Zur Diagnostik ohne Blutuntersuchung und EKG

Hallo in die Runde!

Ich fall hier mal mit der Tür ins Haus und stelle ganz unhöflich eine Frage, ohne mich vorgestellt zu haben. Eine ausführliche Vorstellung werde ich noch einstellen, aber ich hoffe trotzdem, dass mir jemand eine Antwort geben mag.

Morgen habe ich Termin zur Diagnostik. Ich nehme seit 6 Jahren Escitalopram gegen eine Angststörung und habe seit ein paar Monaten den starken Verdacht, dass ich ADHS haben könnte.
Bei der Terminvergabe sagte mir die Arzthelferin am Telefon, ich solle Zeugnisse, Blutbild und EKG mitbringen.
Zeugnisse habe ich (sind jedoch nicht sehr aussagekräftig).
Allerdings habe ich es nicht geschafft, ein Blutbild und EKG beim Hausarzt machen zu lassen. Erst hab ich gewartet, weil ich dachte, die Ergebnisse sollten ja relativ „frisch“ sein und nicht schon Monate alt und dann hab ich es irgendwie nicht geschafft, dafür einen Termin zu machen…ich weiß, total dämlich.

Jetzt komm ich also morgen zur Diagnostik ohne Blutbild und EKG.
Ich habe eh schon Angst, dass ich dort nicht ernstgenommen werde, außerdem weiß ich gar nicht, wie ich dort anfangen soll, warum ich da bin und jetzt fehlt auch noch die Hälfte.

Ich merke gerade, dass ich eigentlich gar keine richtige Frage an Euch habe, wollte mir das nur von der Seele schreiben. Hab einfach Angst vor morgen.

Danke fürs Lesen.

LG

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Am sichersten wäre, in der Arztpraxis wo du morgen hingehst, anzurufen und zu erfragen, ob sie dich trotzdem untersuchen.

Für die Diagnostik selbst sind Blutbild und EKG eigentlich nicht wichtig, denn beides sagt über ADHS ja oder nein nicht viel aus. Wichtig ist es aber vor der Verschreibung von Medikamenten die Werte zu haben.

Herzlich willkommen im Forum! :adxs_happy:

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Hallo @Male,
herzlich willkommen :slight_smile:

Gut, dass du das gemacht hast! das wird schon alles irgendwie klappen morgen!
Am Ende arbeiten die Ärzt*innen für dich! Wenn sie eine Aussage nicht genau treffen können, weil ihnen etwas fehlt kannst du das nachreichen oder wieder kommen, oder zu jemand anderem gehen!

Ich wünsche dir ganz viele Nerven für morgen - du gibst das Tempo vor, es gibt keine Götter in weiß :wink:

Willkommen im Forum! :slight_smile:
Nur keine Panik, die werden dir schon nicht den Kopf abreißen.
Genau genommen ist es schon ein erstes Anzeichen auf zumindest ADS, wenn du dort ohne Blutbild und EKG auftauchst - vor allem, warum du keins hast (aufgeschoben und dann verpeilt, typisch für AD(H)S). :wink:

Die Befragung können die auch ohne machen, das sollte kein Problem sein, das nachzureichen.

Vielen Dank für die Antworten!

Es war tatsächlich kein Problem, dass ich die Werte nicht dabei hatte.
Ansonsten war der Termin aber echt mies.

z.B. Thema Schulzeit:
Mittlere Reife knapp geschafft, das war für den Arzt einleuchtend, aber zu meiner Ausbildung kam dann die Frage „und warum ging es dann da auf einmal?“

Die Mitarbeiterin zählte die Fragebögen aus, er schaute nur auf das Ergebnis. Er fragte ein paar Sachen und nach jeder Antwort sprach er sofort den Befundtext in sein Diktiergerät. Es kam quasi kein richtiges Gespräch zustande.

Ergebnis war, deutliche Tendenz zu ADS, jedoch keine Diagnose. Medikamente hätte ich aber trotzdem bekommen. (Wtf)

Ich glaube, das wars jetzt mit diesem Thema für mich. Ich lebe halt einfach damit, dass ich so bin, wie ich bin. War echt keine gute Erfahrung.

LG

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Grüß dich

Das tut mir Leid zu hören. Gibt leider nur wenige einfühlsame Psychiater mit zusätzlicher ADHS Erfahrung. Willst du dich nicht noch erstmal vorstellen? Dann haben wir ein besseres Bild von dir, da du meinst dein Anderssein einfach zu akzeptieren?

Hat er deine Grundschulzeugnisse bewertet? Sind doch ein wichtiges Kriterium für die Diagnose? Kram die mal raus. Die haben mir persönlich am Ende alle Zweifel dann genommen…

LG

Hallo Male,

wenn kein richtiges Gespräch zustande kam, war das auch keine richtige Diagnose. Einen Fragebogen eingeben und Punkte zählen kann auch der Pizzalieferant.

Lass dich nicht entmutigen. Lies mal bei Martin Winkler, er schreibt: Wer ADHS anhand von einem „grenzwertigem“ Score in einem Fragebogen ausschliesst, ist ein grenzwertiger Diagnostiker. AD(H)S : Fehler in der Diagnostik - ADHSSpektrum ADHS Blog und Community für Neurodiversität (steadyhq.com)

Wenn du Medikamente bekommen hättest, dann ist das jedenfalls schon ein Bekenntnis in Richtung ADHS. Lass dir auf jeden Fall einen schriftlichen Bericht geben!!

Was war denn dein Ziel, möchtest du (noch) keine Medikamente? Jede Diagnose ist ein Stückweit vorläufig und muss sich im weiteren Verlauf bestätigen.

Viele Grüße und alles Gute
Falschparker

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Vielen Dank für eure netten Antworten!

Meine Vorstellung:

Ich bin weiblich, 44 Jahre alt, voll berufstätig, verheiratet und habe (schon größere) Kinder.
Seit 6 Jahren nehme ich Escitalopram wegen einer Angststörung. Das Medikament hilft mir auch sehr gut gegen die Angst.
Trotzdem ist es so, dass es mir nicht wirklich gut (lebenslang schon) geht durch große innere Unruhe, extreme Prokrastination, Verpeiltheit, einfach ganz viele typische Symptome.
Auf ADHS bin ich auch erst durch Zufall vor ein paar Monaten gestoßen, weil ich nach Ursachen für die Schulprobleme meines Sohnes suchte.

Der Arzt, bei dem ich war, ist angeblich auf Diagnostik ADHS spezialisiert.
Ich musste zuerst Fragebögen ausfüllen (gleiche Fragen, wie hier auf der Seite die Bögen), dann wurde EEG gemacht und dann zum Gespräch.
Er meinte gleich, dass meine Zeugnisse (lückenlos 1. - 10. Klasse) ja nicht auffällig wären. Ich machte ihn dann darauf aufmerksame, dass ich die 9. Klasse zweimal wiederholt habe (also mit Schulwechsel insgesamt 3 Mal gemacht), da hat er dann doch mal genauer auf die Zeugnisse geschaut. Unterdessen kam die Mitarbeiterin rein und gab ihm die Ergebnisse des Tests. Er hat nur auf die Punkte geschaut und meinte, zu 60% ADHS, 40 % eher nicht. Dann hat er nach meinen Schulleistungen gefragt und dann gemeint, warum es dann in der Ausbildung plötzlich ging.
Er fragte mich immer was und gab dann direkt meine Antwort in ein Diktiergerät ein („Die Patientin antworte auf die Frage -sowieso-…“). Dabei hat er noch alles verdreht und ich musste ihn mehrfach berichtigen. Dann hat er sich wieder angehört, was er in das Diktiergerät gesprochen hat und diktierte dann weiter. Es kam kein wirkliches Gespräch zustande. Ich war auch so baff, dass ich tatsächlich gar nicht viel von dem vorbringen konnte, was ich mir zurechtgelegt hatte.
Fazit war dann, dass die Tendenz zu ADHS da sei, aber die Spanne zwischen einem „ADHSler, der im Gefängnis sitzt und jemandem, der einfach zur eine Tendenz dazu hat, natürlich sehr groß sei“ und er das jetzt nicht so wirklich diagnostizieren könne, wenn ich aber möchte, dann verschreibt er mir Medikamente (nach Nachreichung Blutbild und EEG).
Er schreibt das alles in den Arztbrief und mit dem könne ich ja dann „machen was ich wolle oder zeigen wem ich wolle“, er könne eh keine Therapie machen, weil ich zu weit weg wohne, ich müsse mir jemanden in meiner Nähe suchen. Ergotherapie und Selbsthilfegruppen gäbe es auch noch, da müsste ich halt mal schauen.

War also echt übel und ich bin total verwirrt heim…

Was n das fürn Arzt?
Der kann doch nicht auf`s Geratewohl einfach irgendwelche Medis verschreiben, die müssen doch eindosiert und überwacht werden. :flushed:

Er meinte, ich könne es gerne mit den Medikamenten mal probieren.
Ist ein Arzt, der auch auf der Liste hier im Forum steht, der mir aber unabhängig davon von der ADHS-Sprechstunde in Erlangen genannt wurde, weil zu dem Zeitpunkt in Erlangen keine Termine vergeben wurden und sie dort gehört hatten, dass bei ihm wieder Termine frei sind.

Male, wegen des Dir vielleicht merkwürdig vorkommenden Verhalten eines Arztes mach Dir doch keine allzu großen Gedanken. Was habe ich seinerzeit (vor >10 J, da war ich so jung wie nun Du) über „meinen“ ADHS-Facharzt gegrübelt. Das war die Zeit, als ADHS bei Erwachsenen noch quasi nicht existent war – es war erstens enorm schwierig, einen kompetenten Spezialisten überhaupt zu finden und zweitens einen Termin noch in diesem Leben bei einem solchen zu erhalten. Da hat man(n) alles in Kauf genommen – inklusive des Klassikers, als der Hamburger ADHS-Arzt zum Ende des Gesprächs einfach aufstand, zur Tür ging und diese mit einer Geste aufriss, die eindeutig Jung (oder Deern), jetzt mach mal die Segeln klar bedeutete.

Nun ist der Doc wohl in Rente und ich vermisse seinen einzigartigen Stil immer noch… wir teilten uns einige Leidenschaften zur Technik (Fotografie, Elektroakustik) und Literatur… jedenfalls insofern ich das unseren kurzen Gesprächen entnehmen konnte.

Hallo Male,

als ich von deiner Erfahrung gelesen hab, dachte ich kurz: „War das der gleiche Arzt, bei dem ich auch war?“ Aber ich war nicht in Erlangen. :wink:
Ich hab aber eine ähnliche Erfahrung gemacht. Auch Diktiergerät, auch nur Tendenz, weil ja bis hierhin gekommen und Dinge geschafft… Ich hätte auch direkt Medikamente bekommen können, bei mir wurde allerdings das EKG und die Blutuntersuchung in der Praxis gemacht. Und als ich dann zur Besprechung der Ergebnisse hingegangen bin und mal nachgefragt hab, wie das eigentlich mit den Medis bei Kinderwunsch ist, da hat er mich erstmal mit großen Augen angeguckt und dann gemeint, dass er noch keine Patient:innen im gebärfähigen Alter hatte. Dann hat er sich ein paar Minuten was zu den Medis und Schwangerschaft durchgelesen und meinte dann, ich sollte wiederkommen, wenn das nicht geklappt hätte mit dem Kinderwunsch. :face_with_peeking_eye:
Nun ja, ich hab jetzt einen Termin bei einem anderen Psychiater im Februar. :smile:

Und dieser war eigentlich auf ADHS spezialisiert - es scheint da aber trotzdem große Unterschiede zu geben.

So ein Schwachsinn, sorry. Es gibt soweit ich weiß keinen Grund, wegen Kinderwunsches keine Stimulanzien zu nehmen.

Klar - sobald frau von einer Schwangerschaft weiß, muss sie zusammen mit ihrem Arzt die weitere Einnahme abwägen - und ist dann im Zweifelsfall bis zur Geburt bzw. bis zum Ende der Stillzeit wieder verpeilt und impulsiv. Da muss der Papa eben durch.

Aber quasi jahrzehntelang keine Medis nehmen, weil frau schwanger werden könnte?? Am Ende erledigt sich der Kinderwunsch, weil die Partnerschaft durch die nicht behandelte ADHS in die Brüche geht, das kann es ja auch nicht sein. Vielleicht meinte der Arzt das mit dem wenn das nicht geklappt hätte. :adxs_rolleyes:

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@Male wow, erst mal tut es mir wahnsinnig leid, dass du diese Erfahrung über dich ergehen lassen musstest! Ich weiß, es ist bestimmt super anstrengend, aber kannst du nochmal zu jemand anderen gehen? Und deine Erfahrung dabei ganz transparent ansprechen?

Ich hoffe, dass es für dich noch nickt ganz ganz durch ist :mending_heart:

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2 Beiträge wurden in ein neues Thema verschoben: Hier kommt Tilda

Ja. Genau das hab ich eigentlich auch gedacht und hab’s dann doch nicht über die Lippen gebracht, als ich im Behandlungszimmer vor ihm saß.

Und er hat wohl leider nicht gemeint, dass die Beziehung in die Brüche geht, sondern dass nach einer Vielzahl nicht erfolgreicher Kinderwunschbehandlungen die statistische Wahrscheinlichkeit sinkt, dass es noch klappt. Zumindest war das mein Eindruck im Gespräch. Zumal er immer davon sprach, dass meine ADHS-Ausprägung ja eh nur leicht sei.

Hallo ihr Lieben!

Vielen Dank nochmal für eure Antworten.
Ich musste jetzt erstmal ne Zeit über diesen verpfuschten Termin nachdenken…
Dann habe ich versucht, irgendwo einen anderen Termin zu bekommen. Hab dann letztendlich bei einer Spezialistin in München (250 km von mir entfernt) den letzten Termin für nächstes Quartal bekommen.
Bis dahin muss ich einen Lebenslauf schreiben, in dem ich mich und meine Probleme beschreibe. Das finde ich richtig gut, weil ich jetzt noch 3 Monate Zeit habe, das zu schreiben und ich dann mal alles geordnet mitteilen kann. Allerdings habe ich doch großen Respekt vor dieser Aufgabe, weil ich im Moment noch nicht genau weiß, wie ich sie bewältigen soll. Außerdem fürchte ich, dass ich erst kurz davor damit anfangen kann, weil ich es immer wieder rausschiebe.
Aber immerhin hab ich schon Stichpunkte dazu.
Ich hoffe sehr, dass dieser Termin besser wird und werde hier wieder berichten.

LG

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Oh, prima, dass du noch jemand andere gefunden hast. Blöd nur mit der Entfernung. :weary:

Wenn du das so lange aufschiebst bis kurz vorher, dann hast du ja schon mal einen Punkt für den Lebenslauf, der sich wahrscheinlich durchzieht. :wink: Und ich persönlich finde es, wie du auch, gut, Zeit zu haben, Dinge zu sammeln und nicht in der Situation selber mir das Hirn zu zermatern, was ich denn alles sagen wollte. Das klappt dann sowieso nicht. :face_with_peeking_eye:

Vielleicht kannst du dir ja im Handy oder in einem Notizbuch, das du immer dabei hast, immer wieder was aufschreiben, was dir einfällt. Und es dann am Ende ins Reine schreiben (wenn es das dann überhaupt braucht).

Ich drück dir die Daumen, dass der nächste Termin besser wird! :fist: :fist:

Dankeschön, ich hoffe es sehr. :orange_heart:

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Ein Vorschlag für deinen Lebenslauf. Es gibt für ADHS zahlreiche Listen wo Symptome aufgezählt werden. Du kannst dir dann immer ein Symptom schnappen und überlegen, ob dir was dazu einfällt, deine stärkste Erfahrung damit und schreibst es auf. Wenn nicht, dann gehst du zu dem nächsten und legst es zur Seite. Ich vermute du wirst während dieser Arbeit in einen Hyperfokus kommen und die Zeit vergessen - so ging es mir nämlich.

Dann machst du mit den Symptomen die du dir zur Seite gelegt hast, einen weiteren Durchlauf. Keinen weiteren, sonst verlierst du dich.

Am Ende ordnest du dir die Symptome mit den Beispielen, Problemen in deinen Lebenslauf ein. Was nicht in den Lebenslauf einsortiert werden kann, schreibst du entweder auf einen extra Zettel oder unter den Lebenslauf unter der Überschrift „Sonstiges“. Kannst ja alles auf dem PC machen, da kann man Fehler korrigieren. :smiley:

DU SCHAFFST DAS, WEIL DU DAS KANNST!

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