Ich zitiere von der ideenleitenden Startseite:
„Sie soll ihnen die Kraft geben, welche sie brauchen, um in einer Gesellschaft erfolgreich bestehen zu können, die sogenannte „Andersartige“ oft als Außenseiter ausgrenzt bzw. sie über Therapien, Medikamentierung und Disziplinierung ruhigzustellen und gleichzuschalten versucht, statt ihnen zu helfen, ihre besonderen Fähigkeiten zu entwickeln und die negativen Begleiterscheinungen besser zu bewältigen. Für Betroffene ist eine korrekte Diagnose und fundierte Information oft der erste und wichtigste Schritt zur Verbesserung ihrer Lebenssituation.“
Werden Menschen mit ADHS aufgrund ihrer Andersartigkeit ausgegrenzt - oder ist es nicht so, dass wir einfach auch recht schwer erträglich sind?
Leide ich an der Ausgrenzung? Oder nicht eher daran, dass ich mir mit meinem Mangel an Impulskontrolle selbst massiv im Weg stehe?
Wer ADHS-Medikation als „Ruhigstellen“ und „Gleichschaltung“ betrachtet, hat ohnehin den Schuss nicht gehört. Eigentlich kann man da schon aufhören weiterzulesen…
Diese Überhöhung von ADHS führt fast immer eine Abwertung „normaler“ Menschen mit sich. Wer permanent betont, dass die Fähigkeiten von ADHS-Menschen sooo besonders sind, hat ein Problem mit der Selbstwahrnehmung - ich tippe da auf eine narzisstische Auslenkung.
Sind wir doch mal real: Die meisten Menschen mit ADHS leiden nicht unter der Andersartigkeit sondern daran, dass eine Disposition sie daran hindert, sich „normal“ zu verhalten und die Dinge zu tun, die sie gerne tun wollen. Die (wir) wollen nicht „besonders“ sein, sondern einfach nur normal - und, wie jeder andere, einfach ihre Ruhe haben.
Ich will als Kind nicht aufspringen und rumrennen. Ich will die Geschichte zu Ende hören - auch wenn sie zwischenrein uninteressant ist…
„Menschen, mit der Fähigkeit, mehr Reize aufnehmen zu können, als andere, sind wie Diamanten. Sie leuchten heller und sind oftmals zu höheren Leistungen fähig. Gibt man ihnen nicht die Chancen, welche sie benötigen, sondern versucht sie mit der Masse gleichzuschalten, auszugrenzen oder abzuschieben, ist das wie ein Diamant, der statt in einer schmucken Fassung die Hand oder das Dekoltee einer Frau zu verschönen, hell und schnell verbrennt. Zurück bleiben seelische Krüppel und die Asche ihrer selbst!“
Da wird einfach mal Hochbegabung, Hypersensibilität und ADHS einfach mal gleichgesetzt…
Schlimmer: Die negativen Symptome oder Auswirkungen von ADHS werden einfach mal ausgelagert.
Nicht ADHS ist das, was stört oder was mich hindert - nein, es ist die Gesellschaft, es sind die anderen. Die machen mich zum Krüppel. Die nehmen mir meine Chancen.
Da werden dann irgendwelche Theorien und Modelle zusammeninterpretiert und so hingebogen, dass sie zu dieser Denke passen.
Dass die Versorgung und Betreuung von Menschen mit ADHS suboptimal ist - daran gibt es nichts zu deuten. Das kann / muss man verbessern. Nicht nur für ADHS sondern für alle anderen Bereiche, in denen Menschen nicht „funktionieren“. Das ist absolut kritikwürdig (aber gar nicht Teil dieser Ausführungen).
Aber die Grundidee (Medikation / Psychoedukation / Therapie) ist absolut in Ordnung: Menschen zu befähigen, mit sich zurechtzukommen. Sich soweit selbst steuern / regulieren zu können, dass man wirksam sein kann, sein Leben so leben kann wie man es wirklich möchte. Dann erst kann man sehen, was für Fähigkeiten da schlummern. Dafür lohnt es sich auch, sich einzusetzen.
Aber irgendeiner Chimäre nachzujagen, nur um sich besser / auserwählter zu fühlen, das ist doch kindisch.