Falsche Autismus-Diagnose - nur Kompensation des ADHS

Smalltalk KANN echt langweilig sein, aber es kommt voll aufs Thema an bei mir :smiley:

Mit einer Therapeutin spreche ich beispielsweise während der Behandlung über alles Mögliche - ADHS, Hunderassen, Hundeerziehung, ihre Enkelkinder oder meine Lego-Bauten - und das macht mir Spaß. Ich würde das auch unter Smalltalk zusammenfassen.

Anstrengend für mich, aber ich mag es und rede gerne mit ihr.

Ich erzähl meiner immer alles mögliche was gerade in meinem Interessenfokus ist, halt auf sachlicher Ebene und berücksichtige eher weniger obs mein Gegenüber überhaupt Interessiert, wenn ich von meinen Interessen Erzähle. Ich beschäftige mich damit auch den ganzen Tag, manchmal sogar bis zur Erschöpfung :roll_eyes:. Das spricht der Tom nach dem Sozialverhalten Teil im Video an, wo der Unterschied zwischen Spezialinteresse und Hyperfokus liegt. :slightly_smiling_face:

Spannend ist im übrigen auch der Teil mit der Detailwahrnehmung, wo der Unterschied liegt, bei ADHS und ASS.

Edit: Ich denke aber ohne die ADHS wär mein Interessenspektrum schon sehr eingeschränkt aber dafür vielleicht krass spezialisiert. :joy:

Das kann ich nicht. Ich glaube, ich würde lieber freiwillig wegrennen als jemandem freiwillig ausführlich von meinen Interessen zu erzählen. Das liegt allerdings an meiner Vergangenheit, weil meine Interessen - unabhängig davon wie viel ich von ihnen erzählt hab - eigentlich fast immer mit negativen Attributen aller Art belegt wurden. Oder sie waren dem Gegenüber zu intensiv. Deshalb habe ich mir irgendwann mit dem Erwachsenwerden abgewöhnt darüber zu sprechen und rede auch heute lieber möglichst wenig darüber. Mittlerweile ist die Angst besser dank der Therapie, aber es fällt mir immer noch unsagbar schwer über irgendwas zu sprechen, wofür ich mich interessiere.

Tom spricht in dem Video darüber, dass seine Spezialinteressen manchmal aus dem Nichts kommen. Ist das wirklich so, dass einem dann an einem Morgen ganz plötzlich eine Idee kommt, ohne jeden Bezug zu etwas, was davor mal passiert ist? Zum Beispiel sieht man ein Video über Fahrräder und dann interessiert man sich intensiv für Mountainbikes. Das kann ich nachvollziehen, weil es einen äußeren Auslöser gibt.

Hyperfokus und Spezialinteresse sind echt gut erklärt im Video, finde ich. Obwohl der Übergang da fließend sein kann, meiner persönlichen Erfahrung nach, weil ich genauso an einem Thema hängen bleiben und nicht mehr aufhören kann daran zu denken. Dann nämlich wenn der Hyperfokus zu stark war an dem Tag und ich den Kopf nicht davon loskriege.

Bei der Detailwahrnehmung geht’s darum, dass es mit ASS schwer ist das große Ganze aus kleinen Details zusammenzusetzen, wenn ich das korrekt verstehe?

Was ich übrigens besonders krass fand nochmal zu hören in dem Video: ADHS und ASS maskieren sich nicht gegenseitig, sondern sie verstärken sich in der Regel. Ich habe das Video schon mal gesehen und diese Aussage auch in Büchern gefunden. Noch so eine Falschinformation auf Social Media.

Geht meinem Erwachsenen ich genauso. :people_hugging: :heart_suit:
Mein kleines Ich ( Also ich :joy: ) ist ständig angeeckt mit der Blubberei eben weil, dass ja auch unhöflich wie sau ist aber ich wusste es ja nicht besser. :roll_eyes:

Dann gabs ständig eins auf den Deckel, die Leute sind gelangweilt, sind überfordert von der Informationsmenge. Ich selber bin sowieso überfordert, weil das immer alles so Mega komplex ist und man will ja alles erzählen, weiß aber nicht was genau wichtig ist vor lauter wichtigen Details. Hach die Liste ist lang und wo da jetzt ADHS oder ASS anfängt und aufhört, ich habe schon lange den Überblick verloren vor lauter Bäume im Wald.

Es gibt immer einen Äußeren Auslöser, was man nicht weiß was einen interessieren könnte, weil man es noch nie gesehen oder davon gehört hat, kann einen ja auch nicht interessieren.

Beim Fahrrad Beispiel wäre es vermutlich :thinking: eher nicht nur das Mountainbike sondern, das Detail im Detail, wie funktioniert die Gangschaltung oder welche Reifen Arten gibt es bei Mountainbikes. Ich denke die Kategorie Mountainbike wäre noch zu Oberflächlich, gehört halt dazu. :joy:

Edit: Ich hatte mal irgendwo das Beispiel von einem Kind gelesen/ gesehen/ gehört?, welches mit Mutti in den Waschkeller geht, die Waschmaschine sieht sich davor setzt und die Trommel beobachtet, danach wird es zum Waschmaschinentrommel Experte mit allem drum und dran und nicht nur die Waschmaschine. :joy:

Edit2: Oh und dann kommt noch die Sache mit dem IQ, da können Spezialinteressen natürlich auch in einer Liga spielen, die für Normal Kluge Menschen überhaupt nicht greifbar sind oder so. Das Intelligenzprofil bei Autistischen Menschen ist recht häufig ungleichmäßig. Wirkt sich, denke ich dann natürlich auch auf die Interessen aus. :thinking:

Da frage ich mich gerade, wenn nur einzelne Spitzen so hoch sind gibt es in der Summe ja auch dann eine HB bei der Testung obwohl man manches ja eigentlich nicht so gut kann. :thinking:
Und ganz blöd ist es vermutlich wenn das was man sehr gut kann, gar nicht getestet wird. :thinking:

Edit3: :exploding_head: Ich verkrümmel mich wieder. Blubber zu viel. :joy:

Edit4: Soll wohl auch möglich sein, dass manche, wird vermutlich sehr selten sein hoffe ich jetzt mal, sich Verschulden oder gar Kriminell werden, weil manche Spezialinteressen können echt Teuer sein… :heart_suit:

Foren sind zum Blubbern da :joy:

Ich hab als Kind wegen zu vieler Fragen auch oft Schelte bekommen. Oder weil ich das Falsche erzählt habe. Oder wegen zu vieler Emotionen, was vermutlich der Hauptgrund war. Ich habe mich für die falschen Dinge interessiert, nämlich eher für Abenteuer-Bücher und Puppen statt für den Schulstoff. Naja, falsch war es am Ende sowieso immer.

ADHS sei Dank lasse ich heute beim Erzählen viel mehr weg als ich erzähle, weil alles unwichtig in meinem Kopf. Dass Mensch gegenüber aus meinen Stichworten keinen Zusammenhang erschließen kann, habe ich erst vor einer Weile verstanden. Mega komplex ist sowieso alles und ich verstehe nur die Hälfte, während ich gleichzeitig wieder Zusammenhänge sehe, wo nach allen neurotypischen Standards einfach keine sind. Großes Minenfeld an Konflikten.

Da habe ich den Tom ein bisschen ZU wörtlich genommen, glaube ich… :laughing: Ich dachte wirklich, er wäre einfach vollkommen zufällig auf seine Interessen gekommen. Eine faszinierende Vorstellung.

Oh, das macht aber Sinn sich die Interessen in kleine Details aufzuteilen. Ich wünschte, mein Kopf könnte das auch. Ich sehe ein Interesse und bin überfordert und lasse es deshalb gleich wieder. Mini-Details machen ein Thema zugänglicher, auch wenn mir klar ist, dass man bei ASS dann einfach bei dem Detail bleibt und gar nicht groß weiterwandert. Das ist aber ja auch okay.

ASS hat typischerweise ein sehr unregelmäßiges Profil an Fähigkeiten und Interessen, ja. Ich weiß nicht, wie andere IQ Testungen abliefen, aber im Zuge meiner ASS Diagnostik habe ich eine machen müssen und die ging mit Bildern. Da wurden einem Matritzen gezeigt, die man in einem Zeitrahmen dann ergänzen oder als nichr in die Reihe passend identifizieren musste.

Ich fühle mich etwas arrogant, weil ich dran zweifele, dass ich wirklich “nur” einen IQ von 101,6 (so das Ergebnis damals) habe.

Ist es ja auch, entdecken muss man das Thema ja trotzdem vorher. Kann natürlich auch sein das man sich eine Fantasiewelt Erschafft als Interesse, wer weiß, etwas nie davor dagewesenes. Oder vielleicht etwas was Reales, was nur bisher noch niemand entdeckt hat. :grin:

,6 sogar :joy:

Nachkomma-Stellen sind wichtig! :stuck_out_tongue: Aber im Ernst: 101 ist wirklich sehr Durchschnitt und wahrscheinlich stimmt das Ergebnis bei mir tatsächlich. Ich bilde mir nicht ein, besonders klug zu sein. Wirklich nicht.

Spannende Welt der Spezialinteressen.

Ich bilde mir manchmal ein Oberklug zu sein und dann wieder, dass ich doof wie Bohnenstroh bin. :joy:
Ich weiß es nicht, was ich aber mittlerweile erkenne ist, dass ich Stärken habe und da bin ich ganz froh drum, denn wenn ich die nicht hätte, könnte ich vermutlich nicht alleine Leben. :slightly_smiling_face:

Was hattest du nochmal Studiert?

Eine Geisteswissenschaft aus dem Bereich Sprache, Kultur und Gesellschaft.

Das zum Lesen fand ich interessant. Ich finde mich ungefähr zu 75% auf der ASS-Seite wieder, und vielleicht 25% auf der ADHS-Seite. Zum Beispiel bei der Organisiertheit, da bin ich eher desorganisiert und alles andere als zwanghaft oder ordentlich.

Ich bin skeptisch. Ich glaube, es ist noch etwas tiefer liegenderes, kann aber auch nicht genau sagen, was.
Auf jeden Fall habe ich schon das Gefühl, dass ich anders denke als andere und dass ich andere nicht verstehe, aber nicht weil ich sie nicht lesen könnte. Ich verstehe ihre gesamte Motivation oft nicht, warum sie sich so verhalten wie sie es tun. Und andere verstehen auch mich nicht.

Zudem bin ich auch ich-bezogen. Ich interessiere mich in der Theorie für andere und möchte z.B. dass es anderen gut geht, aber mich mit jemandem zu treffen, finde ich viel zu anstrengend. Kontakte mit anderen fühlen sich oft so an wie in der Szene bei Men in Black, hier zu sehen ab 1:50 https://www.youtube.com/watch?v=5NY_8ulSutc

Gerade Smalltalk setzt meiner Meinung nach auch viel Interesse am anderen voraus. In der Gesprächssituation habe ich wenig Ressourcen übrig, um mich mit der anderen Person zu befassen. Der Großteil wird vom Verarbeiten der Eindrücke und von meinen Gedanken verbraucht. Ein Teil meiner Gedanken dreht sich darum, nicht aufzufallen. Ich kann dann nur irgendwie funktionieren und Plattitüden zum Besten geben. Es ist schwierig zu beschreiben. Zu allem, was ich schreibe, fallen mir auch Gegenbeispiele ein… also weiß ich letztendlich auch nicht, wie es jetzt wirklich ist.

Anstrengung spielt jedenfalls eine Rolle. Ich würde z.B. mitunter gerne jemandem helfen oder mich öfter mit jemandem treffen, aber schaffe es nicht, weil es zu anstrengend ist. Ich denke manchmal, es wäre nett, einen engen Freund zu haben, und gleichzeitig denke ich, es wäre der totale Stress. Es ist nämlich auch Stress, mit Menschen zusammen zu sein, die ich mag. Weihnachten z.B. war ich bei meiner Familie, und die mag ich und muss mich nicht groß verstellen, aber ich war völlig k.o. danach, im Kopf geht dann alles durcheinander. Ich bin am liebsten allein, nur wäre es schön zu wissen, dass da irgendwo noch jemand ist, auch wenn man nicht zusammen ist.

Emotionen sind auch noch ein Thema. Es kann sehr anstrengend sein, wenn Gefühle anderer auf einen einwirken. Ich mache mir oft sehr viele Gedanken, kann aber nur sehr wenig tun, wenn z.B. jemand Sorgen hat. Manchmal mache ich mir vermutlich auch selber das Leben schwerer als nötig, weil ich Ängste und Hemmungen habe, die mir irgendwann mal antrainiert wurden. Ich habe Angst, in irgendwelche Fettnäpfchen zu tappen und die Situation schlimmer zu machen oder andere gegen mich aufzubringen. Ganz sinnlos ist die Angst aber auch wieder nicht…

Introvertiertheit… also in meinem Fall kommt mir Autismus so vor wie eine Extremform von Introvertiertheit, gepaart mit einer langsamen Reizverarbeitung. Ich komme im normalen Leben nicht oft auf die Idee, meine Gedanken jemandem mitzuteilen. Wenn ich sie jemandem mitteilen will, weiß ich nicht wie. Im Internet ist es ein wenig anders, zumindest in passenden Foren wird man auch nicht gleich verurteilt für ungewöhnliche Gedanken und hat beim Schreiben viel Zeit. Außerdem geht es noch leichter bei Menschen, die von Berufs wegen tolerant sein müssen und gut zuhören können und auch viel fragen. Wenn sie nicht fragen, wird es auch wieder schwierig.

Ich glaube nicht das neurotypische Menschen sich so verhalten :joy:.

Die schauen dann Fragezeichenmäßig oder sowas und gehen beleidigt oder verwirrt weg wenn man nicht korrekt Smalltalkig reagiert. :joy:

Gibt aber auch sehr extrovertierte autistische Persönlichkeiten. :heart:

Edit: Letzteres macht glaube ich manche sehr schnell zu Opfern aufgrund der gewissen „Naivität“.

Edit2: Ist halt ein Spektrum. :people_hugging:
Vieles kann ich nachvollziehen wie du dich fühlst, geht mir da ähnlich. :people_hugging:
Hach man, ich wollte irgendwas nettes Schreiben, ich hoffe du verstehst wie ichs meine. :+1:

Was mich mittlerweile wirklich ärgert, ist diese massive Falschinformation auf Social Media. Dieses Problem ist nun wahrlich absolut nicht ASS-spezifisch, sondern betrifft sämtliche Bereiche des menschlischen Lebens. Da wir hier aber gerade beim Thema ASS und ADHS sind, beziehe ich mich darauf.

Beispiel:

Ich lese oft, dass “Wunsch nach Ordnung und Routine” ein Anzeichen für Autismus sein soll, gegenüber “Abneigung gegenüber Routinen” als Zeichen für ADHS. Das ist weder falsch noch richtig und das macht es so fies. Jetzt mal abgesehen von Komorbiditäten wie Zwängen und dergleichen, sind beides natürliche Eigenschaften und erst ab einem gewissen Punkt medizisch für eine Diagnose relevant.

Aber als Ergebnis hat man plötzlich zig Menschen, die sich fragen, ob sie autistisch sind, weil sie neben ihrer ADHS den starken Wunsch nach Ordnung verspüren. Umgekehrt, also jemand mit Autismus, der sich fragt ob er oder sie wegen der Abneigung von Ordnung, ADHS hat, habe ich seltener erlebt/gelesen. Wird es aber sicher auch öfter geben.

So verkommt Autismus irgendwie zu einer Art “Erweiterung” des ADHS, ohne zu beachten wie weit ADHS (und sehr häufige Komorbiditäten) wirklich gehen können. Wie tief ADHS eigentlich im Menschen verankert ist, weil das Gehirn so ist. Zusammenbrüche nach reizintensiven Shoppingausflügen können Teil von ADHS sein, genauso wie Überforderung bei Planänderungen oder Probleme beim Duschen. Und das ist auch wieder nur ein Teil davon, den ich hier als Beispiel aufgreife.

Autismus ist für mich ein sehr spezifisches Muster an Merkmalen, die sich durch das komplette Leben ziehen. Und zwar schon im weiteren Sinn aufgebaut auf den Klischees, die man so kennt, weil diese Klischees nun mal nicht ohne Grund entstanden sind. Deshalb kann (!) der Wunsch nach Routinen natürlich ein Zeichen sein, aber bei weitem nicht das einzige, und erst ab einem gewissen Ausmaß.

Der Autismus muss sich dabei nicht wie im Klischee äußern, das möchte ich klarstellen. Aber meiner Meinung nach muss das ganz spezifische Muster eben da sein.

Mir scheint manchmal als wäre schon was dran an den Trends in Social Media hinsichtlich der Verbreitung von (falschen) Informationen.

Ich bin nun bei weitem kein Experte, also ihr dürft mir gern widersprechen oder mich korrigieren. Das ist eben nur was, was mir so krass aufgefallen ist in der letzten Zeit - und auf das ich ja letzten Endes auch selbst reingefallen bin.

Na, ich hoffe mal, dass der Tom Harrendorf wenigstens keine Falschinformationen verbreitet. :heart: Der hat jetzt aber glaube ich nicht so viel „Du hast ASS wenn.. Videos.“

Irreführende/ ungenaue verallgemeinernde Aussagen auf Social Media über ADHS/ ASS

In Kurzvideos (v. a. TikTok) zu ADHS und Autismus (ASS) findet man laut mehreren Studien auffällig oft irreführende/ungenau verallgemeinernde Aussagen – und die Videos sind meist zwar gut verständlich, aber selten wirklich „handlungsleitend“ (Actionability). PMC+1

ADHS:

  • Eine häufig zitierte Analyse der Top-100 #ADHD TikTok-Videos fand: 52% wurden als „misleading“ (irreführend) eingestuft (der Rest: „personal experience“ oder „useful“). PMC+1
  • Eine neuere, vorregistrierte Studie (PLOS ONE, 2025) ließ klinische Psycholog:innen die Inhalte der Top-100 #ADHD-Videos u. a. daran messen, ob Claims tatsächlich DSM-5-Symptome abbilden – und beschreibt eine deutliche Lücke zwischen Fachbewertung und Laienwahrnehmung der „Psychoedukations-Qualität“. PLOS+1

Autismus/ASS:

  • Bei den Top-133 #Autism TikTok-Videos mit Informationsgehalt wurden nur 27% als akkurat bewertet; 41% ungenau und 32% übergeneralisiert. Wichtig: Engagement (Likes/Views) unterschied sich nicht klar zwischen korrekten und ungenauen Videos. PubMed
  • Eine weitere Analyse (2024) kommt ebenfalls zum Fazit, dass ASD/ASS-Content auf TikTok insgesamt „unsatisfactory“ ist: moderat verständlich, aber sehr geringe Actionability und „oft misleading“. ScienceDirect
  • Ergänzend zeigt eine Content-Analyse stark gesehener #autism-Videos, dass vieles eher Erfahrungsberichte sind als allgemeine Aufklärung – was wertvoll sein kann, aber nicht automatisch korrekt/übertragbar ist. PMC

Praktische Faustregeln beim Schauen:

  • Vorsicht bei „Wenn du X machst, hast du ADHS/Autismus“-Kurzlisten (Überverallgemeinerung).
  • Besser: Videos, die Quellen nennen, Kontext/Abgrenzungen geben (z. B. Komorbiditäten, Differentialdiagnosen) und klar zwischen Erfahrung vs. Diagnosekriterien unterscheiden. PMC+2ScienceDirect+2

Quellen (Auswahl):

  • Yeung et al., 2022: TikTok and ADHD: Cross-Sectional Study of Social Media Content Quality. PMC+1
  • Karasavva et al., 2025: A double-edged hashtag… #ADHD-related TikTok… (PLOS ONE). PLOS+1
  • Aragon-Guevara et al., 2025 (Epub 2023): The Reach and Accuracy of Information on Autism on TikTok. PubMed
  • Brown et al., 2024: Cross-sectional analysis of TikTok autism spectrum disorder content quality. ScienceDirect
  • Gilmore et al., 2024: A Content Analysis of Highly Viewed #Autism TikTok Videos. PMC

Es gibt einige Ausnahmen mit wirklich gut recherchierten Informationen auf den Kanälen, ja.

Tom Harrendorf scheint jedenfalls eine solche Ausnahme zu sein, soweit ich das beurteilen kann. Er geht immer wieder auf die grundsätzlichen Symptome von ASS ein.

Manchmal bin ich dazu verleitet mir zu wünschen, es gäbe (wieder?) nur die Berichte von wirklich klinisch relevanten Symptomen von ASS und ADHS im Internet - keine alltäglichen Anekdoten von Betroffenen. Ich weiß, dass das eine Form von Ausschluss wäre und im Grunde möchte ich das nicht. Ich finde aber auch, dass die Studien, die du verlinkt hast, ein ziemliches Problem aufzeigen.

Beispiel, was mir hier und da begegnet ist: genaue Informationen auf Reisen, damit Mensch sich vorbereiten kann. Bedeutet beispielsweise spezifische Informatione über das Essensangebot im Zug, die Verfügbarkeit von Toiletten, genaue Abläufe mit Umstiegen, Klimaanlage, Heizung usw. Das ist doch eigentlich vollkommen normal diese Dinge wissen zu wollen, wenn man sich auf Reisen begibt. Natürlich gibt es Menschen, die spontaner sind und die vielleicht im Vorfeld ein paar Infos weniger brauchen, weil sie Dinge mehr auf sich zukommen lassen. Aber generell würde ich behaupten, das sind schlicht normale Pläne, die fast alle Menschen sich vom Vorfeld einer Reise machen. In den Posts wird das Bedürfnis aber auf den Autismus geschoben. Das ist meiner Meinung nach eine ziemliche Generalisierung.

Klar beeinflusst Autismus die eigenen Reisen, keine Frage. Aber zu sagen “Das stress mich, weil ich autistisch bin.” ist falsch, weil der Stress bei fast jedem Menschen an der Stelle da wäre.

Das meinte ich mit dem Wunsch, dass über tatsächliche, klinische Symptome berichtet wird, die wirklich spefizisch mit dem Autismus zutun haben. Sodass Menschen ein korrektes Bild von Autismus kriegen und nicht ein komplett verwaschenes.

Für ADHS gilt dasselbe, auch wenn ich es hier nicht extra aufgeführt habe.

Leider finde ich die meisten Inhalte in den Social Media ziemlich peinlich. Meistens werden oberflächlichen Klischees aufgeführt, die den Kern des Problems kaum berühren und auf irgendwelche banalen Einzelsituationen heruntergebrochen.

Ich habe heute zufällig dieses Video gefunden, wo die Gewichtung der oft verwechselten Symptome von ASS/ADHS meiner Meinung nach gut gewählt worden ist.

Das Video ist wirklich gut, danke fürs Teilen!

Ich habe es mir komplett angesehen, weil es sehr interessante Inhalte aufgebracht hat und, wie du schon geschrieben hast, gut die Abgrenzung zwischen ASS und ADHS aufzeigt.

Ich fand den Aspekt interessant, dass ASS in der Kindheit normalerweise sehr viel stärker auffällt als ADHS. Er sagte, dass ADHS oft mit guten Skills in der Kindheit und Jugend kompensiert werden kann, was er bei ASS nicht so sehe. Das hieße ja, dass jemand mit Autismus und ADHS die autistischen Eigenschaften sehr viel schlechter kompensieren können müsste als Kind als die ADHS-Merkmale. Für mich entspricht das zumindest den Erfahrungen, die hier im Thread geäußert wurden: Autismus geht tiefer in die Persönlichkeit als ADHS, weshalb es mir als Schlussfolgerung logisch scheint, dass man Autismus schlechter kompensieren kann. Denn es ist eine Sache, Aufmerksamkeit vortzutäuschen oder durch Nachfragen zu kompensieren wenn sie nicht da ist (da hatte er ein schönes Beispiel im Video), aber eine aus meiner Sicht ganz andere Sache, echtes menschliches Interesse vorzutäuschen im Zuge des Maskings.

Jetzt frage ich mich noch mehr wie viele Fehldiagnosen mit Autismus es da draußen eigentlich gibt, wenn wie bei mir noch Traumata dazukommt und dieses negative Selbstbild vom unsozialen Menschen, was sich durch ADHS sehr leicht entwickeln kann, oben drauf sitzt sozusagen….

Gibt es diese krass maskierenden Autist:innen überhaupt ohne mindestens so krasse Zusammenbrüche auf fasst täglicher Basis? Sehr viel Stoff zum Nachdenken jedenfalls.

In dem Video habe ich die Stelle nicht verstanden wo es um Verwechslung von Symptomen geht. Auf der Folie steht „Verwechslung der Symptomatik: Aufmerksamkeitsdefizit und mangelnde Einsicht in sozialen Situationen, Verlangsamung“.

Ich habe nicht verstanden, ob er meint, dass alle drei dieser Punkte zu ADHS gehören, oder nur das erste und die andern beiden zu ASS.

Habt ihr mit ADHS auch Verlangsamung? Bei was genau? Ich kenne von mir selbst das langsame Verarbeiten von Situationen. Als Beispiel man kommt in eine fremde Kantine und soll möglichst schnell sehen, welche Menüs es gibt, wo man Tabletts und Besteck bekommt, wo man sich anstellen muss, an welcher Stelle man dem Personal sagen muss, was man will, und wo bezahlt wird. Ich würde am liebsten immer erst ein paar Minuten in einiger Entfernung stehen und schauen, wie alles funktioniert. Ich habe nie erlebt, dass außer mir das auch noch jemand so machen wollte, sondern alle schienen sofort zu wissen, was sie tun müssen. Der einzige, der ähnlich war wie ich (sogar noch langsamer) war ein Autist, der bei uns ein Praktikum gemacht hat.
Kommt diese Verlangsamung auch bei ADHS vor, oder gibt es eine andere Art von Verlangsamung?