Abgrenzung Neurotypen/Diagnosen

Danke fürs wieder Ausgraben der SPS. Ich weiß auch, dass die veraltet ist und als eigenständige Diagnose zu wenig hergibt. Vermutlich wird die durch die k-PTBS mit abgedeckt. Trotzdem hatte ich mich durch die Beschreibung der SPS sehr „gesehen“ gefühlt:

  • Einerseits nicht wirklich Interesse an losen Sozialkontakten, nur das nahe Umfeld. Ich schätze, ein bisschen anstrengend ist das für jeden, aber der Unterschied liegt im Grad der Belohnung/Anreiz/Incentive, also ob es den Preis wert ist.
  • Andererseits ein tiefes Einsamkeitsgefühl, getrennt sein von den Anderen, immer Zuschauer sein, nicht zugehörig fühlen.

Ja, es klingt widersprüchlich, und es soll jetzt auch nicht so wie Gejammer rüberkommen, so ist es nämlich im Moment nicht gemeint. So eine Art von Persönlichkeitsstil lässt sich ja noch als Lebenshaltung oder eine Art Philosophie praktizieren, wenn es sich bei der Grenze zur Störung oder Unangepasstheit bewegt. In den Blog lese ich manchmal ganz gern rein, weil der Blickwinkel da nicht immer ausschließlich klinisch ist, sondern auch etwas philosophischer. Vielleicht ist Otroversion z.B. auch einfach ein moderner Aufguss der SPS.

Freu mich über die Rückmeldung, weil mich das gerade sehr umtreibt.

Im Forum habe ich nach SPS schon gesucht und irgendwie nicht viel gefunden…

Aktuell bin ich wieder total unsicher. Ich schwanke zwischen Empörung, dass mir das diagnostiziert wurde, dem Gedanken, dass das nur als Diagnose genannt wurde, damit ich die Therapien bekomme, dem Gefühl dass es gut passt und dann wieder, dass es doch gar nicht wirklich passt… äh :zany_face: So mit den Kriterien tue ich mir auch schwer. Weil ich vieles nicht in einer Absolutheit erfülle, sondern nur teils.

Insgesamt bin ich auch sicher die “hidden form”. Ich kann auf andere zugehen und mache das auch. Ich mache auch “Small Talk” (rede dann gerne über alles, was mich so beschäftigt :smiling_face_with_sunglasses: ). Das strengt mich aber alles auch gleichzeitig so an. Und echt enge (emotionale?) Kontakte kann und will ich nicht zulassen. Wirklich vollends eingelassen habe ich mich im Leben auf wirklich sehr wenige Menschen. Vielleicht sogar komplett nur auf meinen Mann. Nicht so “hidden” ist, dass ich gar keine tiefen Freundschaften anstrebe.

Soziale Ereignisse meide ich gern (z.B. Firmenfeiern). Ehrlich gesagt, weil es nur sehr anstrengend und oft nervig ist. Was machen Erwachsene viel gemeinsam außer sich betrinken und endlos viel reden? Langweilig, wenn ich ehrlich sein soll. Ich muss da rumstehen und halt mitquatschen und masking betreiben. Ich gehöre da gefühlsmäßig weder dazu, noch will ich das… und überhaupt.

Was z.B. gar nicht zu mir passt, dass ich kalt oder gefühllos wäre. Ach, das wäre ich ja gern (am liebsten wäre ich Vulkanierin). :winking_face_with_tongue: Aber leider bin ich voller Gefühle. So voll, dass trotz einer ganz schönen Kontrolle (so nach einiger Selbstreflexion) ich sicher noch zu viel für meinen Geschmack nach außen trage. Und ich bin auch sicher, dass mich niemand als emotionslos beschreiben würde und einen “flachen Affekt” (?) stelle ich mir auch anders vor…

Insgesamt habe ich so ein nicht definierbares Aliengefühl schon immer. Das zieht sich durch mein ganzes Leben und ist nur in verschiedenen Ausprägungen. Das dürften die meisten hier ja auch kennen. :smirking_face:

Und danke für den Misanthropie Link. Den lese ich später noch.

Ich bin nämlich echt misanthrop. Und mich interessiert auch Nihilismus… Alleine diese Kombi hat’s in sich, dass man sich in die Weiten des Alientums katapultiert. :grin:

Ich finde sie auch etwas zu deskriptiv und kann mit der k-pTBS besser arbeiten. Letztere kann auch den Umgang mit interpersonellen Beziehungen verändern bzw. beeinträchtigen.

Mir ist im Leben nur eine einzige Person begegnet, auf die die Symptombeschreibung exakt passt wie die Faust aufs Knie. Er hat diesen Eindruck von flachem Affekt und „entkoppelt“ sein auch anderen gegenüber stark vermittelt. Klingt jetzt echt gemein, aber der Typ hat richtig unheimlich gewirkt. Er hat extrem viel geschwiegen und ab und zu mal einen kurzen Kommentar in einem extrem flachen neutralen Tonfall abgegeben.

Können kann ich das auch. :wink: Aber oft belohnt oder bereichert es mich zu wenig und strengt gleichzeitig an. Hm, früher hieß das noch Introversion.

Ist bei mir ganz genau gleich. Mein LG weiß vermutlich weit mehr über mein Innenleben als meine Mutter. Auch das kann Symptom der k-PTBS sein.

Furchtbar, es gibt nichts Unlohnenderes und Stressigeres als Betriebsfeiern!!! :nauseated_face:

Beruflich ist das für mich tatsächlich ein Problem und Hemmnis, dass ich schlecht im Netzwerken und Selbstvermarktung bin.

Dito. Also mir wurde bestimmt schon Distanziertheit angedichtet, obwohl ich es so nicht empfinde. Manchmal schätzt man Fremdwahrnehmung auch falsch ein. So eine kühle Fassade ist aber wahrscheinlich der einzige Schutz, damit es nicht überläuft.

Da macht es sich die „normale“ Welt manchmal auch sehr einfach, diejenigen als gefühllos abzustempeln, die kritisch, empfindsam und weniger angepasst sind. Mit „gefühllos“ ist ja dann oft eher das Ignorieren gesellschaftlicher Normen gemeint.

Heute würde man das vermutlich durch die verschiedenen Neurodivergenzen + k-PTBS abdecken. Und Persönlichkeitstraits wie Introversion/Extraversion trägen ja auch das eigene Erleben. Mir zumindest kommt es so vor, dass unsere Gesellschaft für Introvertierte immer anstrengender wird.

Das mit der Misantropie ist auch so eine Sache. Die Reizempfindlichkeit ist sicherlich der eine Faktor, der hat nichts mit Moral zu tun. Bei mir kommen aber auch moralische Faktoren hinzu wie z.B. Enttäuschungen darüber, …

  • … in Zeiten der Not im Stich gelassen worden zu sein
  • … belogen worden zu sein
  • … in eine fundamentalistische Religion reingezogen worden und wieder ausgestiegen zu sein
  • … zu erleben, dass Schutzbedürftige wie Kinder oder Behinderte oft die Arschkarte ziehen, aber niemand verantwortlich sein will
  • … zu sehen, dass wir als Gesellschaft so viel Wohlstand und so gute Voraussetzungen hätten, aber aus Ignoranz, Gier und Neid so viel Potential einfach verschenken

Ich habe mir gerade eine Doku über den Medienkonsum der heutigen Kinder angesehen und finde es einfach entsetzlich, dass wir unsere Kinder den Tech-Konzernen und deren Aufmerksamkeitsökonomie überlassen, die im Grunde nichts anderes als Körperverletzung betreiben, z.B. KI-generierter Italian Brainrot. YouTube Kids ist im Grunde nichts anderes als hyperschnell geschnittene kognitive Körperletzung unter dem Deckmantel von Kinderfernsehen.

Ich bin mit einem Lebensgefühl aufgewachsen, wo mit Technik noch sehr viel Hoffnung und Ambition auf Bildung und wohlstand verbunden war. Inzwischen finde ich es extrem schwierig, diese Hoffnung und Beziehung zu Technik zu bewahren und mir diese „Heimat“ nicht von der ganzen rein wirtschaftlich getriebenen Scheiße heute wegnehmen zu lassen.

Bevor das hier ein halbes Buch wird: Meiner Meinung nach gibt es genug Gründe, misantropisch und nihilistisch zu fühlen, und das muss nicht immer an einer psychischen Störung liegen. Da braucht man nicht mal Tierethik zu bemühen. Da reicht schon allein Humanismus aus und zu sehen, was Menschen einander antun. Misantropie kann also auch verkappter Humanismus sein, ist bei mir zumindest so. Es ist aber auch wichtig, sich davon nicht zu sehr vereinnahmen zu lassen, weil es in seiner Extremform nur noch destruktiv wirkt — auf einen selbst und auf andere. Daran muss ich auch immer wieder arbeiten und mir konstruktive Aufgaben suchen.

So, und jetzt gehe ich erst mal programmieren.

Du bringst wirklich so interessante Aspekte. Ganz ehrlich ich finde den Austausch gerade wirklich so gut.

Du hast auch recht, dass man es mit dem Nihilismus nicht übertreiben braucht. Also den moralischen (was sollte ich da machen? Da stelle ich mir was super ausschweifendes impulsives vor - läuft ja meiner Spießernatur total zuwider :grin: ) oder bezüglich der Logik sehe ich da bei mir auch kein Land in Sicht.

Auch will ich nicht zu negativ sein…

Manchmal kommt mir übrigens vor, dass ich schon die Verbindung zu meinen Gefühlen verloren habe. Letztens erst wieder bewusst geworden. Ich merke nur, dass ich was fühle und muss dann grübeln was das ist. Aktuell z.B. öfters mal so ein eigenartiges Gefühl im Bauch und dann verstehe ich, dass das Angst ist, weil sich Angst ja so anfühlt. Aber ich weiß nicht mal warum ich Angst habe. Und ich muss erst drpber nachdenken…

Oder ich analysiere gerade, wie ich mich in einer bestimmten Situation gefühlt habe. Und merke, da ist neben Wut (erkenne ich gut :wink: ) noch einiges anderes. Schrittweise ergibt sich das.

Vermutlich bräuchte ich echt eine Therapie, um alles mal wieder aufzudröseln. Aber ich weiß halt, dass ich mich drauf eh nur halb einlasse und dann nur fabuliere (halt mein Bild zu gewissen Teil wahre). Da kann ich mir Zeit und Geld gleich sparen. :unamused_face:

Mein Mann meint ja immer ich wäre ein Kopfmensch. Obwohl ich mich gar nicht so fühle, hat er evt. recht :upside_down_face:

Das klingt ziemlich genau nach Alexithymie. Das ist z.B. bei Autismus auch nicht so selten.

Hm, macht irgendwie auch Sinn, dass man damit als Kopfmensch wahrgenommen wird. Wenn man die eigenen Gefühle nur schwer erkennen und benennen kann, wirkt das eigene Gefühlsleben nach außen hin auch nicht so reich und differenziert wie es vielleicht in Wirklichkeit ist.

Autismus schließe ich halt bei mir aus, weil ich erfülle ganz sicher nicht alle Kriterien. Ich habe z.B. keine Routinen, die ich unbedingt brauche und bin echt eine (nun mal eher adhs-typische) Chaotin (hätte zwar wie alle echt sehr gern Ordnung, aber ich kann sie halt in den meisten Bereichen schlecht halten). Würde sagen, dass ich ein Gewohnheitsmensch mit einer Komfortzone bin (was auch manchen Ängsten geschuldet ist), aber ich muss nicht immer nach einer Routine vorgehen. Ich habe zwar einen gewissen Kontrollzwang (ich habe z.B. gern, dass andere die Dinge so machen, wie ich meine - es sei denn es gibt gute Gründe dagegen - also schon mehr als andere, aber täte sagen normal), aber autistisch ist der wohl nicht.

Und ich denke schon, dass Meine Theory of Mind normal ist (vielleicht nicht super, denke ich inzwischen, weil ich vermutlich eher von mir her projeziere - falls ich das Wort richtig deute; aber ich kann verstehen, wie sich jemand fühlen muss). Ich kann kognitiv Situationen erfassen. Ich bin eher nicht so super mit Gefühlen von anderen ablesen. Aber vermutlich fehlt mir Training. Also soziophobe Person schaue ich halt anderen auch ungern in die Augen. Musste mir das auch mühsam antrainieren…

Dass man seine eigenen Gefühle nicht immer zuordnen kann, denke ich halt ist auch in gewissen Grad normal. Aber ja, ich analysiere gerade wieder viel auch mein Innenleben. Aber ja, was andere gesagt haben und warum etc. analysiere ich auch gern. Und meine sozial geringen Batterien, die kann ich für mich einfacher mit einer vermuteten ADS erklären.

Wenn ich diverse Tests mache, kommt aber maximal was niedrig grenzwertiges raus. ASS passt halt nicht, obwohl ich da ehrlich auch schon viel drüber nachgedacht habe.

Ich bin ansonsten seeeehr selbstreflektiert. Aber wenn ich ehrlich sein soll, grenzt das schon an egozentrisch. :zany_face: Gerade wieder kreisen meine Gedanken so viel um mich, weil ich aus der Balance bin.

achso, und ich glaube, dass komplexere Gefühle nicht immer einfach zuzuordnen sind, denke ich, ist doch auch normal. Das ist doch etwas, was sicher absolute „Normalos“ (falls es die gibt :grin: ) auch erst mal beackern müssen. MAnche wohl mehr, andere weniger.

Was mir in letzter Zeit aber echt absolut zu denken gegeben hat, dass anscheinend die non-verbale Kommunikation angeblich so wichtig ist. Weil ich so viel drüber nachdenke, was gesagt wurde. Aber ich mache das wohl sicher eh intuitiv im Gespräch. Zumindest solange es nicht zu subtil ist, hoffe ich, dass ich den Subkontext irgendwie mitbekomme. Also wenn jemand sehr traurig ist, aufgeregt ist, oder wütend merke ich das ja.

Was ich aber ehrlich nicht kapiere sind so „strategisches“ Zeug. Für sowas bin ich zu blöd. Merke ich auch immer in Filmen, wenn da irgendsowas dahingestrickt wird. Da steige ich ganz oft aus. Ich bin einfach naiv und glaube echt zu lange an das Gute im Menschen, obwohl ich ja misanthrop bin! :zany_face:

Guck mal hier:

Ein bisschen sehr fachlich vielleicht, aber ich habe gerade beim Schauen einen Aha-Moment nach dem Anderen.

Edit: Jetzt bin ich durch mit dem Video und die Tränen laufen.

@tamaracha, ich sehe gerade erst, dass Du hier geschrieben hast. Du nennst meine “Tätigkeit” seit Anschauen des Videos, bin ziemlich aus der Fassung.

Im Scham-Thread habe ich noch viel mehr geschrieben, weil es da passender war. Hier hatte ich es noch reingepackt, weil sich die Symptome von @achtarm so gut damit deckten.

Wow, super Video. Mochte auch den Vortragsstil - vermutlich gerade, weil fachlich-emotionslos :wink:

Danke für die vielen Inputs. Mich bringt das wirklich gerade weiter.
Zusätzlich habe ich viel mit meinem Mann gesprochen die letzten Tage. Insgesamt fühle ich mich seit heute, dass ich wieder in meine Balance komme (die nicht gut ist, aber ok :wink: )

Hallo!

Zu den Eingangsfragen dieses Threads hat mich in letzter Zeit eine Frage umgetrieben, die im Zuge meiner Recherche zur Abgrenzung zwischen ADHS und Autismus aufkam. Und zwar, ganz simpel und eigentlich trotzdem unmöglich zu beantworten: wo zieht man zwischen diesen Neurotypen die Grenze bezüglich überlappender Symptome?

Eigentlich gibt es da in der Fachwelt eindeutige, wenn auch natürlich künstlich erschaffene, Cut-Offs bei diversen Tests und Fragebögen. Wer die Kriterien beider Störungen ausreichend erfüllt, erhält beide Diagnosen.

Aber gleichzeitig ist mir besonders in den sozialen Medien immer wieder aufgefallen, wie unscharf diese Grenze gezogen wird. Da wird beispielsweise davon gesprochen, dass Reizüberflutung spezifisch autistisch sei, was aber dem Erleben vieler Leute mit nur einer ADHS widerspricht. Auch die Fachliteratur sagt eindeutig, es sei auch ein Symptom von ADHS.

Auf der anderen Seite wird Autismus langsam zu einer Art Ansammlung von mehr oder weniger starken Persönlichkeitsmerkmalen, die sich dann in (für mich) absurden “Symptomen” wie “ich kann nur die Kreuzworträtsel links auf der Seite lösen” auflisten lassen. Manchmal bezweifle ich dann komplett unprofessionell und ferndiagnositisch die ASS-Diagnose dieser Personen. Selbstverständlich sehen wir von einer Person lediglich einen winizigen Ausschnitt auf den den sozialen Medien und ich halte mich bei der Frage heraus, ob Mensch X nun autistisch ist oder nicht.

Aber die Grenze zur ADHS und auch zu ganz menschlichen Vorlieben (gar nicht erst anzufangen von anderen Störungen wie Zwängen) scheint mir da immer mehr zu verwischen.

Mal weg von den mehr oder weniger nicht-sozialen Medien, selbst die Fachwelt schafft es für mich nicht ganz befriedigend die Abgrenzung vorzunehmen. Außer man taucht tief in die Stereotyp-Kiste ein und diagnostiziert eben wieder danach: klassisch autistisch, klassisch ADHS. Stempel drauf, fertig. Der Rest erhält dann andere Diagnosen, ob korrekt oder nicht.

Ein paar Merkmale reichen eben nicht für eine ASS oder ADHS Diagnose und das finde ich durchaus gerechtfertigt. Zu enge Grenzen schließen allerdings wieder zu viele Menschen aus, denen die Diagnose(n) helfen würde.

Trotzdem, wenn ich von den ganz realen, manchmal sehr heftigen Schwierigkeiten autistischer Menschen im Alltag lese oder höre, dann frage ich mich schon, mit welcher Rechtfertigung manch anderer ohne diese heftigen Probleme die ASS Diagnose verdient hat. Autismus (gleiches gilt für ADHS natürlich auch) ist doch eine Behinderung, nicht eine kleine Unbequemlichkeit am Rande des eigenen Lebens. Bitte nicht persönlich nehmen, das sind recht ungefilterte Gedanken. Ich möchte niemandem die Diagnose absprechen.

Sollte man wieder einfach gucken, welche Merkmale stärker ausgeprägt sind und danach die Diagnose stellen? In Ermangelung einer richtig handfesten Abgrenzung? Erscheint mir auch schwierig.

Entschuldigt den kleinen Roman, das ging mir im Kopf herum.

Ja, schwierig.

Mein Sohn wirkt auf manche autistisch. Aber er erfüllt die Kriterien einfach nicht, beziehungsweise nicht genug. Er ist auch “zu einfühlsam”, hat eine gute Theory of Mind und ich denke, das ist das Hauptkriterium bezüglich ASS.

Genau die Symtome, die er so aus dem autistischen Spektrum zeigt, sind aber schon auch die auffälligeren.

Was sich bis jetzt nicht in ADS einordnen lässt als Laie sind folgende Dinge:

  • Er zieht echt sein Ding durch - egal, was andere sagen.
  • Autoritäten erkennt er nicht und anerkennt er nicht wirklich - was vor allem in der Schule einiges an Problemen gibt. Nur, weil ihm da jemand sagt, er soll xy machen, ist das ja an sich kein Grund das zu tun. :zany_face: Er verweigert sich nicht ganz, aber es gibt doch immer wieder ziemlich Themen in die Richtung…
  • neue Situationen sind immer schwierig. kein novelty seeking. Er mag nur neues Spielzeug, das inspiriert ihn. Aber neues ausprobieren sei es Essen, neue Hobbies, neue Kinder kennenlernen etc. → alles sehr schwierig und es gibt oft Drama; das finde ich persönlich immer atpyisch für ADS

Manchmal ist er richtig verschroben. z.B. ist er einerseits total heikel beim Essen (schrammt aus meiner Sicht an einer Esstörung von Baby an), aber interessiert sich dafür für total absurde Sachen zum essen. Steckt auch mal eklige Sachen in den Mund :nauseated_face:

Überhaupt sein Mundbereich ist sehr sensibel und auf der anderen Seite steckt er als Volksschüler noch immer Sachen in den Mund oder berührt sie mindestens mit den Lippen. Das hat man bei der Austestung erklärt mit “aus der oralen Phase” hängen geblieben, oder so ähnlich - naja, fand ich nicht wirklich gut nachvollziehbar. Gut, das kann evt. auch ein ADS Ding sein?

Dass er autistisch ist, glaube ich inzwischen nicht. Aber einiges seiner Macken, passt nicht wirklich zu ADS allein, finde ich. Was das dann ist, weiß ich auch nicht…

Ich muss gestehen, manche seiner Gedankengänge und Ideen sind mir auch etwas fremd.

Er ist aber manchmal auch typisch quirlig, was ich echt hasse. Wenn er so um mich rumrennt, wird mir wirklich schlecht. Seine Unruhe ist echt Gift für mich manchmal…

Hätte das in einer nahezu perfekten Welt wo jeder Individuell seiner Bedürfnisse nach Unterstützung bekommen würde eine Relevanz und wärs dann ok auch als „leicht“ Betroffener Autist die Diagnose zu bekommen?

Guten Abend,

Ich glaube es ist wichtig zwischen Symptomen und diagnose Kriterien zu unterscheiden. Und da sind ADHS und Ass schon sehr unterschiedlich.

Gibt ein gutes Paper zur Differentialdiagnose https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/a-0959-2034.pdf

Kernaussage: im Zweifel ist wichtig, WARUM die Person es macht.

Autistische motivation: Interesse, Struktur, Reduktion Überstimulation, Überforderung mit sozialem Verständnis

ADHS motivation: Impulsivität, Ablenkbarkeit, Stimmung, ..

Hat mir sehr geholfen zu erkennen, dass ich beides bin.

(Hinten ist an Beispielen eine sehr detailliertere Liste möglicher Motivationen drin).

LG

Flo

P.S.: ja auf social Media wird viel behauptet :wink:

Guten Abend,

Nur ganz kurz: gute Theorie of Mind sowie “zu Empathisch” muss nicht heißen kein ASS.

  1. Theory of mind man selektiv sein. Ich (AuDHD diagnostiziert) habe z.b. überhaupt kein Problem positive Motivation und Schmerz er erkennen, aber große Schwierigkeiten so was wie Neid, Missgunst, taktische Motivation oder Konformitätsmotivation zu lesen. Das war auch schon als Kind so
  2. ADHS und ASS gemeinsam präsentieren anders als jeweils alleine

Viele der Dinge die Du von Deinem Kind beschreibst klingen für mich eher autistisch in der Grundprägung.

Nie vergessen: Autismus besteht nicht aus einzelnen Symptomen, sondern ist eine andere Art zu sein. Bei hohem IQ, zusätzlichem ADHS, femininen Interessen etc. Kann das für Außenstehende sehr “unautistisch” wirken.

Leider keine Zeit gerade für mehr Differenzierung aber frag gerne nach bei Interesse.

Hg

Flo

Guten Abend,

Kurze Reaktion darauf: you can’t see the struggles from outside..

Ich wirke auf andere, als hätte ich kaum Probleme im Alltag.. Teilweise habe ich die inzwischen auch wirklich nicht mehr (nach übermenschlichen Anstrengungen und jahrelanger Therapie), teils kompensiert sie mein Ehemann, teils maskiere ich.

Niemand der mich im Alltag sieht würde meine lange Liste an Problemen vermuten, u.a. schweres Übergewichtig (gemanaged inzwischen), alle legalen Süchte einmal durch, massive emotionale Einbrüche, keinen Job länger als drei vier Jahre durchgehalten..

Wer eine ASS Diagnose bekommt hat echte Probleme. Es ist ziemlich schwer, diese zu bekommen.

LG

Flo

Und davor gibts recht häufig erstmal „nur“ die ADHS Diagnose… hatte ich gelesen.