Falsche Autismus-Diagnose - nur Kompensation des ADHS

Das Lesen von Körpersprache meinst du? Ja, das stimmt. Es kostet mich auch viel Konzentration.

Siehst du, deswegen nehmen manche bei Sozialen Veranstaltungen weniger Medi damit sie nicht so Angestrengt sind von dem ganzen lesen. Körpersprache wird sowieso Überbewertet, ging doch vorher auch mehr oder weniger bis kaum.

Laut Barkley ist es beim Sport wichtig, zumindest hat der eine Kasuistik in seinem Büchlein, da wird der Pappenheimer dann mehr zum Teamplayer mit Medi und versteht sein Team besser.

Viele Menschen mit ASS Diagnose nehmen ADHS-Medikamente und diese helfen. Ob man daraus schließen kann, dass die Diagnose „falsch“ ist? Schwierig. Abgesehen vom frühkindlichen Autismus (nonverbal etc) oder extrem motorisch hyperaktiver ADHS, ähnelt sich die Symptomatik oftmals deutlich. Die Ursachen können durchaus unterschiedlich sein, aber meistens sind die Kriterien für eine ASS Diagnose strenger, als für einer ADHS Diagnose. Es kann trotzdem zu einer falschen Diagnose kommen.

Was ich hier lese , spricht nicht zwingend für eine Fehldiagnose. Dafür sind Menschen mit Autismus auch einfach zu unterschiedlich..

Um ehrlich zu sein, frage ich mich aber auch bei vielen Sachen, ob das Kompensation ist oder eher ASS ich glaube, das ist auch für Experten oftmals wirklich schwierig zu differenzieren.

Ja, hundert Prozent sicher werde ich wohl nie sein.

Nach anderthalb Jahren Diagnose und so viel Recherche zum Thema ASS ist die Diagnose auch irgendwo ein Teil meines Lebens geworden. Und ein Stück Identität vielleicht auch? Keine Ahnung.

Ist ja bei ADHS auch nicht anders?

Man sollte dabei aber nicht außer Acht lassen, dass Hyperaktivität sogar ein Symptom von frühkindlichem Autismus sein kann, was sich z.B. sehr häufig beim Phelan-McDermid-Syndrom zeigt, welches so Kanners Erstbeschreibungen wohl am ähnlichsten ist. Der entscheidende Unterschied ist, dass hyperaktive Autisten keine Sensation Seeker sind und von Überreizung nicht profitieren.

Hochfunktionaler Autismus

Treten alle Symptome des frühkindlichen Autismus zusammen mit normaler Intelligenz (einem IQ von mehr als 70) auf, so spricht man vom Hochfunktionalem Autismus. Diagnostisch wichtig ist hier insbesondere die verzögerte Sprachentwicklung. Gegenüber dem Asperger-Syndrom sind die motorischen Fähigkeiten meist deutlich besser.

Finde es wichtig das nochmal aufzuzeigen.

Hmm, das reimt man sich aber auch daher zusammen, dass die Person ewig braucht und rumdrückt, beziehungsweise den Automaten mehr anstarrt als bedient.

Ich bin aber nicht sicher, ob Autisten es dann dennoch richtig einordnen können? Einfach über das, was die Person tut und weniger über Körpersprache.
Ich habe es teils so verstanden, dass Autisten auch das Problem haben die Situation generell zu erfassen - auch abseits von Körpersprache. Aber so ganz schlau bin ich da noch nicht geworden…

So LEute, die extrem gut Körpersprache und Mimik lesen können, finde ich irgendwie gruselig.

Wenn eine kleine gebrechliche alte Frau vor einem Kühlschrank im Supermarkt steht, sagt mir meine Lebenserfahrung beim Einkaufen und ich gehe schon lange einkaufen, sogar ohne Begleitung, dass ich gleich angesprochen werde. „Junger Mann können sie mal bitte…“ manchmal bin ich sogar richtig schlau und frag schon vorsorglich ob ich helfen kann.

Also manchmal frag ich mich ob mein Bild von Autismus Mekrwürdig ist oder das von allen anderen… Jeder Mensch ist im Kern Sozial und hat das Bedürfnis erstmal nicht allein auf der Welt zusein. Für manche ist es halt in Gewisser weise, nur eine ewige Fremdsprache was andere mit den Händen und Gesicht für ein Kirmes veranstalten. Mal ausgeprägt mal nicht so ausgeprägt aber das kann man üben in sehr vielen Fällen es zu verstehen.

Beobachtet ihr nicht gern Fremde Menschen, also nicht auf eine Schräge Art, einfach nur aus der Interesse heraus wie die sich so Verhalten?

Edit:

Manche knacken den Code recht schnell, manche brauchen länger und wieder andere schaffen es vielleicht nie… Autismus.

und HFA lässt sich im Erwachsenenalter von Asperger fast gar nicht Unterscheiden, HFA brauchen aber öfters mehr Unterstützung. Und diese Unterstützungsbedarfslevel sind fließend, mal mehr mal weniger. Das ist nicht in Stein gemeisselt und ändert sich je nach Lage, Stresslage vielleicht. Überreizlage?Akzentuiert sich Zeitweise und geht dann auch wieder zurück.

Schweregrade der Autismus-Spektrum-Störung
https://autismus-kultur.de/dsm-5-diagnosekriterien/


Bild Quelle

Über oder Unterempfindlichkeit was Sensorische Besonderheiten angeht… kommt beides bei Autismus vor. Wem krach nichts ausmacht, der geht wohl eher auf Partys. Nun ist aber auch die Frage wie sich das Gehirn so Entwickelt im Verlauf des Aufwachsens, vielleicht spaltet man Sensorische Besonderheiten die unglaublich belastend sind auch erstmal ab, das Gehirn passt sich recht schnell an vor allem beim heranwachsen. Ich weiß es nicht, bin kein Neurologe. Klingt aber für mich im Kontext von Zaubernetzwerken im Gehirn recht schlüssig.

Über- und Unterempfindlichkeit kann sogar in der gleichen Person vorkommen.

Beispiel: Ich bin sehr schmerzempfindlich gegen akuten Schmerz kann chronischen Schmerz aber einigermaßen aushalten. Auch benötige ich z.B. beim Zahnarzt eine höhere Dosis Lidocain als andere.

Beispiel 2: Musik. Mich nervt Musik in Läden in der Regel extrem. Meine Musik kann ich aber recht laut hören.

Ich habe die Diagnose ADHS seit 2024 und die Autismusdiagnose seit Januar 2026.

Genau. :+1:

Man hat ja auch nicht nur ein Sinn und irgendwas war da noch mit „Desintegration der Sinne“. Da muss ich mich nochmal dazu belesen…

Ist das vor dem Automaten stehen und und ewig brauchen und auf den Tasten rumdrücken etc. nicht auch Körpersprache? Ich hätte das unter dem Punkt Verhaltensweisen darunter eingeordnet, weil es für mich zu den sozialen Hinweisen gehört, die man von Mitmenschen bekommt.

Ich glaube, was du mit dem „nicht einordnen können“ meinst, ist eventuell die bei autistischen Menschen verbreitete Veranlagung erst mal einzelne Details zu sehen und erst daraus das Gesamtbild zusammen zu setzen. Als würde man erst mal ein Puzzleteil sehen und nicht die Vorlage, damit man weiß wie das Motiv aussehen wird am Ende. Das ist bei autistischen Menschen häufig der Fall, nicht nur visuell, sondern auch auf Situationen bezogen. Die brauchen dann erst mal viele Details und dann verstehen sie das Gesamtbild.

Während die meisten allistischen Menschen umgekehrt vorgehen: erst das Gesamtbild, dann Details.

Mit ADHS ist man dann gerne mal so ungeduldig, dass man die Details großzügig überspringt. XD


Quelle Lachenmeier

:thinking: Merkwürdig.

Bei ADHS ist das wieder anders. Wir sehen zu viele Reize auf einmal, was dann eine Art Nebel ergibt, wie der Lachenmeier das nennt.

Bei vielen autistischen Menschen ist das kleine Detail wichtig, weil sie das Gesamtbild sonst nicht verstehen. Das ist dann wie ein Puzzle, bei dem viele Teile fehlen, sodass das Motiv unkenntlich wird (der Vergleich ist nicht ganz treffend, aber man versteht hoffentlich was ich meine). Oder wie ein Wald, bei dem der autistische Mensch nur die eine Eiche sieht und dann die Buche und dann die Tanne usw. bis er nach der Sichtung aller Bäume erkennt, ah das ist ein Wald. Aber erst mal sind da nur einzelne Bäume, ohne Zusammenhang.

ADHS macht, dass eine Person zwar direkt den kompletten Wald sieht, aber alle Bäume gleichzeitig, sodass im Hirn Überforderung entsteht. Zu viele Daten, die verarbeitet werden müssen, und das bedeutet, wir brauchen dafür länger Zeit. Mit ADHS ohne Autismus braucht man aber in der Regel nicht sämtliche Baumarten zu erkennen, um zu wissen, dass das ein Wald ist. Nur die Flut an Daten muss sortiert und zusammengesetzt werden.

Überschneidung gibts an der Stelle, dass in beiden Fällen echt viele Daten im Hirn verarbeitet werden müssen. Mehr als bei allistischen Leuten ohne ADHS normalerweise.

Schwer zu erklären, Fachmenschen können da besser.

Ich dachte jetzt das hat was mit dem Dopamin zutun bei ADHS, man schaut sich nur das an was gerade Dopamin verspricht und mit Glück hat man irgendwann, sich alles angeschaut und versteht es.

Lach nicht. Medi baut den Reizfilter erst auf, dann hat man eigentlich dieses Problem eher weniger mit dem ADHS Nebel oder nicht? Es sei denn man ist zusätzlich noch im Spektrum…

Hyperfokus ist ja auch eine Art Medi, sozusagen Freevanse. :+1:

Hallo @KiwiSam , Oh entschuldige bitte wenn Dich mein Satz verwirrt hat, dass wollte ich natürlich nicht, und das Du Dir Deine Diagnose nicht erschlichen hast, dass glaube ich Dir aufs Wort.

Jedenfalls wollte ich nur zum Ausdruck bringen das es auch Leute gibt die zwar eine ADHS Diagnose bekommen, aber dafür dann keine Autismus Spektrum Störung Diagnose bekommen, und das obwohl selbst ein Laie wie ich erkennen kann, dass bei meiner Tochter zu 99% eine Autismus Spektrum Störung vorliegen muss, weil ich ja schliesslich keine Idioten bin, und ihre Mutter bin die ihr Kind seit Geburt an kennt.

Aber halt eine Ärztin aus einem psychiatrischen Notfalldienst nicht dieser Meinung ist, sondern nach
einer nicht ernstzunehmende Testung, welche nur aus dem Ausfüllen von Fragebögen, und einem einmaligen Treffen von ca. 50 Minuten beruht, der festen Meinung ist, dass meine Tochter keine Autismus Spektrum Störung hat, sondern nur ADHS.

Ja, die Medikamente sollen den Nebel im Gehirn zumindest deutlich lichten, weil sie unter anderem den Reizfilter verbessern. Wenn man zusätzlich noch autistisch ist, hat man wenigstens dahingehend Erleichterung, denke ich mal.

@AbrissBirne
Oh man, das ist hart und spricht mal wieder für die Unkenntis von sogenannten Expert:innen. Die Diagnostik scheint mir deiner Schilderung nach auch wirklich kurz und nicht umfangreich gewesen zu sein. Vielleicht holt ihr euch da nochmal eine zweite Meinung? Ich weiß, leichter gesagt als getan.

Ich drücke euch die Daumen!