ADS und ADHS die Unterschiede, es sind einige

Inzwischen scheint mit SCT eine eigenständige Störung gefunden zu sein, die häufig mit dem unaufmerksamen Subtypen korreliert, ADS/ADHS sollen aber wohl unabhängig davon existieren…

bei ADHS gibt es eine vertikale Heterogenität und eine horizontale Heterogenität, mit vertikal ist gemeint, dass man ADHS ganz leicht oder ganz schwer haben kann, 1 von 10 oder 10 von 10 oder gar 23 von 100 oder 78 von 100… mit horizontal ist gemeint, dass es auch bei ungefähr gleichem Schweregrad viele Unterschiede auch in der Neurobiologie geben kann… und wie bei der Hirnentwicklungsstörung Schizophrenie (Paranoide Schizophrenie, Hebephrene Schizophrenie, Katatone Schizophrenie, Katatone Manieristische Schizophrenie, siehe Leonard-Klassifikation) oder auch bei der Hirnentwicklungsstörung Autismus-Spektrum-Störungen gibt es auch bei ADHS wahrscheinlich nicht nur um die 10, sondern bei genauerer wissenschaftlicher Beleuchtung der Neurobiologie wohl viel mehr Varianten und Subtypen, vielleicht sogar um die 100… je nachdem wie genau man auf welche Regionen des Gehirns morphologisch und funktionell schauen würde… ADHS-Spektrum wie auch Autismus-Spektrum als ein Kontinuum ähnlicher Störungen unterschiedlichen Schweregrades…

PS: die Einteilung in (wenige) Subtypen hat oft eher was mit Praktikabilität denn mit exakter Abbildung der Wirklichkeit zu tun…

Meiner Meinung nach sind die Symptome, die für den „unaufmerksamen“ Subtypen beschrieben werden, viel zu kurz gegriffen. Die Hypoaktivität, mit der viele ADSler zu kämpfen haben, findet in der Beschreibung der Symptome kaum Raum. Es wird zwar die langsamere Arbeitsweise beschrieben, aber die fehlende Impulskontrolle in dem Sinne, dass es da oftmals kaum etwas gibt, das man kontrollieren könnte, wird oftmals vollkommen unterschlagen. :frowning:

Hallo,

ich bin da ganz anderer Meinung. Die Unterschiede werden überbewertet.

Dass die Hyperaktivität überhaupt einen großen Raum im Bild von ADHS einnimmt, liegt daran dass bis vor Kurzem weder Erwachsene noch Mädchen eine Rolle spielten, sondern man nur die Jungen beachtete, die über Tische und Bänke gehen.

Aber selbst bei denen ist die Hyperaktivität das zwar auffälligste und für Außenstehende lästigste, aber nicht unbedingt größte Problem.

Von daher: Ob mit oder ohne Hyperaktivität, die Baustellen der ADHS-ler sind sehr ähnliche- Ablenkbarkeit, Impulsivität, emotionale Unausgeglichenheit. Und die Behandlung ist auch sehr ähnlich, nämlich medikamentös v. A. durch Stimulanzien und nichtmedikamentös durch Psychoedukation.

Dass dennoch jeder von uns anders ist und es nicht „den“ Schlüssel gibt, der für alle passt, stimmt natürlich auch. Aber ist das geeignete Unterscheidungsmerkmal H oder nicht H, zumal bei Erwachsenen? Das bezweifle ich.

Dass ich als ADHS-ler mit H auch Antriebsarmut kenne und stark aufschiebe, kann ich übrigens bestätigen. Okay, ich mache fast nie nichts, aber doch lange nicht das was ich soll. :wink:

Das stimmt so nicht!
Ich habe meine Diagnose vor 20 Jahren mit Anfang Dreißig erhalten. Bei mir wurde ADS mit Hypoaktivität diagnostiziert. Und ich war dann in einer Selbsthilfegruppe mit mehreren Erwachsenen.

Außerdem war ich vor 10 Jahren nach einem Burnout in einer Reha-Klinik, die damals bereits als Schwerpunkt ADHS-Betroffene (in erster Linie Erwachsene) behandelte. Ich weiß aber nicht, was du unter „bis vor kurzem“ verstehst.


Dann bist du aber die große Ausnahme. Vor 20 Jahren war ADHS bei Erwachsenen noch weitgehend unbekannt, erst recht bei Frauen.

Was Falschparker schreibt, ist auch mein Stand, und ich beschäftige mich auch nicht erst seit gestern mit dem Thema - wie ich überhaupt seine Ausführungen voll unterschreiben kann.

Was bis vor kurzem heißt, hängt davon ab wen man fragt. Ja, ist doch klasse, du hattest schon vor 20 Jahren eine Ärztin, die sich auskannte. Ich bekam meine Diagnose etwas später, Ende 2003. In den USA war man schon viel früher so weit, Frau Dr. Krause behandelte die ersten Erwachsenen in den 80-ern. Da war also vor kurzem vor 30 Jahren. :wink:

Aber wie auch immer, zuerst wurden die hyperaktiven Jungen gesehen, danach erst die Mädchen und Erwachsenen, dann, aber teilweise immer noch nicht, die Straffälligen, die Suchtkranken, die Intelligenzgeminderten und Senioren, und dass das H in dem Begriff so einen prominenten Raum einnimmt liegt an der erstgenannten Gruppe.

Ich hab inzwischen einige Unterschiede von ADHS und ADS messen können.
Den großen Symptomtest haben inzwischen rund 1500 Teilnehmer absolviert.

Dabei zeigt sich, dass sich ADHS (ich meine alle mit Hyperaktivität, also pures ADHS = Hyperaktivität ohne Unaufmerksamkeit ebenso wie Mischtyp = Hyperaktivität UND Unaufmerksamkeit) sich von ADS (Unaufmerksamkeit ohne Hyperaktivität) unterscheidet durch

  • insgesamt etwas stärkere Symptomausprägung ( + 8 %-Punkte)

  • weitgehend identische statistische Symptomverteilung, mit wenigen Ausnahmen:

  • sehr viel häufiger Hyperaktivität (doch, tatsächlich :wink:: 84 % der ADHSler, 55 % der ADSler, also + 23 %-Punkte

  • viel häufiger Novelty Seeking 77 % der ADHSler, 57 % der ADSler, also + 20 %-Punkte

  • deutlich erhöhte Erholungsunfähigkeit 91 % der ADHSler, 76 % der ADSler, also + 15 %-Punkte

  • höhere innere Unruhe 92 % der ADHSler, 82 % der ADSler, also + 12 %-Punkte

  • höheres Suchtrisiko (hängt ja an Impulsivität) 56 % der ADHSler, 38 % der ADSler, also + 18 %-Punkte

  • Ungefähr identische Häufigkeit von

    • Angst
    • Selbstwertproblemen
    • Messi-Problemen
    • Stressresistenz
    • Leistungsproblemen.

Das einzige Symptom, bei dem ADS deutlich vorne lag, waren

  • Entscheidungsprobleme, geschätzt um die 12 %-Punkte.

Irgendwann mach ich daraus mal ne Veröffentlichung…

Viele Grüße

UlBre

p.s.: Achtung, Werbeblock:

Um weiter so interessante Erkenntnisse zu gewinnen bin ich für jeden dankbar, der eine gesicherte AD(H)S-Diagnose hat, und den aktuellen Symptomtest (und die anderen Tests) machen könnte.
Ebenso bin ich für jeden dankbar, der mal ganz sicher kein AD(H)S hat, weil stressresistent, tiefenentspannt, emotional ausgeglichen und auch bei langweiligen Aufgaben zu Aufmerksamkeit fähig.
Bitte helft mit:
https://www.adxs.org/adhs-onlinetest-umfragen/

Danke !!!


Es ist ein Arzt, der seine Tochter(!!!) übrigens bereits in den 70ern mit Ritalin behandelte


Das bestreite ich doch auch gar nicht. Nur die Bemerkung hinsichtlich der Zeitspanne ist dann doch ziemlich verwirrend und so nicht zutreffend.

PS: Ich hätte übrigens bereits in meiner Kindheit eine Diagnose erhalten können, da ich als Kind hyperaktiv war und als Mädchen über die Bänke geflogen bin und während der Schulstunden Handstand machte…in der Pubertät ist dann mein ADHS von einem Tag auf den anderen zum ADS mutiert.

Ähh, kapier ich nicht, ADS-ler mit Hyperaktivität sind doch ADHS-ler, oder wo war jetzt das Unterscheidungskriterium?

Ich muss mir wohl auch mal die Zeit nehmen und deinen Test mitmachen. :slight_smile:

@Addy_Haller

Damals begann die Einsicht, dass sich ADS dann doch nicht im Jugendalter „auswächst“.

Und die Erwachsenen (Männer wie Frauen), die entweder bereits diagnostiziert waren oder aber in der Deister Weser Klinik in Bad Münder erst diagnostiziert wurden, habe ich mir ja nicht eingebildet.

Und da ich, was den Zeitpunktpunkt meines Aufenthaltes, unsicher war, habe ich auf der Seite der Klinik nachgeschaut…und siehe da…es steht dort geschrieben, dass man sich dort vor über 10 Jahren auf die ADHS-Behandlung Erwachsener spezialisiert hat.

Ich weiß ja nicht, woher ihr eure Informationen bezieht, aber irgendwie scheine ich die besseren Belege zu haben, aber „bis vor kurzem“ ist ja auch ein recht dehnbarer Begriff. :wink:

<LINK_TEXT text=„https://www.deister-weser-kliniken.de/f … enenalter/“>ADHS im Erwachsenenalter ǀ MEDICLIN Deister Weser Kliniken</LINK_TEXT>

Ja, ungefähr so hab ich zuerst auch gekuckt.
Aber das ist nun mal das Ergebnis…
Kommt wohl daher, dass ADS im Ärztejargon ja nicht Unaufmerksamkeit OHNE Hyperaktivität ist, sondern ÜBERWIEGEND unaufmerksam.


Nein, ganz sicher nicht. :slight_smile:

Kannst du dich erinnern, wie viele von denen bereits als Kind diagnostiziert worden waren? Die Diagnose ADHS im Erwachsenenalter ist ja erst seit 2003 offiziell, Medis gibt’s nicht off label seit 2011: Geschichte der ADHS – ADHSpedia

Nein, das kann ich leider nicht mehr sagen. Ich kann mich in erster Linie an zwei Studenten erinnern, von denen einer richtig übel dran war und der andere hatte sich durch Selbstmedikation mit Canabis wohl vor schlimmerem bewahrt. Wann die ihre Diagnose erhalten hatten, kann ich nicht mehr erinnern.

Ich hoffe, das passt in diesen Thread:

Als Lehrerin nehme ich wahr, dass es sehr viel einfacher ist, den hyperaktiven Kindern zu helfen. Nicht nur, weil sie dich quasi dazu zwingen, auf sie zu reagieren. Sie sind auch leichter für Rückmeldesysteme und Co. zu gewinnen.
Auf der anderen Seite haben sie den Nachteil, dass sie sich schneller „Feinde machen“ als die Hypoaktiven. Bzw. dass sie mich schneller in die Situation bringen, die Lerngruppe schützen zu müssen. Dann muss ich Maßnahmen treffen, die nicht unbedingt im Sinne dieses einen Kindes sind - aber für die Gruppe unbedingt notwendig.
Vor solche Situationen stellen mich Hypoaktive nicht.

Die Hypoaktiven laufen hingegen unter meinem Radar, wenn ich nicht fürchterlich aufpasse. Außerdem habe ich oft das Gefühl, dass sie mit Rückmeldesystemen und Co. viel weniger anfangen können. Sie lächeln zwar, wenn sie eine gute Rückmeldung bekommen und freuen sich, wenn es z. B. eine Belohnung gibt - aber in der nächsten Woche scheint das Ziel, das sie gerade erst erreicht haben, wieder sooo weit entfernt… und dann träumen sie wieder und träumen… ich bin da als Lehrerin manchmal richtig ratlos. Und ich habe inzwischen ein GROSSES Repertoire an Möglichkeiten. Möchte ich behaupten.

Liebe Emma,

danke für deine Rückmeldung. Unser zweiter Sohn ist ja ganz überwiegend hypoaktiv. Also in der Schule, zu Hause nicht. Ja, es hat sicher den Vorteil dass er sich nicht so schnell Feinde macht, er aber eben auch schnell unter dem Radar ist.

Wobei die Förderschule, die er besucht, ihn zwar vermutlich unterfordert, aber wenigstens einen hervorragenden Personalschlüssel hat- es sind ja nur acht Kinder und meistens zwei Lehrerinnen in der Klasse.


<LINK_TEXT text=" Symptome - ADxS.org … ve-tempo/ "> SCT - Sluggish Cognitive Tempo / CDS - Cognitive Disengagement Syndrome - ADxS.org </LINK_TEXT>

Ich bin nicht abgeneigt, der Unterscheidung in ADHS und Sluggish Cognitive Tempo (SCT) zu folgen.
Die Idee Barkley’s, ADS von ADHS abzugrenzen ist ja nicht ganz weit hergeholt. Hier greift er es wieder auf. Die Diskussion allerdings, ob man es ADS oder SCT nennt, lenkt ab.

Wie Barkley hier anführt ist der Begriff Sluggish (Träge, verlangsamtes) Kognitives Tempo erst einmal irreführend.
Doch als ich mich überwunden hatte anzuerkennen dass ich womöglich doof bin, fand ich mich in dem Set von Symptomen von SCT sehr gut wider.

In subjektiver Beschreibung:
Ich weiß was zu tun wäre, aber ich fühle mich unsicher. Ich vertraue meinen eigenen Fähigkeiten nicht, weil ich sie nicht einschätzen kann. Deswegen scheue ich Entscheidungen. Mein Horizont scheint eingeschränkt. Ich sehe Dinge im ganzen, kann mich aber nicht mehr auf Details konzentrieren. Ich träume den lieben langen Tag.
Ich empfinde keine antizipatorische Motivation. Zurückziehen ist immer die bessere Option als etwas zu tun, von dem ich nicht überzeugt bin. Keine Aussicht auf Wohlgefallen oder Belohnung. Auch auf der Arbeit.
Spontanität und Kreativität sind phasenweise eingeschränkt. Hier kommt der motorische Part: Handschrift, zeichnen, Bewegungen beim Sport (Automatismen) sind schlechter als gewohnt. Ich kann Erinnerungen nicht abrufen.
ES SEI DENN: Ich bin auf irgendetwas (hyper-)fokussiert. Dann kann ich auch über längere Zeit fast symptomfrei sein.

Klingt wie ADHS minus Hyperaktivität, dafür plus Depression (bzw. Dysthymia, denn für eine Depressionsdiagnose waren die Symptome nicht schwer genug).

Dem schließe ich mich an, denn ich finde mich in vielen Beschreibungen und Problemen der Hypies überhaupt nicht wieder. In der Forschung kommen die ADSler und die Hypos viel zu kurz und auch die Medikation hat mir gegen mein Prokastinieren bisher nur ganz am Anfang für eine kurze Zeit geholfen. Ich muss mich wirklich über den Tag sehr zusammenreißen, um nicht ständig aus dem Fenster zu schauen und meine Gedanken schweifen zu lassen.

ADS ist aber noch lange nicht SCT. Ich denke, auch da gibt es Unterschiede. ADS ist erst einmal „nur“ eine Aufmerksamkeitsstörung. Das heißt aber noch lange nicht, dass man zwangsläufig auch ein exzessiver Tagträumer ist.

Genau das mein’ ich. Mir hilft es aktuell zu sagen: Ich fühle mich mit der Diagnose ADS nicht wohl.
Mich jetzt in eine neue Richtung SCT einzulesen, hilft mir, mich besser zu verstehen und nährt die Hoffnung, besser ärztlich betreut werden zu können.
Tagträumer bin ich übrigens ein ganz großer.