Familienkrise - Einweisen oder nicht?

@Chris1987 Hmmm… Mit Druck erreicht man bei solchen Kindern (und übrigens auch Erwachsenen :see_no_evil_monkey:) meiner Erfahrung nach nur folgendes:

…nämlich: Gegendruck.

Es hängt sehr vieles an der Kommunikation und vor ALLEM an der Beziehung. Diese muss an erster Stelle stehen.

Wenn die Beziehung zu meinem Sohn im Lot ist, und ich ihm sage: „Kannst du bitte deine Socken in den Wäschekorb legen?“ dann tut er es auch. Wenn wir eh schon Ärger miteinander hatten, und ich komme angebraust und motze ihn an „Was fällt dir eigentlich ein, du bringst jetzt sofort diese Socken in die Wäsche, du kennst die Regeln!!!“ - da wird nur zurückgeschrien und mit den Socken passiert gar nichts.

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Uff, das kann ich gar nicht so kurz fassen. Ist sowieso nicht meine Stärke.

Ich bin gerade nochmal meinen Thread zu Rejection Sensitivity bei meinem Kind durchgegangen.
Dabei ist mir aufgefallen, dass ein Durchbruch kam, als wir über die Ängste meiner Tochter gesprochen haben. Sie hatte Angst, ihre Fehler zuzugeben. Sie wusste, dass sie Fehler gemacht hatte, aber das Zugeben war das Problem.
Ein weiterer guter Punkt war die Beschäftigung mit dem PDA Profil. Dadurch sind mir einige Mechanismen klarer geworden. Auch meiner Tochter. Sie hat sich darin wiedergefunden und mit dieser Erklärung konnte sie mit entsprechenden Situationen auch besser umgehen. Wieder im Kombination mit Gesprächen mit mir.
Bei uns spielte dann ja auch noch Hochbegabung und Autismus eine Rolle, aber am Ende war immer hilfreich, dass ich begonnen habe, mein Kind zu verstehen. Ich kam mit entsprechendem Material und habe sie gefragt, wie sie dazu steht. Ob das für sie passt. Und dann kamen wir ins Gespräch.
Ich habe sehr darauf geachtet, mich nicht emotional aufbringen zu lassen. Mein Kind hat ein Problem, nicht ich. Meine Probleme muss ich selber angehen.
Geholfen hat dann zweifellos noch der gemeinsame Feind Tagesklinik. Das hat uns sehr verbunden und definitiv geholfen. Ich empfehle euch aber trotzdem nicht, euch mit schlechten Fachkräften zu umgeben, um diesen Punkt erreichen zu können :grimacing:

Ab Beitrag 50 kann man dann die Erfolge seit Threadbeginn anhand von Alltagssituationen lesen.

Ich denke, für uns war am Wichtigsten, dass ich offener geworden bin. Weniger Einhaltung von Regeln erwartet und verlangt, dafür mehr nachgefragt, was eigentlich los ist. Die Einhaltung der Regeln kam dann ganz von alleine. Denn meine Kinder haben ja immer verstanden, was sie tun sollten. Sie konnten aus unterschiedlichen Gründen nicht. Da spielten (und spielen) vor allem Ängste eine Rolle. Versagensängste, Angst vor Ablehnung u.s.w.
Wissen und Verständnis von meiner Seite aus haben sehr geholfen. Sicherlich auch ein paar Gesprächstechniken. Wichtig ist immer, dass sich meine Kinder nicht von oben herab behandelt fühlen. Selbst wenn ich glaube, eine Lösung zu haben oder zu wissen, was das Problem ist. Ich liege trotz meines Wissens nämlich erstaunlich oft daneben, was die genauen Gründe betrifft. Und Lösungen müssen vom Betroffenen selbst kommen. Man kann hinführen und Möglichkeiten zeigen, aber nichts überstülpen. Vor allem war auch immer schlimm, wenn ich Lösungen vorschlug, die mein Kind dann ablehnte. Denn dann fühlte es sich wieder schlecht und sah sich als Enttäuschung. So, als sei es für sein Problem ja selbst verantwortlich, weil es die Lösung ausschlug. Dabei passte schlicht meine Lösung nicht.

Ich will nicht sagen, dass wir keine Probleme mehr haben. Das stimmt nicht. Wir stehen aktuell wieder vor einem Problem, was gelöst werden muss. Aber wir sind im Vergleich zu früher Verbündete und Partner geworden. Mit meiner Tochter aktuell mehr als mit dem Sohn, aber er hat auch eine eigenen Wohnung und ist nicht jeden Tag da. Meine Tochter weiß, dass ich sie nicht verurteile und ihre Sorgen und Gründe für Verhalten oder Ablehnung einer Lösung ernst nehme.
Nach wie vor gebe ich mir Mühe, bestimmte Formulierungen nicht zu verwenden bzw. so zu formulieren, dass es zur PANDA Strategie passt. Druck raus, Interaktion auf Augenhöhe rein.

Ich bin natürlich trotzdem noch Mutter und versuche, nicht zu viel Verantwortung auf das Kind zu übertragen. Das Gleichgewicht muss immer wieder neu ausgelotet werden. Unser ungezwungener Umgang miteinander zeigt aber, dass es momentan gut funktioniert.

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Hallo zusammen,

danke für eure Rückmeldungen. Insbesondere an Dich @Hobbyhopper vielen Dank! Ich werde mir deinen anderen Thread durchlesen und mich auch mit dem Thema Rejection Sensitivity auseinandersetzen.

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Willkommen @DMC

Vielleicht täte ihn ein Erziehungsbeistand gut? Ist bei uns gerade angelaufen, aberer genießt es. Die hängen nach der Schule einfach zusammen ab, reden, Spiele spielen,… Nach anfänglicher Skepsis (Mama, gibt es da keine Hintergedanken? Ist das kein Therapeut?) nimmt er das sehr gern an. Mein Sohn macht zwar auch bei den anderen Hilfen mit, ist aber allem eher misstrauisch gegenüber.

Dito. Sohnemann und ich können uns ganz schön in Rage bringen. Also habt im Hinterkopf dass es einen von euch Eltern auch betreffen könnte. Lasst euch testen und behandeln, dann hat man eine gute Grundlage um ihm die Angst vor den Medikamenten zu nehmen. Denn ohne stellt er sich letztlich leider selbst ein Bein für seinen Lebensweg.

Dafür suche ich auch noch Lösungen… :roll_eyes:

Alles Gute :four_leaf_clover:

Erstmal muss sich jeder Erwachsene um sich selber kümmern.
Das klingt jetzt hart, aber das ist die Verantwortung und Pflicht, die man als Erwachsener hat.

Das heißt, man muss erstmal für sich selbst die Erkenntnis gewinnen, dass man ein Problem hat und man muss Willens sein, das anzupacken. Auch, wenn es weh tut.

Ich für meinen Teil habe verstanden, dass ich ADHS habe und bin zur Diagnostik gegangen. Genau genommen habe ich über Monate die zuständige PIA genervt, bis sie einen Platz für mich hatten. In der Zwischenzeit habe ich mich intensiv mit ADHS befasst und was genau es für MICH bedeutet.
Dann habe ich bemerkt, dass ich noch so einige negative Glaubenssätze aus der Kindheit mit mir herumtrage. Für mich war „Das Kind in dir muss Heimat finden – das Arbeitsbuch“ sehr hilfreich.

Ich habe gelernt, warum ich mich emotional so schnell hochfahre und auf die Instabilität meiner Familienmitglieder so intensiv reagiere. Mit dieser Entwicklung meiner Selbst konnte ich Konfliktsituationen besser analysieren und mit meiner Familie kommunizieren, was auf meiner Seite schief gelaufen ist.
Aber mein Mann zum Beispiel muss das auf seiner Seite selbst in den Griff bekommen.
Wir können immer nur uns selbst ändern, nicht das Gegenüber.

Für @DMC bedeutet dies, dass seine Frau sich um ihre Baustellen kümmern muss. Man ist als Partner oder Kind nicht der Therapeut!
Was nicht heißt, dass man nicht über Dinge sprechen sollte. Im Gegenteil, offene Kommunikation ist wichtig.

Aus meiner ganz persönlichen Erfahrung heraus ist es für Kinder sehr wichtig zu sehen, dass auch die eigenen Eltern Fehler haben und diese erkennen, zugeben und daran arbeiten. Diese Vorbildfunktion überträgt sich in positiver Weise auf das Kind.

Den Partner „einfangen“ kann also nur bedingt gelingen. Man kann versuchen, auf seiner eigenen Seite stabiler zu werden. Sich nicht triggern zu lassen. Aber der Partner muss auf seiner Seite lernen, gar nicht erst auszubrechen.
Denn sonst gerät man ins Ungleichgewicht und ein Partner übernimmt die komplette emotionale Arbeit. Er reguliert nicht nur sich selbst, sondern auch den Partner und die Kinder. Auf Dauer kann das nicht gut gehen, weil er dann selber ausbrennt und unter der Last zusammenbricht.
Ich spreche hier aus Erfahrung.
Nicht, dass man Mann das so gewollt hätte. Er wusste nur 50 Jahre lang nichts von seinem Autismus und weiß eigentlich gar nicht, wer er eigentlich wirklich ist und was von außen übergestülpt wurde. Chronische Erkrankung kommt on top noch dazu. Sowas kann man von außen als Partner gar nicht alleine regulieren und abfangen.

Uns haben ehrliche und manchmal auch schmerzhafte Gespräche geholfen. Ich habe die meiner Meinung nach vorliegenden Mechanismen klar benannt und tue dies auch immernoch. Mein Mann stellt sich seinen Ängsten, auch wenn es schwer ist und Zeit braucht. Manchmal verzweifle ich beinahe an der Zeit, die es braucht, aber es bewegt sich was. Wir reden viel. Aber ich bin NICHT Therapeut. Ein bisschen vielleicht, aber das liegt in meiner Natur. Letztlich ist mein Partner aber selbst für sich und seine Psyche verantwortlich. Es mag unfair sein, und jetzt folgt vulgäre Sprache: Andere Leute haben ihm die Scheiße durch den Briefkastenschlitz geschoben. Aber wegmachen muss er sie selber.

Ich musste all das in den letzten Jahren lernen. War nicht leicht und ist es auch jetzt nicht. Ich will halt immer helfen und Probleme lösen. Aber das ist mein ganz persönliches Problem, das ich im Zaum halten muss. Nicht alles liegt in meiner Verantwortung. Jeder Erwachsene muss seiner Verantwortung gerecht werden und sich um sich selbst kümmern. Dabei können wir nur unterstützend tätig sein.

Die Kinder fangen wir dadurch ein, dass wir selber stabiler werden. Nur so können wir den nötigen Halt geben.
Und als Ergänzung: auch ich darf inzwischen unperfekt sein und Fehler machen. Denn meine Familienmitglieder sind stabiler geworden. Ich muss die Last nicht mehr nur allein tragen. Das klingt in meinem Tagebuch nicht immer so durch, weil ich dort vor allem meine Probleme niederschreibe. Aber von außen betrachtet haben wir alle Fortschritte gemacht und können uns so auch gegenseitig stützen. Selbst meine Tochter kann das in einem gewissen Rahmen, weil wir ehrlich zueinander sein können und ich nicht mehr nur die starke Mama sein muss. Ich darf ihr gegenüber meine eigenen Fehler zugeben und sie werden verstanden und verziehen. Ich reiße mit meinen Fehlern nicht mehr sofort alle Erfolge ein, weil sie auch beim Gegenüber stabiler gebaut sind.

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