„Masking“ als Anpassung an „Neurotypische“...

<LINK_TEXT text=„Masking: Autisten erzählen vom Stress, sich im Alltag anpassen zu müssen › ze.tt … u-muessen/“>Masking: Autisten erzählen vom Stress, sich im Alltag anpassen zu müssen › ze.tt</LINK_TEXT>

Find ich ganz spannend und setze das - aus Zeitgründen kommentarlos - hier rein…

Zitat zum Thema Beruf:
„In einem barrierefreien Umfeld, muss sich derdie Autistin nicht erklären, sondern kann einfach beschreiben: So bin ich. Und das bräuchte ich.“ Ganz gleich, ob das Kopfhörer oder zwei Tage Homeoffice pro Woche seien.

Genau. Ersetze Autist durch ADHSler, und der Satz sagt genau das aus, worum es auch bei ADHS in Sachen Barrierefreiheit geht.

Das Thema das Maskings kenne ich auch, ich habe aber das Problem, dass es mir dabei leider NICHT gelingt, nicht aufzufallen. :wink:

(Vielleicht empfinde ich das aber auch nur so.)

Gekünstelter Habitus sag ich nur… wie bei der von mir zuvor schon genannter Tankstellen-Selina, bei der war das auch so und die hat es auch selbst zugegeben mit der „Maske“ immer, ungefähr so wie da: <LINK_TEXT text=„https://www.refinery29.com/de-de/2017/0 … t-auf-adhs“>Warum ADHS-Symptome bei Frauen ignoriert werden</LINK_TEXT>

Besagte Person hat übrigens was Schminke angeht, ziemlich dick aufgetragen. Maskierung wird praktiziert sowohl was das Auftreten angeht, als auch die äußerlich erkennbaren (bzw. dadurch beabsichtigt weniger gut erkennbaren) Gesichtszüge

Mhm die Frage nach Authentizität ist ja so eine Sache.
Ist es authentisch wenn man einfach sagt was man denkt oder ist es authentisch nach den eigenen Prinzipien zu handeln.

Also warum nicht eine „Maske“ aufsetzen damit das Leben besser funktioniert? Obwohl ich Maske als sehr unglücklich gewählten Ausdruck empfinde.
Was ist wenn man Maske mit Rolle ersetzt und so hat man schon ein ganz neuen Fundus, denn an Rollen kann man wachsen. Ebenso wie sich aus Ehemaligen Rollen zu emanzipieren.
Fortschritt erzielt man immer in einer Veränderung.

Setzt man die Maske nur gegenüber Neurotypischen an? Sind wir hier alle authentisch? Ich bin es ehrlich gesagt nicht, ständig muss ich auch hier aufpassen, was ich sage, wie ich es sage, um netter zu klingen. Es ist normal glaube ich, wenn man nicht Face to Face kommuniziert.

Hä… In dem obig genannten Artikel geht es darum seine Miete zu zahlen und wie gut man in seinem sozialen Umfeld Fuß fasst. Das hängt nunmal häufig daran an, wie gut man prosoziale Verhaltensweisen an den Tag legt.

Dein Beitrag @allmighty lässt mich gerade ein wenig ratlos zurück und ich weiß nicht genau was du damit ausdrücken willst. In unseren Diskussionen hier im forum geht es doch eher darum sich auszutauschen und jeder nimmt sich die Informationen so raus und rückt sie sich auf seiner eigenen metaebene so zu recht, wie man sie eben braucht.

Ich setze hier im Forum keine Maske auf, muss ich ja auch nicht. Ich habe den Eindruck, dass die meisten anderen hier auch authentisch sind. Habe das für mich zumindest noch nicht infrage gestellt.

Zu versuchen, diplomatisch zu sein (als ADHSler schwer genug), finde ich übrigens nicht unauthentisch. Dass ich schon mal über das Ziel hinausschieße, bedeutet also nicht, dass ich das als Ausdruck meiner Authentizität für gerechtfertigt hielte.

Ich habe über mich gesprochen, vielleicht hast du Recht mit der Diplomatie. Was ADxS betrifft bin ich auch authentisch.
Ob ihr authentisch seid, kann ich nicht beurteilen, kenne euch nicht. War nur eine Frage und keine Unterstellung.

ich glaube aber neurotypische tragen ebenso Masken um „Dazuzugehören“ und verbraten damit sinnlose Energie und sei es nur durch Arbeit um mehr Geld für Statussymbole zu verdienen.

Ich glaube auch das die Wahrnehmung eines Autisten oder ADHSler was die Überreizung betrifft gesunder ist und weniger Reize auch dem „neuroptypsichen“ gut tun.

Zu Hause und unter Freunden allein, da ist doch jeder weniger „maskiert“

und gerade Schminke halte ich für eines der größten Masken

Ich bin hier authentisch und versuche trotzdem Beiträge so zu schreiben , anzupassen dass es für mich oder andere passend wird.

Ich trage im Bezug zum ADHS außerhalb einerseits keine Maske aber aber alles wo ich versuche zu kompensieren ist ja schon wie eine Maske und Medis wären es in dem Sinne ja auch.
An manchen Situationen leben ich mein ADHS gar frei und wild aus und doch weiß keiner von der Diagnose. Das verbergen ist ja dann auch schon wieder eine Maskierung.


Ich habe das auch nicht als Unterstellung verstanden. :slight_smile:

Ich muss sagen, seit dem ich ADxS auf dem Schirm habe fühle ich mich sehr viel wohler und ich habe dadurch das Gefühl bekommen mich selber nochmal ganz neu kennenzulernen.
Früher habe ich mich bei Reizüberflutung gefühlt wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Ich kann damit inzwischen ganz anders umgehen.

Authentisch sein bedeutet für mich vor allem, ob Ich mich wohlfühle, wie ich auf andere wirke ist mir privat letztendlich egal, weil sonst bleiben auch die Menschen die man nicht in seinem Leben haben möchte bzw. Die nicht zu einem passen.

Beruflich ist es bei mir ähnlich bzw läuft es auf sozialer Ebene sehr viel besser als privat.

Kann dir nur 100% zustimmen.

Ich denke, die Anpassung an andere erfolgt bei Neurotypischen automatisch, zumindest in verschiedenen vertrauten Umfeldern.
Da hat man ein Verhaltensrepertoire entwickelt - man weiß, wie „man“ bestimmte Signale wahrnimmt, welche Relevanz man ihnen zuordnet, und welche Reaktionen angemessen sind.
Das sind die klassischen Rollen: Berufsrolle, Elternrolle, Eltern-auf-Elternabend-Rolle, Einkaufendenrolle, Bahnfahrendenrolle usf.
Jedes Umfeld hat ja eigene kulturelle Regeln. Das merkt man dann, wenn man das Gewohnte verlässt - also z.B. im Ausland ist, wo die Rollen anders definiert sind. Da fühlt sich dann auch der Neurotypische so wie wir… Vielleicht auch ein Grund, warum viele Menschen mit ADHS gerne reisen: weil die jeweilige Rolle von ihnen nicht automatisch erwartet wird - also Kannitverstan als Ausrede…
Das Einnehmen einer Rolle ist damit auch nicht unauthentisch, es sind einfach andere Facetten der Persönlichkeit, die da in den Vordergrund rücken. Das ist vollkommen normal und erleichtert das (soziale) Leben ungemein.

Als Nicht-Neurotyische (ich verallgemeinere und schließe von mir auf andere…) haben wir mehrere Probleme: Wir nehmen mehr Signale wahr als andere, geben ihnen eine andere Relevanz und auch eine andere Bedeutung.
Wenn wir uns so verhalten, wie sich die Situation für uns darstellt, ist das für andere oft nicht nachvollziehbar.
Normalerweise unbewusst ablaufende zwischenmenschliche Begegnungen werden dadurch gestört.
Damit wirds auch für das „normale“ Gegenüber anstrengend…

Um das zu vermeiden, setzen „wir“ Masken auf. Im Gegensatz zur Rolle, die nicht bewusst eingenommen wird sondern sich jeweils aus der Situation selbstverständlich und unangestrengt ergeben sollte, ist das Maskieren bewusst und damit sehr anstrengend - wohingegen das Switchen in eine andere Rolle unangestrengt erfolgen würde. [
Das Erlernen der Rolle ist uns nur schwer möglich. Da ist dann die Frage, woher das kommt - aus unserer Schwäche, aus Erfahrung zu lernen?
Daher finde ich es wichtig, das auf dem Schirm zu haben. Die Tatsache, dass wir uns nicht anpassen können, die Rollen nicht erlernen können, macht uns nicht authentischer sondern höchstens anstrengender… es sei denn, wir treffen zufällig jemand mit ähnlicher Disposition. Wobei ADHS noch nicht bedeutet, dass man ähnlich tickt. Wie wir hier ja auch merken.

Richtiger wäre eigentlich, man würde „Rollen“ als „Identitäten“ bezeichnen und „Masken“ als „Rollen“. Das macht man nicht, weil sich das in der Wissenschaft anders entwickelt hat.


Ja, exakt so geht es mir auch.
Richtig spannend ist es, seitdem ich versehentlich eine Sozialwissenschaft studiert habe. Nicht nur, dass ich viele Erklärungen bekommen habe, sondern ich kann dem Treiben, das ich jetzt besser verstehe, auch ein bisschen amüsiert von außen zusehen… ok, es verführt zum klugsch**ßen, aber das ist halt so…

quote=Rocco post_id=12003 time=1594967751 user_id=714]
Beruflich ist es bei mir ähnlich bzw läuft es auf sozialer Ebene sehr viel besser als privat.
[/quote]

Auch das ist bei mir genauso, ich denke, da sind die Regeln klarer.


Argh. You name it.
Ist das nicht gruselig?

Interessant, die Sache mit dem Ausland: Ich habe im Ausland genauso den Anspruch, nicht aufzufallen. Was natürlich Quatsch ist…


Ja, geht mir genauso.
Aber sobald man als Ausländer erkannt wird, wird unsere Eigenheit darauf bezogen. Da bin nicht mehr „irgendwie eigentümlich“, sondern nur „nicht von hier“…

Also ich bin ja ein riesen Fan von Wissenschaft und finde auch sehr interessant was dabei rum kommt.
Aber nur weil die Wissenschaft sich entwickelt, kann ich doch meinen eigenen frame herstellen. Ich Wandel bzw transzendiere Information in die Verpackung um, die ich gut verarbeiten kann. Das ist für mich die wichtigste Errungenschaft für meine psychische Stabilität.
Denn ich finde Sprache und wie ich damit umgehe hat sehr großen Einfluss auf meinen kosmos.
Sprache wirbelt auf, zerstört, erschafft neues.


Musst Du sogar und machst Du ja auch. Das ist ja hier kein Kolloquium :lol: …
Selbst in den Wissenschaften wird sich auf ein und denselben Begriff unterschiedlich bezogen - aber der frame muss halt dann erklärt werden. Das ist lästig und aufwändig - manche Arbeiten bestehen gefühlt zur Hälfte aus Begriffsdefinitionen - aber halt die Basis des Verständnisses. Ich habe da echt ein Problem mit: Wenn ich einen neuen Begriff für mich definiert habe, gehe ich automatisch davon aus, dass alle den verstehen. Und wenn er mir gefällt, mir passt wie ein Schuh, dann mag ich auch keinen anderen mehr verwenden… :shock: :? - mei, das klingt irgendwie echt schräg …

Wenn Du auf Sprachregelungen zurückgreifen kannst macht es - auch und vor allem im Alltag - die Sache einfacher - zumindest wenn Du weißt, dass Dein Gegenüber die Regeln, die Du anwendest, kennt.
Sprache ist da ja ein Teil des „Rollen-Spiels“, der Maskerade. Sogar ein ganz wichtiger, als Teil von Kommunikation… Nicht umsonst bietet (bot?) Frau Neuhaus auch Kommunikationskurse für ADHSler an.
Das wäre was für mich - so eine schicke kleine Sprachmaske…

Ich hatte mich in meiner Lehrzeit sprachlich stark angepasst. Das bekomme ich bis heute nicht raus - aber das bin so überhaupt nicht ich, das ist wie eine Maske, die nicht mehr abgeht. Gruselig. Aber ich konnte dieses „Du bist ja so arrogant“ einfach nicht mehr hören… Jetzt, wo wir drüber reden merke ich, dass ich mich da so gar nicht anpassen mag, vor allem nicht mehr, seit ich weiß, dass ich ADHS habe. Hm. Muss mal ne Runde drüber Grübeln (-> Tagesfreizeit…)

Im Beruf muss ich auch die Maske tragen. Privat ist mir die Kraft dafür ausgegangen, wer mich mag mag mich, wer nicht na ihr wisst schon. Für mich ist auch das Verstellen im privaten Bereich verlorene Lebenszeit- und Qualität und ich muss da einiges nachholen, wo ich nur kann.

heja!
über genau dieses Thema denke ich zur Zeit viel nach…
ich weiß nicht, ob ich es mit dem „Masking“ von Menschen mit Autismus gleichsetzen möchte.

Ich trainiere mir nichts an, aber in bestimmten Situationen kompensiere ich so lange ich kann und versuche, mich neurotypisch zu verhalten. Je intensiver ich dabei „Kraft“ aufwenden muss, umso kürzer halte ich durch. Geht es zu lange, bin ich plötzlich so fertig, dass ich kaum sprechen kann. Nach einigen Minuten Ruhe und Pause und vor allem Rückzug gehts dann wieder…langesam.
Bei mir sind es vor allem Reize, optisch und akkustisch und Gleichzeitigkeiten, die mich so überfordern.

Aber im Gegensatz zum Masking trainiere ich mir nicht an, Blickkontakt zu halten oder ähnliche Sachen (wenn ich das richtig verstanden habe).

Ich würde es eher Anspruch an mich selbst, zu kompensieren, nennen.

Wie viel kompensiert ihr, wann und wo und warum?

Ich würde gern in meinem privaten Umfeld damit immer mehr aufhören. Aber ich möchte auch niemanden vergraulen. Und ich will auch nicht alle immer zulabern und über adhs aufklären und um verständnis bitten. Das nervt doch auch. Wie macht ihr das?

edit // PS: ach interessant! Da fällt mir gerade wieder ein, dass ich, als ich mir damals als Jugendliche eine Therapie gesucht habe, dass ich da mein Problem auch damit beschrieb, dass „ich nicht mehr funktionieren könne“… tja…