Die gute alte Sucht

Eine Seite von AD(H)S über die nicht oft gesprochen wird. Am liebsten würde ich wissen wonach ihr süchtig seid :grin:. Aber ich frage nicht.

Nikotin und Coffeinsucht ist ja schon fast obligatorisch :wink:

Bei mir waren es diverse Substanz Abhängigkeit, hauptsächlich Benzodiazepine, niederpotente Opiate und Cannabis. Aktuell leider Pregabalin, mir wurde es vor zehn Jahren im Benzo Entzug gegeben. Angeblich nicht abhängig machend. Heute heißt es schwer abhängig machend :expressionless: Mein Arzt verschreibt es mir weiter, irgendwann will ich weg davon, es ist so ätzend. Ich dachte ich wäre frei. Ich nehme aber meistens nicht mehr als ich soll und bin schon etwas runter dosiert. Es ist trotzdem nicht wenig.

Pregabalin wirkt gut gegen Ängste, verstärkt aber auch indirekt das ADHS. Der Entzug soll ähnlich toll sein wie der von Benzodiazepinen :no_mouth:

Ich neige stark zu Süchten, egal welcher Art. Bei Verhaltenssüchten war zum Beispiel Ladendiebstahl ein Thema (heute gar nicht mehr) Dadurch war ich dann richtig wach, es hat gekickt. Zum Glück habe ich nie Spielsucht angefangen, ich habe gemerkt wie anfällig ich da bin.

Eine Sportsucht würde mir gefallen.

In Kombination mit Depressionen und einer Scheiß egal Einstellung habe ich diverse Substanzen gebraucht/missbraucht. Ich denke davon wird das ADHS nicht besser, also in Hinblick auf den Neurotransmitter Haushalt. Wahrscheinlich schädigt es unter anderem die Dopamin Rezeptoren. Es war ein Versuch der Selbstmedikamention. Vor der Diagnose.

Kann ich empfehlen. Marathon laufen.
Ein Freund berichtete mir heute davon, dass er, nachdem er 2 Monate 3x die Wiche eine Stunde gejoggt ist, er langsam den Kick daran kriegte.
Wenn er heute vom joggen kommt, singt er unter der Dusche, weil es ihm so gut geht…

Ausdauersport (ab 4-5 mal / Woche je 45 min) hat eine Effektstärke von 0,7, das entspricht in etwa Atomoxetin, Stimulanzien von 1 bis 1,1.

Unabhängig davon: auch wenn wir hier ein AD(H)S-Forum haben und AD(H)S häufig mir Sucht korreliert, wäre ich dankbar, wenn wir uns darauf einigen könnten, Sucht nicht sprachlich zu verniedlichen.
Sonst haben wir möglicherweise irgendwann kein AD(H)S-Forum mehr…
Danke :slight_smile:

Mit Schokolade und Schuhen bin ich zum Glück recht harmlos unterwegs…

Aber jetzt keine Schwärmereien über Schuhe hier, wir sind ein seriöses Forum !
:wink:

Na ja, so schwärmerisch war das gar nicht gemeint. Das Thema Sucht hat viele Facetten.

Das nenn man wohl eher eine Verhaltenssucht = Kaufsucht. Ist ja weit verbreitet

Bevor ich Medikamente bekommen habe, hatte ich einer meiner Partnerin zu Folge grenzwertigen Umgang mit Alkohol gepflegt und Nikotin gedampft. Zusätzlich recht viel Computerspiele gespielt.

Als dann die Medikation anschlug (in meinem Fall medizinisches Cannabis), habe ich das Nikotin Dampfen einfach vergessen, selbst beim Abendritual. Der Alkohol hat auch seine Anziehungskraft verloren und Computerspiele habe ich schon ewig nicht mehr angefasst. Und der Kaffeekonsum ist reduziert…

Ich persönlich denke, dass wenn man als ADHSler medikamentös gut eingestellt ist, auch die Suchtgefahr deutlich abnimmt.


Defintiv. Das Interesse, eine Zigarette zu rauchen (habe aufgehört) oder Alkohol zu trinken, verschwindet dann völlig bei mir. Ich habe aber das Gefühl, dass dann blöderweise auch andere Interessen verschwinden, z.B. sich mit Freunden zu treffen, um sich angeregt zu unterhalten. Daher fühle ich mich ohne Medis wohler in meiner Haut - trotz stärker innerer Unruhe, Verpeiltheit und Impulsivität sowie geringerer Belastbarkeit.

Vielleicht hängt es auch vom Wirkstoff ab…

Addy was nimmst du nochmal?

Mein Sohn mit autistischen Anteilen ist nach seinem Wechsel von MPH zu Elvanse viel zugänglicher, menschlich zugewandter, differenzierter geworden…

Hallo zusammen, bin neu hier. Möchte mich gerne mit einbringen. Kurz zu mir: Ich bin Mitte 30 und habe die Diagnose seit etwa einem Jahr. Ich denke ich bin mit Methylphenidat noch nicht gut eingestellt. Vieles hier kann ich bestätigen:
Seit der Medikation sind mir soziale Kontakte auch nicht mehr wichtig. Kochen bzw. mich mit Essen beschäftigen mag ich garnicht mehr. Essen ist Pflicht geworden.
Depressionen und diese scheissegal-Einstellung (oder Neugier, wörtlich) haben mich auch schon einiges ausprobieren lassen.
Hier kommt der Punkt, bei dem ich auf eure Erfahrungen gespannt bin:
Egal was ich tue, es geht es mir so, dass es nach kurzer Zeit uninteressant wird. Also mein Job, Hobbies, die Fernsehserie etc. AUCH Alkohol, Zigaretten, Kokain, Kaffee, irgendwelche Computerspiele oder soziale Medien… habe ich immer wieder sein lassen weil es mir nichts mehr gegeben hat. Lehne eher ab, wenn ich die Möglichkeit habe. Kennt ihr das?
Etwas anders ist es mit Cannabis: Ich bin der Meinung dass Cannabis klein dosiert hilft, aber nur kurzfristig. Ich scheue es aber weil ich es gezielt im Alltag einsetzen müsste. Höhe Dosierungen machen mir eher Probleme. Ich würde nicht sagen dass ich Verlangen danach habe. Scheue eher die langfristigen Folgen, psychoaktive Wirkung im Alltag und Gewöhnungseffekte.

Meine Stimmung schwankt im Moment von Tag zu Tag sehr stark. Wenn es mir schlecht geht suche ich Ablenkung (Flucht) vor der Realität häufig in Medien. Das würde ich als Suchtverhalten beschreiben. Novelty seeking. Allerdings auch hier sehr schwankend und inkonsistent.

Ich hatte schon vorher mal den Gedanken dass Suchtverhalten bei mir nachlässt wie Interessen oder Begeisterung im allgemeinen.
Kennt ihr dazu Theorien?


Hmm… das klingt vielversprechend. Sollte ich vielleicht mal ausprobieren. Tatsächlich war das, was ich geschildert habe, mit Concerta, also MPH. Seit ich es nicht mehr nehme habe ich die Rückmeldung bekommen, nicht mehr so hart und „misanthropisch“ zu sein… :shock:

Das sind die gleichen Fragen, die mich damals umgetrieben haben, als ich zum ersten Mal ein Rezept für Cannabis in der Hand hielt. Die psychoaktive Wirkung lässt sich aber durch niedrige Dosierung verhindern und damit verhindert man dann auch gleich noch die Gewöhnungseffekte. Nach einer einmaligen Toleranzentwicklung hat sich bei mir an meinem geringen Bedarf seither nichts geändert.

Wirkt es besser oder schlechter als MPH? Schon einmal mit Deinem Arzt darüber gesprochen?

Mein aktueller Arzt lehnt Cannabis ab. Habe im Februar einen Termin bei einem anderen Neurologen.

Die Wirkung im Vergleich zu MPH ist sehr unterschiedlich.
Cannabis steigert positive Motivation und Kreativität, aber zu einem gewissen Grad auch Ängste (Dosierungsabhängig und meiner Meinung nach CBD-abhängig).
MPH macht mich wacher, energischer. Böse formuliert verbissener.
Vergleich: Begeisterung vs. Verbissenheit. Bei beidem bleibe ich länger fokussiert, aber die Art ist sehr unterschiedlich.

Der nächste Versuch soll mit Elvanse sein.

Ich habe gute Erfahrung mit Mikrodosierung von Cannabis (Steigerung des Dopaminlevels?) in Kombination mit MPH (Dopamin bleibt länger verfügbar). Jetzt suche ich Bestätigung für die These.

Es gibt medizinische Sorten mit ausgeglichenem Verhältnis THC:CBD wie z.B. Bediol.

So sieht es auch bei mir aus. Besser kann ich es für mich auch nicht beschreiben.
An meinem ersten Arbeitstag mit MPH (ich bin selbstständig) habe ich von Morgens bis Abends durchgearbeitet ohne Pause und hatte dann Abends einen Tinnitus davongetragen.
Mit Cannabis kann ich zwar auch besser und effizienter arbeiten, aber es fehlt diese Verbissenheit. Ich merke auch viel eher, wann es zu viel ist und nehme mir Zeit für Ruhe, Erholung, Energie tanken.

Danke für den Tipp. Ich mache mich nochmal schlau, bevor ich den Arzttermin habe.


Ist die Intensität der Motivation bei Cannabis bei dir nicht auch viel höher?
Wie fasst man das am besten in Worte?
MPH=Tunnelblick
Cannabis=Mehr geistiger (Frei-)Raum

Ich habe zum Thema Sucht einen Artikel gelesen, der Dopaminlevel im Verhältnis zu Stimmung skizziert hat.
Viel Dopamin-----------------------------------------------------------------------------------------Kein Dopamin

  • Euphorie (Drogenrausch, Bungee Sprung) - Begeisterung - Interesse - Aufmerksamkeit - Ablehnung (Rejection)

Die Wirkung von MPH würde ich nicht auf dieser Achse beschreiben sondern in einer Achse von Wichtig zu Egal
wobei - und das ist mein Problem - Stimmung davon unberührt bleibt und ich konstant unzufrieden bin bzw. keinen Erfolg(reward) verspüre.

Nein, so würde ich das bei mir nicht beschreiben. Cannabis wirkt super gegen Prokrastination aber ich bin davon nicht übermotiviert. Letzteres verbinde ich eher mit meiner ADHS-Zeit als ich noch keine Medikamente genommen habe und gerne mal sehr euphorisch an Projekte rangegangen bin. Cannabis wirkt bei mir eher regulierend. Ich bekomme Abstand…

Übermotiviert meine ich gar nicht. Eher ein Maß an Motivation wo es mir leicht fällt, fast wie von selbst läuft. Mit MPH ist es immer alles noch anstrengender. Ich zieh’s halt durch. Abstand… kann ich nicht nachvollziehen. Meinst du eine gesunde Gelassenheit?

Hallo Hannes,

das ist aber auch stark dosisabhängig. Wenn jemand sagt, er habe mit MPH einen Tunnelblick, er sei verbissener, er vernachlässige Kontakte, dann würde ich antworten, geh mal eine Stufe runter mit der Dosis.

Und es ist auch Gewöhnungssache. Ich denke nach zwei Monaten kann man zuverlässiger sagen, was MPH mit einem macht, zu Anfang überbewertet man vielleicht auch subjektiv.

Und die Alternative ist erst einmal natürlich Amfetamin (Elvanse o. ä.). Das hat manche Nebenwirkungen des MPH nicht, und umgekehrt.

Also meine Erfahrung mit MPH ist positiv (ich nehme es übrigens seit 16 Jahren täglich). Es verbessert auch meine Stimmung und macht mich ausgeglichener. Cannabis habe ich noch niemals genommen und bin offen gestanden auch nicht neugierig darauf.

Ich bin durch ein „Alkoholproblem“ überhaupt erst wieder auf ADHS aufmerksam geworden. Bei der MPU Vorbereitung hab ich z.b. keine Motive gefunden. Rückwirkend betrachtet denke ich hat mich alle 2 Wochen die Birne wegschießen entspannt.

Ich kenne einige die durch Kiffen absolut blöd geworden sind, vermutlich passiert das den meisten. Jetzt habe ich einen kennen gelernt, da dachte ich mir das gibts doch gar nicht, so oft wie der kifft und das schon seit 15 Jahren, und er ist ganz normal. Dann hab ich festgestellt, wenn der nicht kifft, ist er absolut nicht normal. Total aufgedreht. Und dann hab ich gemerkt der kifft zwar oft, aber „schwach“. Und als ich dann von ADHS hörte gab das alles plötzlich einen Sinn. Vielleicht erfährt er ja auch noch davon…