ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ich finde die Hochbegabung zum Teil noch hinderlicher als ADHS, zumindest im Umgang mit anderen Menschen. Es ist sehr schwierig, mit Nicht-HB über die Thematik zu reden, weil es zumindest meiner Erfahrung nach bei den Gesprächspartner*innen schnell ein Minderwertigkeitsgefühl auslöst, ein Angegriffensein oder eine „So schlau wie Du bin ich schon lange“-Reaktion. Hb zu sein ist in en Augen Dritter ein Luxusproblem, genau wie zu dünn zu sein.

Als ich das erste Mal jemanden getroffen habe, der so ist wie ich, war das eine ganz ganz merkwürdige Erfahrung. Nun hat er auch kein ADHS, sprich er konnte seine HB viel besser nutzen als ich und auf einmal kam ich mir eingeschränkt vor mit mit meinen schlechten Gedächtnis und meinem fragmentierten Wissen.

Jetzt, wo ich durch Medikamente halbwegs „normal“ funktioniere, merke ich erst, wie beeinträchtigt mein HB-Ich durch ADHS wirklich ist. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die dem nachtrauern, was hätte sein können, auch hier nicht, aber kacke find ich es trotzdem. :smiley:

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In einem Eimer voll davon ist Dabrowski mit seiner Theorie der Positiven Desintegration vielleicht Dein bester Reiseleiter: durch die Kacke zu den Sternen.

Posttraumatisches Wachstum - und dann gerade durch die Probleme verstehen, dass überdurchschnittliche Lösungskompetenz auch mit an Bord ist und vielleicht doch noch alles in Balance gebracht werden kann?

Hoffnung ist jedenfalls wichtig, um den präfrontalen Cortex angeschaltet zu lassen: https://www.youtube.com/watch?v=RKVSDQaxHjE

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In weiß ich nicht wohin mit diesem Filmchen, aber fand ich noch zum Thema Faulheit.

Vor allem kann man damit so richtig trainieren wenn man als ADHSler darunter „leidet“ weil man im Kopf immer schon 5 Meter schneller andere Leut’s Sätze vervollständigen kann.

Ich fühle mich mit dem Film schon fast gefoltert :rofl:, sollte vielleicht mal testen wie es sich unter Medikation anfühlt :sweat_smile:

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Für jeden Menschen auf diesem Planeten, ist das individuell erlebte, akute Lebensproblem das Wichtigste. Damit meine ich nicht eine verlorene 2 Euro Münze oder das man eine Verabredung verpasst hat. Je nach individueller Schwere des Erlebens des Problems kann es bis zum Suizid gehen.

Und ist es denn immer ein Luxusproblem? Ich denke nein, es ist eine nachvollziehbare aber verkürzte Sichtweise die in eigentlich allen Menschen zumindest veranlagt ist. Aber es gibt Hoffnung. Der Mensch kann sich entwickeln…

Also ich war diesen Sommer in einer Klinik mit einer eigenen ADHS Abteilung. Also 23 plus meine Wenigkeit. Das ADHS die HB beeinflusst ist schon richtig. Dein Hormonstatus T/Ö macht das auch…Spaß beiseite. Ich denke hier lohnt ein zweiter Blick. Was ist mit Kreativität z.B.? Anders herum beeinflusst die HB sicherlich auch die ADHS. Das ist zumindest mein neuer Erfahrungshorizont.

Wenn du Dich in einem singulären Punkt mit einem anderen Menschen vergleichst, dann wird es immer unterschiedlich sein. Macht das dein Gegenüber übermächtig als Gesamtperson oder ist es eher ein persönliches Erleben, weil der Punkt für Dich so wichtig ist?

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:rofl:

Das mit der Kreativität ist ein echter wunder Punkt bei mir. :expressionless:

Bei Aufgaben, die Kreativität und Phantasie erfordern, z.B. Gitarre spielen, Gedichte schreiben, bin ich fast schon stumpfsinnig geworden, d.h. die Einfälle stocken und gedanklich wird nicht rumprobiert, sondern immer das nächste genommen.

Bei Idiotenjobs, zb. Alphabetisches Einsortieren der CDs im Regal oder Telefonbuch ausfüllen mit Namen und Nummern dahinter, bin ich 1oo mal besser geworden.

Als Fazit könnte man sagen, bei allen Jobs und Aufgaben, die mir nichts bedeuten, bin ich effektiver geworden.

Unter Elvanse arbeite ich also nicht mehr wie ein verträumter Hypo, sondern wie ein Roboter oder Duracell-Häschen.

Bisher habe ich mich nicht darüber beklagt, durch Elvanse sprichtwörtlich stumpfsinnig zu werden, weil man als Stumpfsinniger tatsächlich besser, d.h. effektiver durchs Leben kommt.

Ich weiß nur nicht recht, ob das der Sinn der Sache sein soll. Wahrscheinlich schon, man soll ja unter Medikation tatsächlich mehr hinkriegen.

Witzigerweise wird meine Hirnleistung unter Elvanse um einiges besser und ich kriege sogar einiges viel besser geschnallt. Ich kann wesentlich gezielter und strukturierter eine Argumentation nachvollziehen und auch von mir geben. Ohne Elvanse ist das oft wie so ne dicke Suppe aus Fragezeichen. (Oder auch komplexe Zusammenhänge etc. erschließen)

Also bei mir schärft sich der Verstand unter Medikamenten. :thinking:

Edit: Und meine Kreativität, wie oft nachgesagt wird, ist nicht abhanden gekommen. Im Gegenteil. Ich kann sie deutlich besser einsetzen und ich komme Grundsätzlich auf Ideen, auf die ich vorher nie gekommen wäre.

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Ich bin jetzt mit Sicherheit nicht Hochbegabt, will mich aber auch dazu Mitteilen. Die Wirkung bei Elvanse zeigt sich bei mir immer mal wieder, vereinzelt, wechselhaft, mal so mal so.

Was ich aber zur „Kreativität“ sagen kann ist, dass die Impulsivität nach Wirkende mich tatsächlich mehr Improvisieren lässt, sogar zuweilen mutiger macht, was ganz nützlich ist. Die lästigen Dinge, die auch bei der Kreativen Arbeit anfallen, mache ich dann aber unter Elvanse. :grin: :+1:

Gibt es auch Artikel zum Thema ADHS mit unterdurchschnittlicher Intelligenz? Darüber findet man im Internet ja garnichts und dürfte laut Statistiken nicht zu wenig Leute betreffen.

Meine Theorie dazu (Vermutung):

Bei stark unterdurchschnittlicher Intelligenz könnte ich mir vorstellen, dass die Diagnose evtl gar nicht gestellt wird, weil die Symptome dann damit erklärt werden.

Bei leicht unterdurchschnittlicher Intelligenz ohne Medikation könnte man vielleicht davon ausgehen, dass durch Medikation die Intelligenz in den normalen Durchschnitt kommt…

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@Nono eine interessante Vermutung, und ich habe mir auch schon die selben Fragen dazu gestellt.
Allerdings weiss ich aber z.B. noch sehr gut, dass bei meiner Testung diverse Testbögen dabei waren bei denen unter anderem die Intelligenz ermittelt wurde.
Meine Psychologin gab mir dann nach der Auswertung der Testbögen bekannt das mein IQ Wert zwar keine Hochbegabung anzeige, aber trotzdem weit über dem üblichen Durchschnitt läge, und das die meisten die diese Tests abschlossen deutlich unter meinen Werten lägen, was mich total überrascht hatte, denn ich hielt mich mein Leben lang immer für dumm.
Wie auch immer, soviel mir bekannt ist wird der IQ Wert also bei einer Adhs Testung sowieso ermittelt.
Andererseits sind da ja auch die Symptome die einem erfahrenen Psychologen sofort ins Auge stechen, wie z.B. Impulsivität, Zappeligkeit, leichte Ablenkbarkeit, Verträumtheit und so weiter und so fort. :heart:

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Denkst du die ADHS Hauptmerkmale wie Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizite usw. haben eine direkte Korrelation zu Intelligenz?

https://econtent.hogrefe.com/doi/10.1024/1422-4917/a000155 falls es was hilft.

Es gibt keine dummen Menschen, nur welche, die etwas länger brauchen, etwas neues zu lernen.

Ich muss aber zugeben, dass ich mir manchmal so „dumm“ vorkomme, dass es nervt. Wäre dem aber so, würde man sich, vermutlich, nicht einmal die Frage stellen.

Meine Aussage „Ich bin nicht dumm!“ war wohl mal wichtig genug, um in einem meiner Gutachten zitiert zu werden. Ich musste dort, vor etlichen Jahren, den „Mehrfachwahl-Wortschatz-Intelligenztest“ (MWT-B) machen, da hatte ich dann mit einer glorreichen 91 gepunktet. :grin: :+1:

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Willst Du mal schreiben, warum das gerade wichtig für Dich ist? Eigentlich hattest Du doch selbst schon alles Relevante dazu hier (Link) geschrieben.

Eine direkte Korrelation ist jedenfalls für die gängigen Testungen zu berücksichtigen und kann die Ergebnisse entsprechend verfälschen.

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Ich kriege das alles nicht mehr genau zusammen, was mir der Neurologe nach den Tests bei der Diagnostik erklärt hat.

Es wurden keine IQ Tests durchgeführt. Nur solche hier:

Was aber hängengeblieben ist, dass hirntechnisch erstmal alles okay ist, ich aber aufgrund der Entwicklung und des ADHS nicht das gesamte Potential abrufen kann/konnte.

Das leuchtete mir irgendwie ein und scheinbar hatte er Recht damit, da sich seit der medikamentösen Behandlung einiges verbessert hat und leichter von der Hand geht.

Die Denkmaschine da oben läuft endlich mal rund :slight_smile:

Tante Edit:
Und wer weiß, wie es sich mit diesem neuen scharfsinnigen Superhirn weiterentwickelt.
Es will sich plötzlich soviel Neues reinziehen und lernen lernen lernen. Wie ein kleines Kind, das die Welt neu entdeckt. Das macht irgendwie Spaß :chipmunk: :heart:

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So ist es. Die Intelligenz ist bei ADHSlern leider nicht grosszügiger verteilt, als in der Normalbevölkerung. Oder anders ausgedrückt: Weitaus die meisten ADHSler sind dumm wie Bohnenstroh. :kissing:

Die Realität wird dadurch verzerrt, dass nur die jeweils sichtbaren ADHSler als ADHSler wahrgenommen werden oder anders gesagt: die im Dunklen sieht man nicht.

So bildet sich zum Beispiel die Idee, dass in ADHS-Foren wie diesem, ein guter Querschnitt von ADHSlern aus allen Formen, Farben und Schichten vertreten sei. Dies ist aber nicht der Fall.

Dass sich die Leute in diesem Forum so gut verstehen, liegt nicht daran, dass sie ADHS haben, sondern in erster Linie daran, dass sie sich verständlich machen können, ergo deshalb auch von anderen besser verstanden werden.

Hier sind nur Leute unterwegs, die sich einigermassen gut ausdrücken können, das ist der Punkt, einigermassen über das Thema Bescheid wissen und auch die deutsche Sprache in Wort, Schrift, Laut und Bild beherrschen, zudem noch einen Computer bedienen und sich ihn auch trotz Playstation finanziell leisten können und über eine einigermassen gute Allgemeinbildung, Schulbildung, Berufsausbildung, teilweise universitäre Bildung verfügen.

Zu allem Überfluss besitzen sie auch noch die Ausdauer und die Disziplin, längere Zeit an einem Gesamtthema oder wenigstens einem Thread dranzubleiben, auf lange Sicht an sich selbst zu arbeiten, und die Ausdauer, Disziplin und Motivation, teilweise in der halben Bundesrepublik herumzukurven, um zu einer angemessenen Behandlung zu kommen.

Dies sind wie gesagt alles Dinge und Eigenschaften, wie sie beim Gros der ADHS-Betroffenen, also bei jenen 95% des Eisbergs, die sich nicht öffentlich bewegen, sondern sich unterhalb des Meeresspiegel befinden, um die Titanic aufzuschlitzen, in dieser Häufung und kombination überhaupt noch nicht vorgekommen sind.

Interessanter als Artikel, die sich mit unterdurchschnittlich intelligenten ADHSlern befassen, sind wie ich finde jene Studien, die Russell Barkley verfolgt hat, in denen nachgewiesen wird, dass ADHS tatsächlich um einiges blöder macht, als man sowieso schon ist, und zwar - nachgewiesen durch Intelligenztests - um 1o bis 2o IQ-Punkte.

Das Interessante an diesem Punkt ist nun der, dass je intelligenter der ADHSler ist, desto dümmer erscheint er, der durschnittlich intelligente ADHSler erscheint zwar auch als etwas dümmer, als er in Wirklichkeit ist, aber bei weitem nicht so signifikant.

D.h. der ADHSler mit einem wirklichen Genie-IQ von 14o läuft aus dem IQ-Test mit 12o Punkten heraus; gilt also noch nicht einmal als hochbegabt, d.h. hier also noch nicht einmal als förderungsbedürtig, respektive -fähig.

Der durchschnittlich intelligente ADHSler mit einem IQ von 100 läuft aus dem IQ-Test dagegen mit 90 Punkten heraus, wodurch nichts gewonnen, aber nicht viel verloren ist.

Was dadurch jedoch am allerdeutlichsten wird, ist, dass IQ-Tests bei der einigermassen realistischen Abbildung dessen, was einer wirklich in der Birne hat, bei ADHS-Gehirnen am deutlichsten an ihre Grenzen stossen.

Ich breche hier ab, weil ich merke, dass das Thema anlagemässige Intelligenz und wieviel kommt davon in Alltag und Beruf tatsächlich zur Geltung, ein Unerschöpfliches ist.

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Also wenn ich mich mal in Stadt begebe, sehe ich da eine ganze Menge Menschen mit einem potentiellen ADHS, „im Dunkeln“, wenn denn man um die Statistiken weiß, den ein oder anderen aus seiner Familie oder Bekanntenkreis kennt, sogar mit Diagnose.

Ach ja, und manchmal Stolper ich über Privatfernsehn und sogar an einem Gefängnis vorbei, wenn man dann noch tief Luft holt und halt macht in einer Suchtstation, geht einem ein Licht auf.

Nein, ich spreche aus eigener Erfahrung, und ich meine auch den ein oder anderen, alten Thread gefunden zu haben der dies so nicht teilt, und dies genau dort von Betroffenen angesprochen wird.

Edit: Ich mach mal lieber ein :heart: darunter, damit es nicht wie ein Angriff oder sowas wirkt. Wollte es nur richtig stellen.

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Also ich glaube @anon52525231 hat hier mehrere nicht ganz der Logik entsprechenden assoziative Shifts gemacht… (aber entspricht das nicht auch unserer ADHS-mäßigen Logik hier…? :adxs_winy:)

Erstens antwortet er nicht auf die von ihm zitierte Frage und dann wechselt er in seinem Beitrag das Thema.

Vermutlich sind wir uns alle halbwegs einig…?

ADHS hat an und für sich nichts mit dem IQ zu tun.

Die meisten ADHS-ler sind natürlich nicht strohdoof, aber sie bleiben ohne Medikation hinter ihrem Potential zurück.

Hier im Forum sammeln sich die, die nicht nur gerne lesen, sondern auch tippen und die, vielleicht einem gewissen Mindest-Level an Bildung entsprechend, von ADHS erfahren haben, sich reflektiert haben, eine Diagnostik angestrebt haben, einen Termin ergattert haben, den nicht verpennt haben und selber zahlen konnten, dem Arzt das richtige Input gegeben haben und auch keine zu starken Komorbiditäten haben, sodass der Arzt diese Diagnose und nicht ein andere gestellt hat, und die - zumindest die meisten - Medikamente nehmen.

Insofern denke ich schon, dass hier im Forum ein nicht repräsentativer Ausschnitt der ADHS-ler vertreten ist.

Aber ich finde den Punkt schon interessant, ob die normal intelligenten ADHSler eventuell weniger unter dieser Problematik eines festgelegten IQ-Wertes leiden als die Hochbegabten, weil es im Normalbereichnicht ganz so eine große Rolle spielt, ob man seine potentielle Intelligenz durch Medikation realisieren kann oder nicht.

Dennoch tut es natürlich jedem nicht Hochbegabten Menschen mit ADHS sicher gut, sein Intelligenzpotential durch Medikation zu heben.

Andererseits sehe ich tatsächlich, dass Hochbegabte zusätzlich zu ihrem ADHS Probleme mit ihrer Umwelt, der Welt an und für sich und den normalbegabten Mitmenschen haben können.

Und wenn sie dann bei einem entsprechenden Test wegen des nicht erkannten und unmedikamentierten ADHS nicht die 130-Schwelle für Hochbegabung schaffen, leiden sie weiter. Und entwickeln Folgeerkrankungen wie Angststörung, Depressionen etc. oder bekommen Fehldiagnosen mit Autismus oder Persönlichkeitsstörungen.

Insofern leiden die hochbegabten ADHSler wohl doch häufiger, mit ernsteren Folgen, unter dem Nichterreichen dieser für die Diagnostik und Erklärung ihres Wesens wichtige Schwelle von 130…

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Ich hab mir gestern die aktuelle Folge des ADHS Family Podcasts zu diesem Thema angehört.
Ein Interview mit der ADHS Koryphäe Helga Simchen.
Das Interview gibt wirklich interessante Einblicke zu diesem Thema.

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