Hallo zusammen,
vor etwa einem halben Jahr bin ich hier auf das Forum gestoßen und habe mich kurz vorgestellt. Meine Therapeutin hat mich damals auf die Idee gebracht, dass ich ADHS haben könnte. Im Herbst 2025 habe ich dann von meinem (damaligen) Psychiater die Diagnose bekommen aber gleich mit dem Hinweis, dass er mir eigentlich keine ADHS-Medikamente verschreiben möchte, weil ich „zu alt“ bin (mittlerweile 53…). Ein Versuch mit Buprion endete mit schrecklichen Panikattacken. Er hat mir dann immerhin die ORIKO-App verschrieben, was ganz nett war aber aufgrund meiner jahrzehntelangen Suche nach der Ursache meiner Probleme habe ich schon sehr viele verschiedene Therapien und Klinikaufenthalte hinter mir, so dass die ORIKO wie gesagt nett und auch unterstützend war aber definitiv nicht die Weichenstellung und Kehrtwende für mich.
Anfang des Jahres war ich noch in Reha, dort kam dann zusätzlich der Verdacht auf, ich könnte Borderline haben…
Auf jeden Fall habe ich mir einen neuen Psychiater gesucht, für den ich 3 Stunden Anfahrt in Kauf nehme. Aber ich bin ja super froh, dass ich überhaupt einen Platz bei einem ADHS-Spezialisten bekommen habe! Bei diesem Menschen habe ich mich nun letzte Woche mit meinem Sammelsurium an Diagnosen (Fibromyalgie, rezidivierende Depression, Binge Eating, seit 2025 ADHS und der Verdacht auf Borderline…) vorgestellt. Und was soll ich sagen: Endlich mal ein Arzt, der mir auf Augenhöhe begegnet ist, sich Zeit genommen hat, meine persönlichen Erfahrungen ernst genommen und mir mein Wissen über mich selbst nicht aberkannt hat. Was für eine Erleichterung!
Gemeinsam haben wir besprochen und regelrecht erarbeitet, mit welchem Mittel wir den Versuch der Medikation beginnen. Er hat mir Elvanse 30 mg verschrieben. Das nehme ich jetzt seit vier Tagen.
Die Wirkung war in den ersten zwei Tagen noch deutlicher, mittlerweile sind Wirkung und auch Nebenwirkungen nur noch minimal aber eine fantastische Erfahrung habe ich gemacht: Ich hatte plötzlich emotionalen „Durchblick“. Ganz schwer zu erklären, irgendwer hier im Forum hat es auch schon mit einer Brille verglichen und das passt sehr gut. Wo vorher alles Emotionale unscharf, unklar, unvorhersehbar, anstrengend und stressig war, war es mit Elvanse scharf und entspannt.
Ich dachte immer, ich wäre eine Menschenhasserin und jetzt bekomme ich eine Ahnung davon, dass es, wenn ich Unterstützung - also quasi den Durchblick - beim Umgang mit anderen Menschen bekomme, durchaus erträglich sein kann, von Menschen umgeben zu sein, die anders ticken als ich.
Alle diese Wirkungen und Erfahrungen sind noch ganz schwach und der Zeitraum super kurz aber ich habe eine Ahnung bekommen, wie es sein kann, wenn man mit dem richtigen Medikament und der richtigen Dosis gut eingestellt ist. Und diese Ahnung macht mir Hoffnung und erfüllt mich mit Freude.
Das wollte ich Euch nicht vorenthalten und ich möchte jeder und jedem Mut machen, die Suche nach einem guten Psychiater nicht aufzugeben. Ich selbst muss jetzt mit meinen 30 g weitermachen bis zu meinem nächsten Termin Ende April. Vielleicht schlage ich dem Arzt am Telefon vor, die letzten neun Tage vor dem Termin von 30 g auf 40 g zu erhöhen (in meiner Packung sind drei Kapseln mehr als ich bis zum Termin benötige und das wären dann ja 90 g, die ich auf neun Tage verteilen kann). Und dann muss ich halt für jedes Rezept wieder fast 3 h hin und 3 h zurück fahren. Aber das ist es mir Wert! Und vielleicht gibt es ja, wenn ich richtig eingestellt bin, die Möglichkeit für einen „Deal“ mit meiner Hausärztin. Das hatte der Psychiater so schon angedeutet.
Also, wer bis hierher gelesen hat: vielen Dank für Dein Interesse und dass ich das teilen konnte. Ich bin gespannt, wie meine Reise weiter geht und freue mich über jeden Bericht, sowohl von den erfahrenen alten Hasen als auch von Leuten, die sich wie ich gerade ganz am Anfang der Reise befinden.
Liebe Grüße
Kat