Das zum Lesen fand ich interessant. Ich finde mich ungefähr zu 75% auf der ASS-Seite wieder, und vielleicht 25% auf der ADHS-Seite. Zum Beispiel bei der Organisiertheit, da bin ich eher desorganisiert und alles andere als zwanghaft oder ordentlich.
Ich bin skeptisch. Ich glaube, es ist noch etwas tiefer liegenderes, kann aber auch nicht genau sagen, was.
Auf jeden Fall habe ich schon das Gefühl, dass ich anders denke als andere und dass ich andere nicht verstehe, aber nicht weil ich sie nicht lesen könnte. Ich verstehe ihre gesamte Motivation oft nicht, warum sie sich so verhalten wie sie es tun. Und andere verstehen auch mich nicht.
Zudem bin ich auch ich-bezogen. Ich interessiere mich in der Theorie für andere und möchte z.B. dass es anderen gut geht, aber mich mit jemandem zu treffen, finde ich viel zu anstrengend. Kontakte mit anderen fühlen sich oft so an wie in der Szene bei Men in Black, hier zu sehen ab 1:50 https://www.youtube.com/watch?v=5NY_8ulSutc
Gerade Smalltalk setzt meiner Meinung nach auch viel Interesse am anderen voraus. In der Gesprächssituation habe ich wenig Ressourcen übrig, um mich mit der anderen Person zu befassen. Der Großteil wird vom Verarbeiten der Eindrücke und von meinen Gedanken verbraucht. Ein Teil meiner Gedanken dreht sich darum, nicht aufzufallen. Ich kann dann nur irgendwie funktionieren und Plattitüden zum Besten geben. Es ist schwierig zu beschreiben. Zu allem, was ich schreibe, fallen mir auch Gegenbeispiele ein… also weiß ich letztendlich auch nicht, wie es jetzt wirklich ist.
Anstrengung spielt jedenfalls eine Rolle. Ich würde z.B. mitunter gerne jemandem helfen oder mich öfter mit jemandem treffen, aber schaffe es nicht, weil es zu anstrengend ist. Ich denke manchmal, es wäre nett, einen engen Freund zu haben, und gleichzeitig denke ich, es wäre der totale Stress. Es ist nämlich auch Stress, mit Menschen zusammen zu sein, die ich mag. Weihnachten z.B. war ich bei meiner Familie, und die mag ich und muss mich nicht groß verstellen, aber ich war völlig k.o. danach, im Kopf geht dann alles durcheinander. Ich bin am liebsten allein, nur wäre es schön zu wissen, dass da irgendwo noch jemand ist, auch wenn man nicht zusammen ist.
Emotionen sind auch noch ein Thema. Es kann sehr anstrengend sein, wenn Gefühle anderer auf einen einwirken. Ich mache mir oft sehr viele Gedanken, kann aber nur sehr wenig tun, wenn z.B. jemand Sorgen hat. Manchmal mache ich mir vermutlich auch selber das Leben schwerer als nötig, weil ich Ängste und Hemmungen habe, die mir irgendwann mal antrainiert wurden. Ich habe Angst, in irgendwelche Fettnäpfchen zu tappen und die Situation schlimmer zu machen oder andere gegen mich aufzubringen. Ganz sinnlos ist die Angst aber auch wieder nicht…
Introvertiertheit… also in meinem Fall kommt mir Autismus so vor wie eine Extremform von Introvertiertheit, gepaart mit einer langsamen Reizverarbeitung. Ich komme im normalen Leben nicht oft auf die Idee, meine Gedanken jemandem mitzuteilen. Wenn ich sie jemandem mitteilen will, weiß ich nicht wie. Im Internet ist es ein wenig anders, zumindest in passenden Foren wird man auch nicht gleich verurteilt für ungewöhnliche Gedanken und hat beim Schreiben viel Zeit. Außerdem geht es noch leichter bei Menschen, die von Berufs wegen tolerant sein müssen und gut zuhören können und auch viel fragen. Wenn sie nicht fragen, wird es auch wieder schwierig.