Flow vs. Hyperfokus oder Tagesstruktur vs. Hau-Ruck-Aktion

Hallo,

in dem Thread Nur Neues kickt - wie kann man das nutzen? - #33 von ads66 kamen wir auf das Thema Flow vs. Hyperfokus und das erinnert mich an ein Problem was ich gerade bebrüte.

Eigentlich arbeite ich so, dass ich das tue was gerade am meisten brennt oder das, was jemand anderes gerade von mir verlangt oder was mich gerade am meisten interessiert. All das ohne rechte Struktur, oft auf den letzten Drücker. (Stichwort: Am letzten Tag vorm Urlaub das Outlook komplett leeren und 150 Mail bearbeiten, was man in den 2 Wochen vorher überhaupt nicht konnte)
Oft genug fällt dabei etwas hinten runter und die vernünftige Planung von Dingen leidet, - ganz zu schweigen von der miserablen Kommunikation mit den Beteiligten.

Da ich Termine mit anderen gut einhalten kann und in der Schule auch per Stundenplan festgelegt ist welches Fach wann gemacht werden soll, habe ich mir überlegt mir auch einen Stundenplan anzulegen.
War ein super Thema und nach 2 Tagen auch fertig. :wink:


Nachdem mir eine innere Stimme sagte „Verplan nicht alles“ habe ich auch noch mehr Lücken eingebaut.

Doch was soll ich sagen? In den letzten 2 Monaten habe ich es an keinem einzigen Tag geschaft mich an meinen Stundenplan zu halten!!!

Vielleicht sollte ich einfach die Tatsache akzeptieren und statt dessen nur Hau-Ruck-Aktionen machen. Nur ein Projekt und nicht versuchen 100 Bälle in der Luft zu halten? Aber das geht in der Realität ja auch nicht wirklich.

Nebenthema: Pausen
Ich habe festgestellt, dass ich besser arbeite wenn ich keine Pausen mache, auch wenn ich danach müde bin und die Leistung mit der Zeit nachlässt. Aber nach 80% aller Pausen komme ich nicht wieder in eine Arbeitshaltung. Oft habe ich einen produktiven Morgen. Aber nach der Mittagspause fange ich einfach nicht wieder mit dem Arbeiten an.

Liebe Grüße

Bieber

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Vielen Dank für den Thread. Vor ähnlicher Herausforderung frage ich mich derzeit, ob das die entscheidende Fragestellung ist. Oder ob es nicht schon reicht, mit dem Plan „mehr zu schaffen“ als ohne ihn? Und zwar zumindest mittelfristig, über ein Strohfeuer hinaus, das nur schneller ab- und ausbrennt.

Im Sinne von „Ziel auf den Mond, dann landest Du wenigstens bei den Sternen“?

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Ich bin schwer für kürzere Pausen (und weniger vollen Magen), komme sonst auch zu sehr raus.

Außerdem, @ads66 Idee mit dem Support-/Tauschbörse - das wäre dann n neuer Thread, richtig? Oder haben wir so einen nicht schon? Zumindest war so was vor einigen Wochen schon mal Thema…
Sorry, bin heut n bisschen matschig.

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Irgendwo existieren ein oder zwei die aber leider immer wieder eingestaubt sind

Stichwort Body doubling

Bin heute leider zu matschig um da noch gescheit zu suchen, sorry.

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Ich schau morgen auch mal nach…wenn ich nicht mehr matschig bin. Haben wir Fön? Oder irgendwie dasselbe gegessen? Oder gelesen? :thinking:

Hier nicht matschig. Heißt hoffentlich nicht, ich habe geschrieben, was Ihr gelesen habt. Man weiß ja nie.

Börsen-Idee No. 1 (allg. Support-Börse) findet sich von @UlBre z.B. hier: Nur Neues kickt - wie kann man das nutzen? - #9 von UlBre

Börsen-Idee No. 2 (Body Double-Börse) hat u.a. hier schon einen Thread: https://adhs-forum.adxs.org/t/virtuelle-body-doubling-kontaktboerse/7602/1

(Study Buddy-Börse gibt es allerdings extern auch schon hier zum Ausprobieren: Study Groups | MoocLab - Connecting People to Online Learning)

Ich habe bei solchen Ideen immer Bedenken, dass sie als shiny new toy begeistern, die Umsetzung jemandem aber viel Arbeit macht und dann nicht genutzt wird, weil die Hemmschwellen, sich zu deanonymisieren - und das noch in Elend und Schmutz der größten Blockaden -, einfach zu hoch sind.

Aber es gibt ja schon leuchtende Beispiele von per DM zusammengeschlossener Dream Teams, z.B. @Danisahne und @Katha.

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Ich hatte neulich ein interessantes aha Erlebnis mit meiner Freundin (ADS):
Wir heulten darüber, dass wir unsere jeweiligen -zugegebenermaßen nicht sehr aufwendigen - Aufgaben einfach nicht auf die Reihe kriegen: bei ihr einen Antrag ausfüllen, bei mir eine wichtige Email schreiben…
Bis sie plötzlich erwähnte: „Lustig, ich hätte kein Problem, deine Email für dich zu schreiben“ und ich daraufhin feststellte, dass es mir eigentlich total Spaß machen würde, ihren Antrag für sie auszufüllen…
Ich habe mich dann etwas näher mit diesem Thema beschäftigt, weil ich es interessant fand, warum meine Motivation bei ihrer Aufgabe sofort aktiv war.

Herausgefunden habe ich, dass es etwas mit dem Belohnungssystem und dem fehlenden Dopamin/Noradrenalin zu tun haben könnte:
Etwas für meine Freundin gewissenhaft und konzentriert zu tun ist quasi eine Hilfeleistung, bei der sie anschließend sehr dankbar wäre und ich damit eine Belohnung in Form von einem Lob/Anerkennung erhalte.
Allein der Gedanke daran motiviert mich immer noch.
Somit kann ich mir body doubling bei wechselnden Tätigkeiten oder vielleicht sogar Aufgabentausch als äußerst befriedigend vorstellen.
Betonung auf wechselnde Tätigkeiten plus wechselnde Partner.
Dann wäre es ständig neu und ständig herausfordernd.
Und würde sich vielleicht nicht abnutzen, sprich langweilig werden…

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Hallo Bieber,
ich verstehe deinen Plan nicht.
Du hast jeden Morgen Tagesplanung drin stehen. Aber der Plan ist vorher schon bis zum Ende des Tages ausgefüllt. Werden die Punkte der Tagesplanung der Struktur des Wochenplanes untergeordnet? Oder wird diese Struktur angepasst? Warum hast du für fast jeden Tag den Punkt Posteingang drinstehen und trotzdem musst du kurz vor dem Urlaub noch so viele Emails beantworten? Und was unterscheidet Pause von Pause/Spaß? Warum hast du für Spaß nur 2 Mal ne halbe Stunde eingeplant? Was bedeutet Spaß? Welchem Zweck dienen die Lücken? Weil die innere Stimme sagt: Nicht alles verplanen? Wie gestaltest du die Tagesauswertungen/die Wochenauswertung? Wie fließen die Ergebnisse daraus in den Plan ein?

Vielleicht hat das mit dem Stundenplan in der Schule besser geklappt, weil du ihn nicht erstellen und dich „nur“ daran halten musstest? Außerdem gab es da keine Lücken, Pausen konnten nicht verschoben werden, Inhalte waren vorgegeben und du musstest dich nicht allein daran halten.

Woran würdest du merken, dass dein Plan für dich funktioniert?

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Hallo @ads66 ,

jetzt kommt Butter bei die Fische. :wink: Vielen Dank für deine Fragen.

Der Plan ist, in der Tat das die Tagesplanung der Struktur des Wochenplanes untergeordnet wird und ggf. die vorgegebene Tagesstruktur verändert wird (z.B. wenn externe Termine die Vorstruktur zerstören).
Für den Tagesplan nutze ich eine OneNote Blattvorlage. Dort notiere ich die ToDos die ich mir für den Tag vornehme und habe Raum für Kennzahlen und kann Erfolge und Dank notieren. Daneben gibt es noch Posteingänge und ToDo-Listen.
Den Posteingang will ich mit der 3-Minuten-Regel bearbeiten: Alles was ich innerhalb von 3 Minuten erledigen kann wird sofort gemacht, alles andere wird abgelegt und kommt auf die ToDo Liste.

Die Realität ist aber eine andere. Wenn ich jeden Tag meinen Posteingang bearbeiten würde, so dass er wirklich leer ist, dann hätte ich nicht immer diese Mengen, z.B. vorm Urlaub. Und es dauert am Tag auch nicht lange. Ich weis das, ich habe mir alle Vorteile davon notiert und liebe das super Gefühl wenn Outlook leer ist. Aber es ist wie mit den Mahnungen (siehe: https://adhs-forum.adxs.org/t/adhs-der-schwere-weg-zur-erleuchtung/8597/139). Wir wissen wie gut es ist regelmäßig die Überweisungen zu erledigen und doch kommen auch nach 25 Jahren Erwachsensein immer wieder Mahnungen und Schreiben vom Inkassobüro, weil ich die private Post wieder seit 8 Wochen nicht geöffnet habe.

Mit den anderen Blöcken ist es ähnlich. Wenn ich gerade an einer Sache bin (z.B. Einstellungen in der EDV vornehmen), dann scheue ich mich sie zu unterbrechen um dann wie geplant z.B. Kundenangebote zu rechnen.

Zwischen Pause und Pause/Spaß gibt es keinen Unterschied, habe ich nur unterschiedlich bei den Serienterminen benannt ohne es selber zu merken.

In den Lücken könnte ich machen was ich will, - aber das tue ich ja schon so die ganze Zeit.

Für die Tagesauswertung habe ich auf meinem One-Note Blatt Fragen notiert.

  • Wobei habe ich innere Freude, tiefe Lebenslust oder feurigen Enthusiasmus gespürt?
  • Wie lag heute die Aufteilung?
    Unternehmer-Aufgaben: _%
    Fachkraft-Aufgaben: _%
  • Was lief heute besser als gedacht?
  • Was war heute die unnötigste Aufgabe? Was müsste gegeben sein, damit diese nicht mehr zu mir kommt?

Aber auch hier ist der Normalfall, dass ich bis 16:45 mit dem weitermache was ich gerade tue, auch wenn ich um 16:40 abfahren müsste um pünktlich zu Hause zu sein, die Tagesauswertung fällt dann regelmäßig unter den Tisch. Seit letzter Woche habe ich mir eine aufpoppende Erinnerung dafür um 16:15 gesetzt. Aber die kann ich auch gut einfach ignorieren.

Klar ist es ein Unterschied ob der Stundenplan unumstößlich in der Schule gilt oder ob ich ihn für mich selber aufstelle. Genau so wie ein Termin mit anderen was anderes ist als ein Termin mit sich selbst.
Nach außen bin ich brav und angepasst aber in mir drinnen ist der Rebell die stärkste und lebendigste Kraft. Und der zeigt mir den Stinkefinger und sagt „Warum sollte ich mich selber einschränken und tun was ich mir irgendwann mal überlegt habe oder was ‚sinnvoll‘ ist? Ich mache was Spaß macht.“

Woran merke ich dass ein Plan funktioniert?

  • wenn ich seltener ein schlechtes Gewissen habe wegen all der Unerledigten Dinge
  • wenn ich einen Überblick über die zu erledigenden Aufgaben habe und das Gefühl sie auch bewältigen zu können
  • wenn ich im Flow Dinge geregelt bekomme (wenn ich dann mal Überweisungen mache, dann auch am Stück und konzentriert und das fühlt sich super an, aber das hinsetzen und anfangen fällt so schwer)
  • wenn ich mir auch Zeit für Dinge nehme, die nicht gerade dringend sind oder mich brennend interessieren
  • wenn ich eine Zigarre im Mundwinkel habe und sage: „Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert!“ :wink:
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Moin Bieber,
herzlichen Dank für deine Antworten und dein Dich-einlassen auf die Fragen!
Ich zäume jetzt mal das Pferd von hinten auf, denn der letzte Punkt ist für mich die Einladung, direkt in dein Dilemma zu gehen (natürlich alles nur meine ganz persönliche Wahrnehmung!!!)

Der letzte Punkt ist die Essenz von funktionierendem Teamwork. Aber du hast den Anspruch, das komplette A-Team zu sein. Und wenn ich das jetzt alles richtig abgespeichert habe, geht es dir nicht nur um deine persönliche Struktur sondern auch darum, deine Mitarbeitenden bei der Stange zu halten… Da lohnt sich ein genauerer Blick auf das A-Team: Das sind 4 Typen mit komplett unterschiedlichen Fähigkeiten und auch Macken. Die funktionieren als Team, weil sie loyal zueinander stehen, weil jeder seine Fähigkeiten einbringen kann und weil auch jeder dort eingesetzt wird, wo er sein Potential bestmöglich entfalten kann. Zur Not wird sogar einer mit KO-Tropfen betäubt, damit er an die Stätte seines besten Wirkens gelangt. Hannibals Pläne würden nie funktionieren, wenn er die Stärken und Grenzen jedes einzelnen Teammitgliedes nicht genau einschätzen könnte…und auch die eigenen Schwächen nicht. Es geht ja auch gerne mal sehr kontrovers zu, bis ein Plan steht und jeder darf seinen Senf dazugeben. Und am Ende steht ein Plan, den alle mittragen, weil alle in ihren Fähigkeiten berücksichtig wurden.

Und dieser Plan ist kein Kompromiss!! Du hast geschrieben, dass du mit innerer Teamarbeit versuchst, zu Kompromissen zu kommen. Irgendwo habe ich den schlauen Spruch aufgeschnappt: Bei einem Kompromiss verlieren alle, die daran beteiligt sind. Die Gefahr, sich auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu einigen, ist dabei sehr hoch. Ziel sollte immer der größte gemeinsame Nenner sein. Lieber ein Konzept über den Haufen schmeißen und von vorne beginnen, als es auf Teufel komm raus passend zu machen. (Nach dieser Maxime kannst du mal deinen Wochenplan überprüfen.)

Einen wichtigen Punkt hat @UlBre im Vorgängerthread angesprochen: Delegieren! Im Prinzip auch das, was Hannibal im A-Team macht: Aufgaben übertragen. Aber nicht nur, dazu gehört auch Verantwortung und Vertrauen zu übertragen. Und wenn was schief geht, ist das die Chance daraus zu lernen. Der Spruch: Aus Fehlern lernt man. ist wissenschaftlich belegt und führt zu tiefgreifenden neuronalen Veränderungen (Thema: Neuroplastizität).

Es wäre für dich bestimmt hilfreich, wenn mal jemand von außen auf deine Situation schauen würde. Warum nicht auf Grundlage des A-Teams? Im Prinzip sind diese Serien (HdR, StarWars, Enterprise, Avengers…) ja auch so erfolgreich weil die Charaktere auf Archtypen aufgebaut sind, die wir alle in uns haben. Somit ist ein hohes Maß an Identifikation gegeben. Hinzu kommt, dass der Erfolg des A-Teams ja auch daher kommt, dass die Mitglieder unkonventionell vorgehen, also außerhalb der Norm, von den sogenannten rechtschaffenden Kräften (Militärpolizei) geächtet sind, das auch noch unverschuldet (also mit Vorurteilen behaftet werden) - was letztendlich zwangsläufig noch mehr zusammenschweißt- quasi eine Analogie zu ADHS. :wink:

Würdest du dich auf Grundlage des A-Teams coachen lassen, könnte das was bringen. Und für deine Mitarbeitenden wäre es gewiss auch extrem hilfreich, wenn sie wüssten, was sie eigentlich wert sind, wenn sie Verantwortung übernehmen dürften, ein tieferes Verständnis für die Fähigkeiten und Macken ihrer Kolleg*innen bekämen und spüren würden, ein wertvoller Bestandteil des großen Ganzen zu sein. Da gibt es unendlich viele Möglichkeiten, über die Initierung und Begleitung von Teamprozessen, Rollenmodellen, Soziogramme, Teambuilding-Maßnahmen, Kommunikation, usw.

Ich möchte aber auch klar machen, dass ich nicht weiß, was da schon gelaufen ist und wie die Zusammenarbeit bei euch funktioniert. Also bitte nicht als Bewertung auffassen, das steht mir nicht zu! Letztendlich betreibe ich nur eine Draufsicht auf einige deiner Beiträge und daraus ergab sich für mich das Bild, dass du jemand bist, der vor Ideen und Enthusiasmus sprüht, der Feuer und Flamme ist, wenn es um die Initiierung neuer Projekte geht, der seine Mitarbeitenden dann auch gut motivieren kann. Aber dass es schwierig wird, wenn sich Routinen einschleichen und die Motivation dann aufrecht gehalten werden soll. Also eher Initiator als Bewahrer. Dann könnte die 2. Rolle Grundlage für´s delegieren sein… Im besten Falle säßen dann ein paar mehr Leute mit Zigarre im Mundwinkel zusammen.

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