Es gibt auch das umgekehrte Extrem, dass Eltern sagen „mein Kind soll nur machen, was es will“, und das funktioniert dann aber auch nicht. Da gibt es mittlerweile zig Fälle, wo die Kinder in den Kindergarten kommen und zum ersten Mal lernen, dass man auch was aufräumen muss oder sich an Regeln halten oder Sachen mit anderen teilen muss. Dann gibt es Konflikte, und laut Eltern sind dann nur die Erzieher unfähig, obwohl die Eltern schuld sind. Inzwischen gibt es dann auch Kindergartenausschlüsse, wenn es gar nicht funktioniert, und dann kommen die Kinder in die Schule, waren nie in einem Kindergarten, und dann knallts nochmal so richtig. Im schlimmsten Fall gehen sie dann einfach nicht zur Schule, trotz Schulpflicht. Was aus diesen Kindern irgendwann wird, keine Ahnung. Als Eltern würde ich mir dann Vorwürfe machen, aber zum Glück habe ich keine Kinder und muss mir solche Gedanken nicht machen.
Irgendwo gibt es einen Mittelweg zwischen schwarzer Pädagogik und Erziehungsverweigerung, aber der scheint schwer zu finden zu sein.
Das haben ohne Witz ihre Eltern auch behauptet. Da war das Kind gerade erst geboren und sie unterstellten das bereits. Da merkt man erst, wie schwachsinnig diese Haltung ist. Ein Baby (und auch Kleinkind) hat doch die mentalen Kapazitäten für so eine Manipulation gar nicht. Das fühlt nur das es Hunger usw. hat und macht sich dann entsprechend bemerkbar!
Manche schreien auch mehr, ggf. weil sie überreizt sind. Oder aus anderen Gründen. Das machen Babies nunmal, sie können sich nicht anders bemerkbar machen.
Ich bin wirklich sehr froh, dass sie sich da so weit von ihren Eltern distanziert hat! Wer unreflektiert so eine Meinung hat sollte in der heutigen Zeit wirklich mit keinem Kind allein gelassen werden!
Das macht mich traurig aber überraschen tut’s mich nicht.
Edit: Hier nochmal die wichtigsten Teile aus dem Artikel:
“Die Zustimmung zu körperlichen Strafen in der Erziehung ist im Laufe der Jahre in Deutschland zwar stetig zurückgegangen - aber verschwunden sind vor allem vermeintlich leichte Strafen wie eine Ohrfeige noch längst nicht. In einer Untersuchung der Universitätsklinik Ulm im Jahr 2020 stimmten 52,4 Prozent der 2.500 Befragten der Aussage zu, ein Klaps auf dem Hintern habe „noch niemandem geschadet“. 23,1 Prozent fanden es in Ordnung, ein Kind im Rahmen der Erziehung zu ohrfeigen. 7,2 Prozent halten eine Tracht Prügel für eine akzeptable Erziehungsmaßnahme.
„Teufelskreis der Gewalt“
Unter Männern ist die Zustimmung zu solchen Körperstrafen dabei deutlich höher als unter Frauen. Und: Wer als Kind selbst körperlich gezüchtigt wurde, macht das bei seinen Kindern oft ähnlich. Konkret: Bei der Aussage, ein Klaps auf den Hintern habe noch keinem Kind geschadet, war die Zustimmung unter den Befragten mit eigenen Gewalterfahrungen in der Kindheit 16 Mal so hoch wie bei Befragten, die als Kind keine Körperstrafen erlebt haben. Die Ulmer Wissenschaftler sprechen deshalb von einem „Teufelskreis der Gewalt“.
Einen pädagogischen Nutzen habe eine solche Bestrafung jedenfalls nicht, betont Tobias Hecker, Professor für Klinische Psychologie und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld. „So eine Strafe führt eigentlich immer in einen Machtkampf, der wenig Lerneffekt und viel Widerstand bei einem Kind hervorruft.““
Und Hörbücher? Habe gerade mal geschaut. Von “Die vergessene Generation” gibt es zB eins. Nur falls das was für dich ist. Wenn nicht, ist’s auch nicht schlimm.
Kennst du so etwas wirklich aus deinem Umfeld?
Ich kenne das maximal aus irgendwelchen Medien… in Wirklichkeit ist mir so etwas nie untergekommen in dieser extremen Form und ich halte das für eher seltene Auswüchse.
Da ich mit der Schule echt Probleme ohne Ende habe, kann ich dazu nur sagen: Das System Schule krank an Ressourcen und auch an der richtigen Ausbildung und manchmal auch am Willen sich mit Kindern auseinanderzusetzen. Mein ADHS-ler wird wirklich viel schikaniert in der Schule.
Nicht nur einmal habe ich mich gefragt, warum manche Leute Lehrer werden…
Ich habe das von mehreren Fachleuten gehört, die mit Kindern in Kindergärten und Schulen zu tun haben (Fachkräfte der Frühförderung, Heilpädagogik, Schulamt). In dem Landkreis, wo ich arbeite, gehen mehrere Kinder nicht zur Schule trotz Schulpflicht, weil es genauso lief wie beschrieben, also Erziehungsverweigerung, Kindergartenausschluss, Schulausschluss. Sind Infos aus verlässlicher Quelle, und das Problem nimmt auch zu.
Es gab da wohl Eltern, die dem Schulamt sagten „mein Kind will nicht in die Schule, deshalb muss es auch nicht.“ Für mich ist so eine Haltung auch eine Form von Vernachlässigung und Kindeswohlgefährdung. Denn es geht da definitiv nicht um Kinder mit ADHS oder Autismus, die in der Schule nicht klarkommen, sondern um Kinder, die schlicht niemals irgendeine Form von Erziehung bekommen haben, die nicht gelernt haben, dass man sich manchmal einfügen muss, dass man Regeln einhalten muss, dass man sich anstrengen muss, um etwas zu erreichen. Oder auch dass man Rücksicht nehmen muss, dass auch andere Leute Bedürfnisse haben. Die Eltern sagen da oft, zu Hause hätten sie kein Problem mit dem Kind (weil sie ihm nichts abverlangen), aber im Kindergarten und in der Schule ist das halt anders.
Ich kann in einem anderen Thread ganze Romane zum Thema Schule schreiben…
Tja, so ähnlich würdest du das auch von der Lehrerin meines Kindes hören. Da mein Sohn aber eine offizielle Diagnose hat, sagt sie es eben so „er kann ja nichts dafür, dass er ADHS hat, ABER…“ und dann denke dir einfach sämtiche ADHS Symptome für die er ja selber schuld ist, oder vermutlich eher ich natürlich. Denn wir wissen ja, Mutter ist sowieso Schuld, sobald sie schwanger wird.
Letztens bekam ich erst einen Brief a la: Mein Sohn ist einfach nur faul und unwillig und schön direkter(!) Vergleich mit mehreren anderen Kindern, die es viel besser machen… das kannst du dir nicht ausdenken. Ist natürlich eine Integrationsklasse! Echt man kann’s nicht glauben…
Ganz ehrlich, so eine Aburteilerei ohne die Kinder im einzelnen zu kennen - davon halte ich aufgrund meiner Geschichte gar nichts. Und woher wissen diese „ExpertInnen“, dass es nicht undiagnostizierte ADHS-ler etc sind?
Laut den LehrerInnen meines Sohnes bin ich sicher auch nur unfähig… auf solche Leute gebe ich inzwischen genau gar nichts.
Wären diese Leute gut, dann können sie mit Kindern umgehen, egal warum (schließt für mich schwieriges Elternhaus ein!), die Kinder Probleme haben. Wie gesagt, warum will man mit Kindern arbeiten, erwartet sich dann aber, dass a nur Engelchen vor einem sitzen? Echt ich habe schon so einen Grant!
Kinder, die auf die Art auffällig sind, werden ins SPZ geschickt, und da würde man das feststellen, bei Jungs sowieso. Ohne Diagnose kommen ja eher die Unauffälligen ins Erwachsenenalter, aber nicht die Systemsprenger. Wenn es irgendwann um Kindeswohlgefährdung geht, können Eltern sich auch nicht mehr davor drücken, dass sie das Kind zur Diagnostik bringen. Und man kennt ja auch das Elternhaus und welche Einstellung das hat. Ich bin sicher, dass Fachkräfte mit pädagogischer Ausbildung (mit echter päd. Ausbildung, da würde ich Lehrer nicht unbedingt dazu zählen) unterscheiden können, ob diese Eltern sich bemühen, Regeln und Grenzen zu setzen, oder nicht. Man merkt doch, ob Eltern sich bemühen, aber es wegen der Schwierigkeiten des Kindes nicht geht (dann sind Eltern nämlich selbst auch verzweifelt), oder ob Eltern tatsächlich so eine Haltung haben, dass Erziehung sie nicht interessiert oder sie das den Kindern nicht „zumuten“ wollen, dass man auch mal Grenzen setzt oder etwas von ihnen verlangt.
Da überschätzt du aber die SPZen. ADHS wird da oft jahrelang gerade nicht festgestellt. Wäre ja viel zu einfach.
Ihr könnt hier Geschichten lesen von Eltern, die erst nach dem Wechsel zu einer KJP-Praxis eine Diagnose für ihr Kind bekommen haben.
Ich glaube auch, dass Kinder, die weder ADHS noch Autismus oder eine Intelligenzminderung haben, auch sehr wenig kompetente Eltern ganz gut überstehen. Solange die nicht gewalttätig sind natürlich.
Na eben keine Lehrer. Heilpädagogen zum Beispiel. Solche, die wirklich pädagogisch mit Kindern arbeiten und nicht nur ein bisschen Pädagogik im Studium haben, aber letztendlich nur unterrichten.
ADHS wird - heute - nur dann jahrelang nicht festgestellt, wenn die Kinder unauffällig sind, also z.B. bei einer ruhigen, gut angepassten Variante. Solche Kinder werden aber dann auch keine Systemsprenger. Wenn ein Systemsprenger NICHT mit ADHS diagnostiziert wurde über mehrere Jahre, dann hat er wahrscheinlich auch kein ADHS, sondern etwas anderes. So blöd sind die SPZ dann auch wieder nicht, dass sie in der Situation ADHS nicht merken, bei aller Liebe.
Vielleicht ist das auch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.
Ich kenne hier gleich mehrere Familien wo die Kinder trotz starker Auffälligkeiten in Richtung ADHS nicht zur Diagnostik kommen. (Selbst wenn Geschwister und Familienangehörige bereits eine Diagnose haben.) Da gibt es ganz unterschiedliche Gründe.
Da haben wir zum Einen die Eltern, die sich dafür einsetzen, und sich dann aber zB die Kinderärzte quer stellen.
Dann haben wir jene, die extrem auffällige Mädchen erst nach 8 Jahren und hartem Kampf diagnostiziert bekommen während der Junge seine Diagnose schon im Alte von 3 Jahren bekam.
Und dann nochmal jene, wo die Eltern sich quer stellen und es “besser” wissen. “In unserer Familie gibt es sowas nicht.” Obwohl Kinderärzte/ Fachleute bereits gesagt haben, diese Kinder müssen dringend zur Testung.
Das sind alles Fälle, wo jetzt nicht sofort das Jugendamt kommen würde, die Kinder - und in manchen Fällen auch Eltern - aber massiv darunter leiden, dass sich gegen eine Diagnose gewehrt wird.
Vor allem bei Mädchen wird sich immernoch unnötig schwer getan. Da wird oft nach anderen Gründen gesucht oder man sagt sie sind nur schüchtern, hey schicken wir sie doch erstmal an zig andere Stellen. Wir sind da heute lange nicht so weit, wie man meinen dürfte. Zumindest nicht hier in dieser Gegend.
Klingt so als ob sie die Diagnose zum Teil ein bisschen wie eine “Ausrede” betrachtet. “Ja, er hat das zwar diagnostiziert, ABER, können SIE da nicht noch etwas machen damit er mehr ist wie XYZ?”
Ich meine sooo exotisch klingt das jetzt auch wieder nicht. Da muss man doch einen Plan haben außer „die bösenEltern“…
Wenn man will gibt’s echt genug Stellen, die man in Bewegung setzen kann. Aber fragst du nach kommt meistens zum Vorschein, dass die Leute keine Ahnung haben.
Ich habe selbst über ein Jahr gebraucht, bis ich alle Stellen wusste, wie wir mit der Schule umgehen können. Niemand sagt dir, wohin du dich wenden sollst. Du bist einfach doof und selber schuld als Eltern und fertig. „Mach’s besser, dann wird dein verzogenes Kind auch wieder…“ So ungefähr ließ es uns die Schulleitung mehr oder weniger offen durchblicken. Alleine, wie manche Leute mit einen reden. Bei mir in der Arbeit würde man mir den Kopf waschen. In der Schule dürfen sich gewisse Personen aber anscheinend echt alles rausnehmen. Du hast ja keine Wahl, außer still dasitzen und nicken.
Es ist so mühsam und ehrlich zu kotzen
Wenn ich mir vorstelle, dass Eltern Probleme haben. Entweder halt mit der Sprache, psychisch, ja auch schwieriges Elternhaus etc.pp… du bist einfach verloren. Die Kinder tun mir leid.
a) meine Apotheke ist da spitze. Beim ersten Mal hatte ich Bedenken. Was die sagen usw… und ob sie mir auch die Medis von meinem Mann mitgeben (hab mir extra noch eine Vollmacht ausstellen lassen)
“Ah, host a Diagnose? Und, bist froh? Des glab i dir glei. Vollmacht? Brauchma ned. Heit Nammidog is ois do. Wirst seng, jetz gehts bergauf!"
b) ich an deiner Stelle würd da immer wieder hingehen. Sogar nach der Oma fragen. Kathys Paragraphen verwenden. Konfrontieren. Bis es läuft wie geölt. Aber das bin ich, ich kann bei sowas unglaublich stur sein. Wie auch zur Zeit bei meiner Katzenkrankenversicherung. Plötzlich hat meine alte Katze was Chronisches und plötzlich verlangen sie die gesamte Doku aller Tierärzte. Wollten sie aber bei Vertragsabschluss noch nicht. Wegen " Einschätzung des Falles”. Hab mich solange stur gestellt, bis sie ihr Visir hochgeklappt haben. Jetzt verlangen sie viel weniger… komisch. Passt mir aber immer noch nicht. Das ist inzwischen ein Spiel für mich.
Vorweg: Ich bin selbst „alt“ (55) und hab kürzlich in der Apotheke gesagt bekommen (Elvanse 30mg): Da gäbe es nur die 30er Packung. Punkt. Von einer jungen Frau. Ich würde solche „Vorfälle“ bitte nicht mit dem Alter oder „altem Schlag“ in Verbindung bringen und so zu Vorverurteilung oder Verallgemeinerungen beitragen, das wollen wir in dieser Community doch eben nicht, oder? Der von Dir geschilderte Vorfall ist natürlich nicht hinnehmbar, aber solche Inkompetenz gibt es leider in jedem Bereich des Lebens
Klingt fast so als ob sie möglicher Weise selbst direkten Kontakt zu Betroffenen haben und dadurch die Wichtigkeit kennen. Es freut mich sehr, dass du da so positive Erfahrungen gemacht hast!
Da spielt wohl auch ein starker Gerechtigkeistssinn mit rein
Ein Teil von mir will sich von ihr auch nicht vergraulen lassen. Will ihr nicht die Genugtuung geben, dass sie mal wieder ihren Willen kriegt. Denn ihre Haltung ist ja - egal wodurch sie begründet ist - wirklich scheiße. Hier ist aber auch die Frage ob man einen Menschen ändern kann, der sich nicht ändern will, und es dann möglicher Weise zu einem endlosen, stressigen Geraffel auf meine Kosten wird.
Deshalb habe ich beschlossen, mit dem nächsten nicht handschriftlich ausgestellten Rezept erstmal nicht mehr dort hin zu gehen. Auch für meinen Seelenfrieden. Ja, sie kriegt dann was sie will. Mein Seelenfrieden ist mir da nach längerem Nachdenken und dem vielen Rat, den ich hier gelesen habe, tatsächlich wichtiger.
Ich bewundere dich übrigens sehr dafür, dass du so durchsetzungsstark bist!
Ich versuche dir einfach hier ein paar ermutigende Worte mitzugeben: Es ist leider richtig, dass die meisten negativen Vorurteile speziell in meinem Umfeld von Menschen, die weit älter als wir beide sind, kommen.
ABER nicht alle älteren und nicht alle Boomer in meinem Umfeld sind so. Hier ging es speziell um diese eine Apothekerin.
Ich kann dir zudem versichern: Es sind in meinem Umfeld auch junge Leute dabei, die leider mit sehr negativen Vorurteilen glänzen. ZB solche, die als Kinder nicht gut betreut wurden und deshalb jetzt leider Anti Medikamente sind. Die gibt es auch. In meinem Umfeld sind sie halt zahlentechnisch dennoch in der Unterzahl. Das spiegelt ja einfach mein Lebensumfeld wider, aber nicht etwas, was zwangsläufig auch für dich oder andere gelten muss. Deshalb waren meine Gedanken zu den “Boomervorturteilen” ja auch eindeutig als Fragen formuliert.
Ich hoffe, ich habe mich hier verständlich ausgedrückt. Mir liegt es wirklich fern bei dir negative Gefühle aufgrund deines Alters auslösen zu wollen.
Du bist Kundin und sie ist Anbieterin. Wenn du die Apotheke wechselst, kriegt sie zwar ihren Willen - dass sie das Medikament dir nicht gibt. Aber ihr „Ziel“ ist ja nicht, dass du woanders hingehst, sondern dass du das Medikament gar nicht kriegst.
Indem du der Apotheke den Rücken kehrst, kriegt die Apothekerin keine Genugtuung, sondern die Apotheke hat durch ihr Handeln einen wirtschaftlichen Schaden. Und wenn das durch noch mehrere weitere Kundinnen passiert, wird die Leitung der Apotheke Konsequenzen ziehen müssen.
Auf lange Sicht ist das das Einzige, was wirklich hilft.