Fehlende Objektpermanenz - ADHS Symptom?

Ich denke mal das was bei ADHSlern beschrieben wird bzw. was sie /wir beschreiben, unterscheidet sich schon sehr zu der Unfähigkeit zur Objektpermanenz bei kleinen Kindern. Bei Gegenständen vermisse ich auch öfters Dinge, weil ich sie zu gut weg geräumt habe. Nach Weihnachten vor zwei Jahren, habe ich zum Beispiel einen selbstgemachten Adventskranz wegen Platzmangel nicht zu den anderen Weihnachtssachen packen können. Also sagte ich zu meinem Freund, während ich ihn weg packte, er müsse bitte unbedingt mit dran denken wo ich ihn hinpacke…It’s gone forever :sob:
Das heißt ich kann mich ja sehr gut an ihre Existenz erinnern und wenn das nicht n glitch in der Matrix ist, existiert er auch noch irgendwo. Und sowas passiert mir öfter.

Bezogen auf Personen ist es oft so, dass ich nicht mitkriege, wie lange ich mich schon bei einer Person nicht gemeldet hab - weil ich vermutlich sehr mit meinem täglichen Struggle beschäftigt bin - aber manchmal fällt mir dass dann auf, auch wenn sie sich noch nicht zuerst wieder gemeldet haben. Ich weiß dann manchmal auch gar nicht so genau, wie ich gedanklich auf diese Person gekommen bin. Da spielt sicher Vermisslichkeit eine Rolle :slight_smile:

Ich vermute auch eher, dass das was mit unserem Arbeitsgedächtnis und der unzähligen Gedankenflut zu tun hat, der wir meist ausgesetzt sind.

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Ich als nicht ADHS ler, hab mir das jetzt alles durchgelesen…. Und kann jetzt meinen Freund besser verstehen… wenn ich bei ihm bin ist es sehr innig leidenschaftlich und ist ist auf mich fokussiert… sobald ich weg bin wird es Zäh, antwortet auf WhatsApps mit seeeeehr langer Verspätung…

Und ich will ihn dann auch nichts mit noch mehr Nachrichten nerven, ich will ihn ja auch nicht belasten…

Wenn ihr nicht antwortet und ihr dann nochcmehr Nachrichten bekommt, beslastet das euch oder noch schlimmer seid ihr dann genervt von der Betreffenden Person obwohl Sie euch eigentlich am Herzen liegt??

Frag das doch deinen Partner?
Nur er wird das beantworten können. Menschen mit ADHS sind trotzdem Individuen und meine Antwort auf die Frage bedeutet gar nichts in Bezug auf deinen Partner…

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Wir sind alle Individuen mit Gefühlen und allem was dazugehört… will das nur besser verstehen, da ich leichtes Unwohlsein verspüre wenn er sich nicht meldet…

Dann frag ihn das.
Wie willst du das sonst herausbekommen?

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Ich würde sagen, das Erscheinungsbild von fehlender Objektpermanenz und dem, für das hier ein passendes Wort gesucht wird, ist sehr ähnlich – zumindest auf den ersten Blick. Daher ist auch die Verlockung groß, es in einen Topf zu werfen.

Zoi und ads66 haben bereits sehr schön beschrieben, worin die Unterschiede liegen. Ich finde dieses Video beschreibt das Phänomen bei ADHS auch sehr schön:

(Leider gibt es keine deutschen Untertitel, dafür ist die grafische Veranschaulichung umso schöner)

ADHSler:innen sind natürlich in der Lage, zu verstehen, dass eine Schachtel Pralinen, die sie gerade in Geschenkpapier eingewickelt haben, immer noch eine Schachtel Pralinen ist, auch wenn man diese nicht mehr sieht. Die Voraussetzung dafür, das auch bewusst wahrzunehmen ist aber, dass die Aufmerksamkeit auf das Geschenk gerichtet ist. Diese aufrecht zu erhalten, fällt dem oder der ADHSler:in schwerer, und somit ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Geschenk vergessen wird, höher. Man kann auch nach einiger Zeit wieder darauf schauen, und sich fragen, was da nochmal drin war. Die grundsätzliche Fähigkeit, sich an die Pralinenschachtel zu erinnern, geht aber nicht verloren.

Dem oder der Betreffenden in dieser Situation eine mangelnde Objektpermanenz zu „unterstellen“, würde bedeuten, dass dessen kognitive Leistungsfähigkeit mit der eines Kleinkindes vergleichbar ist, und der– oder diejenige nicht in der Lage ist, zu verstehen, dass sich unter dem Geschenkpapier eine Schachtel Pralinen befindet – selbst dann nicht, wenn man sie selbst gerade verpackt hat, und die Aufmerksamkeit weiterhin auf das Präsent gerichtet ist.

ADHSler:innen sind nicht geistig zurückgeblieben. Das Arbeitsgedächtnis ist einfach nicht immer so leistungsfähig und muss gleichzeitig viel mehr Reize und Informationen verarbeiten, als das Arbeitsgedächtnis von neurotypischen Menschen.

Ein passenderes Wort für das ADHS–Phänomen wäre daher meiner Meinung nach „Aufmerksamkeitsdefizit“ :wink:, oder – um nicht immer von „Defiziten“ zu sprechen – „Arbeitsgedächtnis–Sprunghaftigkeit“.
…O.k., wir sollten uns noch Gedanken um eine passende Bezeichnung machen…

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Wie könnte man das dann statt „Problem mit der Objektpermanenz“ passender benennen?

Bezugspermanenz?
Emotionale Bezugspermanenz?
Bezogenheitspermanenz?
Verbundenheitspermanenz?
Beziehungswahrnehmungspermanenz?

Andere Vorschläge?

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Was hier einige von Euch zu Freundschaften und Kontakten geschrieben haben, erleichtert mich gerade total!

Ich hatte mich teilweise über ein Jahr lang nicht bei Freund:innen gemeldet, und das, obwohl ich immer mal wieder an sie gedacht habe, und sie mir sehr wichtig sind. Die Schwierigkeit, mit der ich zu kämpfen habe ist, dass ich mir zum einen schwer damit tue, die Initiative zu ergreifen, und zum anderen ein zunehmend schlechtes Gewissen bekomme, je länger ich mich nicht gemeldet habe. D. h. nach zwei Wochen denke ich mir noch „oh, ich könnte mich mal wieder bei Susi melden“, und koche mir dann erst einmal eine Suppe. Weitere drei Wochen später denke ich mir „Mist, ich habe mich immer noch nicht bei Susi gemeldet. Das sollte ich morgen nachholen“. „Morgen“ bin ich aber dann mit dem Hausputz beschäftigt. Weitere zwei Monate später denke ich mir „Susi fehlt mir. Ich würde mich geren bei ihr melden, aber wie soll ich ich das anstellen? Was soll ich schreiben – schließlich habe ich mich ja schon so lange nicht mehr gemeldet. Uff, ich mache mir morgen darüber Gedanken.“. Nach einem halben Jahr macht sich dann zusätzlich Enttäuschung darüber breit, dass „Susi“ sich auch nicht gemeldet hat, und ich mich meiner rejection sensitivity hingebe :roll_eyes:. Die – in Kombination mit einem schlechten Gewissen, mich selbst nicht gemeldet zu haben, ist Futter fürs weitere Prokrastinieren.

Zum Glück habe ich in meinem Freundeskreis einige „Susis“, die dasselbe Problem haben, und es mir kein bisschen übel nehmen, wenn ich mich nach zwei Jahren mal wieder spontan melde :see_no_evil:. Umgekehrt merke ich dann auch an deren Freude, von mir zu hören, dass auch sie mich sehr mögen, selbst wenn sie sich lange nicht bei mir melden. Ich versuche das daher nicht so persönlich zu nehmen, und lieber dankbar dafür zu sein, dass ich solche Freunde habe.

Was neue Kontakte angeht, spreche ich das Thema mittlerweile frühzeitig an, und schreibe mir auch ab und zu auf meine to do–Liste so Dinge wie „bei Steffi melden“, damit das nicht Überhand nimmt. Und ich gestatte mir, nicht perfekt zu sein. Mit einem schlechten Gewissen wird das Problem ja nicht besser :wink:.

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Beziehunswahrnehmungstemporalität?

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Yesssss :sweat_smile:

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Oder einfach „just now and must have“?.
:crazy_face::joy::rofl:

Ist vielleicht ja auch so , dass wir bevor wir jemand richtig spürbar vermissen um direkt zu handeln schon wieder andere Dinge im Kopf haben . Oder wir vermissen jemanden bis zur Schmerzgrenze und wollen gleich anrufen oder ne Nachricht schreiben und Zack bevor die Nummer gewählt schneit grade was anderes im Smartphone rein und dann……und dann….und dann….:crazy_face:

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Es geht um einen positiv formulierten Begriff.
ADHS hat dann Probleme mit der …

Ich bevorzuge derzeit Verbundenheitspermanenz.

Ich hatte das kürzlich sogar in Bezug auf mein Kind. Ich hatte Essen bestellt - zum Abholen. Unser Sechsjähriger bat darum, allein zu Hause zu bleiben und eine Serie zu gucken. Der Papa und ich sind dann also tatsächlich das erste Mal ohne das Kind los, dauerte auch nicht lange. Auf dem Rückweg meint mein Partner im Auto: „Bin gespannt, ob der Kleine schon auf uns wartet.“. Ich musste erstmal nachdenken, was er meint, bis mir langsam wieder klar wurde, dass unser Kind ja allein zu Hause ist :see_no_evil:

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Was sich in Schränken oder Schubladen befindet, kann ich mir schon merken. Aber wehe, ich lege einen Alltagsgegenstand wie Handy, Schlüssel oder das Katzenhalsband „nur mal kurz“ irgendwo ab. Dann darf ich oft stundenlang danach suchen.

ok, mich hatte das „Problem“ gestört…
Ich finde es schwierig, weil es für mich drei Punkte sind:

  • die Verbundenheit/Beziehung
  • die Wahrnehmung/Priorisierung/Beweusstheit… der Verbundenheit
  • die Permanenz der Wahrnehmung…

Aber "Verbundenheitspermanenz " ist der beste Vorschlag bisher.

Manchmal frage ich mich ob sich manche Adhs’ler:innen vielleicht nur bereits im Vorstadium von Demenz oder der Alzheimer Erkrankung befinden.
Was mich persönlich oft erschreckt ist wenn ich z.B. lese das manche betroffene Adhs’ler:innen „trotz Stimulanzien“ anscheinend „immer noch extrem vergesslich sind“, oder auch anscheinend nicht in der Lage dazu sind sich auf das „aller nötigste“ in ihrem Leben „voll konzentrieren“ zu können, und dann z.B. darüber erschrecken das sie etwas in ihrer Mikrowelle vergessen haben was dann seit Tagen vor sich hin geschimmelt ist, was mir persönlich trotz allem das ich Adhs diagnostiziert habe und vielleicht auch zusätzlich im Autismus Spektrum angesiedelt bin tatsächlich eigentlich so gut wie nie in meinem Leben passiert ist. Und das ganz einfach z.B. weil ich schon seit früher Kindheit immer eine extrem empfindliche Nase hatte, und sogar eigentlich einen ausgeprägten Sauberkeits und Hygiene Fimmel habe, z.B. hasse ich Schlampigkeit und Unordentlickeit, geschweige denn „Unhygiene“ egal in welchem Bereich regelrecht.
„Fremd gehen“ wäre mir persönlich z.B. nur schon allein deshalb ein Graus, weil ich Angst hätte mich mit irgendwelchen ekligen Geschlechts Krankheiten bei irgend jemand anzustecken zu können.
Obwohl aus Film und Fernsehen meistens total überspitzt und irgendwie total überdreht dargestellt, fühle ich persönlich eine gewisse Sympathie gegenüber Adrian Monk, da ich persönlich in manchen Dingen, zumindest bis zu einem gewissen Grad, tatsächlich irgendwie ähnlich ticke wie er.

Ich habe mich tatsächlich auch schon oft gefragt, ob ich nicht vielleicht dement bin. Ich kann ja morgen mal den Neurologen darauf ansprechen, ob es da Zusammenhänge gibt.

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Ich habe den Thread erst jetzt entdeckt.

Ich kenne das auch. Bei mir wurde das bei meinem ersten Klinikaufenthalt vor 20 Jahren einer Borderline-Störung zugeschrieben.

Ich bin ein bisschen erleichtert, dass es auch bei ADHS ein Thema ist… ich lese einfach mal weiter mit.

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oh wie schön, das hier alles zu lesen! ich hab mittlerweile mehr als einen menschen, der „verbundenheitspermanenz“ nicht halten kann. ich hab das gar nicht (oder nur sehr schwach ausgeprägt - bei mir bist du entweder drin im engen kontakt-kreis oder ganz draußen aus der wahrnehmung, dazwischen gibts nix), daher möchte ich euch, die schwierigkeit mit der „verbundenheitspermanenz“ haben, fragen, so quasi zu statistischen zwecken:

  1. weitestgehend hat das nichts mit der bedeutung der person zu tun, heißt es oft; aber ganz ehrlich, ist das nicht ein signal dafür, dass der andere mensch einfach nicht (mehr) so spannend ist? Woran merkt man, ob es schlechtes gewissen, adhs oder people pleasing ist, den kontakt am leben zu erhalten, wenn er nicht mehr so kickt wie am anfang?

  2. ist diese permanenz schwankungen unterworfen, kann man als andere person „wieder zurück“ in eine fixierung kommen?

  3. was hilft euch, die verbundenheit zu halten: persönliche nähe, viele nachrichten (text, sprachis, fotos?), abwechslung in der beziehung im sinne von aktivitäten, neue themen einbringen, etc.?

  4. Hilft es, wenn die andere person die fehlende permanenz akzeptiert oder ist es hilfreich, ab und zu auch mal zu wissen, dass es verletzt oder eine belastungsgrenze erreicht ist?

Es geht nicht darum, dass hier allgemeingültige antworten kommen, ich bin interessiert an dem spektrum der facetten, die ihr so habt, ich möchte es NOCH BESSER verstehen <3 das ist für mich der größte problempunkt, mit dem ich wirklich kämpfe. vergesslichkeit, zu spät kommen, pffft, alles kein problem, das teilen wir ja :smiley: