaupt nicht klar und habe es mir damals selbst gewünscht, weil ich was schlucken musste sonst wäre ich als austherapiert rausgeschmissen worden (is jahre her, naja).
Ich habe das Gefühl es wird öfter mal als Verlegenheitsmedikament verschrieben wenn eine ADHS Diagnostik nicht gemacht werden will oder kann.
Was hat dein Arzt denn als Begründung dazu gesagt? Es ist ja ein komplettes Gegenteil zu deiner bisherigen Medikation.

Tjoaaa, der Arzt war der Meinung, dass meine Antriebslosigkeit eher behandelt werden muss und die damit einhergehende Depression.

Dass Bupropion nicht wirklich gegen ADHS ist, habe ich mittlerweile auch gelesen. Der einzige Vorteil liegt in der Tatsache, dass es bei Raucherentwöhnung und Übergewicht eingesetzt wird. Beides habe ich im Laufe der Zeit massig angesammelt.

Am liebsten wäre mir eine Kombi aus Bupropion und Quetiapin ( zum schlafen ), ob der Arzt aber drauf steht, wenn man Vorschläge macht, weiß ich nicht und am Dienstag habe ich den Termin.

Doch, schon. Aber eins der 5. Wahl.
Nach meiner Erinnerung braucht es dazu recht hohe Dosen.
Sinnvoll ist das nicht.

Reminder…
Wenn Du sinnvolle Meinungen haben möchtest, was so auf die Entfernung ohnehin nur sehr eingeschränkt möglich ist, solltest Du wenigstens Deine Diagnosen und Medis komplett nennen. Auch die früheren, die Du nicht (mehr) vertragen hast. Sonst kommt schnell Quatsch raus.