Wirklich erholen mit ADHS? Wie macht ihr das?

Wie erholt man sich mit ADHS? Was macht ihr, um euch richtig zu entspannen und zu erholen?

Normalerweise würde ich mich bewegen und dadurch und/oder durch Dinge wie körperlich auslastende Hobbies auslasten.

Blöderweise bin ich aktuell krank, und wenn ich mehr als ein ganz kleines Bisschen Hausarbeit oder einen Minispaziergang mache, fühle ich mich hinterher schlechter als vorher. Ich bin im Moment gezwungenermaßen relativ lahmgelegt. Sowas wie Lesen oder Zeichnen geht auch nur sehr kurz.

Was macht ihr - vor Allem, wenn ihr, wie ich, ADHS vom kombinierten Subtyp (impulsiv, unkonzentriert und hyperaktiv) habt - um euch richtig zu erholen, und was könnte aus eurer Sicht in einer Situation wie meiner helfen?

Ich werde medikamentös behandelt, bin derzeit krankgeschrieben wegen Erschöpfung/Burnout/Depression/whatever und warte aktuell auf einen Klinikplatz für ADHS-spezifische Psychotherapie und evtl Anpassung der Medikation und habe jetzt auch noch einen grippalen Infekt :scream:. Ich soll (und muss, ich merke selbst, dass eigentlich nichts geht) mich also schonen… :scream::scream::scream::scream::scream:

6 „Gefällt mir“

Kommt darauf an. Wenn ich krank bin, schone ich mich und mache gar keinen Sport. Ich lese dann was, gerne leichtere Lektüre, schaue ein paar Serien (kein Bingen, sondern nur einzelne Folgen), stricke, beschäftige meine Hände, während ich was schaue oder lese. Was auch erstaunlich gut klappt, sind Kreuzworträtsel. Ich komme mir zwar vor wie meine Oma, aber sie lenken ab. Genauso wie Spiele am Handy / PC, aber da vergrabe ich mich oft zu lange.

Wenn ich das nicht bin, suche ich mir kleine Dinge: Spaziergang mit meiner Hündin, gerne mit Pausen, Yoga, Radfahren und schwimmen sorgt bei mir oft dafür, dass mein Kopf ruhig wird.

3 „Gefällt mir“

Hallo und :heart: Willkommen @GroßstadtKatze :grinning_cat:
Also ich kann jetzt nur von mir selbst reden, heisst wie ich mich geschont habe als ich mich von meinem Burnout erholen musste.

Jedenfalls habe ich persönlich tatsächlich erst mal wirklich seeehr viiieeel geschlafen, da ich das in dieser Situation wirklich gebraucht habe.

Ansonsten habe ich im Haushalt wirklich nur noch das gemacht was wirklich absolut notwendig gewesen ist, heisst im Klartext nur das Minimum, und das bedeutet z.B. in meinem ganz persönlichen Fall, dass ich nur einkaufen gegangen bin wegen meiner Kinder, und auch nur für meine Kinder gekocht habe, da ich meine Kinder über alles in meinem Leben liebe, und es für mich niemals vorstellbar gewesen wäre das ich mich nicht um meine Kinder kümmere wenn sie von der Schule nach hause gekommen sind, oder egal warum, jedenfalls habe ich meine Kinder nicht ein einziges Mal vernachlässigt.

Ausserdem habe ich natürlich für meine Kinder die Wäsche gewaschen und mich um alles gekümmert was für meine Kinder nötig gewesen ist, denn das habe ich ja sogar auch wirklich sehr gerne gemacht, weil ich meine Kinder, wie bereits gesagt, aus meinem tiefstem Herzen und über alles liebe.

Nur alles was für mich selbst nicht unbedingt nötig war, darauf habe ich verzichtet, denn irgendwo musste ich ja Abstriche machen.

Und da ich damals gerade in der Scheidung war, wollte ich natürlich auf keinen Fall bei irgendwem den Eindruck entstehen lassen, dass ich mich nicht um meine Kinder kümmern würde, denn ansonsten hätte mein Ex-Mann sofort probiert mir die Kinder wegzunehmen, was natürlich überhaupt nicht in Frage gekommen wäre.

Jedenfalls, in meiner damaligen Situation, habe ich wie gesagt, vor allem versucht so viel wie möglich zu schlafen, und ausserdem habe ich den Kontakt zur Aussenwelt auf das absolute Minimum gekürzt.

Und wenn das nicht möglich war, dann habe ich Bücher gelesen, ging spazieren, habe meinen Topfgarten auf dem Balkon gepflegt, oder habe hin und wieder ein Bild auf einem Zeichenblock gemalt.

1 „Gefällt mir“

P.s.
Übrigens habe ich es in meiner damaligen Zeit, als ich mich gerade total in „meinem Burnout“ befand, z.B. „mit dem Putzen“ nicht immer, oder überall, allzu streng genommen.

Wichtiger war das überall Ordnung herrscht, heisst alles an seinem vorgesehenen Ort war, und geblieben ist.

Und übrigens, im Nachhinein bin ich wahrscheinlich ein bisschen dumm gewesen, denn nachdem ich meine Diagnose für ADHS und eine Depression hatte, „hätte ich“ glaube ich zumindest, für eine gewisse Zeit, sogar eine Haushaltshilfe von der Krankenkasse beantragen dürfen.

Was ich aber nicht gemacht hatte, aus Angst davor das man mir dann unterstellen könnte, dass ich nicht fähig dazu wäre, mich vielleicht nicht ordentlich um meine Kinder kümmern zu können.

Aber sowas war bei mir tatsächlich niemals der Fall, da meine Kinder die wichtigsten Menschen für mich in meinem Leben sind.

Wie auch immer, trotz allem habe ich es geschafft mich wieder zu erholen und auf die Beine zu kommen, und damals in meinem persönlichen Fall, vor allem auch deswegen, weil ich sowohl eine sehr gute Psychiaterin, als auch eine sehr gute Psychologin an meiner Seite hatte.

Und dann natürlich, seit ich meine ADHS Diagnose und meine Medikamente hatte.

1 „Gefällt mir“

Die Entspannungsaversion bei ADHS ist ein funktionales Stresssymptom. Sie wird bei Stress wie bei ADHS durch dieselben Neurotransmitterverschiebungen vermittelt.
Bei Stress werden diese Neurotransmitterverschiebungen aufgrund eines gefährlichen Stressors ausgelöst. Da ist das hilfreich: Wenn da draußen eine Gefahr ist, ist es überlebensförderlich, sich nicht zu entspannen, bis der Stressor besiegt ist.

Bei ADHS, bei dem die Neurotransmitterverschiebung ohne entsprechenden Stressor (ohne eine entsprechende Gefahr) besteht, ist es ein Irrlicht.

Die Aversion gegen Entspannung kann man bei ADHS daher überwinden, indem man sich - einfach(***) - entspannt. Gegen die Aversion. Sie lässt dann nach, wenn die Entspannung groß genug geworden ist. Dann kann man mit dem Entspanntsein weitermachen, ohne dass einen die Aversion belästigt.
Aber diesen ersten Berg muss man leider überwinden. Das fällt ein bisschen leichter, wenn man sich bewusst macht, dass das Gefühl einen hier in die Irre leitet. Aber einfach ist das nicht.

(***) Running gag des Forums. An ADHS ist gar nichts einfach.

6 „Gefällt mir“

Ach ja, das Wörtchen „einfach“ gehört für IMMER zu uns, genauso wie :adxs_koo: :heart:

1 „Gefällt mir“

Danke für eure Antworten! Jede davon bringt mich ein bisschen weiter :sunflower:. Ich geh morgen nochmal genauer drauf ein.

1 „Gefällt mir“

Danke für deine Antwort! Mich zu schonen, wäre im Moment sehr sinnvoll, aber es fällt mir schwer, da ich immer noch recht unruhig bin und nicht in einen „Entspannungsmodus“ komme.

Ich neige auch dazu, im Internet zu „versacken“, und mache im Moment viel zu viel „Doomscrolling“, andererseits brauche ich ein Gerät mit Internetzugang, da ich noch Dinge mit der Krankenkasse zu klären hab…..

1 „Gefällt mir“

:laughing:oh ja… ich liebe es, wenn etwas einfach mal einfach ist :smiley:

1 „Gefällt mir“

Ich lerne gerade erst, auch Dinge, die keine „Kopfarbeit“ sind, einfach mal wegzulassen bzw mich nicht zu zwingen, wenn ich eigentlich zu müde bin. Putzen ist tatsächlich so ein Stichwort. Aufgeräumt muss es bei uns auch sein (Unordnung stresst mich total, sie tut mir regelrecht körperlich weh, und wenn Dinge nicht da sind, wo sie hingehören, finde ich sie nicht). Allerdings bleiben im Moment halt auch mal etwas liegen, und ich putze nicht ganz so wie sonst. Eine gewisse Grundsauberkeit muss halt aufrecht erhalten werden, auch wegen der Katzen.

Dass du für deine Kinder weiter da sein wolltest, finde ich komplett nachvollziehbar. Und dass du dich gerade in der beschriebenen Situation bzgl dem Annehmen „offizieller“ Hilfe schwer getan hast, auch… Mir wird es schwerfallen, die Katzen meinem Mann allein zu überlassen, wenn ich in der Klinik bin- und der würde nichts gegen mich verwenden. Da geht’s einfach darum, ob Mann und Katzen klarkommen.

@UlBre

ok, das ist interessant. Dass ADHS- und physiologische Stresssymptome die gleichen sind, hatte ich gelesen. Aber dass dadurch selbst bei starker Erschöpfung eine Aversion gegen das „Nichtstun“ weiter besteht, hatte ich nicht verstanden. Unter dem Gesichtspunkt ergibt das Sinn. Jetzt bleibt nur die große Frage: „und wie entspanne ich mich jetzt? Wie „zwinge“ ich mich in die Entspannung?“…

Ich nehme Elvanse, was mich irgendwie „sediert“ (ich vermute langsam, dass es mich spüren lässt, wie „durch“ ich eig. bin), nur schlafen kann ich darunter nicht. Meine Hypothese ist, dass ich den Tag praktisch verschlafen werde, wenn ich es pausiere - das wird am Mo. ggf mal experimentell evaluiert…

Ich versuche zudem, mich immer wieder daran zu erinnern, es einfach ruhig angehen zu lassen. Nachdem ich die notwendigen Formulare für Krankengeld, Klinikanmeldung etc, die für mich auch ein Stressor waren (wer hat noch eine massive Aversion/Panik beim Umgang mit Formularen?) ausgefüllt sind, fällt grade auch schon etwas Anspannung ab….

Hach ja. Es wäre so schön, wenn mal was tatsächlich einfach wäre…. (vermutlich würde ich dann aber ziemlich panisch werden, weil „einfach“ für mich bislang nur als theoretisches Konzept (dasIsDochSo‘nNeurotypischesDing…) existierte, aber fast nie real war.

Achtamkeitstraining in beliebiger Form ist eine der wirksamsten Entspannungstechniken bei ADHS. Sei es Yoga, MBSR, Meditation - mach was zu dir passt. Wichtiger als die optimale Methode ist, dass du es tust. Und dabei hilft es ungemein, wenn es etwas ist, was du magst,
Und wenn man im Kopf hat, dass die emotionale Aversion am Anfang ein fehlgeleitetes Signals ist, dann kann das helfen, diese Aversion zu überwinden, bis der Stress so weit runter ist, dass das Aversionssignal nachlässt.

Ein vergleichbares Modell gibt es beim ADHS-typischen „Nicht anfangen können“.
Da kann man bei ADHS auch verstehen, dass die Aversion, die man vor dem Anfangen dagegen verspürt, nachlässt, nachdem man angefangen hat.
Das Wissen, dass das Signal irreführend ist, verringert die empfundene Aversion nicht, aber sie kann einem helfen, sie zu überwinden und sich von ihr nicht auch noch in Geiselhaft nehmen zu lassen.

7 „Gefällt mir“

Sport hilft auch beim entgeiseln, fühlt sich aber manchmal an wie Selbstgeiselung. Habe ich gerade nochmals bei Elst gelesen, also das mit dem „Sport ist gut bzw. entspannt“. :grin:

1 „Gefällt mir“

Oben hieß es, Sport sei körperlich aktuell zu viel.

Wenn ich ko genug bin, kann ich mich mit Hörbuch hinlegen. Das ist dann ziemlich erholsam, aber nicht zu langweilig. Manchmal schlaf ich dabei sogar weg.

Sonst werde ich rappelig beim einfach nur zuhören, normalerweise “muss” ich daneben noch was anderes tun. Spazieren, Unkraut rupfen, aufräumen, stricken, …

2 „Gefällt mir“

Ich habe etwas vorschnell geantwortet ohne mir ein gesamt Bild der Situation zu machen bzw. alles durchzulesen.

Ich bitte um Entschuldigung.

2 „Gefällt mir“

Generell ist dein Einwurf ja richtig. Hilft vielleicht auch jemanden :slightly_smiling_face:

3 „Gefällt mir“

@GroßstadtKatze

Vielleicht magst du dir mal was zur Entspannung auf die Ohren geben?

Ich schicke dir mal eine Nachricht mit einem Link zu einer EntspannungsPhantasiereise, die ein ADHS Mann gesprochen hat - ca. 30 Minuten. Beim Zuhören ist sogar eine ADHS Frau eingeschlafen.

Beste Wünsche und gute Besserung

1 „Gefällt mir“

Ich glaube selbst bei dem Versuch zu entspannen haben wir ein neurotypisches Ideal im Kopf und denken dem nicht zu entsprechen. Daraus entsteht dann die Schlussfolgerung nicht richtig entspannt zu haben oder grundlegend nicht entspannen zu können.

Jeder Versuch an Achtsamkeitsübung oder Meditation ist ja auch schon eine gewisse „Form“ der Entspannung.

Wenn ich bei einer Atemübung es immer wieder nur schaffe alle paar Atemzüge eine kurze Anzahl an Atemzügen zu verfolgen , ist das immer noch mehr als es garnicht versucht zu haben.

Wenn ich einer Meditation plötzlich nicht mehr folgen kann aber in eigenen positiven Bildern und Gedanken trotzdem noch da sitze oder liege ist doch genau so gut.

Manchmal wenn nichts funktioniert ist es bei mir auch ne Runde YouTube Shorties weil ich dann abtauchen kann.

Ich habe so einiges an Traumreisen und geführten Meditation etc. durchgehört .
Das funktioniert wenn überhaupt nur wenn die Stimmfarbe und Stimmmelodie passt und Lautstärke und Musik gut aufeinander abgestimmt sind. Es muss mich richtig packen , sonst funzt es kaum.

Um sich von einem BurnOut zu erholen das dauert seine Zeit vor allem bis man wieder zu mehr in der Lage ist, aber auch das überhaupt was wirkt von all den Dingen, die man versucht.

Allgemein benötige ich zur allgemeinen Erholung viel Zeit und Ruhe für mich alleine.
Abtauchen in der Badewanne tut immer gut.

Ich glaube aber auch das man mit ADHS nie ganz erholt ist, weil es so ein latentes „Grundrauschen“ an Stress gibt.

Aber wir helfen uns sehr damit immer wieder am Faktor Erholung , Entspannung und Stressreduzierung zu arbeiten . Jeder Versuch zählt , auch der wo wir feststellen das etwas nichts für uns ist.

4 „Gefällt mir“

Ich werde während des Krankseins oft körperlich sehr rappelig. Mir hilft dann langsames, passives Yoga, um meinen Körper wieder zu spüren und zu entspannen. Yoga with Adriene auf Youtube hat zum Beispiel extra ein Video für wenn man krank ist (mein Youtube hakelt gerade, ich kann keinen Link schicken).

1 „Gefällt mir“

Ja, du hast das formuliert, was ich schon die ganze Zeit denke. Ich kann mit dem ganzen Entspannungsgedöns nichts anfangen. Macht mich eher aggressiv.

Ich überlege die ganze Zeit schon, wie ich mich eigentlich erhole oder entspanne… Und dann denke ich so, dass ich das eigentlich gar nicht brauche, wie man sich das so vorstellt… ich bin zwar nie wirklich entspannt, aber ich habe auch gar nicht das Bedürfnis… und am erholsamsten ist völlige Reizarmut einerseits und ein spannendes Thema andererseits… mein Geist will sich nicht geistlos beschäftigen… ich habe zum Beispiel Gravitrax und kann mich da sehr gut erholen, wenn ich die raffinierteste Kugelbahn aller Zeiten baue, während im ganzen Haus Stille ist…

4 „Gefällt mir“