Medizinisches Cannabis bei ADHS - Kommentierte Sammlung von Studien

Gerettet von Anderswelt

Hallo liebes Forum,

in diesem Thread möchte ich Links zu wissenschaftlichen Studien zum Thema Cannabis bei ADHS sammeln. Meine Hoffnung ist u.a…

  • …dass ich damit bei der Zusammenstellung von Material für Anträge zur Kostenübernahme (KÜ) bei Krankenkassen helfen kann. Ich werde aber nicht ausschließlich positive Studien verlinken. Solche, die ich als geeignet empfinde für eine KÜ habe ich daher gekennzeichnet.
  • …ich die Möglichkeit gebe, Originaltexte zu lesen. Wenn in den Medien oder in Verbänden Studien herangezogen werden, dann können die Interpretationen vollständig gegensätzlich sein. Sprich A behauptet „Studie X beweist, dass Cannabis bei ADHS hilft“. B hingegen behauptet „Studie X beweist, dass Cannabis bei ADHS nicht hilft“. Dieses Phänomen tritt auch auf, wenn Studien andere Studien zitieren. Die Frage ist dann natürlich, was denn wirklich in Studie X steht.
  • Als Patient ist zudem hilfreich zu erfahren, welche Informationen die andere Seite überhaupt zur Verfügung hat. Während man bei sich selbst z.B. eine positive Wirkung bei ADHS verspürt, wundert man sich gleichzeitig, warum der Arzt diese Erfahrung belächelt auf gar keinen Fall Cannabis verschreiben möchte. Der Arzt hingegen hat vielleicht eine Studie gelesen, die ihn auf Patienten mit Cannabiserfahrung vorbereiten möchte, indem sie zwar auf annekdotisch positive Evidenz hinweist, gleichzeitig aber darzulegen versucht, wie wirkungslos und gefährlich Cannabis bei ADHS sei (wo wir wieder bei Punkt 2 wären).

Das große Hindernis dabei ist, dass die meisten Studien hinter sogenannten Paywalls stehen. D.h. man muss als Normalsterblicher für den Zugang bezahlen, und zwar nicht zu knapp. Unter dem Open Access-Modell frei für jedermann verfügbare Studien habe ich mit OA gekennzeichnet. Diese können meist sogar direkt Online gelesen werden.
Um an die Studien hinter den Paywalls zu gelangen hilft es, wenn man Zugang zu einer Universitäts-Bibliothek hat. Diese haben die meisten wissenschaftlichen Journale abboniert und damit vermutlich auch Zugriff auf die hier verlinkten Studien. An Terminals in der Bibliothek sollte man sie also lesen können.
Es gibt auch noch andere Wege, an die Studien zu gelangen. Diese sollte ich hier aber nicht erörtern.
Alle Studien haben übrigens einen Abstract, das ist eine kure Zusammenfassung der Ergebnisse, der frei einsehbar ist. Viele interessante Informationen finden sich aber erst in den Volltexten.

Da im Forum Beiträge nach einiger Zeit nicht mehr editiert werden können, poste ich jede Studie als einzelne Antwort.

Natürlich würde ich mich freuen, wenn ihr die einzelnen Studien kommentieren und vielleicht sogar Tipps für weiteres interessantes Material geben könntet.

Medical Cannabis for Adult Attention Deficit Hyperactivity Disorder: Sociological Patient Case Report of Cannabinoid Therapeutics in Finland - 2018 - OA - KÜ

Im November 2018 publizierte Studie, die als Open Access verfügbar und auch für Laien verständlich ist. Zudem findet sich in der Einführung eine gute Übersicht über den aktuellen Forschungsstand. Daher ist diese Studie der perfekte Einstieg. Allerdings ist es eine Fallstudie (n=1), daher werden hier keine Allgemeingültigen Aussagen gemacht. Vielmehr soll diese Art der Studien zeigen „Seht her, da ist etwas, das sich zu untersuchen lohnt“.

[size=150]Cannabis verbessert Symptome der ADHS - 2008 - OA - KÜ[/size]

Wahrscheinlich der Klassiker unter den Studien zu Cannabis und ADHS und glücklicherweise Open Access. Auch hier wird ein einzelner Fall beschrieben. Erstaunlich ist die Jahreszahl - 2008 ist inzwischen mehr als eine Dekade her. Dargestellt wird der Fall eines Probanten, der an ADHS leidet und bei einer sehr hohen Konzentration von THC im Blut am Fahrsimulator normale bis überdurchschnittlich gute Leistungen erzielt. Sowohl bei ADHS, als auch bei Cannabiskonsum wäre eigentlich eine Verschlechterung zu erwarten. Das wird als Hinweis gesehen, dass Cannabis-Konsum bei ADHS-Patienten eine paradoxe Wirkung entfalten kann. Es wird auch beschrieben, wie Cannabis aus einem aggressiven, unverständigen ADHSler einen ausgeglichenen und verständnisvollen Probanden macht. Vermutlich war die Studie ein Augenöffner für viele, die sich in diesem Paradoxon wiedererkannten.

Zitat (Beschreibung des ADHS-Patienten unter Cannabis-Einfluss):

[size=150]Successful authorised therapy of treatment resistant adult ADHD with Cannabis: experience from a medical practice with 30 patients - 2015 - OA - KÜ[/size]

Kein Paper, sondern ein sogenanntes „Poster“. Dabei handelt es sich um eine Kurzzusammenfassung von Forschungsergebnissen, die auf einer wissenschaftlichen Konferenz präsentiert wird. In diesem Fall war das die „7th European Workshop on Cannabinoid Research and IACM 8th Conference on Cannabinoids in Medicine“.
Es handelt sich in diesem Fall um einen Bericht aus der medizinischen Praxis, in dem der Therapieverlauf von 30 ADHS-Patienten, die andere Präparate aufgrund von Nebenwirkungen nicht einnehmen können und daher Cannabis-Präparate erhalten, dargestellt wird. Das ganze ist noch aus der Zeit, als man in Deutschland für medizinale Cannabis eine Ausnahmegenehmigung gebraucht hat.
Wichtiger Punkt: Alle Patienten hatten bereits Erfahrung mit Cannabis, daher kann die Erfolgsquote von 100% nicht auf die Allgemeinheit der ADHS-Betroffenen übertragen werden.

Wahrscheinlich ist das ein guter Tipp, wenn euer Arzt oder eure Krankenkasse skeptisch ist. Eine Fremdbeobachtung (z.B. vom Lebenspartner) ist überzeugender als was ihr an euch selbst erkennt.

[size=150]Cannabinoids in attention-deficit/hyperactivity disorder: A randomised-controlled trial - 2017 - OA - KÜ[/size]

Hierbei handelt es sich sowohl um die derzeit wichtigste, als auch um die derzeit umstrittenste Studie und zum Glück inzwischen Open Access. Aufgebaut ist sie als randomisierte kontrollierte Studie, das ist quasi der Goldstandard in der medizinischen Forschung. Dabei werden die Patienten zufällig einer Gruppe zugeordnet, die den Wirkstoff als Therapie erhält und einer Placebo-Gruppe.
Die Studie ist sehr sorgfältig durchgeführt, trotzdem werden die Ergebnisse völlig unterschiedlich interpretiert:

Zitat Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis in der Medizin zur Studie:

Zitat aus einer Stellungnahme des Zentralen ADHS-Netzwerks:

Wir haben also ein und diesselbe Studie mit völlig konträrer Interpretation.
Einen Hinweis auf den Grund dafür gibt der Cannabis-Report 2018 der Techniker Krankenkasse:

Meine persönliche Kurzusammenfassung der Studie:

[list]

  • []Sativex wirkte bei den Teilnehmern ähnlich stark wie Stimulanzien und hatte vergleichsweise wenig Nebenwirkungen.

  • []Die Anzahl der Studienteilnehmer (insgesamt 30) war zu niedrig, um Zufall hinreichend auszuschließen (d.h. die Ergebnisse sind nicht signifikant).

  • [*]Eine Studie gleichen Aufbaus mit 84 oder besser 100 Teilnehmern würde Gewissheit schaffen.
  • [/list]

    Meine Kommentare dazu:
    Leider ist die einzige Studie zur Wirksamkeit von Cannabis (bzw. als Extrakt in Sativex) nach dem medizinischen Goldstandard zu klein ausgefallen. Meine Therapeutin meinte (noch bevor ich die tatsächliche Anzahl der Probanden nannte) dass man bei ADHSlern mindestens 100 Teilnehmer bräuchte. Die in der Studie berechneten 84 liegen in einer ähnlichen Größenordnung.
    Interessant finde ich, dass sich die oben zitierten Kritiker auf das statistisch nicht signifikante „primäre Ergebnis“ stützen (kognitive Leistungen) während die „sekundären Ergebnisse“ (darunter Hyperaktivität und Impulsivität), die als signifikant angesehen werden können, unter den Tisch fallen. Bei mir waren es aber gerade diese „sekundären“ Probleme von ADHS, die mir und meiner näheren Umgebung das Leben schwer gemacht haben.
    Die Verbessung der kognitiven Leistung könnte meiner Meinung nach noch deutlicher ausfallen, wenn statt Sativex ein THC-dominantes Präparat wie Bedrocan zum Einsatz käme.

    Zitate aus der Studie:

    Die Studie und deren Interpretationen ist ein Paradebeispiel dafür, warum man unbedingt die Quellen lesen sollte. Hier zum Beispiel nochmal die oben schon zitierte Stellungnahme des Zentralen ADHS-Netzwerks :

    Und hier dazu ein Zitat aus der Studie:

    Sprich die ADHS-Kernsymptomatik war Teil der sekundären und nicht der primären Outcomes. Und dort wurde auch ein nominell signifikantes, positives Ergebnis festgestellt. Das fällt in der Stellungnahme aber unter den Tisch.

    zu Cannabis bei ADHS : <LINK_TEXT text=„DocCheck News - DocCheck … -bei-adhs/“>http://news.doccheck.com/de/blog/post/5565-medizinischer-einsatz-von-cannabis-bei-adhs/</LINK_TEXT>

    <LINK_TEXT text=„DocCheck News - DocCheck … -bei-adhs/“>http://news.doccheck.com/de/blog/post/5607-cannabis-und-adhs-studie-zu-sativex-zeigt-keinen-signifikanten-nutzen-bei-adhs/</LINK_TEXT>

    Ich persönlich halte die Propagierung von Cannabis gegen ADHS für sehr gefährlich: Es wird dadurch eine ohnehin für Cannabis (und auch andere, viel härtere Drogen) überdurchschnittlich anfällige Personen-Gruppe, eben Menschen mit ADHS, zusätzlich gelockt…und nicht nur halbwegs gefestigte Persönlichkeiten werden angelockt, sondern viel mehr noch ungefestigte, unreife junge Menschen mit ADHS, die bis zum ca. 30. Lebensjahr diverse Weichenstellungen in ihrem Leben vor sich haben… man erweist Eltern von Jugendlichen mit ADHS, die ihrem 16-jährigen ADHS-Sohn das Kiffen ausreden und ihn zur stärkeren Beschäftigung mit schulischen Angelegenheiten animieren wollen, einen Bärendienst. Der sich ohnehin in einer schwierigen Lebensphase befindende Jugendliche kann dann sagen. „Aber das Kiffen ist doch gut gegen mein ADHS!“ …eine Zunahme an gescheiterten Schulkarrieren, abgebrochenen Berufsausbildungen und manchmal auch dem Einstieg in den völligen sozialen Absturz… daran machen sich fahrlässig agierende Propagierer von Cannabis gegen ADHS mitverantwortlich… <LINK_TEXT text=„http://www.faz.net/aktuell/wissen/droge … 19955.html“>http://www.faz.net/aktuell/wissen/drogen-in-der-medizin-cannabis-auf-rezept-14919955.html</LINK_TEXT> bzw.: „Und wir haben damit keine wirklich guten Erfahrungen gemacht. Es gibt Einzelne, denen die Mittel gut helfen, aber bei den meisten stellen wir die Behandlung nach kurzer Zeit wieder ein.“ Mangels Wirkung oder wegen zu vieler Nebenwirkungen.“ … der Artikel in der faz ist recht aufschlussreich, wie wenig berechtigt der Hype um Cannabis in der Medizin in Wahrheit ist… und zwar insgesamt und nicht nur bezogen auf Cannabis bei ADHS …

    Eine Freundin von mir mit ADHS-Diagnose hat mit 32 Jahren das erste mal gekifft, nach eigenem Bekunden, um ihre Migräne selbst zu therapieren. Die Folge war bei ihr eine Cannabis-induzierte Psychose mit darauffolgendem monatelangem stationären Psychiatrie-Aufenthalt. Ein einziges Mal Kiffen hat bei ihr dafür ausgereicht…und das im Alter von 32 Jahren. Es bestand bei ihr auch nach ein halbes Jahr später noch eine Residualsymptomatik der Psychose… Das nur mal als abschreckendes Beispiel für die Cannabis-Enthusiasten …

    Im Übrigen gibt es in der Bundesrepublik wie auch anderswo in Europa und in USA eine bedenkliche Entwicklung, Drogenkonsum insgesamt als Lifestyle oder gar medizinische Wunderwaffe zu bejubeln…laut Statistiken steigt in den letzten Jahren die Drogen-Kriminalität an, auch die zunehmende gesellschaftliche „Akzeptanz“ oder sagen wir Banalisierung insbesondere von Cannabis dürfte da ihren Anteil daran haben. Während man früher Cannabis , LSD , MDMA etc. überzogen kriminalisiert hat, scheint heute das gegensätzliche Problem zu bestehen, nach dem Motto: „Ist doch alles nicht so schlimm.“ Beides ist grundfalsch. ich denke nicht, das ein Dasein als unproduktiver „Versager, Kiffer, Loser“ für das Individuum oder die Gesellschaft erstrebenswert sein sollte…

    was massenhafter Drogenkonsum mit einer Gesellschaft anrichten kann, sieht man z.B. an Jemen, Somalia und benachbarten Ländern…in Jemen und Somalia ist jeweils quasi das gesamte Land im kollektiven Kat-Rausch…im Jemen wird statt Weizen nur noch Kat angebaut, sämtliches Getreide muss importiert werden…was das aggressiv machende Kath an Förderung des Terrorismus und islamistischer Strömungen in genannten Ländern alles „geleistet“ hat, sollte nicht unterbewertet werden…nun ist Kat zwar nicht direkt mit Cannabis vergleichbar, aber eben ein Beispiel, wie die kulturelle Akzeptanz einer Droge diese Gesellschaft zu Grunde richten kann… …anderes Beispiel: der massenhafte, kulturell dort akzeptierte Genuss des „Wässerchens“ in Russland…die durchschnittliche Lebenserwartung in Russland ist nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion um 20 Jahre gefallen…ein hauptsächlicher „Verdienst“ des Alkohols… wehret den Anfängen…

    ich habe für bestimmte leuchtende Beispiele aus dem ADHS-Spektrum, die in Foren mit ihrer Drogen- und Cannabis-Propaganda die Gesellschaft zersetzen und anderen Personen indirekt Schaden zufügen, keinen Respekt übrig !

    Niemand bestreitet, dass viele von ADHS Betroffene durch den Gebrauch von Cannabis ihr Leben subjektiv als leichter empfinden und Cannabis als Linderung ihrer Probleme erleben. Dumm nur, dass der Alki vom Bahnhof das ähnlich sieht, der sieht auch sein Leben durch den täglichen Konsum von Alkohol als erträglicher an. Mit Cannabis als auch mit Alkohol werden Probleme verdrängt aber nicht behoben. Und dass Cannabis „entspannt“ (die eher unvorteilhafte Wirkung auf die Schlafarchitektur klammern wir hier aus) , geschenkt. Aber bitte dann doch nicht unzählige Jugendliche deswegen zu einer möglicherweise Verpfuschung ihres Lebens animieren. Mann kann sich mit Gekiffe in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter viel verbauen. Da der Link davor nicht richtig funktioniert wohl hier noch die Stellungnahme von ADHS Deutschland zu Cannabis bei ADHS <LINK_TEXT text=„http://www.adhs-deutschland.de/desktopd … ead-10116/“>ADHS-Deutschland - Cannabis-Medikation bei ADHS: Ja oder Nein?</LINK_TEXT> , <LINK_TEXT text=„DocCheck News - DocCheck … -bei-adhs/“>http://news.doccheck.com/de/blog/post/7638-keine-empfehlung-fuer-cannabis-bei-adhs/</LINK_TEXT>

    …auch gerade bei ADHS möchte ich doch plädieren für Selbstwirksamkeit , für das an sich Arbeiten für den Glaube an sich selbst und an die eigene Stärke (die von Personen mit ADHS leider oft sozialisationsbedingt nicht wahrgenommen wird) und mich aussprechen gegen ein sich gehen lassen und sich fallen lassen wie ein nasser Sack und gegen die erlernte Hilflosigkeit . Da las ich zu dem Cannabis bei ADHS Urteil zufällig diesen Pressebericht ▷ Cannabis als Medikament - (An)erkannt und doch nicht bezahlt | Presseportal darin u.a. „…Aber wer wie der Kläger arm ist und Leistungen nach SGB bezieht, muss in diesem Land halt leiden. Der Skandal an sich!“ , ja, das ist möglicherweise oder mutmaßlich ein bischen so ähnlich wie bei einem anderen von ADHS Betroffenem , der auch auf Cannabis bei ADHS schwört <LINK_TEXT text=„http://www.augsburger-allgemeine.de/pan … 65657.html“>http://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/ADHS-Patient-will-sich-Cannabis-von-der-Kasse-zahlen-lassen-id36965657.html</LINK_TEXT> …man muss sich nur mal das Bild von dem Herrn Häßler in dem Artikel mit seiner Mütze anschauen…auf dessen Mütze steht in großen Lettern: „Dope“ …das sagt schon viel über diese Person… sorry, ich kenne nicht die genauen Lebensumstände des Klägers aus dem Cannabis bei ADHS Verfahren am Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen , aber ganz allgemein betrachtet, ADHS allein ist kein Grund, nicht arbeiten zu können und wer wirklich arbeiten will, der arbeitet zur Not als Kloputzer beim McDonalds oder am Hauptbahnhof und dann könnte man sich auch bestimmte Medikamente ohne Wirksamkeitsnachweis selbst finanzieren , aber allzu oft soll ja angeblich ADHS Schuld sein, weshalb man nicht arbeiten kann (will?). Das nennt sich dann primärer Krankheitsgewinn und auch sekundärer Krankheitsgewinn bei ADHS <LINK_TEXT text=„https://steemit.com/adhs/@nightshadow12 … 105058496z“>RE: ADHS Vorurteile und Unwissen : Teil 1 — Steemit</LINK_TEXT> , Regel Nr. 1 beim Psychiater und Psychotherapeut ist, die Situation des Patienten habe nichts mit Willensschwäche zu tun, der Patient sei nicht selbst schuld an seiner Misere usw… natürlich ist es so, dass es auch bei Patienten in Psychiatrie und Psychosomatik Willensschwäche , Faulheit , Charakterschwäche und pauschales Anspruchdenken an den Sozialstaat oder Flatrate-Mentalität gibt , dass darf man dem jeweiligen Patienten im direkten Kontakt gegenüber halt nicht persönlich ins Gesicht sagen, denken tut sich der Therapeut das wohl ziemlich oft. Es gibt halt Betroffene mit ADHS , die bringen sich ein und dann gibt es welche, die halten fast ausschließlich nur die Hand auf , hin und wieder und in manchen Fällen sollte man letzteren einfach mal sagen: Reißt euch gefälligst zusammen !!!

    Hm… es gibt doch inzwischen reichlich medikamentöse Alternativen. Warum zusätzlich Cannabis trotz Seines Suchtpotentials, das bei ADHS besonders ins Gewicht fällt? Ich halte eine klare Grenzziehung, was Medikation ist und was nicht, im Interesse aller Betroffenen für notwendig. Bitte keine Grauzone…

    @Overthesky Hier wirfst du jetzt aber wieder sehr viel in einen Topf, was ich für nicht besonders hilfreich halte! Bleiben wir doch beim Thema Cannabis bei ADHS… in dem vom Threadersteller beabsichtigten Kontext der Verwendung als Medikament- und nicht als Droge. Ich gebe dir völlig Recht, dass der unkontrollierte Konsum von Cannabis (vor allem in Jungen Jahren) viel kaputt machen kann und keinesfalls verharmlost werden sollte! Wir, als öffentliches Forum, haben natürlich auch eine Verantwortungspflicht gegenüber denen, die die Beiträge hier lesen und evtl falsche Schlüsse daraus ziehen könnten. Deswegen ist es bei solchen Themen so wichtig, genau zu differenzieren worum es geht und eben nicht, alles in einen Topf zu werfen! Es geht hier um medizinisches Cannabis, nicht darum es generell zu verharmlosen und schon garnicht, geht es um Alkohol, Kath oder sonstwas… der Unterschied, zwischen Drogen und Medikamentenwirkung… ist hier bei ‚unseren‘ anderen Medikamenten für dich ja auch kein Problem… :wink:


    Amphetamin hat, bei nichtmedizinischer Anwendung ja auch ein Suchtpotential… und für diejenigen unter uns, die mit den gängigen Medikamenten nicht klar kommen, könnte Cannabis in medizinischer Dosierung eine Alternative sein!


    Auch wenn es nur wenige sind, es gibt sie! Für mich persönlich ist das keine Option, schon allein weil ich es mir ziemlich schwierig vorstelle, alle 1,5h Stunden ‚nachzulegen‘ wenn man auf Arbeit oder sonstwo ist… aber ich komme ja zum Glück mit Elvanse gut klar :slight_smile:


    @Drei : Vielleicht schilderst du es hier in dem Thread nochmal, wie genau du es einnimmst…?

    Vielleicht sollte man im Thread-Titel das Wort ‚medizinisches‘ ergänzen?

    Der Reflex, Medikamente gegen AD(H)S mit Drogen gleichzusetzen langweilt mich inzwischen unendlich.
    Dieser religiös anmutende Diskussionsansatz auf BILD-Niveau ist mit Methylphenidat und Amphetaminmedikamenten, die fälschlich und völlig unsinnig mit Drogen gleichgesetzt werden, Jahrzehnte alt und hat Millionen Menschen den Zugang zu einer adäquaten Behandlung verwehrt.

    Dass diese schwachsinnige Verallgemeinerung heute noch gepflegt wird, und noch mehr, dass sie in einem Forum über AD(H)S von Menschen, die den Unterschied zwischen Drogen und Medikamenten hinlänglich kennen sollten, wieder angerührt wird, finde ich allerdings frustrierend.

    Overthesky: Was Du über Cannabis als Droge sagst, ist alles richtig.
    Nur: Du bist im falschen Forum.
    Hier geht es um Medikamente.

    Um es Dir emotional verständlicher zu machen:
    Stell Dir vor, jemand würde auf Beiträge von Dir regelmässig umfangreich über die Schädlichkeit von Dieselabgasen von LKW posten. Das wäre sachlich völlig richtig - wie Dein Beitrag. Und es hätte ebensowenig (nur viel offenkundiger) mit den Themen zu tun, die Du postest. Und egal wie sachlich richtig es ist würde es dennoch auf Dauer irgendwann Dich als Person (als LKW-Fahrer) diskreditieren.

    Nur mal so als Massstab: Bei den ADHS-Chaoten gab es eine sehr strenge Forums-Regel, dass AD(H)S-Medikamente nicht als Drogen bezeichnet werden durften. Verstösse wurden abgemahnt.

    Du versuchst mit Deinen umfangreichen Postings in diesem und in anderen Foren Wissen über AD(H)S zu verbreiten.
    Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.
    Im Ergebnis förderst Du das, was Du bekämpfst: stumpfsinnige Klischees.

    UlBre

    Finde ich eine sehr gute Idee, mach das von mir aus gerne!

    @UlBre was hältst du davon?


    Bin ebenfalls dafür, kann den Titel leider gerade nicht bearbeiten.

    Ich nehme es mit einem Vaporisierer ein, über den Tag verteilt ca. 100gm Bedrocan. Ich gebe ein wenig zerkleinertes Pflanzenmaterial in die Krautkammer des Vapos so dass gerade deren Boden bedeckt ist und nehmen einen Zug. Nach ca. 2-3 Minuten kann ich die Wirkung bereits abschätzen und eventuell mit einem kleineren zweiten Zug noch nachkorrigieren. Das ist aber nur sehr selten notwendig. Die volle Wirkung hat nach ca. 15 Minuten eingesetzt. Meine Konzentrationsfähigkeit verbessert sich schon nach wenigen Minuten, die Impulsivität braucht bei der Reduktion etwas länger. Nach etwa 1,5-2 Stunden nehme ich dann einen weiteren Zug um die Dosis zu halten. So geht es über den Tag bis zum Schlafengehen, wobei ich meinen Vapo nach drei Zügen neu befüllen muss.
    Früher habe ich nur etwa alle 3-4 Stunden vaporisiert. Ich habe dann mit kürzeren Intervallen experimentiert, was erstaunlicherweise nicht zu einer Steigerung der Gesamtdosis pro Tag führte. Inzwischen bin ich über eine Studie gestolpert, die das bezüglich anderer Patienten bestätigt.

    Es gibt auch andere Konsumformen, zum Beispiel oral als Extrakt. Damit hält die Wirkung länger an und man muss seltener nachdosieren. Aber ich habe dahingehend noch keine Erfahrungen.

    Wer in Deutschland medizinisches Cannabis verschrieben und die Kosten dafür von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen bekommt (KÜ) muss verpflichtend an einer Begleiterhebung des BfArM teilnehmen. Dorthin müssen Nebenwirkungen gemeldet werden und auch, wenn eine Therapie abgebrochen wurde und warum. Inzwischen wurden erste Zwischenergebnisse veröffentlicht (OA). Die Ausführlichen Daten finden sich im Bundesgesundheitsblatt (kein OA). Weder in den Folien, noch in der ausführlichen Version kommen die Worte Sucht oder Abhängigkeit vor. Sprich es wurde bei 4774 Patienten kein einziges Mal die Entstehung einer Suchtkrankeit gemeldet. Eine ähnliche Begleiterhebung läuft momentan in einem Nordeuropäischen Land (Link finde ich nicht mehr, RIP Anderswelt) mit mehr als 3000 Patienten und auch dort kein einziger Fall von Sucht.
    Es kann natürlich sein, dass die Ärzte ihre Patienten sehr gut screenen und bei Verdacht einer Anfälligkeit für Suchterkrankungen kein Cannabis verschreiben. Auch haben wir bei den Daten für Deutschland das Problem, dass ADHS-Patienten in Deutschland die KÜ überproportional häufig verweigert wird u.a. mit der Begründung, AHDS sei keine „schwere Krankheit“ (da gibt es sogar ein Gerichtsurteil dazu). Sprich AHDSler sind in den Daten der Begleiterhebung unterrepräsentiert.

    Ich selbst kann vielleicht noch meine persönliche Erfahrung beisteuern, wie medizinisches Cannabis bei mir in Bezug auf „Sucht“ wirkt. Ich hatte vor dem Beginn meiner medikamentösen Therapie noch Nikotin gedampft per E-Zigarette. Den Konsum hatte ich immer weiter reduziert bis es bei dem Ritual blieb, vor dem Einschlafen zu dampfen (heute weiß ich, dass Nikotin ebenfalls bei Cannabis wirkt und ich damit nur Selbstmedikation betrieben habe). Jedenfalls lag bei mir die E-Zigarette immer griffbereit neben dem PC und Abends habe ich gedampft. Ein paar Tage, nachdem ich die Therapie mit medizinischem Cannabis angefangen hatte, viel mir das Gerät neben meinem PC auf. Ich erinnerte mich. Damit hatte ich ja Abends immer gedampft. Aber an den letzten paar Abenden hatte ich ihm keine Beachtung mehr geschenkt. Kein Verlangen danach. Ich hatte geradezu vergessen, Nikotin zu mir zu nehmen.
    Ähnlich sieht es bei mir inzwischen mit dem Alkohol aus. Das Interesse daran ist ziemlich verflogen. Wo ich früher beim Weggehen oder Essen 2-3 Bier getrunken habe sind es jetzt eher 0-1. Und auch da bin ich kein Einzelfall. Bei sehr vielen Leuten geht im Zuge einer Behandlung mit medizinischem Cannabis der Konsum anderer Substanzen zurück. Momentan wird geforscht, in wieweit medizinisches Cannabis Patienten unterstützen kann, die von diversen Substanzen herunterkommen wollen (Alkohol, Nikotin. Kokain, Opiate, diverse verschreibungspflichtige Medikamente) und erste Ärzte setzen es dafür in der medizinischen Praxis ein. Ist aber nicht mein Spezialgebiet…

    Ich sehe durchaus einige Gründe, warum meiner Meinung nach medizinisches Cannabis gleichberechtigt neben den sonstigen ADHS-Medikamenten bestehen sollte und nicht nur als Third-Line-Rettungsanker. Hierzu aber mehr in einem anderen Post. Als Stichpunkte:
    [list]

  • [*] Kein Rebound
  • [*] Keine negativen Auswirkungen auf den Schlaf (sondern sogar förderlich)
  • [*] Hilft auch bei einer Reihe von Komorbiditäten wie Depressionen, Tics, Schlafproblemen usw.
  • [*] In meiner SHG habe ich Menschen kennengelernt, die panische Angst vor Pillen zu haben scheinen. Jedenfalls gibt es wohl eine Art von ADHSler, die Pharmaprodukte rigoros ablehne. Allen war gemein, dass sie ihr ADHS ausschließlich "chemiefrei" in den Griff kriegen wollten mit Therapie, Neurofeedback, Meditation usw. Dieser Schlag von ADHSlern könnte denke ich profitieren, wenn ihnen eine natürliche Medizin angeboten wird. Denn ich persönlich denke, dass man am besten beides kombiniert. Medikamente und Therapie etc.
  • [*] Es gibt viele Leute, die zum Zeitpunkt ihrer Diagnose vielleicht schon einmal Cannabis illegal probiert haben und einen positiven Effekt auf ihre ADHS-Symptomatik verspürt haben. Die aktuelle Situation ist leider die, dass sie Angst haben, davon ihrem Arzt zu erzählen, weil sie dann als Süchtlinge abgestempelt werden könnten und dann gar die weitere Medikation verweigert wird. Warum sieht man es nicht anders herum? Diese Leute wissen bereits, welches Medikament bei ihnen gut helfen würde und kennen wahrscheinlich auch schon die Nebenwirkungen. Warum sollte man diese Patienten dann überhaupt etwas anderes als Cannabis geben und sie damit den Risiken und Nebenwirkungen der anderen Präparate aussetzen?
  • [*] Mit medizinischem Cannabis können Therapeuten die Wirkung bei ihren Patienten live verfolgen. Ich habe das einmal miterlebt, wie ein ADHS-Patient sich innerhalb weniger Minuten verändert, nachdem er zum ersten Mal in seinem Leben medizinisches Cannabis gedampft hatte (er war nachdem er es verschrieben bekommen hatte zur ersten Einnahme mir gekommen damit ich ihn in die Dosierung etc. einführen konnte). Ich denke das sollten Therapeuten auch einmal miterleben. Normale Medikamente wirken ja immer so langsam...
  • [/list]

    Habe den Titel des Threads um den Zusatz „Medizinisches“ erweitert.

    Scheinbar ist aber nur der erste und dieser Post von der a Änderung betroffen…

    PM geht noch nicht bei mir.

    Mit welcher Temperatur verdampfst du ?

    Danke, Grüße

    @Skuzy Du brauchst dafür nur noch 2 Beiträge (insgesamt 5) Dann kannst du auch im Mitgliederbereich lesen/schreiben… :wink:

    LG, Anders

    Ich dampfe quasi Vollspektrum bei 210°C, viele Leute mögen aber eher den Bereich von 180-190°C

    i Know :slight_smile: , Danke

    Danke

    bedrocan ist eher indica oder sedativa ?


    Sativa… :mrgreen: