Ich bin 50+ und ich fühle mich seit ca. 3 Jahren so als ob ich ADHS und Demenz gleichzeitig hätte. Ich bin aber nicht mit ADHS diagnostiziert, und ich weiß nicht, welche Symptome welcher Ursache zuzuschreiben sind. Die Menopause habe ich noch nicht erreicht, hoffe aber, dass es nicht mehr lange dauert.
Ich früher: gute Merkfähigkeit, ich konnte mich in der Regel an alles, was ich mal gelesen hatte, immer gut erinnern, und auch an alles, was mir gesagt wurde. Ich konnte konzentriert arbeiten und habe nur ab und zu Fehler gemacht. Es wurden mehr, je älter ich wurde, was ein Stück weit ja normal ist. Im Alltag musste ich über häufig wiederkehrende Abläufe nicht groß nachdenken, ich war immer up to date, was noch alles zu erledigen ist. Zwar musste ich auch manchmal To-Do-Listen schreiben, um gefühlsmäßig einen Überblick zu bekommen, aber ich hatte auch früher wesentlich mehr zu erledigen und zu denken als heute.
Ich heute: ich habe das Gefühl, dass ich die vielen Informationen, die man so jeden Tag bekommt, gar nicht verarbeiten kann. Manche fallen einfach durch den Filter, ich nehme sie gar nicht richtig wahr oder vergesse sie gleich wieder. Ich vergesse Namen und Wörter oder weiß nicht mehr, wie man Wörter schreibt, die ich früher ohne Nachdenken schreiben konnte. Ich kaufe mir Sachen doppelt, weil ich vergessen habe, dass ich sie schon gekauft habe, oder denke, ich müsste noch etwas erledigen, um dann festzustellen, dass ich es schon gemacht habe. Ich erschrecke ständig weil ich denke, ich hätte irgendwas vergessen oder müsste noch etwas tun. Wenn ich kurz einen Gedanken im Hinterkopf behalten müsste, ist er nach zwei Sekunden weg. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie manche Sachen funktionieren, die ich vorher 1000x gemacht habe. Wenn ich irgendwo hinfahre, muss ich überlegen, wie ich fahren muss, obwohl ich dieses Ziel schon oft angefahren habe, und ich früher darüber nicht nachdenken musste. Ich fühle mich manchmal komplett konfus. Ein Wunder, dass ich die wichtigen Dinge am Ende doch meistens hinbekomme. Aber das was nicht so drängt, bleibt auch oft liegen. Dabei lebe ich allein und muss nur für mich sorgen, habe eine Haushaltshilfe und arbeite nur Teilzeit. Habe nur wenige Aktivitäten, also eigentlich habe ich das Gegenteil von einem stressigen Leben, empfinde es aber trotzdem als stressig. Mein Kopf fühlt sich oft an wie ein Bienenschwarm oder ein Ameisenhaufen. Ich kann auch seit ein paar Jahren viel schlechter abends einschlafen. Bin nicht grüblerisch, aber innerlich unruhig.
Was ich schon immer nicht gut konnte: alles was mit exekutiven Funktionen zu tun hat, wie Ordnung halten, komplexe Handlungen koordinieren (wie z.B. Kochen) oder im Gespräch noch wissen, was ich sagen wollte, da mein Kopf meistens sofort blank wird, wenn ich von kleinsten Kleinigkeiten abgelenkt bin. So kleinste Kleinigkeiten können Dinge sein, die das Gegenüber macht oder auch meine eigenen Gedanken oder ein bisschen Nervosität.
Bei dieser Gemengelage frage ich mich schon, ob es sein kann, dass man ADHS erst so richtig merkt, wenn das Gehirn nachlässt, eben wenn man älter wird. Oder ob diese ganzen Demenz-Sachen nur von den Wechseljahren kommen. In dem Fall würde ich ADHS bei mir ausschließen, weil ich diese Dinge so krass früher nicht hatte. Schlimmstenfalls habe ich eine frühe Form von Alzheimer.
Ich habe begonnen, Progesteron einzunehmen, aber bisher merke ich keine Verbesserung.
Würde mich interessieren, ob jemand ähnliche Schwierigkeiten hat, und wie das einzuordnen ist.