Alkoholfrei werden und bleiben mit ADHS

Ich seh nicht, dass das jemand getan hat?

Kannst du das irgendwie begründen? Auch bei sog. Quartalstrinker ist die Empfehlung, trocken zu bleiben. Ich weiß, dass es Ansätze gibt, irgendwie „kontrolliert“ zu trinken aber bisher gibt es dazu (meines Wissens nach) keine gesicherten Erkenntnisse, weshalb die Empfehlung bei einer Abhängigkeit ist: kein Alkohol, niemals mehr. Da gibt es (dank dem von dir selbst erwähnten Suchtgedächtnis) tatsächlich mal schwarz/weiß.

Ich finde es irgendwie schwierig, weshalb du glaubst, hier so entspannt damit umzugehen. Natürlich kennen wir die genause Situation von @ADHS-Chaot nicht und stützen uns deshalb auf das, was er hier schreibt.
Genauso wurde ihm mehrfach zu professioneller Hilfe geraten.

Was veranlasst dich dazu, so locker darauf zu schauen à la „Sei nicht so streng mit dir“? Wenn der TE tatsächlich süchtig sein sollte, sind das eher gefährliche Ratschläge… als wenn man es nicht so ernst nehmen müsse? Das ist jedenfalls mein Eindruck, korrigiere mich wenn ich mich irre.

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Da finde ich, dass mit dem ‚nicht zu streng mit sich sein‘ angebracht. Nichts treibt einem so schnell in alte Muster, wenn bei einem Rückfall die absolute Zerknirschung herrscht. Rückfälle sind in der ersten Zeit eher die Regel. Dann gleich die Flinte ins Korn werfen, ist nicht gut.
Auch die Vorwürfe von Angehörigen sind da bei aller Verständnis kontraproduktiv und versetzt den Süchtigen in eine Trotzreaktion neben seiner Scham.

Mark Twain schrieb mal Sinngemäss: eine Sucht kann man nicht aus dem Fenster werfen, man muss sie die Treppe hinunterprügeln. Stufe für Stufe. (Oder so ähnlich)

Verantwortung übernehmen sollte schon sein, -nur, ich mache das inzwischen so, dass ich einem Rückfall oder Ausrutscher nicht diese Macht erteile, und mich völlig verdamme. Dieser Rückfallschock.
Es ist passiert. Ändern kann man es nicht mehr. Also aufstehen, Krönchen richten und weiter auf dem Weg zur Abstinenz. Denn diese ist ein Prozess und kein statisches Ereignis. Ein Umlernen.

Meist passiert es bei mir nach Überforderung, wenn zu viel auf mich einstürzt. Dann helfen auch keine Skills mehr, da ist es längst zu spät. Da ist das Bier der Overskill.
Schwer, wenn man eigentlich in Dauerüberforderung lebt.

Oder der Spruch: Lass’ das erste Glas stehen, dann musst du auch nicht die anderen trinken.

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Ah! Erstmal vorab - wichtig:
„Sei nicht zu hart zu Dir“ bezieht sich nicht auf Konsum! (Vielleicht war das in diesem Kontext missverständlich). :sweat_smile:
Es steht für den sanften Umgang mit sich selbst; „Gehe gut mit Dir um. Sei geduldig und sanft zu Dir.

Mir geht es darum doch bitte vorsichtig zu sein mit pauschalen Empfehlungen und Vergleichen. Es ist wohl immer gut gemeint, doch sehe ich regelmäßig wie Strategie A eben bei Person B nicht funktioniert und dann Leid verstärken kann. (Es ist äußerst selten, dass Menschen mit einer solch gelagerten Anfälligkeit nicht komorbid sind). Und wie Du schon sagtest - was, wenn der TE tatsächlich süchtig ist? Dann kann plötzliches Absetzen nämlich - je nach Schwere und / oder vorhandener Medikation - sehr gefährlich werden für die Person.

Weiter geht es bei der Unterscheidung des Konsums. Wir wissen nicht wie sich das historisch verhalten und entwickelt hat. Ist es noch „nur“ schädlicher Konsum? Oder doch schon Abhängigkeit? Ist sie psychisch oder bereits körperlich manifestiert? Wie oft sind die Patient*innen schon an diesem Punkt gewesen? Gibt es die genetische Disposition? Welche Ansätze wurden bereits probiert? Gibt es Strategien oder Ideen? Steht diese Erkrankung im Vordergrund oder kaschiert sie als dysfunktionale Bewältigungsstrategie eine andere? …

Menge, Häufigkeit, Auswirkung, Hintergrund - spielen bei der klinischen Bewertung eine große Rolle.

Das Gleiche gilt für minder schwere Fälle. Ich weiß nicht von welcher Empfehlung Du sprichst; persönlicher?
Das mag stimmen und passen und freut mich!
Eine allgemein klinische ist es jedoch nicht, denn in der Praxis sind es immer (!) Einzelfallentscheidungen.

Es gibt bei uns haufenweise Fälle bei denen sich ein kontrollierter Konsum als der für sie richtige Weg herausgestellt hat und die mit diesem Konstrukt wunderbar und erfüllt leben können. Und es gibt diejenigen, für die genau das eben nicht möglich und daher pures (wortwörtlich!) Gift ist. Wenn das Ärzteteam die Einschätzung vertritt, dass genügend Ressourcen (Bewusstsein, intrinsische Motivation, Selbstdisziplin…) ausreicht, dann geht man diesen Weg mit den Patient*innen. (- übrigens nicht nur bei Alkohol).

Daher immer wieder der Vorschlag:
Professionelle Hilfe suchen, den Einzelfall bewerten lassen, individuell abgestimmte Behandlung angehen.

wollte ich mal verlinkt haben
fand ich ganz interessant

„…eine Prävalenzrate von 20,5% eruiert, trotz großer Anstrengungen, eine Über-Diagnostizierung zu vermeiden, wurde festgestellt, dass jeder fünfte Patient ADHS hat.“

Prävalenz und Screening der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) bei Alkoholabhängigen in der stationären Entwöhnung

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Mir persönlich gefällt der Beitrag von @Hypoborea sehr gut. :heart:

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Ich wollte ja noch kurz vom Sport berichten.

Ich hatte gestern Sport nach dem dritten trinkfreien Tag in Serie.

In Zahlen habe ich beim Cardio auf dem Laufband bei gleichen
Einstellungen ( 10% Steigung / 4,6 km/h) vorher so 168 Puls
gehabt, jetzt pendelte der immer so um 154 rum.

Und bei allen anderen Stationen geht ein Satz mehr und ich kann
zB. beim Bein drücken jetzt 173 Kilo drauf machen, vorher gingen
nur 157.

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Hallo ADHS Chaot,

Da Du nach praktischen Erfahrungen fragst, stelle ich Dir meinen Ansatz vor. Er funktioniert besonders gut, wenn Du wirklich nur aus Langeweile trinken solltest.

Wichtig: Bitte prüfe für Dich ob das auch wirklich so ist oder ob der Alkohol eine psychische Regulierungsfunktion hat.

Disclaimer: Ich spare mir das rezitieren von allgemeinen Aussagen. Ich unterstelle dabei aber, dass wir alle wissen: Alkohol ist vom ersten Schluck Gift für den Körper. Das ist die aktuelle Studienlage. Aussagen von früheren Gremien wie bis zu 24 Gramm Alkohol pro Tag und Mann als Beispiel sind überholt.

Zu meinem Ansatz

Als erstes werde einmal zu Dir selbst offen und ehrlich. Du schreibst nicht unter 3 Halbe am Abend. Was heißt das denn genau? Jeden Tag 3 und in Ausnahmefällen mal 4 Halbe?

Ich gehe einmal davon aus, das eher anders ist und Du unter der Woche 3 und manchmal auch mehr trinkst und am Wochenenden oder Partys dann doppelt bis dreimal soviel? Dann ist mein Ansatz ggfs NICHT der richtige.

So wir gehen also erstmal davon aus, dass du nur aus Langeweile trinkst und das jeden Abend 3 oder 4 Halbe. Wie geht’s jetzt weiter?

Du hast eine Gewohnheit aufgebaut, welche zusätzlich mit Glückshormenen eingebrannt/ eingeschliefen wurden. Aber ich lasse den hormonellen Teil einmal weg.

Trinke erstmal 2 bis 4 Wochen bewusst 3 Halbe und spüre nach was passiert. Beobachte Dich genau was du fühlst, was genau Du genießt und was Du vielleicht nicht toll findest.

Anschließend nimmst du den selben Zeitraum und trinkst nur noch 2 Halbe und eine 0,33.

Hack: völlig unabhängig davon, kannst du nach jeder Halben zusätzlich ein Glas Wasser trinken. Kannst du auch weglassen.

Im dritten Zeitraum trinkst du noch eine Halbe und 2 0,33.

Dann 3x 0,33 und so weiter (0,5+0,33; 2x0,33; 0,5 und last 0,33)

Fallstricke

Durch diesen Ansatz entkoppelst du Fernsehen und Langeweile vom Alkohol. Auch schleichst du den Alkohol ganz langsam aus.

Anders als zum Beispiel der Ansatz der AA. Beginn mit 90 Tage 90 Meetings. Funktioniert bestimmt wunderbar fürs nüchtern werden. Haken hierbei ist die potentielle Rückfall Situation wird nicht überschrieben.

Klassischen Alkoholikern wird empfohlen nüchtern zu werden und im ersten Schritt alle Rückfallsituation zu vermeiden. Ist der Alkoholiker dann gestärkt und gefestigt, dann kann er sich langsam wieder exponieren.

Der Ansatz ist im Grunde genommen der Selbe wie mein Ansatz. Nur mit den Unterschied, dass Du dort wohnst wo Alkohol ist und ich gehe davon aus, dass Du weiter Fernsehen willst und Langeweile lässt sich nicht immer verhindern.

Ich bin mir sehr sicher das hier wegen meines Post ein Shitstorm losgeht. Daher nachfragen zum Thema bitte per PN.

VG M

PS Klassiker was falsch gemacht werden kann. An einem Abend wird vor dem Abendessen getrunken und dann wieder nach dem Abendessen. Da kann sich die Promille schon einmal verdoppeln und am nächsten Abend jammert der Körper nach der Belohnung die nicht wie erwartet kommt.

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Der TE trinkt jetzt seit Tagen nichts… wieso jetzt die Empfehlung, weiter zu trinken und schrittweise zu reduzieren? Das irritiert mich jetzt ziemlich.

Bei mir ist das in jedem Fall so. Bin sehr spät erst diagnostiziert worden und hatte bis dahin immer ein Thema mit Alkohol. Seit ich Stimulanzien nehme, hab ich überhaupt keine Lust mehr, was zu trinken. Muss der jetzt normale Dopaminhaushalt sein.

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Das freut mich echt für Dich! @Elvanson

BTW: Bei Deinem Nicknamen muss ich jetzt nicht fragen, welche Stimulanzien Du nimmst :sweat_smile:

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:blush: Die isländische Variante!

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Wenn es nur Langeweile ist…könnte man doch auch sechs Halbe Alkoholfreies trinken?

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Vergiss es - da ist auch Alkohol drin. :stuck_out_tongue_closed_eyes:
Hatte auch mal einen Versuch mit dem Zeug.
Am ende waren es täglich 8 Halbe und trotzdem ein minimal berauschtes Gefühl.

gibt auch 0,0% muss man drauf achten
ist zusätzlich beschriftet

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Hallo,

der Alkohol in so genanntem alkoholfreiem Bier ist so gering, dass er keine berauschende Wirkung entfaltet. Ob 0,3 oder 0,0 ist nicht wesentlich, eigentlich können auch Kinder oder Schwangere alkoholfreies Bier trinken, ohne Angst haben zu müssen.

Für Leute, die vom Alkohol wegkommen wollen und damit Schwierigkeiten haben, ist es allerdings nichts. Das Problem ist dann eher der Geschmack, der zu sehr an das alkoholhaltige Bier erinnert. Bei trockenen Alkoholikern ist dadurch die Rückfallgefahr hoch. Auch hier wiederum: Egal ob 0,3 oder 0,0 %.

8 halbe Liter, das ist natürlich ein sicheres Zeichen, dass man ein Problem damit hat. Dann lieber Finger weg.

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Ok, dazu kann ich jetzt nix sagen.

Ich weiß nur, dass ich grad auf dem besten Wege bin, die erste Woche
ganz trinkfrei abzuschließen.

Bis jetzt hab ich auch kein drängendes Verlangen oder so, also von daher
bin ich da zuversichtlich.

Und weil die Frage weiter oben mal aufkam:

Doch, ich habe streckenweise drei halbe Liter JEDEN Abend getrunken und
das war dann auch einer der Auslöser, doch aufzuhören.

Ich wundere mich ja selber, dass ich das einfach so kann, ohne das ich
irgendwie Symptome vom Entzug habe. Ich hatte da Kopfweh, Übelkeit
oder sonst was erwartet.

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Hat auch etwas mit meinen Angewohnheiten der Flüssigkeitsaufnahme zu tun,
auf der Arbeit sind teilweise die sanitären Möglichkeiten limitiert.
Ich trinke deshalb tagsüber wenig und Abends 2-3l.
(Und ausserhalb von Festivals auch keine 8 Halben an einem Tag)
Aber generell war es eine gute Entscheidung lieber bewusst ein Bier, als unmengen Alkoholfreies zu trinken.

So, hab jetzt di erste Woche durch.

Jetzt schon von großen Erfolgen zu reden wäre verfrüht, aber
immerhin wirkt es sich positiv aus.

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Herzlichen Glückwunsch!

Ich bin auch Trockener Alkoholiker und habe mir damals das „Rundumsorglos“ Paket über die Suchtberatung gebucht.

Entzugsklinik
(in der Regel 1-3, je nachdem wie es so läuft, viele regelmässige Dauergäste…)

Therapieklinik (3,5 Monate, tolle Sache, schöne gegend bei Plön an einem See und gute Versorgung durch Therapeuten und Personal und fast 1,5 Jahre lang Nachsorge bei mir in der gegend gehabt)

Bleib an der Sache dran und wenn du meinst du brauchst Unterstützung, kann ich wie die anderen nur die Suchtberatung in deiner nähe empfehlen!

Mein erster Satz als ich ein paar Tage nüchtern war:
Ich vermisse die gleichgültigkeit!

aber es gibt keinen Trockenen der jemals gesagt hat, das er es bereuen würde: :slight_smile:

viele grüße und alles gute

Jan

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Guten Morgen,

ich bin jetzt seit 15 Jahren trocken. Für mich funktioniert es nicht, ab und zu mal Alkohol zu trinken. Nach einigen Versuchen, die schnell und krachend gescheitert sind, bin ich zur Suchtberatung, da hat es bei mir tatsächlich den Schalter umgelegt. Ich habe trotzdem noch für anderthalb Jahre eine ambulante Sucht-Reha gemacht, ich wollte es „richtig“ machen und nicht nach ein paar Monaten wieder anfangen wie beim Rauchen.

Mein Lebensgefährte ist vor mittlerweile vier Jahren an Krebs gestorben, fast auf den Tag genau zwei Jahre nach Diagnose. Mit Alkohol hätte ich diese Zeit wohl auch nicht überlebt. Wir hatten eine Schublade voller Betäubungsmittel und Benzos, da hätte ich mich auf jeden Fall bedient.

Es ist vieles besser geworden ohne Alkohol. Einiges anstrengender, der Weichspüler ist halt weg. Ich hab’s nie bereut! Manchmal kommt eine Sehnsucht hoch, dass ich meinen Kopf mal wieder komplett ausschalten möchte. Das geht aber schnell vorbei. Und jetzt habe ich auch noch die Medikation, die macht wahnsinnig viel aus.

Schönen Tag uns allen!

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