Nachdem ich schon ein par mal angefangen hatte zu lesen, habe ich heute die Beiträge nochmal überflogen und wollte auch noch etwas Senf da lassen.
Erst mal finde ich es wirklich toll, dass Du auf Dein Bauchgefühl hörst und Dein Kind nicht einfach in die Klinik „abschiebst“, nur weil irgendein Arzt das will! ![]()
Du kennst Dein Kind besser als jeder Arzt und nach dem, was Du beschreibst, würde ich mein Kind auch nicht einweisen lassen, sondern nach jemandem suchen, der eine anständige ambulante Diagnostik macht. Ist leider nicht so einfach, aber es gibt solche Kinder- und JugendpsychiaterInnen.
Das müssen auch nicht die sein, die ihre Expertise lang und breit präsentieren. Oft hilft auch da das Bauchgefühl. Ich habe im letzten Jahr eine KJP-Praxis für meinen Sohn gesucht für eine 2. Diagnostik und bin zufällig über eine recht junge Kinder- und Jugendpsychiaterin „gestolpert“ die gerade eine Praxis von einer in Rente gegangenen KJP übernommen hatte.
Webseite schlicht, aber ansprechend aufgebaut. Kurze Infos zum Behandlungsspektrum. Nix mit „toller“ Expertise, Lehrgängen, Titeln… nur Fotos von den Mitarbeiten (die darauf sehr natürlich und sympathisch rüberkommen) mit Namen und Berufsbezeichnung, keine Lebensläufe usw. Angerufen - sehr nettes Telefongespräch, Wartezeit auf ein Erstgespräch über 6 Monate, Termin gemacht.
Inzwischen hatten wir unsere Termine und ich bin sehr zufrieden. Gute Organisation, umfassende Diagnostik mit Blick über den Tellerrand, es wird alles erklärt, Fragen werden beantwortet - auch die vom Kind! Es wird nicht über das Kind gesprochen, sondern mit dem Kind.
Deswegen ist mir auch das aufgefallen:
Ich habe meinen Sohn auch bei seiner 1. Diagnostik voll mit einbezogen, da war er 9 (jetzt ist er 15). Es geht ja letztlich um ihn. Er weiß, dass er Probleme hat und leidet schließlich auch selbst darunter. Wir haben ihm damals erklärt, dass wir rausfinden wollen, warum er diese Probleme hat und was man dagegen machen kann. ADHS war da auch schon u.a. Thema.
Wir haben unserem Sohn erklärt, welche seiner Probleme zu ADHS passen würden, aber ob es ADHS oder was anderes ist, müssen die Fachleute rausfinden. Es hat sich dann tatsächlich eine andere Diagnose bestätigt und für eine ADHS-Diagnose hat es damals „nicht gereicht“. War für ihn aber o.k. so. Er wollte nicht DIE Erklärung haben, sondern EINE Erklärung für sein Anderssein.
Deswegen kann ich das nur unterschreiben:
Eigentlich kein anderes Thema. ADHS fällt nicht vom Himmel - das hat eine nicht unerhebliche erbliche Komponente. Wenn Du als Elternteil undiagnostiziert selbst betroffen bist, dann nimmst Du viele „ADHS-spezifische“ Verhaltensweisen Deiner Kinder als „normal“ wahr. Weil Du es nicht anders kennst und nie in Frage gestellt hast, ob das „normal“ ist.
Damit bin ich dann beim Bruder:
Auch wenn der Bruder „normal“ und entspannt wirkt, ist die Wahrscheinlichkeit nicht klein, dass er auch betroffen ist. Sowohl von der hohen Intelligenz, als auch der Neurodversität. Die „Ruhigen“ gehen leider viel zu oft unter, weil sie weniger Probleme machen. Sie können aber durchaus Probleme haben. Die sind nicht so offensichtlich, aber die Kinder leiden dann still vor sich hin. Ihr solltet den Kleinen daher auch gut im Blick haben und das Hinterkopf behalten. ![]()