Lieber @Traumfresserchen wenn wir Dir irgendwie helfen können, vielleicht mit Tipps die Du für Deine Arzttermine oder Gespräche gebrauchen könntest, dann melde Dich wieder, vielleicht nützt es Dir etwas wenn Du erfährst wie es bei anderen während ihrer Abklärung so ablief.
Ich selbst habe meine Adhs Diagnose übrigens nicht sofort erhalten und das obwohl ich schon zu Anfang zu hören bekam das Adhs bei mir sehr wahrscheinlich sei.
Trotzdem musste ich aber den ganzen Prozess durchlaufen und viel Geduld aufbringen, bis ich Gewissheit hatte ob ich die Diagnose bekomme verging Zeit im Zeitraum bis zu einem halben Jahr, genau weiss ich es ehrlich gesagt nicht mehr, aber es war lang.
Bei mir war es z.B. so das ich zwei Therapien gleichzeitig hatte, eine Einzeltherapie und eine Gruppentherapie, dass ganze während meiner Abklärung, und auch noch danach.
Während der Einzeltherapie ging es hauptsächlich darum das ich von meinem Leben erzählte, heisst Quasi über alles was ich seit meiner Geburt bis zum heutigen Tag zu erzählen hatte.
Z.B. über meine Herkunftsfamilie, heisst meine Grosseltern, Urgrosseltern, Onkeln Tanten, und weiss der Geier, halt so alle möglichen „Familiengeschichten“.
Dann natürlich über meine Schulzeit und X abgebrochene Lehren, meine ersten Erfahrungen mit Alkohol und „Eskapaden in der Jugend“, z.B. was das feiern von Partys angeht und dabei Alkohol bis zum erbrechen getrunken zu haben, dann natürlich darüber das ich bereits mit 14 zu Rauchen angefangen habe, dann über meine Bindungsangst und wechselde Sexualpartner in meiner Jugend, dann über meine Ehe mit einem Mann mit stark entwickeltem Ego, über meine Kinder die meine liebsten Menschen für immer und ewig sind, über meine stark ausgeprägten Adhs Symptome die ich wahrscheinlich nie in den Griff bekommen werde, und halt auch über meine ganzen Ängste und Sorgen, über meine immer wieder kehrenden Depressionen, und Naja, halt kurz gesagt, über mein gesamtes Leben.
Und meine Psychiaterin und meine Psychologin haben bei all dem sehr oft die Augen aufgerissen und bei Ende einer Sitzung dann oft schon fast erhrfurchtsvoll gesagt: „Unglaublich Frau AbrissBirne wie sie das alles gemeistert und überstanden haben, unglaublich wieviel Kraft sie in ihrem Leben aufbringen mussten“.
Und ich habe nach diesen Worten dann geweint, weil mir erst da richtig klar wurde das dass stimmt, dass ich in meinem Leben immer sehr viel Kraft aufbringen musste, zum „ausruhen“ blieb mir eigentlich nie Zeit.
Wie auch immer, dann kamen die schriftlichen und mündlichen Tests und solche wo ich zuhören musste und wiedergeben was ich hörte, dann Logig, räumliches denken, Mathematik, Sprache, ect., weiss nicht mehr was da im einzelnen alles dabei war, weiss nur noch das mehrere Sitzungen dafür nötig waren.
Dann warten auf die Auswertung, dazwischen waren Feiertage, Ferien, auch ab und zu Fehltage wegen Krankheit, was weiss ich, jedenfalls zog sich alles ziemlich in die Länge bis dann das Ergebnis vorlag.
Meine Medikamente hatte ich schon vor meiner Diagnose bekommen, dass ich gut darauf reagierte, also so wie es bei Adhs wirken soll, hat wahrscheinlich auch noch dabei geholfen das man sich sicher war das ich von Adhs betroffen bin, obwohl das ausschlaggebende denke ich vor allem meine Lebensgeschichte war, und dann natürlich mein gesamtes Auftreten, wie ich rede, wie ich reagiere.
Naja jedenfalls, vielleicht können Dir die Erfahrungen von anderen Adhs’lern:innen irgendwie weiter helfen, und ich drücke Dir jedenfalls beide Daumen. 