abhängigkeits- & suchtpotenzial bei methylphenidat & amphetamine/elvanse

liebe adxs-community,

mir wurde vor kurzem von meinem psychiater ritalin verschrieben, um mein ADHS zu behandeln. derzeit befinde ich mich in der titratiosnphase. die ersten erfahrungen mit ritalin sind jedoch nicht eben vielversprechend und – soweit ich dies zu dem zeitpunkt schon beurteilen kann – das medikament scheint meine hauptprobleme (sehr leichte ablenkbarkeit & emotionale labilität) nicht aufzuwiegen. ich habe deswegen heute mit meinem psychiater über eine mögliche umstellung zu elvanse gesprochen. er hat mir davon aber dringend abgeraten, da angeblich das suchtpotenzial bei elvanse gegenüber ritalin größer sei. meine recherchen – auch auf ADxS.org – konnten diese annahme jedoch nicht bestätigen.

daher zwei fragen an euch:

(1) gibt es verlässliche quellen, am liebsten studien, die das abhängigkeitspotenzial von methylphenidat im vergleich zu lisdexamfetaninen darstellen?

(2) gibt es berichte von menschen, die das abhängigkeitspotenzial von elvanse und/oder ritalin belegen?

ich freu mich über hinweise!

Studien zu etwas, das es nicht gibt? Wäre ja nun wirklich kalter Kaffee.

Aber abgesehen davon: Gib nicht zu schnell auf mit dem Methylphenidat! Es ist nicht immer einfach, die richtige Dosis zu finden und die Verbesserungen (die oft anders stattfinden als man erwartet) zu bemerken. Lebst du allein oder mit (Ehe-) Partner, Kindern oder sonst jemand, der/die dir Rückmeldung geben kann?

:willkommen

Nee, also, soweit es meinem Kenntnissstand entspricht soll es genau umgedreht sein: Ritalin und untretadiertes MPH können eher als „Droge“ missbraucht werden als Elvanse. Bei Ritalin und unretadiertem MPH spürt man halt das An- und Abfluten, bei Elvanse nicht.

Es ist an der Zeit, dass jemand hier ein Buch über die absurden Aussagen und Verhalten von „Ärzten“ schreibt. Von mir aus auch sarkastisch, wobei es tatsächlich nicht mehr lustig ist.

Ich kann dir meine persönliche Erfahrung geben. Nehme seit mehr als ein Jahr sowohl Ritalin als auch Elvanse und kann diese problemlos absetzen. Habe dabei weder psychische noch körperliche Schwierigkeiten. Nur mein Adhs und die Begleiterscheinungen wieder

ja danke, ich gebe MPH noch eine weile eine chance! der hinweis mit dem feedback von aussen ist hilfreich. ich bin in einer engbegleiteten therapie, wo ich am besten feedback bekommen kann…

Ich nehme seit einigen Tagen MPH und habe zwischendurch das Gefühl, dass es kaum etwas bringt. Vor allem, was die Konzentration betrifft. Wenn das Medi jedoch abflutet, merke ich eine sehr deutliche Verschlechterung. Erst so wurde mir klar, dass da doch eine positive Wirkung sein muss. Während der Wirkung fällt es mir nicht so sehr auf. Aber auch ich muss bestimmt noch etwas an der Dosis ändern.

Meines Wissens wird bei ADHSlern mit Sucht-Vorgeschichte gerne Atomoxetin verordnet, da es diese Sucht-Areale nicht so triggert (@UlBre weiß da sicher mehr - ich rotz es einfach mal so dilettantisch raus). Ob das notwendig ist, kann ich nicht einschätzen.

Die Gefahr, die ich sehe:
Oftmals werden von Stimulanzien bestimmte Effekte erwartet. Was halt so kolportiert wird - der „Vorhang, der sich hebt“, die „Ruhe, die einkehrt“ - oder einfach auch die leichtere Überwindung der Schwerkraft beim Prokrastinieren.

Das Problem ist, dass Stimulanzien sehr unterschiedlich wirken, abhängig vom Persönlichkeitstyp und der individuellen Veranlagung und Problematik.

Aufgrund der Erwartungen wird aber gerne recht zügig immer weiter hochdosiert, wobei man den Punkt, an dem sie je optimal wirken, vorbeidosiert und dann überdosiert ist.
In der Konsequenz nutzt man dann die Stimulanzien missbräuchlich.

Gerade der etwas erhöhte Antrieb, der Push durch die Stimulanzien sollte nicht ausschlaggebend sein. Der geht irgendwann vorbei.

Die Mittel sind dafür da, Selbstkontrolle und Selbstregulation zu ermöglichen, und uns in die Lage versetzen, Strategien zu entwickeln.
Sie erlösen uns nicht von unserer Disposition und nehmen uns die Arbeit keinesfalls ab.

So zumindest meine Erfahrung nach eineinhalb Jahren.

Irgendwie verstehe ich nicht worum es hier geht.

Ich hab es so verstanden, dass der Arzt meinte, dass die Stimmulanzen an sich süchtig/ abhängig machen. So wie ADs z.B.

Oder geht es um Missbrauch? Wenn ja, dann ziehe ich mein Vorpost zurück.

nein, es geht nicht um missbrauch, sondern um das abhängigkeitspotenzial durch die ärtzlich begleitete medikation von elvanse…

Ist ein bisschen schwierig zu bewerten, denn letztlich sind wir ja auf das Medikament angewiesen - wo liegt da die Grenze zur „Abhängigkeit“ - oder: ist das nicht schon Abhängigkeit?

Klar krieg ich den Flattermann, wenn ich es nicht habe (ich mein, gegen ebenjenen nehme ich ja Stimulanzien) - und der fällt mir auch unangenehmer auf als zu der Zeit, als ich noch nicht medikamentiert war.

Ich denke, der Arzt bezieht sich auf die leicht antriebssteigernde und stimmungsaufhellende Wirkung. Daher mein Post.

Zur Ausgangsfrage (Studien) kann ich nichts beitragen.

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Schau mal hier, villeicht hilft dir das zur weiteren Recherche ?

<LINK_TEXT text=„https://www.adxs.org/adhs-behandlung-th … _als_droge“>Amphetaminmedikamente bei AD(H)S - ADxS.org</LINK_TEXT>

<LINK_TEXT text=„https://www.adxs.org/adhs-behandlung-th … terschied/“>https://www.adxs.org/adhs-behandlung-therapie/medikamente-bei-adhs-uebersicht/medikamente-und-drogen-der-unterschied/</LINK_TEXT>

Ansonsten verstehe ich eigentlich nicht so ganz worin von Ärzten nun die Sorge zur Abhängigkeit besteht.

wenn einem ein Medikament was nützt , dann ist man doch automatisch davon „abhängig“, so wie ein Diabetiker eben von Insulin.
Das eine Art von „Abhängigkeitsgefühle“ entstehen können, ist doch Sache der Natur.
wenn ich einen Auslassversuch mache, habe ich keine Abhängigkeitsgefühle als körperliches und psychisches Symptom was nach der Medikation schreit , so wie man das bei einer Tüte Chips hat :wink: dann ist halt das einfach das volle ADHS-Program in mir wieder am Werke. Dann entscheide ich mich doch nur wieder zur Medikation weil mir der Tag damit besser gelingt.

In der Regel erreicht man irgendwann seine Dosis und hat kein Bedürfniss nach immer mehr und wenn einer immer mehr nimmt setzt einem die Überdosis schon ein Ende.

Man kann doch nicht eine Krankheit diagnostizieren, die man hat bis man ins Gras beisst und zugleich sagen aber die Medis bekommen sie nicht, nicht dass sie die noch bis ans Lebensende haben wollen :mrgreen:

Wenn ADHS durch Medikation heilen würde und man möchte dann immer noch das Medikament , dann wäre es aus meiner Sicht eine Abhängigkeit.
Aber ADHS heilt ja nicht .

Nach Absetzen von Concerta hatte ich keine Entzugserscheinungen. Aber als ich anfangs mal Venlafaxin verschrieben bekam, kam es ab und zu vor das ich sie vergessen hatte, und dann nach dem 2 Tag hatte ich richtig heftige Entzugserscheinungen, mit Schweissausbrüchen, zittern und allem was dazu gehört. Das war echt übel, seit dieser Erfahrung hatte ich dann nie mehr vergessen, die einzunehmen. Ich bin nun schon seit einiger Zeit ohne Medis, und mir geht es damit ehrlich gesagt wirklich besser. Denn die Medis bekämpfen zwar die Symptome bis zu einem gewissen Grad, eine Zeit lang kann das auch wirklich hilfreich sein. Aber als „Dauermedikation“ möchte ich davon nichts wissen. Man muss irgendwie lernen damit zu leben, sich selbst akzeptieren, und dafür gibt es nun mal keine „Pillen“.

Elvanse ist als Droge schlicht nicht zu gebrauchen.
Bei Elvanse ist der Wirkstoff an Lysin gebunden (Wie beim Schmerzmittel das Ibuprofen bei Ibu-Lysin) und daher nur gaaaaanz laaaaangsaaaaaaam über den Darm ins Blut und da dann erst in den Wirkstoff umgewandelt.
Elvanse durch die Nase bringt nullkommanullnix.
Elvanse überdosiert bringt auch nix, weil es einfach zu langsam anflutet.
Daher ist es auch deutlich sicherer als unretardiertes MPH, weil es den Spiegel eben nicht so schnell auf- und abbaut. Und das ist - neben der Quote der Rezeptorbelegung - die zweite Voraussetzung dafür, dass etwas als Droge wirkt.

Wenn jemand einen Rausch will, kriegt er den für einen Bruchteil des Medikamentenpreises hinterm Bahnhof oder in der Disse.
Dafür eine komplette Diagnostik zu machen, und regelmäßig zum Arzt zu rennen, der ggf auch noch Urinproben will, ist kompletter Unfug.
Vielleicht gibt es ein paar Drogis, bei denen inzwischen so wenig Hirn übriggeblieben ist, dass sie diesen schmalen Pfad trotzdem probieren. Die müssen dann aber schon so kaputt sein, dass ein Missbrauch von AD(H)S-Medikamenten auch nicht mehr viel verschlimmern kann.
Ärzte, die hier Achtung rufen, haben entweder nicht verstanden, was sie da sagen, oder sie hängen in einer Kommunikationsblase. Es gibt ja genug Ritalinhasser da draussen, die erstaunlich viel Meinung haben für ihr bisschen Ahnung.

Ich warte noch auf einen Arzt, der mir ein ernsthaftes Sachargument liefert, warum oder wie Elvanse drogenmässig riskant sein soll.
Bisher habe ich noch nichts gehört, was auch nur im entferntesten belastbar gewesen wäre.
Die Fachliteratur gibt dazu jedenfalls nichts her.

Falls der Doc dabei bleibt:
Wechseln.

Viele Grüße

UlBre

danke für die ausführungen, @UlBre.
mir geht es allerdings weniger um die missbräuchlcihe verwendung von elvanse als droge, sondern um das abhängigkeitspotenzial des wirkstoffes in der verabreichung als ADHS medikation. ich habe den doc so verstanden, dass das suchtpotenzial des wirkstoffs dazu führen kann, dass die dosierung immer gesteigert werden muss & das medikament nicht abgesetzt werden kann. so war das gemeint.

wie ist wohl dieser zweite satzteil gemeint? :wink:

Das dürfte jetzt ausreichend beantwortet sein?

Wenn Du ADHS hast, bist Du „abhängig“ von Deinem Medikament - so wie ein Kurzsichtiger abhängig von der Brille oder ein Diabetiker abhängig vom Insulin ist.
Wenn Du die Medikation absetzt, dann wirst Du sicherlich etwas brauchen, bis Du Dich „zurückgewöhnt“ hast. Der unmedikamentierte Zustand, den Du zuvor gewohnt warst, wird unangenehm erscheinen - bis Du Dich wieder dran gewöhnt hast.

Es gibt wie gesagt die Möglichkeiten:

a) Du findest „Deine“ Dosis und bleibst dabei.
b) Du dosierst zu hoch (vorbei an Punkt a) und kommst in den missbräuchlichen Bereich, weil Du von der Antriebssteigerung profitieren möchtest.
c) Du hast kein ADHS - damit fällt der Bereich a) weg und Du bist gleich in b).

M.E. bezieht sich Dein Arzt auf b) oder c). Ansonsten würde ich den fluchtartig verlassen.

Das ist Deine Entscheidung.
Aber den zweiten Satz solltest Du nicht mit „man muss“ sondern mit „ich will“ einleiten. Denn „man“ muss das gar nicht.
Selbstakzeptanz und ADHS-Medikation haben nichts miteinander zu tun, selbst mit Medikation muss man lernen, sich anzunehmen.

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danke, ich finde diese argumentation sehr überzeugend & hilfreich! (& auch was du zuvor schon geschrieben hast.) ich werde den doc nochmals damit konfrontieren.

Nein muss man nicht!!!
Nach 35+ Jahren nervös und angepisst durchs Leben gelaufen, habe ich mich dagegen entschieden. Gottseidank gibt es Pillen, damit ich nicht weiter so muss.

Selbstakzeptanz, Austausch und darüber reden bringt leider sehr wenig, wenn die Chemie in der Birne nicht stimmt.

Soviel ich hier rauslesen kann, hast du nur ein Adxs Medikament ausprobiert. Auch deine Verzweiflung liest man aus den paar Beiträgen von dir deutlich. Also bringt dir die Selbstakzeptanz, Reden usw. wohl auch sehr wenig.

Mein Rat für dich wäre, andere Adxs Medikamente eine Chance zu geben. Am Ende kannst du dann entscheiden, ob du sie auf Dauer brauchst oder nicht.
Denn Stimmulanzen können jederzeit abgesetzt werden!

Ich würde dem Doc sagen, dass sich seine Aussage, dass Elvanse/MPH abhängig macht, sich nicht mir deinen Recherchen und der Meinung von vielen Betroffenen deckt. Du könntest ihn fragen, ob er einen Kollegen hat, wo du eine Zweitmeinung bekommen könntest. Ansonsten müsstest du einen anderen Arzt suchen, da du bei ihm kein weiterkommen in der Therapie erwarten kannst.

Einige schreiben, dass man mit Methylphenidat sehr genau seine richtige Dosis finden muss. Das kann im Extremfall auch innerhalb von 2.5mg ausmachen. Also ob 20mg oder 22.5mg kann schon ein unterschied machen. Und die Range geht von 5mg - 60mg oder sogar selten noch höher.

Dann sage ich dir noch, was ich immer wieder lese, höre und auch in Fachbücher lese: Methylphenidat und Lisdexamphetamin machen NICHT abhängig, WENN man AD(H)S hat. Wenn man kein AD(H)S hat, dann schon. Das liegt einfach daran, dass man ohne Krankheit, den Dopamin Spiegel über das normale Level hebt und der Hirn dann herunter drosselt (->Droge, Abhängigkeit). Mit AD(H)S hebt man das Dopamin Level auf ein normales Niveau und das Hirn findet das auch cool so und freut sich. MPH und Elvanse kann man jederzeit absetzen und wieder nehmen. Langsam eindosieren macht man nur bei ersten mal, weil man nicht weiss, wo die ideale Dosis liegt.