Autismusverdacht abklären lassen?

Also er hat gemeint, Autismus schließt er aus, sie ist kontaktfreudig und macht für ihn generell nicht den Eindruck, er arbeitet viel mit autistischen Kindern und erkennt diese. Extrovertierte Autisten gibt es wohl nicht häufig. Außerdem hat sie mit Blickkontakt keine Probleme.

Wie geht es dir jetzt mit dieser Aussage? Kannst du dem zustimmen und du belässt es jetzt dabei oder bist du noch immer der Meinung, dass Autismus eine Rolle spielt?

Also ich maße mir inzwischen auch an, andere Menschen mit Neurodivergenz zu erkennen. Zumindest habe ich inzwischen oft eine Ahnung. Es ist also nicht ganz abwegig, dass er das vom Gefühl her und durch Erfahrung einschätzen kann. Eine Diagnostik ersetzt das natürlich nicht. Zumindest dann nicht, wenn du als Mutter klare Zweifel an der Einschätzung hast.

Letztlich kenne ich dein Kind nicht und es kann durchaus sein, dass er Recht hat. Solltest du weiterhin denken, dass eine Diagnostik sinnvoll ist, dann schreibe alles auf, was dir in dieser Hinsicht einfällt und suche nach einer weitern Anlaufstelle oder lege ihm deine Aufzeichnungen vor.
Ich habe es z.B. so gemacht, dass ich mir die Diagnostikkriterien als Orientierung genommen habe und habe dort alles einsortiert, was dazu passte. Geholfen haben mir die Fragebögen auf Embrace Autism. Ich muss aber dazu sagen, dass wir zu Hause schon bei allen online verfügbaren Fragebögen ein aussagekräftiges Ergebnis hatten. Wir wussten also eigentlich schon vor der Diagnostik, dass es so ist. Wir hatten eher die Sorge, dass wir uns alles einbilden und es „nicht reicht“ für eine offizielle Diagnose.
Sollte das bei deiner Tochter nicht der Fall sein, dass du bei online Fragebögen ein Ergebnis in Richtung Autismus erhältst, ist an seiner Einschätzung vielleicht was dran. Oder man erkennt den Autismus einfach noch nicht so gut, weil sie gut kompensieren kann. Dann ist es zumindest nicht verkehrt, das weiter im Blick zu haben, um bei eventuell auftretenden Schwierigkeiten im Alltag reagieren zu können.

Ach so, unser Psychiater hat auch nicht geglaubt, dass die Tochter Autistin ist. Sein Kommentar zu meinem Hinweis, dass gerade eine Diagnostik läuft:
„Also sie macht nicht den Eindruck. So wie sie jetzt von mir saß. Sie hat Sozialkontakte, spricht offen und kann ihre Situation gut einschätzen, kam ganz normal hier rein, hat gegrüßt und sie hält Blickkontakt.“
Jap, hat sie alles gelernt. Beim nächsten Besuch konnte ich ihm die Diagnose vorlegen.

Aber wie gesagt, das ist unser Fall, unsere persönliche Geschichte. Dein Kind kannst du am besten einschätzen. Nur, weil das bei uns so war, muss das bei euch nicht genauso sein.

Gab es nun eine gescheite Diagnostik, oder wurde die gar nicht angefangen, weil er den „Eindruck hat“, dass es sich nicht lohnt?

Ich habe auch ein Kind, wo Klinik 1 auf den Bericht schreibt „Autismus wurde ausgeschlossen“ und ein halbes Jahr später von einer anderen Stelle einen Brief, wo das Gegenteil drauf steht.

Ich hatte auch generell Differentialdiagnostik angesprochen, um eben schauen zu können, was da sonst noch sein könnte. Aber er meinte auch, das würde uns eh nichts bringen, sie bräuchte da eher eine Therapie, um die Schwierigkeiten zu verbessern.
Ich bin echt nicht sicher, was da noch ist. Gestern ist sie auf dem Weg gestürzt und hat sich die Knie leicht aufgeschürft, geweint hat sie aber ne halbe Stunde, zwischendrin hysterisch geschrien. Sie hat auch richtig übertrieben, dass sie ihre Beine nicht benutzen kann, ist theatralisch zusammengesackt und auf allen Vieren gegangen, weil wir sie auch nicht tragen wollten (unter anderem, weil ich die Kleine schon kaum lange tragen kann und mein Freund hat ne frische Naht an der Schulter, die soll er nicht belasten). Ich weiß in solchen Situationen auch nicht, wie ich damit umgehen soll. Als wir endlich daheim waren und sie sich beruhigt hatte, hat sie sich bei uns entschuldigt, dass sie so übertrieben hat, scheint ihr durchaus bewusst zu sein, aber sie kommt in dem Moment nicht aus ihrem Kopf raus.

Die Kleine ist da ja genauso. Nur bei ihr zeigt es sich in Aggression und auch da kann man irgendwie nichts machen. Ich bin schon echt verzweifelt und habe gestern abend auch viel geweint, weil ich das alles nicht packe.

Ich maße mir übrigens auch an, gewisse neurodivergente Züge zu erkennen, nicht wegen nur einem Kriterium, sondern wegen der Gesamtheit. Eine Freundin habe ich ja auch schon auf das Thema gestoßen und sie sieht sich durchaus ebenso im Autismus-Spektrum, auch andere Bekannte, bei denen ich das vermute, haben sich bereits selbst damit beschäftigt, also sind meine Vermutungen sicher nicht komplett unbegründet. Ein Kumpel hat tatsächlich die Diagnose, was ich nicht wusste, ich hatte nur mal gefragt, ob seine Therapeutin mal über Autismus nachgedacht hätte :sweat_smile:.
Bei mir selber bin ich mittlerweile auch ziemlich sicher und bei meinem Mann sowieso. Die Möglichkeit, dass unsere Kinder auch was haben ist dadurch ja nicht unwahrscheinlich, bei der Kleinen habe ich so eine Vermutung ja schon seit ca 3 Jahren, da habe ich mich noch nicht so stark damit auseinandergesetzt… andererseits wirken sie auch so normal, aber wie kann ich denn „normal“ beurteilen, wenn weder ich, mein Mann, mein Partner, noch meine Eltern es sind? Generell habe ich das Gefühl keine neurotypischen Menschen näher zu kennen.

Achja, interessanterweise hat er aber LRS angesprochen, wo ich auch schon dran gedacht habe, aber das testen sie erst Mitte der zweiten Klasse und da meine die zweite wiederholen wird, haben wir noch Zeit, meinte er. LRS ist wohl ziemlich häufig bei ADHSlern.

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Nein, es gibt keine Diagnostik, er hat lediglich den starken Eindruck, dass sie nicht autistisch ist, aus den genannten Gründen.

Du scheinst aber nicht überzeugt von seinem Eindruck.
Dann darfst du auch weiter dran bleiben, deinen Eindruck fachgerecht diagnostizieren zu lassen, bzw es ausschließen zu lassen.
Dein Kind ist ein Mädchen? Das kann auch noch den „Eindruck“ verfälschen.

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Ja, ein Mädchen und äußerst aufgeweckt, wild und zappelig. Mal schauen, wie ich da weiter vorgehen kann. Ich hoffe, dass wir bald einen Therapieplatz für sie bekommen.

Therapie kann halt auch nur dann richtig helfen, wenn die richtige Diagnose vorliegt.

Die Situation auf dem Weg nach Hause kann auch einfach ganz typisches Kinderverhalten sein. Sie brauchte Trost, ein anderes Kind wurde getragen, “Ich will aber jetzt getragen werden” und dann wird halt so lange reingesteigert, bis jemand kommt und trägt. Das ist jetzt nicht weiter tragisch und auch nichts Schlimmes. Sind halt Kinder mit Bedürfnissen. Und wenn sie noch ein bisschen Neurodivergent sind entstehen dann solche “Peaks”, nenne ich jetzt mal so.
Da steckt kein böser Wille drin und da kann man auch nicht viel machen. In einer anderen Situation mit anderen Variablen kannst du sie in den Arm nehmen, tragen etc und selbst dann hätte es noch sein können, dass es nicht besser wird. Weiß man nie.
Letztlich kannst du dein Kind nur ernst nehmen und ihr glauben, dass es weh tut und der Schreck groß war, tragen jetzt aber nicht geht.
Meine Tochter kann ja inzwischen viel besser die Erlebnisse aus der Kindheit reflektieren und da gab es auch solche Situationen.
Sie sagt auch, dass das Verständnis für sie da sein musste und dann war es im Nachhinein auch nicht so schlimm, wenn eben ein Bedürfnis wie getragen werden mal nicht erfüllt werden konnte. Sie wurde ja trotzdem ernst genommen. So hat sie aber auch gelernt, dass sie nicht die Einzige mit Bedürfnissen ist.

Du hast nichts falsch gemacht. Es war einfach nur viel und die Emotionen müssen dann halt mal raus.
Ich drücke dich mal aus der Ferne.

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Ja, die richtige Diagnose ist eine wichtige Voraussetzung für eine gute Therapie. Ebenso wie ein guter Therapeut, der mit dem Kind zurecht kommt und andersrum. Beides scheint manchmal Glücksspiel zu sein.

Es kann natürlich auch sein, dass deine Tochter einfach „nur“ ADHS hat, dazu noch ein paar autistische Züge, die nicht für eine Diagnose ausreichen.

Ich finde mein ADHS Kind in einigen Verhaltensweisen auch fast autistischer als das mit ASS Diagnose. Thema Rituale und Probleme mit Veränderungen z.B. , oder auch Ausflippen bei Kleinigkeiten oder der Rückzug in ein dunkles Eck, wenn die Gefühle Überhand nehmen.
Dennoch denke ich, dass die Diagnosen jeweils passen.

In so einer Situation wie mit dem Knie ist es natürlich nicht leicht für euch, nicht für euch als Eltern, aber auch nicht für das Kind. Wenn sie angemessen hätte reagieren können, hätte sie das auch gemacht. Aber in dem Moment konnte sie offenbar nicht anders, da war wahrscheinlich ihre Batterien komplett leer.
Dass sie sich im Nachgang entschuldigt hat, ist ja auch toll, zum einen die Reflexion und dann die Entschuldigung selber.

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Ich komme mit diesen normalen Kinderverhalten einfach nicht mehr klar. Ich bin jetzt schon wieder komplett ausgebrannt und heule. Ich habe keine Gefühle mehr für dieses Kind, außer tiefste Verzweiflung. Ich wünschte, ich könnte einfach gehen, das einzige was mich hält, ist der Gedanke, wie schrecklich ich als Mutter und Mensch bin, wenn ich jetzt auch noch abhaue und das könnte ich nicht ertragen, dann bräuchte ich mich nirgends sehen lassen, dann müsste ich komplett alleine bleiben und ich glaube, dann macht das Leben einfach keinen Sinn mehr, dabn habe ich einfach komplett versagt.

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Das tur mir Leid für dich, du klingst ziemlich fertig.

Kannst du dir eine Auszeit organisieren?
Eine Woche Krankschreibung in der Arbeit und einfach nur erholen in der Zeit, wo die Kinder in Kiga oder Schule sind?
Ein langes Wochenende fortfahren, ohne Verantwortung für die Kids und Seele baumeln lassen?
Kur organisieren, das ist halt mit Wartezeit verbunden…

Leben und Leben mit Kindern ist nicht immer Sonnenschein. Manchmal ist es einfach nur anstrengend, und das darf es sein. Meine Erfahrung ist, dass nach den Tiefen wieder neue Höhen kommen. Halte durch :heart:

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Ich hatte einen längeren Text geschrieben, aber der wollte einfach nicht gesendet werden und nu isser weg :smiling_face_with_tear:.

Ich arbeite nicht auswärts, ich bin quasi selbstständig (verdiene nur auch noch nichts). Heißt ich bin eh daheim, während die Kinder in der Schule/ Kiga sind. Und manchmal nehm ich mir auch bewusst Auszeiten, obwohl meine Arbeit mich ja auch erfüllt, aber manchmal mache ich auch den Haushalt, weil ich den nicht schaffe, wenn die Kinder da sind. Manchmal mache ich den halben Tag nur Selfcare (Haare färben, schneiden etc, Pflegeroutinen, mich nur für mich schminken, Dinge ausprobieren, Kostüme entwerfen, für das nächste Halloween etc). Aber das alles bringt mir nicht viel, mein Akku ist sofort wieder leer, wenn die Kinder da sind.

Genauso, wenn ich nen Wochenende bei meinem Freund bin, ich bekomme schon Panik/Stress, wenn ich an dem Tag wieder heim muss, weil mir einfach immer alles entartet daheim. Also bezogen auf Haushalt und Routinen, das wird von Ex-Mann und Kindern immer alles sabotiert und mir geht es damit sehr schlecht, ich brauche meine Ordnung, meine Routinen und das Gefühl, die Kontrolle darüber zu haben. Ich habe daher auch regelmäßig Ausbrüche oder Zusammenbrüche, weil es unerträglich für mich ist. Wenn mein Medikinet nicht mehr wirkt oder ich an nem Zyklustag bin, wo es generell nicht richtig wirkt, dann bin ich komplett überfordert und alles scheint unschaffbar. Erschwerend kommt dann einmal im Monat PMDS dazu, wo ich oft überlege, ob ich so weitermachen kann (dieses Wochenende wieder).

Ich schätze, dass ich einfach im Burnout bin und daher auf keinen grünen Zweig komme und mich alles sofort wieder triggert und erschöpft. Ich ruhe mich gefühlt 70% des Tages, wegen Kleinigkeiten aus und dadurch schaffe ich viel zu wenig. Stress triggert mein ADHS so sehr und macht mich noch reizempfindlicher. Es ist eine echte Teufelsspirale.

Die Unterlagen für die „ReHa“ (ist wohl ne stationäre Therapie) sende ich heute los. Die Dame am Telefon sagte, die Aufnahme dauert zwischen 4 bis 8 Wochen und der Aufenthalt wird 6 bis 8 Wochen betragen. Ich finde das klingt gut. Ich hoffe nur, dass mir das wirklich helfen wird.

Reha klingt gut.
Was ist mit den Kindern in der Zeit, bleiben die beim Papa?

Ja genau, er muss dann aber wohl auch eine Haushaltshilfe beantragen. Mal schauen, ob das klappt.

Tut mir leid, falls ich Sachen frage, die schonmal beantwortet wurden. Ich bin aktuell auch gerade etwas durch und kann mir nicht mehr merken, was bei wem gerade war/ist :grimacing:

Habt ihr aktuell eine Familienhilfe?
Ich bin da selber gerade im Antragsprozess und die Frau, mit der ich gesprochen habe, war sehr nett und kümmert sich jetzt um ein konkretes Hilfsangebot.
Ich habe einfach beim Bürgerservice angerufen und unsere Situation kurz umrissen und um Hilfe gebeten. Ich wurde dann weitergeleitet ans Jugendamt. Jedenfalls hatte ich dann jemanden am Telefon, dem ich eine Mail mit allen uns belastenden Dingen schicken sollte.
Die Frau hat sich dann mit mir getroffen und mit mir überlegt, welche Hilfen wir uns vorstellen könnten. Sie setzt sich jetzt ran und dann haben wir noch einen Termin mit konkreten Angeboten und vielleicht schon mit einer dritten Person, die uns dann bestenfalls unterstützt. Sollte die Hilfe sich als nicht ganz passend erweisen können wir wieder drüber sprechen. Manchmal ergibt sich ja auch erst was beim Ausprobieren.
Da ich selbst arbeitstechnisch sehr eingebunden bin dauert der ganze Prozess bei uns etwas länger als es eigentlich dauern würde. Wir finden einfach keine Termine. Daher ist das nächste Treffen erst im Juli. Aber vom 1. Anruf bis zur Terminvereinbarung waren es nur ein paar Tage.
Die Hilfe, die die Frau für uns im Sinn hat, ist eine Kombi aus Haushaltshilfe und Hilfe im Umgang mit Ämtern und anderen Anlaufstellen . Also auch finden passender Hilfen, Kontakte herstellen, Kommunikation mit diesen, Überblick behalten. Dazu Alltagshilfe wie eben Haushalt, Büro etc.
Vielleicht wäre das auch für euch eine Option.

Ansonsten kannst du dich auch als Selbstständige krank schreiben lassen. Da muss man aber glaube ich darauf achten, dass man auf eine gewisse Anzahl Tage kommt, damit man auch Krankengeld bekommt. 43 Tage oder sowas.

Um schnell Unterstützung zu bekommen könntest du auch erstmal Freunde und Familie fragen. Ich hatte z.B. mal eine Freundin da, als ich vor lauter Überforderung heulend in der Küche stand. Auslöser des Zusammenbruchs: Besteck in die Schublade einsortieren.
Es hat schon geholfen zu wissen, dass da jetzt jemand kommt und das macht. Einfach so.

Wir Menschen sind nicht dafür gemacht, alles alleine zu schaffen. Wir sind als Gemeinschaft und in Verbänden entstanden und das brauchen wir auch heute noch. Es ist einfach ein Unding unserer Zeit, dass wir so viele Aufgaben alleine schaffen müssen oder sollen. Totallogisch, dass uns das auf Dauer überfordert. Erst recht, wenn man selber schon eine Grundbelastung mit bringt und zusätzlich zu sich selbst noch Verantwortung für andere Menschen übernehmen muss.
Du brauchst jetzt Hilfe und Unterstützung. Ruf jemanden an oder schreibe jemandem und hole dir jemanden dazu. Und wenn es nur mal für die Stoßzeiten ist, wo es im Normalfall besonders schnell brennt.

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Ja genau, die hat mir die ReHa nahegelegt, auch wenn das jetzt doch eine stationäre Therapie wird.

Ich tu mich wahnsinnig schwer, Hilfe im Haushalt und bei Dokumenten zuzulassen, ich mach sowas lieber selber und in Ruhe alleine. Außerdem kann ich Kontrolle schlecht abgeben.

Ich bin tatsächlich gar nicht selbstständig gemeldet momentan, die Illustratorentätigkeit habe ich abgemeldet und der Verlag läuft auf meinen Mann, weil ich mir die Krankenkassenbeiträge nicht leisten kann, bzw wir das nicht können.

Die Leute die wir hier kennen sind selber mit kleineren Kindern oder Alleinerziehend beschäftigt, Familie ist Berufstätig und wohnt 3,5 bis 6 Stunden entfernt und meine Freundin ist arbeitstechnisch sehr eingebunden und wohnt auch ne Stunde entfernt. Also wir haben einfach niemanden.

Wir sind heute wieder total hinüber, den ganzen Abend nur Drama, die Große hat einen Zusammenbruch nach dem anderen wegen verschiedenen Dingen (duschen ist eine von den ganz schlimmen Dingen…) dann beschimpft sie sich, dann sagt sie, sie will nicht mehe Leben und ich bin die ganze Zeit einfach immer kurz davor selber zu explodieren…

Sorry, aber solche Aussagen machen mich so wütend. Ich habe zwei autistische Kinder an einer Schule mit Förderschwerpunkt Autismus. Meine Kinder sind absolut nicht extrovertiert, aber fast alle ihre autistischen Freunde an der Schule! Die haben absolut kein Gefühl für „angemessene soziale Grenzen“ (oder wie man das nennen will). Die kommen auf dich zu und quasseln dich voll und fragen dich aus. (Und zwar egal ob Erst- oder Siebtklässler)

Ich hab leider den Eindruck, dass viele Ärzte veraltetes Wissen über Autismus haben, und dass gerade Mädchen und Kinder, die zusätzlich ADHS haben, nicht erkannt werden :frowning:

Ich würde an deiner Stelle versuchen, euer Leben „autismusgerecht“ zu organisieren. Also wenn deine Tochter Duschen nicht erträgt, umdenken. Habt ihr eine Wanne? Kann sie in der Duschtasse sitzen und sich so waschen? Was genau ist ihr unangenehm? Das prasselnde Wasser oder ist es ihr zu heiß oder kalt?
Nehmt ernst, dass Schule, Arztbesuche, Telefonate, Ausflüge etc. eventuell einfach viel anstrengender für euch sind als für manch anderen. Manchmal braucht man MEHRERE Tage Erholung. Meine Kinder sagen immer wieder „nach einmal schlafen ist mein Akku noch nicht wieder ganz aufgeladen“. Und zwar nach einem normalen Schultag (an einer Schule, die viel Rücksicht auf Autisten nimmt). Die sind freitags dann ziemlich ko. Da geht am Wochenende keine Action mehr. (Bzw wenn doch, sind sie in der nächsten Woche weniger belastbar).

Also was ich sagen will: Hör auf deinen Bauch. Eine Diagnose ist zwar super hilfreich für Schule und Pflegegrad, aber das wichtigste ist, Verständnis für die autistische Wesensart zu haben. Akzeptieren, dass Dinge anstrengender sind und dass es ok ist, nicht dasselbe zu schaffen wie andere. Ich hab jetzt nicht alles hier gelesen, aber du meintest, du hast dich mit dem Thema schon genauer auseinander gesetzt? Kennst du Daniela Schreiter (Fuchskind) und die Schattenspringer-Comics? Bzw für Grundschulkinder Lisa & Lio. Und ihre social media accounts.

Ich hoffe, das war irgendwie hilfreich. War glaub ich ein bisschen durcheinander.
Ganz liebe Grüße und fühl dich gedrückt.

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Ich denke, das ist momentan genau der richtige Ansatz!

Alle von innen und außen einprasselnden Anforderungen mal bewusst beiseite schieben und analytisch das Problem sezieren.
Und zwar getrennt voneinander Kind und Mutti betrachten. Hier jetzt vielleicht erstmal Kind, weil das den Akku der Mama beeinflusst.
Wie voll ist der Akku, wie voll das sinnbildliche Fass, das überlaufen kann.
Was sind die Tropfen, die es zum Überlaufen bringen?

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die recht schnell gelöst werden können. Ein anderes Duschbad, anderer Lappen, andere Zeit, Musik dabei haben, statt duschen lieber baden, in der Duschkabine abtrocknen statt nass ins Kalte raus zu müssen etc.

Druck rausnehmen! Wenn das Kind gerade nicht in die Schule kann, weil das zu sehr am Akku zieht, dann ist das so. Lieber zu Hause erstmal wieder Energie sammeln und sich gemeinsam eine gute Basis schaffen. Oder eben gemeinsam überlegen, wie der Tag nach der Schule besser gestaltet werden könnte. Was würde helfen? Was wäre die Idealvorstellung? Dann ausprobieren und schauen, wie das läuft.
Hauptsache, erstmal aus der Spirale raus kommen. Und eben Anforderungen runter fahren.

Wir haben das auch gerade wieder. Die Tochter war 3 Tage nicht in der Schule. Erst, als ich gestern meinen Frust bewusst vor der Tür gelassen und wirklich ehrlich und Ziel gerecht nachgefragt hatte, konnte die Tochter sich öffnen und aus dem Bett kommen. Sie hat es gebraucht, dass ich ganz ohne Wertung und lösungsorientiert das Problem auseinander genommen habe.
Das war für mich zunächst schwer, hat sich dann aber richtig angefühlt und es wurde dann leichter.
Die Tochter kann das Problem nämlich oft nicht alleine benennen. Wenn ich frage, was los ist, kommt ein “weiß ich nicht” und das stimmt dann auch so. Sie weiß nicht, warum sie nicht kann.
Ich muss dann gezielt Fragen stellen. Tut dir was weh? Was? Wie sehr? Ist das der Grund, warum du nicht aufstehen kannst? Nein? Ok. Machst du dir über etwas Gedanken? Sorgen? Aha, können wir das gemeinsam auseinander nehmen? Wie wäre dieser Weg? Passt nicht? Dann vielleicht so?
Stück für Stück kommen wir dann aus der Paralyse.
Selbst, wenn der ausgesuchte Weg dann auch nicht klappt, ist erstmal ein Anfang gemacht.

@Feloidea Fokussiert euch zunächst mal auf EIN Problem, das gerade aktuell ist. Ich glaube, ihr steckt fest, umgeben von zu vielen Baustellen die euch überfordern. Und gefühlt ist alles schlimm und unlösbar. Das stimmt aber nicht. Versucht, den Fokus auf eine Sache zu lenken und das Problem mal zu sezieren. Ich bin mir sicher, dass ihr gemeinsam auf ganz einfache Lösungen kommt, die ihr probieren könnt. Wenn ihr euch erstmal verstanden fühlt gibt das einen Motivationsboost und den Startpunkt, die Akkus wieder zu füllen.

Unser Leben autismusgerecht gestalten klingt sinnvoll.
Fuchskind kenne ich, aber habe mir noch keines ihrer Bücher geholt, die kosten zu viel, um sie auf gut Glück zu kaufen und dann bringt der Inhalt uns nichts.

Wo du Pflegestufe erwähnst, ich wollte das auch dringend mal beantragen, laut Internet sollte die Stufe zwischen 2 und 3 liegen.

Das mit dem Fokus ist gerade ein riesen Problem, ich schaffe das nicht. Wenn meine Tabletten nicht mehr wirken ist das alles ein grauer Brei in meinem Kopf und ich kann nicht klar denken und alles überfordert mich. Ich kann dann nicht einmal etwas entspanntes für mich machen.

Ich schaffe gerade nicht mehr zu schreiben, bin zu müde. Wenn ich dran denke, dann morgen.