die sollen wohl motorisch und bei der räumlichen Vorstellung ziemlich geschickt sein, hört man hier und da ( Tempel Grandin, Autismus Kultur), immer mal wieder. HFA lassen sich aber im Erwachsenenalter sehr schwer vom Apserger unterscheiden, HFA brauchen meist ein wenig mehr Hilfe im Alltag.
Jahrzehntelang habe ich mich gewundert, warum ich so oft nicht verstanden werde. JAHRZEHNTE! Ich war bei der Logopädie wegen zu schnellen Sprechens, wegen Nuschelns, Pausen sollte ich machen, nachfragen, ob alle noch geistig folgen können. Atmen, atmen, atmen.
Das wäre ganz normal, diese leeren Blicke, das Schweigen nach meinen Beiträgen, die Irritationen, die plötzliche Zustimmung, wenn andere das von mir mehrfach Gesagte nochmals wiederholten…an mir läge es auf keinen Fall.
In all den Jahren hat mir nie jemand gesagt, dass ich merkwürdig spreche… Denn das tue ich, wie mir inzwischen klar ist. (Seit drei Wochen, danke Kollegin und danke Claude.ai!) Ich verwende altertümliche Begriffe, hochkomplexe Satzgebilde und von der Betonung will ich gar nicht erst anfangen…
Ich liebe Sprache.
Die Sprechweise finde ich schon auffällig. Überhaupt nicht schlimm, sondern eher ein bisschen der Effekt wie bei Leuten, die einen leichten Akzent haben.
Hm, hättest du es geglaubt, wenn man es dir gesagt hätte? Ehrliche Frage, nicht böse gemeint.
Ich liebe Sprache auch, und bei uns in der Familie war ich der einzige mensch, der sich in verschiedenste Dialekte, Akzente und Sprachstile hineinhören kann. Vielleicht waren das erste Auswüchse von Codeknacker-Trieb.
Hast du ihn gefragt, ob du merkwürdig sprichst? Oder wie hat sich das ergeben? Chatbot-Therapie scheint für ASS ein interessantes Anwendungspotential zu haben. Ja, leider sind Menschen da selten ehrlich bei solchen Themen. Es verrät einem auch niemand, wenn man Spinat zwischen den Zähnen hat. Loriot hat viele seiner Sketche um dieses problem herum aufgebaut.
Das klingt ein bisschen nach unserer Abrissbirne, wenn die Assoziation gestattet ist. Die verschachtelten Konstruktionen sind schon ziemliches Training fürs Arbeitsgedächtnis.
Ich hab mich beim Schreiben das Gleiche gefragt und wenn ich ganz ehrlich bin, meine ich mich an die ein oder andere subtile Andeutung zu erinnern. Wobei die in die Richtung gingen, dass ich mich einfacher ausdrücken oder den Leuten mehr Zeit geben solle. Das ist sehr schwierig, wenn man gar nicht nachvollziehen kann, wo man sich zu kompliziert ausdrückt oder warum die anderen so ewig zum Denken brauchen.
Falls das echte Hinweise waren, waren sie nicht präzise genug, ich habe sie nicht erkannt oder eben nicht verstanden - ich kann es auch jetzt nur theoretisch verstehen, denn ich mag meinen Sprachstil und finde ihn durchaus verständlich.
Dialekte und Akzente finde ich grauenhaft langweilig. Genau wie Codeknacken.
Natürlich!
Nein, es kamen zwei Sachen zusammen: eine Mitarbeiterin aus meinem Team war nach einer mündlichen Arbeitsanweisung von mir merkwürdig still, bis sie auf einmal anfing, meine Anweisung in Haupt- und Nebensätze zu zerlegen, um sich den Inhalt zu erschließen.
An dem Punkt dämmerte mir, dass das, was ich für normale Rede halte, andere gelegentlich wirklich vor Probleme stellt.
Es war der letzte Hinweis in einer Kette von Hinweisen („Ich mag Deine ungewöhnliche Betonung“ war ein weiterer), die meine Suche in die richtige Richtung lenkten.
Irgendwann kam ich dann bei meiner Suche nach Infos auf das Thema Hyperverbalisierung - vorher noch nie gehört; ich hatte mich mit dem ganzen Bereich noch nie auseinander gesetzt, weil ganz oft bei dem Thema ASS und Sprache das wortwörtliche Verstehen im Fokus steht und der Rest so nebenher läuft. Das klang so gar nicht nach mir, also hab ich das ausgeblendet.
Ab da ich hab die KI zu Rate gezogen und von da war es nur ein kurzer Schritt dahin, darüber nachzusinnen, was Sprache für mich ist, wie ich sie nutze und wie andere sie nutzen. Und wo der Unterschied ist.
Das habe ich dann mit der KI noch ein bisschen gegengecheckt - der Charme hier ist für mich, dass sie auf das reagiert, was man schreibt und nicht auf das, was sie denkt, was man damit sagen wollte, wie Menschen es so gerne tun. („Wenn Du denkst, Du denkst, dann denkst Du nur, Du denkst…“)
Ab da gings dann ratzfatz, Schuppen von den Augen usw.
Wenn man einmal weiß, wonach man sucht, wird das Finden deutlich leichter. Vorhin erst bin ich auf eine Youtube-Reihe "The verbal spectrum" gestoßen, wo es u.a. um Hyperlexie geht bzw. um autistisches Ausdrucksverhalten im Allgemeinen. Mr. Autistamatic und ich hätten uns viel zu erzählen und ich habe echtes Bedauern verspürt, dass ich so wenige Autist*innen im echten Leben kenne.
Unerwartet war dann noch die Erkenntnis, dass ich Intonation, Satzbau etc. auch als Stimming nutze - das hatte ich in Bezug auf Echolalie schon mal gelesen, aber nie darüber hinausgehend.
Wer bin ich, Assoziationen zu verbieten.
Eine Ähnlichkeit sehe ich nicht, aber eventuell ist das zugrundeliegende Prinzip das gleiche.
Das war jetzt ein bisschen lang, aber immer noch eine Kurzfassung.
Danke, die Videoreihe ist total interessant. Hm, die Betonung verträgt sich sehr gut mit dem britischen Akzent. Hyper-british, original die Stimme aus den Begleitkassetten zu den Lehrbüchern.
Ja, wenn du die KI einfach direkt gefragt hättest, hätte ich das Ergebnis angezweifelt. Aber so ist es natürlich sehr plausibel.
Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll, dass Du dieses Vorgehen in Erwägung gezogen hast.
Das liegt nur daran, dass ich zu viel mit IT zu tun habe. Mit der Zeit lernt man dabei, alles in Erwägung zu ziehen, was Menschen so mit IT anstellen können. Nichts ist so absurd, dass es nicht doch jemand tut. Und viele Leute sind noch sehr vertrauensselig bzw. haben keine gute Fragestrategie. Schöne Sprache ist oft noch eine Heuristik für Glaubwürdigkeit.
Stimmt, bei einem Chatbot schieben sich keine menschlichen Interpretationsversuche dazwischen, was sich vielleicht sogar stabiler und kontrollierbarer anfühlt als bei einem Gegenüber noch mitzumodellieren, was es gerade denkt, dass du denkst … Andererseits reagieren die Bots auch sehr empfindsam auf die Art der Formulierung und lassen sich dadurch leicht unbewusst in eine Richtung nudgen, wo man sie haben will.
Wahrscheinlich hatte ich auch nicht bedacht, dass die explizite Beschäftigung mit den Funktionen von Sprache ein ausschlaggebendes Puzzleteil gewesen sein könnte. Ergibt aber in dem Kontext natürlich sehr viel Sinn. Ich habe das zwar im Studium auch als Prüfungsstoff lernen müssen, aber es war für mich nur die Explizitmachung von etwas, das vorher schon implizit da war. Von daher hatte ich nicht auf dem Schirm, dass so etwas eine Offenbarung sein kann. Wieder was gelernt, Danke.
In der Videoreihe wird angesprochen, dass man diese korrekte Sprache auch als Kompensationsstrategie sehen könnte, um verstanden zu werden und vielleicht auch um ernstgenommen zu werden. Das kommt mir wiederum ein Stück weit bekannt vor. Ich sehe nichts und bin schwerhörig (heute nur noch in lauten Umgebungen problematisch), weshalb immer wieder Menschen glauben, mich übergehen oder nicht direkt mit mir sprechen zu müssen. Schon als Kind blieb mir eigentlich nur der intellektuelle Bereich um andere dazu zu bringen, mich zu respektieren.
Das stimmt, zudem tendieren sie noch dazu, so zu formulieren, dass man sich unterstützt und bestätigt fühlt.
Mit entsprechenden Prompts kann man das eindämmen, dennoch konnte ich mich nicht in Gänze des Eindrucks erwehren, es mit dem virtuellen, sprachfähigen Pendant eines gefallsüchtigen Border Collies zu tun zu haben.
Das kam mir auch sehr bekannt vor. Wenn ich in die leeren Augen der anderen Gesprächsteilnehmer*innen schaue und merke, dass ich (mal wieder) nicht verstanden wurde, wiederhole ich das Gesagte meistens noch präziser. Ist genauso hilfreich wie das Erhöhen der Lautstärke bei Menschen, die eine Sprache nicht gut verstehen.
Ich fand den Bezug zur Hyperlexie sehr spannend und die Idee, dass das mitursächlich für eine komplexe Ausdrucksweise sein könnte. Es ergibt auch Sinn, gerade wenn mal als Kind/Jugendliche mangels Sozialkontakten nur im begrenzten Maße der gesprochenen Sprache Gleichaltriger ausgesetzt war.
Das trifft es ziemlich genau. Vor Kurzem habe ich dazu auch ein interessantes Video gesehen, in dem dieses Phänomen und seine Entstehung thematisiert wird. Nun gut, der Humor muss nicht jedem gefallen.
Ohje, grauenhaft.
Stimmt. Wenn man früh viel liest oder BBC hört, prägt das natürlich die Sprache und Intonation. Und dann ist man deswegen auch schon wieder sozial im Abseits.
Als Kind habe ich oft Märchenkassetten gehört (und geliebt), nicht wegen der teils ziemlich kranken Geschichten, sondern wegen dieser so deutlich intonierten Theatersprache. Ich würde sogar vermuten, die besonders barocken gewundenen Konstruktionen erhöhen bei schlechten akustischen Bedingungen die Verständlichkeit. Du hast mehr Redundanz und Anker drin, so kann auch ein Teil des Signals verloren gehen. Kulturradio etc. fand ich auch super, allgemein Menschen mit schöner und deutlicher Aussprache.
Allerdings sind die Märchen teilweise so voller Metaphern und übertragener Rede, über die ich mich damals auch oft gewundert hatte.
- „Der Feind steht vor unseres Landes Tür …“ — Seit wann hat ein Land eine Tür?
- „Das hörte das Volk gern.“ — Aber ein Volk hat doch keine Ohren, nur seine Mitglieder.
- „Auf seinen Lippen hatte er als Schlachtruf den Namen der königstochter.“ — Wie jetzt, der war im Krieg geschminkt?
Nur für den Fall, dass jetzt irgendjemand Lust auf so etwas bekommen hat, hier kann man sich das in Gänze geben.
Du hast mich gerade an etwas erinnert: meine Kassetten „Balladen für Kinder“.
„Das hungernde Kind“ - ein teilgesungener Alptraumgarant.
Und dann ist da noch „Das Sklavenschiff“ von Heinrich Heine. Was ich in der Schule vorgetragen habe, als wir im Deutschunterricht ein Gedicht auswendig lernen sollten. Alle 37 Strophen, gesprochen wie auf der Kassette. Dideldumdei und Schnedderedeng!
Anker!
Voll Episch das Gedicht aber nix für kleine Schlingels.
Ich gestehe, ich habe bei den vielen Antworten ein wenig den Überblick verloren. Das ist allerdings kein Vorwurf, denn ich finde eure Unterhaltungen sehr interessant zum Mitlesen.
Bei so mancher Diagnose, die ich bei fremden Menschen in den sozialen Medien mitbekomme, frage ich mich selbst durchaus, ob das so stimmt. Neulich habe ich auf jemandes Account eine Aufzählung der eigenen Symptome gelesen und es waren in der ganz großen Mehrheit sensorische Empfindlichkeiten, während praktisch keine sozialen Pronleme genannt wurden. Und am Ende ist es dennoch Autismus? Aber ich möchte mir nicht anmaßen das tatsächlich zu beurteilen. Es hinterlässt bei mir den Eindruck, Autismus sei eine sehr erstrebenswerte Diagnose, während ADHS gerade aus dem Trend gefallen ist. Oder so. Man kennt aber eben immer nur einen winzigen Bruchteil dieser Influencer*innen, das möchte ich mir selbst immer wieder bewusst machen.
Ich höre gerade das Hörbuch von „ADHS ist kein Makel“ (so heißt es im Deutschen) von Hallowell und Ratey, die ja sehr bekannte Forscher zum Thema ADHS sind. Sie zählen unter anderem auch potentielle positive Eigenschaften von Menschen mit ADHS auf und ich erwische mich bei massivem Selbsthass während des Hörens. Jede mögliche positive Eigenschaft, die auf mich zutrifft, wertet mein Kopd direkt ab. Es ist sehr ermüdend und anstrengend… Aber irgendwie empfinde ich die Auseinandersetzung für mich auch als sehr wichtig, gerade im Hinblick auf die Frage nach dem Autismus bei mir persönlich.
Interessant im Hörbuch fand ich übrigens, dass die beiden benennen, dass es mit reinem ADHS bereits schwerfällt, soziale Situationen korrekt einzuschätzen. Auch ohne den Autismus. Die Unterscheidung erschien mir hier wieder sehr schwammig irgendwie. Frustrierend.
Ja, das ist tatsächlich ein großes Thema. Soweit ich weiß, hat ein Autist* keine Ahnung von den sozialen Regeln, so als gäbe es sie gar nicht. ADHS’ler hingegen wissen intuitiv von diesen Dingen, können sie aber nicht (immer) umsetzen bzw. nicht passend reagieren.
Ich wusste nicht, dass man Blickkontakt hält. Ich wusste es einfsch wirklich nicht (Autismus). Seit ich das weiß, gebe ich mir sehr viel mühe, mich daran zu halten und achte da stark drauf, alle mich manchmal aber davon ablenken und mache es deswegen nicht (ADHS). Ich glaube, so versteht man es vielleicht.
Übrigens gibt es auch Menschen, die keins von beiden haben, sich aber trotzdem mit anderen schwertun. Deswegen ist die Autismus-Diagnsotik auch nicht nur die Frage „Kommen sie gut mit anderen klar?“. Das kann alles als Grund haben. Finde es deswegen auch schlimm, wenn jegliche Fehler als „Autismus“ deklariert werden und es als Ausrede benutzt wird.
Das sogenannte „Mitschwimmen“ beim lernen, von Sozialen Regeln, funktioniert nicht Intuitiv. Manche viele sind aber ganz geschickt beim Lernen, vor allem Frauen.
Autistische Männer, maskieren meist nicht mehr als neurotypische Männer, daher fallen die nicht so schnell durchs Raster, sind auffälliger.
Danke für die Erklärung. Mein Eindruck ist genauso bisher: ADHSler wissen die Regeln, schaffen es aber oft nicht sie umzusetzen; Autist*innen kennen die Regeln erst gar nicht und können sie deshalb nicht umsetzen (stark vereinfacht ausgedrückt natürlich).
In der Auseinandersetzung mit ADHS habe ich mittlerweile begriffen, dass der Name der Störung an sich schon vollkommen irreführend ist, wie man heute weiß. Es ist kein Defizit an Aufmerksamkeit im eigentlichen Sinn, sondern ein zu viel an Aufmerksamkeit auf sämtliche Dinge in der kompletten Umgebung. Aber es ist logisch, dass das als Beobachtung von außen als Defizit wahrgenommen wird, weil die Person die Aufmerksamkeit nicht auf das lenkt, was gerade wichtig ist (ob für die Person selbst oder das Umfeld).
Das ist dann eine mögliche Erklärung dafür, warum auch Menschen mit ADHS manchmal/öfter lieber in der Umgebung herumblicken statt das Gegenüber im Gespräch anzusehen.
Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich soziale Situationen einschätzen kann. Aus heutiger Perspektive würde ich nein sagen. Aber das kann auch eine Folge der ADHS sein: weil ich Situationen aufgrund der Unaufmerksamkeit oft vollkommen falsch eingeschätzt habe, weil ich einfach Wichtiges verpasst habe, kann daraus eine totale und chronische Unsicherheit entstanden sein. Erscheint mir jedenfalls eine logische Erklärung.
Bei mir ist es so, dass Anspannung und Stress Blickkontakt meistens nicht zulassen. Wenn ich über die Zeit mich in einer Umgebung und mit einer Person sicherer fühle, fällt es mir leichter. Das hat also bei mir mit sozialer Phobie zutun, nicht mit Autismus.
Ich kannte soziale Regeln immer bis zu einem gewissen Grad. Aber sie kamen mir oft sinnlos, moralisch falsch oder einfach dumm vor, also hab ich immer mal rebelliert dagegen. Oder mich komplett überangepasst, je nach Phase in meinem Leben. Bis heute bin ich unglaublich schlecht darin mich anzupassen und in einer (neuen) Umgebung einzufügen. Ich steche immer heraus, egal was ich tue, und zwar immer negativ. Was den Zirkel quasi zurück zur sozialen Phobie führt.
Ich verfolge diesen Thread sehr gespannt - vielen Dank @KiwiSam, dass du ihn erstellt hast!
Das ist ein Thema, dass mich auch sehr beschäftigt - kann ADHS allein die Ursache für schwerwiegende soziale Probleme sein oder spielt Autismus eine Rolle? Ich habe mich in meiner Kindheit und Jugend selbst sehr viel damit beschäftigt, wie ich mich verhalten muss, um"normal" zu sein (dass es für andere Menschen irritierend ist, wenn ich nur sabbernd daneben stehe, habe ich relativ früh festgestellt).
Wenn der Stresspegel aufgrund der ADHS-Reizoffenheit ständig am Anschlag ist - Ding Ding Ding - wie soll man da ein intuitives Gefühl für sozialen Umgang lernen? Von Perspektivübernahme ganz zu schweigen - Es ist in dem Zustand ja schon kaum möglich die eigene Perspektive einzunehmen und die eigenen Gefühle mitzukriegen
Ich gucke Menschen grundsätzlich nicht in die Augen, wenn ich selbst spreche - kann ich unmöglich, weil ich mich vor lauter emotionalen Reizen dann nicht auf das konzentrieren kann, was ich sagen will. Sobald zu viele Menschen anwesend sind, gehe ich wie mit Scheuklappen durch und hoffe nicht angesprochen zu werden, weil ich sonst gar nichts mehr auf die Reihe kriege (täglicher Kampf Kinder aus KiTa abholen).
Nun müsste man doch meinen, das Problem wäre behoben, sobald man Medis gegen die Reizoffenheit nimmt. Und ein Stück weit ist es zumindest bei mir auch so. Wenn man aber sein Leben lang „geübt“ hat diese mangelnde soziale Intuition kognitiv auszugleichen, legt man diese Strategie ja nicht einfach ab. Man müsste ja bewusst üben, Menschen nicht mehr kognitiv sondern emotional einzuschätzen… ganz ohne denken… irgendwie Vielleicht passiert das irgendwann ganz automatisch, ich bin gespannt.
Aber wenn nicht - wie kann dann überhaupt eine starke ADHS von Autismus unterschieden werden? Vor allem weil ja Autismus genau wie ADHS eine Symptom-Diagnose ist, d.h. es wird ja kein Gehirnscreen durchgeführt, ob wirklich eine tiefgreifende neurologische Entwicklungsstörung vorliegt… Oder begründet ADHS dann eine tiefgreifende irreversible Entwicklungsstörung und führt womöglich auch dazu, dass das Gehirn ganz anders tickt? Ich finde das alles hochgradig verwirrend
Die Kassette werde ich meinen Kindern zum Einschlafen besorgen
Der kleine Däumling nicht vergessen.
Trigger Warnung
Der kleine Däumling | Labbé Kinderseiten
"Der Menschenfresser trank viel Wein. Da kam ihm wieder sein böser Gedanke, die Kinder zu morden. Er packte sein Messer und schlich sich in die Schlafkammer, ihnen die Hälse abzuschneiden. Es war aber stockdunkel in der Kammer, und der Menschenfresser tappte blind umher, bis er an ein Bett stieß. Er fühlte nach den Köpfen der darin Schlafenden. Da bemerkte er die Krönchen und sprach: „Halt da! Das sind deine Töchter. Bald hättest du betrunkenes Schaf einen Eselsstreich gemacht!“
Nun schlich er zu dem andern Bette, tastete da die Nachtmützen und schnitt seinen sieben Töchtern die Hälse ab, einer nach der andern. Dann legte er sich nieder und versank in tiefen Schlaf. Wie der Däumling ihn schnarchen hörte, weckte er seine Brüder, schlich sich mit ihnen aus dem Hause und suchte das Weite. Aber wie sehr sie auch eilten, voll Angst und Sorge, sie liefen in der Irre herum, wussten sie doch weder Weg noch Steg."
hatte die Originalfassung als Kinderhörbuch auf Kasette… welch großartiger Empath sich das einfallen lassen hat, weiß ich bis heute nicht. Meine Oma war schockiert als sie es gehört hatte da waren mein Bruder und ich aber schon jugendlich.
Danke, @Sukuwomo ( Ich lese auch gespannt die Antworten aller mit, das ist wirklich interessant. Anscheinend betrifft das Thema mehr Menschen als ich vorher gedacht hatte.
Falls so tief sitzende soziale Probleme von klein auf eine Rolle spielen, und es nicht Autismus ist, dann wäre meine eigene persönliche Erklärung, dass diese Probleme aus der Unaufmerksamkeit und Impulsivität der ADHS herrühren. Daraus könnte sich dann über die Jahre früher oder später zusätzlich eine soziale Phobie entwickeln, weil man immer wieder sozial aneckt.
Ansonsten beschreibst du die Problematik selbst schon sehr gut für mein Empfinden: durch ständige Reizoffenheit kann sich wenig intuitives Gefühl für soziale Interaktion entwickeln. Kommt dann noch eine erhöhte Impulsivität hinzu, ergibt sich eben die Problematik, die ich oben beschrieben hab.
Und das wiederum zu verlernen sobald man Medikamente nimmt, die zumindest gegen einen Teil der Probleme helfen (können), ist sicherlich ein jahrelanger Prozess Je nach Lebensalter und eigenen Erfahrungen.
Psychische Störungen aller Art, auch chronische Depressionen und Traumata zum Beispiel, verändern so weit ich weiß die Hirnstruktur unter Umständen auch dauerhaft. Bei Traumata zumindest weiß ich es, weil ich das Buch „Das Trauma in dir“ von Bessel Van der Kolk gelesen habe (nicht ganz unumstritten, weil er viel von sich selbst zitiert, aber seine Grunderkenntnisse sind wohl Konsens inzwischen). In Bezug auf Depressionen wurde es mir mal von einem Therapeuten bestätigt, dass das wohl so sein soll.
Das alles macht die Diagnostik und gerade die Differentialdiagnostik natürlich extrem schwer.
Gestern war ich (unfreiwillig, da beruflich bedingt) auf einer größeren Veranstaltung und hatte zeitweise trotz Ohrstöpsel das Problem nicht mehr Sprechen zu können vor lauter Überforderung. Da zeigte sich mal wieder die exekutive Dysfunktion in Reinform. Ich habe mir nun eine App runtergeladen, die einen eingetippten Text mit KI Stimme vorliest. Mal sehen ob ich mich traue diese anzuwenden, wenn die Situation nochmal vorkommt.
Aus praktischer Sicht wäre es sinnvoll, die Diagnosen ASS und ADHS zusammenzuführen, neu zu benennen und den Schweregrad anhand des individuellen Leidensdrucks zu bestimmen. Im Grunde passiert das bereits: Die ADHS-Diagnose wird oft schneller vergeben, was wiederum leichteren Zugang zu Medikation ermöglicht, die offenbar bei beiden Störungen hilfreich sein kann. Natürlich setzt das voraus, dass die Symptome weiterhin sorgfältig bewertet werden, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden.
In den letzten Jahren rückt zudem die Traumaforschung in diesem Bereich stärker in den Fokus. Frühere oder chronische traumatische Erfahrungen können Symptome verstärken oder imitieren, die ADHS oder ASS ähneln. Gleichzeitig kann das Leben mit unerkannten neurodivergenten Mustern selbst zu Traumatisierungen führen, etwa durch ständiges Maskieren oder soziale Überforderung. Zudem zeigen Studien, dass Menschen mit ADHS oder ASS aufgrund erhöhter Reizoffenheit, Schwierigkeiten in der Emotionsregulation und häufigeren sozialen Belastungen oft anfälliger für traumatische Erfahrungen sind. Das unterstreicht, wie wichtig eine ganzheitliche und traumasensible Diagnostik und Unterstützung ist.
danggge fürs formulieren chatgpt… ist noch früh und habe wenig geschlafen.