YouTube „ Der innere Kind Ansatz“ - ?könnte es destruktiv werden wenn ADHS unerkannt ist?

Ich lese gerade das Buch „Andere Wege gehen“, das den Ansatz der Schematherapie vorstellt und Ideen wie ein Selbsthilfebuch Ideen zur eigenen Arbeit damit gibt (mit downloadbaren Arbeitsblättern z.B.).

Als ich letztes Jahr in der Klinik war, hat meine Bezugstherapeutin mit mir so gearbeitet und es mir empfohlen und für mich war es sehr ansprechend und nachvollziehbar und vor allem hilfreich, was sie mit mir zusammen erarbeitet hat.

Jetzt lese ich also das Buch und vom grundlegenden Gedanken her, dass jeder verschiedene Anteile hat (trauriges Kind, glückliches Kind, gesunder Erwachsener, Kritiker, Forderer), Bewältigungsstrategien (Anpassung, Vermeidung, Überkompensation) und Modi, in denen wir reagieren, ist für mich persönlich immer noch total schlüssig.

Allerdings geht das Buch hier davon aus, dass all dies immer auf Ereignisse und Erfahrungen in der Kindheit zurückzuführen ist. Und das finde ich, als jemand mit ADHS, schwierig.
Natürlich: es ist eben kein ADHS-Buch, will es auch nicht sein, aber ich finde, wenigstens ein Hinweis, eine Fußnote oder irgendwas in der Art, dass es auch andere Gründe für solche Verhaltensmuster geben kann als „nur“ Kindheitserfahrung, wäre schon angebracht gewesen.

Ein Beispiel: Impulsivität wird als dysfunktionaler Kindmodus beschrieben, in welchem der Drang, etwas unbedingt haben oder tun zu wollen, um eigene Bedürfnisse zu befriedigen, ohne über die Konsequenzen nachzudenken, im Vordergrund steht.
Ja, kann ich nachvollziehen. Ich kann mir auch vorstellen, dass es neurotypische Menschen gibt, die in so einen Modus verfallen, weil sie auf diesem Wege grundlegende Bedürfnisse befriedigen, die ihnen aus welchen Gründen auch immer jetzt oder in ihrer Kindheit verwehrt geblieben waren.
Das ist ja auch die Idee dahinter: das solche Strategien irgendwann mal überlebenswichtig waren, nun aber dysfunktional sind.

Es gibt aber eben auch andere Gründe, warum jemand impulsiv ist… Vielleicht springt da auch meine RSD an, das Gefühl nicht gesehen zu werden :joy:

Es gibt ja den Bullshit-Bingo-Satz „Du kannst dein ADHS nicht als Ausrede für alles benutzen.“
Das tue ich ja auch gar nicht, denn für mich ist die Aussage „das liegt gerade an meinem ADHS“ keine Ausrede nach dem Motto „Ich bin halt so, komm damit klar“ sondern es ist eine Erklärung „ich versuche es, aber es fällt mir sehr schwer, weil mir da meine Erkrankung zwischengrätscht.“
Ich will mich nicht darauf hinausreden, ich könnte mich nicht ändern, aber meine Verhaltensweise liegt nicht in charakterlicher Schwäche begründet und im Gegensatz zu dem, was in dem Buch steht, auch nicht nur in Kindheitserfahrungen, sondern eben auch in einer Erkrankung. Daran, dass mein Gehirn anders funktioniert.
Und da entsteht zumindest bei mir so ein innerer Widerstand von „da brauche ich andere Lösungsstrategien“.
Gleichzeitig triggert das meinen inneren Kritiker, der mich nicht sehr subtil darauf hinweist, dass ich keine spezielle Schneeflocke bin.


Okay, ich hab gerade einen Knoten im Gehirn :see_no_evil:
Aber vielleicht hat ja jemand auch noch Gedanken, Erfahrungen dazu?

Ich werde das Buch dennoch weiterlesen, da ich den Ansatz im Grunde gut finde, aber ich weiß noch nicht genau, was ich davon für mich wirklich annehmen kann.

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Ich verstehe es gut, was du meinst. Deswegen war die ADHS Diagnose auch für mich ein Gewinn, weil ich plötzlich die neurologischen Anteile von den psychischen abgrenzen konnte. Wenn man ewig nach den Falschen Ursachen sucht kommt man einfach nicht weiter und tut seinen inneren Kindanteilen so viel unrecht weil man es ja nicht anders weiß.

Das innere Kind ist quasi doppelt gestraft , die ADHS Symptomatik macht es nicht extra und zugleich sucht man die ganze Zeit am inneren Kind was der „psychische“ Grund sein könnte und beides bietet keine Erlösung.

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Ja, das nehme ich mal beim weiterlesen mit!
Danke! :smiling_face_with_three_hearts:

Bei Spiegel Online gerade ein herrlich erfrischendes Interview mit ihr gelesen aus Anlass ihrer Eröffnung einer Kneipe namens „Heimat“.

So ein Lokal sei immer ihre Fluchtphantasie gewesen. Denn ihre Arbeit habe ihr „nie besonders viel Spaß bereitet.“ 23 Jahre habe sie Gutachten für Familiengerichtsverfahren geschrieben. „Aber es hat mich im Grunde nicht interessiert.“

"SPIEGEL: Warum haben Sie den Job dann so lange gemacht?

Stahl: Ich hatte als Psychologin eine Approbation, aber keine Kassenzulassung. Der verhaltenstherapeutische Ansatz war mir damals zu mechanistisch. Und die Gesprächstherapie, die mir gefiel, hat keine Kassenzulassung bekommen. Ich konnte also nur Privatpatienten abrechnen. Jetzt kriegen Sie mal Privatpatienten, wenn Sie ein Nobody sind. Die Gutachten bedeuteten ein stabiles Einkommen. Aber so hatte ich mir mein Leben nicht vorgestellt."

Trotzdem früher kein eigenes Lokal, denn „dieses psychologische Gedöns konnte ich.“

Wir erfahren dann noch, dass sie inzwischen Millionärin ist und dass das „geil“ ist.

Ich glaube, mein Sonnenkind hat bei der Lektüre die Fluchtphantasie aufgegeben, Bestseller-Autorin zu werden. Vielleicht ist aber im Gegenzug das Schattenkind auf ganz neue Ideen gekommen.

Aber ist ihre Kneipe „Heimat“ dann nicht eher was für Schattenkinder ? Sonnenkinder müssten ja eigentlich keine verlangen nach Alkohol in einer Kneipe haben. :sweat_smile::wink:

Sowas. Da ist wohl in der Wortwahl mein Schatten mit mir durchgegangen! Nach ergänzender Recherche: Das Lokal war wohl bisher eine Kneipe, aber

„aus der traditionsreichen Kneipe „Mephisto“ ist nach umfassender Renovierung das „Restaurant-Café-Bar Heimat“ geworden“, sagt der Trierer Volksfreund.

Noch präziser: „Bis 2003 war hier die Kultkneipe Mephisto zu Hause, später folgte ein Ausschank von Petrusbräu und zuletzt war dort ein indisches Restaurant, das 2024 schließen musste.“

Schon allein diese himmlisch poetische Entwicklung lässt doch die Sonne aus allen Öffnungen scheinen! :sun_with_face: Ich wünsche wirklich viel Erfolg. Das ist ja mutig und schafft sicher Arbeitsplätze und kurbelt die Konsumbereitschaft nun auch in dieser Branche an.

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Ich glaube, dass ist wie viele auch in der Populärwissenschaft genutzte Bilder, die psychologischen Nutzen haben in der Behandlung, aber kapitalistisch ausgeschlachtet werden von esoterischen Schwurblern ( Die jenigen die für alle anderen Formen von Persönlichkeitstypen wie Enneagramm, Horoskope Meyers Briggs verfänglich sind. ) Außerdem regen sie die Grübelei an und das fängt sich natürlich insbesondere bei Neurodivergenten Menschen.

Ich glaube, ich bin darauf gekommen, was mich an dem Interview so genervt hat: Zum einen entzaubert es ja diese (meine) sehr naive Idee, dass Menschen, die „was mit Menschen“ machen, das irgendwie aus Menschenliebe machen. Und nicht nur weil sie „das Gedöns können“. Obwohl das vermutlich völlig ausreicht für das Handwerk.

Aber was ich wohl am meisten beneidet habe, ist: Sie schreibt über 20 Jahre Gutachten in Familiengerichtsverfahren - und das „hat sie im Grunde nicht interessiert“?

Ich mag Sozialneid gar nicht so. Damit macht man sich ja selbst klein. Nur sind wir ja wirklich etwas benachteiligt in der Funktion: „Interessiert mich nicht, ziehe ich aber trotzdem durch.“

Oder? VIelleicht auch nicht? Vielleicht habe ich da einen verschatteten Glaubenssatz. Kann man sich trotz ADHS dazu bringen, etwas zu machen, obwohl es einen nicht interessiert? Weil es ein schönes Leben finanziert und irgendwann das eigene Café.

Nehmen wir mal an, der Erfolg gibt ihr Recht. Ich bin nicht ausreichend vom Fach, um beurteilen zu können, ob ein unbegleitetes Rumlaborieren mit ihren Büchern ein Risikopotential hat. Vermutlich ist es nicht viel größer, als sich irgendwelche Verstümmelungskrimis von Fitzek reinzuziehen und den damit kollektiv zum Millionär zu machen.

Ich hätte jedenfalls nicht unreflektiert die billigsten Stahl-Kinderteller-Gags machen sollen, die rumstehen. Sie verdient ja schon allein Millionen, weil sie sich vermutlich 27 mal am Tag irgendwelche Sonnenkind-Sprüche anhören muss.

Es ist ja kolostahl motivierend und Grund für Optimismus, dass man mit über 50 noch an einen Verlag mit großer Marketing-Abteilung kommen kann - und dann macht man eine Pop-Karriere wie Caroline Wahl senior.

Vor allem wohl, wenn man seine Zeit nicht damit verplämpert, Rage Bait-Artikel über erfolgreiche Pop-Autoren zu lesen.

Ich denke es ist ein zweischneidiges Schwert und würde mich mal aus dem Fenster lehnen und sagen: Die meisten Menschen gehen einer Arbeit nach nur um Geld zuverdienen. Klar es sollte einen schon etwas liegen oder man muss gewisse Grundvorraussetzungen haben. Wüsste ich das eine angestrebte Arbeitsstelle frei wäre die zB mit meinem Studium zu tun hat oder etwas ähnliches die meiner Neigung entsprechen würde, und ich wüsste dass ich sicher Zeit bekäme dort in den Beruf hineinzuwachsen , würde ich nehmen.

Aber als Sicherheits orientierter Mensch (der au-Teil von mir der die Impulsivität gerne mal im Zaum hält) mache ich das halt nicht .

Das war ja auch die Grundidee hinter dem bedingungslosen Grundeinkommen. Menschen die wissen das sie nicht den nächsten Tag auf der Straße landen werden können sich selber verwirklichen

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Meyers briggs wurde ursprünglich dazu genutzt Bewerber auszusieben die man nicht haben wollte, ansonsten hat es durch doppel-Inverse Beschreibungen genauso viel Aussagekraft wie ein Horoskop.

Und bereits dort geht die Schere auseinander.

Das sollte zumindest eine gesunde Basisvoraussetzung sein.

Dafür hat es die Kasse gefüllt und das mit sicherer Regelmäßigkeit, so wie Gerichte etc mit Gutachtenden verfahren, hast du es in die Kreise geschafft, dann bist du versorgt.

Und mit dem Polster lässt sich auch viel entspannter ein Buch schreiben.

Also ich mochte sie bereits vorher nicht, aber wenn ich jetzt deine Zeilen lese „hat Sie im Grunde nicht interessiert“ dann rollen sich mir trotzdem noch nachträglich die Fußnägel hoch.

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Danke. Wichtiger Hinweis. Wahrscheinlich habe ich da meine Begriffe noch gar nicht so klar, auch für mich selbst nicht.

Man muss sich leisten können, überhaupt zwischen Tätigkeiten zu wählen. Schon klar, steht außer Frage. Andererseits - und ich glaube, das meinte ich - kann ADHS eben dem Funktionieren auch in die Quere kommen, obwohl objektiv alles dafür spricht, etwas „jetzt“ „einfach“ zu erledigen.

Bringt mich zum Nachdenken, ob es so etwas wie „interessiert mich nicht“ überhaupt gibt. Vielleicht ist das Teil meines Problems. Ich finde Deinen „Brotjob“, wenn das passt, zum Beispiel extrem sinnvoll. Und eigentlich schon deshalb interessant.

Auf meine Leistungsfähigkeit wirken da wohl eher andere Stellschrauben ein. Extrem z.B. beim Abarbeiten von Liegengebliebenem wegen der Selbstvorwürfe, die dranhängen.

Oder vielleicht wäre es zB ein hoher Anteil von Dialogpost, bei dem ich in hinderliche Sinnfragen stürzen würde.

Und so hängt an einem blöden Spiegel-Beitrag mal wieder eine ganze Besenkammer von Lachenmeiers Gedankenbesen… Und deshalb sollte ich sowas wohl nicht lesen und erst recht nichts darüber schreiben.

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Die Sache mit dem lesen, die kann ja wirklich nur jeder Mensch für sich selbst
und die eigene Psycho-Hygiene entscheiden, aber ich bin überzeugt[1], darüber schreiben, sprechen, vielleicht aufdröseln, neue Sichtweisen einsammeln, kann wirklich helfen.

Deswegen Danke, dass du für einen Moment aus deiner Besenkammer gelupft bist.

Im Rahmen der Notwendigkeit ist dieser Bereich oder nennen wir es auch Privileg, bestimmt eng gesteckt.

Manche Dinge fallen ja auch erst auf, wenn sie plötzlich vielleicht beinahe essentiell werden und ich mich vorher gar nicht kümmern musste, eventuell gar kein Wissen
hatte, also nicht mal vor der Wahl stand, interessiert mich oder nicht.

Wie oft habe ich mich das von Mitmenschen fragen lassen müssen und wie
objektiv ist das überhaupt?

Witzigerweise habe ich hier im Forum gelernt, dieses kleine einfach viel
bewusster einzusetzen, denn häufig macht es bloß zusätzlich Druck, für
mich selbst oder meine Mitmenschen.

Simplimus
genau so hieß/heißt er, die Blitze geben auch ein neues Körpergefühl.

:adxs_wink:


  1. eventuell ist das mein Wolkenkuckusheim ↩︎

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Also, wer immer sich den ausgedacht hat, dürfte sich ja nun erst recht nicht über Sonnen- und Schattenkinder lustig machen! So ein ewiges inneres Superhelden-Spielkind! Heimat nur auf dem Olymp gefunden!

In einem Paralleluniversum hängt dieser Simplimus in seiner raren Freizeit sicher immer noch in der Trierer Kneipe „Mephisto“ rum :smiling_face_with_horns: . Und er lädt da heimlich seinen Taser an einer Steckdose mit Wackelkontakt auf. Jeden 2. Tag verlegt er sein Kabel, fragt alle anderen Gäste, ob sie zufällig ihr Taser-Ladekabel dabei haben und vergrault damit die Laufkundschaft.

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