Hallo Tati77,
vorab: ich habe nicht alles durchgelesen.
Dein Sohn ist 19 und ich finde, trotz ADHS ist er in einem Alter, in dem er definitiv daheim mithelfen muss, solange er bei euch lebt. ADHS ist keine Entschuldigung für alles. Manche Sachen fallen einem schwerer und es ist natürlich bequemer, sich nicht einzubringen. Kannst du nicht mit ihm reden, wie ihr die Aufgaben NEU aufteilt? Dass er mitreden / entscheiden kann, was aber übernehmen möchte, aber du ihm klar machst, dass er auch was machen Muss? Mit meiner 17-jährigen diskutiere ich auch immer wieder - sie putzt 1x in der Woche die Bäder, Dauer ca. 30min -, aber diese Diskussionen lohnen sich auf lange Sicht! Keines meiner Kinder würde von sich aus einen Handgriff machen, aber das gehört für mich einfach dazu. Es kostet anfangs Unmengen an Diskussionen, aber mit der Zeit wird es weniger 
Mein Jüngster ist 13 und so ein “Null-Bock-auf-Schule-Typ”. Ich habe ihn jetzt 2 Jahre schulisch total unterstützt, seit er die Diagnose ADHS hat, weil er es anfangs alleine überhaupt nicht hingekriegt hat und auch Lücken hatte. Aber ich merke, dass er dadurch null selbständig geworden ist, sondern sich im Gegenteil total darauf verlässt, dass ich ihm vor der nächsten Schulaufgabe schon wieder seinen A*** rette. Ich habe auch ADHS und explodiere dann auch mal, wenn das Fass überläuft. Letzthin war es so weit, während ich mit ihm Englisch gelernt habe. Er war nur noch motzig, hat sich da absolut im Ton vergriffen, aber erwartet, dass ich ihm all das beibringe, wozu er in den letzten Wochen zu faul zum lernen war. Ich habe dann spontan abgebrochen und ihm klar gesagt, dass ich ihm immer helfe, wenn er Hilfe braucht - aber die Initiative muss von ihm ausgehen. Das heißt: er muss lernen und DANN frage ich ihn ab. Er muss ein Referat vorbereiten und DANN mache ich Verbesserungsvorschläge. Und wenn er sie dann nicht umsetzen will, akzeptiere ich das und er gibt es so ab. Ich bin der Meinung, er muss definitiv auf die Schnauze fallen, sonst lernt er es nie. Bislang war ja immer die Mama da, die ihm seinen Allerwertesten gerettet hat, es bestand keine Notwendigkeit etwas an seinem Arbeitsverhalten zu ändern. Jetzt muss er ein Stück weit selber Verantwortung übernehmen. Die ersten schlechten Noten hat er kassiert, jetzt hat er einen gewissen Druck und dadurch zumindest etwas Motivation - er will nämlich die Schule NICHT wechseln.
Ganz alleine machen würde überhaupt nicht klappen, ich erinnere ihn also regelmäßig, frage nach, sage ihm was er tun soll usw. Wenn er aber partout nicht will, muss er dann halt mit den Konsequenzen leben. Ich glaube, er braucht zum einen einen gewissen Druck von außen und zum anderen mich als “Antreiber”. Aber ich gehe kaputt, wenn ich weiterhin seine Privatlehrerin spiele. Und auf Dauer bringt es ihm gar nichts, weil er dann zwar irgendwann mit der Schule fertig ist, aber null Selbständigkeit gelernt hat. Ich würde dir deshalb empfehlen, deinem Sohn mehr zuzumuten und ihm knallhart seine Aufgaben zu übergeben. Wenn er sie nicht macht gibt es Konsequenzen - da musst du mal überlegen, was für ihn passt. Wenn meine 17-jährige 1/2 Woche in Verzug ist mit Bad putzen, obwohl sie von der Schule her genug Zeit hätte, drohe ich ihr z.B. an, dass ich sie nicht mehr mit dem Auto fahre (wir wohnen sehr ländlich), bis das erledigt ist. Das finde ich völlig legitim, mein Arbeitgeber erwartet von mir auch, dass ich meine Arbeit fristgerecht erledige.
Ich könnte mir außerdem vorstellen, dass bei deinem Sohn die medikamentöse Einstellung noch nicht optimal ist und da evtl noch Verbesserungspotential drin ist.
Mein 13-Jähriger ist übrigens auch kein Freund von zu viel Körperhygiene. Ich sage ihm alle 2 Tage, dass er Haare waschen + duschen sollte. Außerdem immer nach dem Sport. Was er damit macht, ist mir inzwischen egal. Von mir aus soll er stinkend in die Schule gehen, irgendwer wird ihm schon mal sagen, dass das eklig ist. Dann merkt er es sich vielleicht auch. Außerdem hat er ein Problem mit Schuppen, wenn er sich nicht spätestens alle 2 Tage die Haare wäscht juckt seine Kopfhaut brutal und er hat Schuppen ohne Ende. Aber auch das ist sein Problem, nicht meines. Ich nehme ihn allerdings z.B. zu Familienfesten nur gewaschen mit, ansonsten muss er halt daheim bleiben.
Er lernt leider nur aus Fehlern und die muss er halt jetzt machen. Er hat z.B. am Wochenende für 14:30 Besuch ausgemacht und es nicht geschafft, sich vorher zu duschen und anzuziehen. Trotz x Hinweisen meinerseits. Es war ja immer noch sooo viel Zeit, das schafft er locker usw. Stattdessen war er nur am Handy. Tja, die kamen dann aber schon um 14:23 - ratet mal, wer beim Klingeln seine Gäste nicht empfangen hat sondern hektisch Richtung Dusche geflitzt ist?! Und sich danach auch noch blöde Sprüche anhören musste?! Aber das wirkt mehr, als wenn die Mama sich stundenlang den Mund fusselig redet.