Zu meiner Zeit ist der Bus stehen geblieben wenn man am Handy Telefoniert hat. Gemecker gabs auch von allen Seiten. Ich wars aber nicht der Telefoniert hat.
Ich fand das Buch von Barkely ganz gut „Das große Handbuch für Erwachsene mit ADHS“ hat mir viel geholfen, zumindest die ersten 1 1/2 Jahre… dann wurde es zusätzlich kompliziert im Kopf, naja wars eigentlich schon immer, wusste ich nur nicht so richtig. Aber ein bisschen ist tatsächlich hängen geblieben von dem was da drin stand, wird auch nicht so viel rumgeredet sondern ist eher Lösungsorientiert.
In „guten Zeiten“ bekomme ich sogar tatsächlich etwas davon umgesetzt, zumindest ein bisschen. Ich will die Hoffnung nicht aufgeben. Bin aber auch schon ein älteres Kind mittleren alters, wenn man das so sagen kann.
Du kannst von ihm verlangen, dass er dich respektvoll behandelt und dich nicht beleidigt. Das kann auch ein ADHS-ler.
Das heißt, es wird nicht immer klappen, aber trotzdem steht es dir zu. Wenn es ihm passiert, dass er doch mal ausfallend geworden ist, dann sagt er eben, es tut mir leid, Mama.
Aber wenn er sich weigert, um Entschuldigung zu bitten, weil er ist ja nicht schuld, er hat ja ADHS - so geht es nicht. ADHS zu haben ist scheiße, aber Verantwortung für seine Scheiße muss man übernehmen!
Nein, du hast nicht nichts zu sagen, du hast so viel zu sagen, wie er dich lässt. Wenn er einverstanden ist, dass beim Arztgespräch seine Mutter dabei ist, weil er sonst die Hälfte vergessen würde, dann wird das die Ärztin auch dulden.
Und wenn nicht, dann nicht. Das wäre aber bei einer ambulanten Wohnbetreuerin oder einer rechtlichen Betreuerin auch nicht anders. Er ist erwachsen und beteiligt jede helfende Person freiwillig, die Entscheidung liegt bei ihm.
Wow, danke für deinen Beitrag und deine Ehrlichkeit und Offenheit!!
Als erstes möchte ich dir gratulieren, dass du es aus alledem raus geschafft hast! Ich habe einige Bekannte und Verwandte, die das so nicht hinbekommen haben. Gerade Spielsucht kann so hartnäckig sein.
Als Mutter von drei Söhnen, zwei davon in der Pubertät plus ADHS, der älteste auch seeehr zock-affin, finde ich deine Einschätzungen unglaublich hilfreich und sie bestätigen mein Gefühl, was da wichtig ist.
Die Abgrenzung, wie du sie beschreibst, hat für mich etwas mit liebevoller elterlicher Führung zu tun und dem Jugendlichen/erwachsenen Sohn zu ermöglichen, selbst seine Erfahrungen machen zu dürfen, auch wenn sie schmerzhaft sein mögen. Aber als Eltern können und sollten wir unseren Kindern diese (schönen UND leidvollen, beides gehtört zum Leben dazu) Erfahrungen nicht nehmen, das beschränkt sie ja auch in ihrem Streben nach Autonomie und Selbstbestimmung. Das bedeutet für mich, ich darf mich um meine Ängste, Sorgen selbst kümmern und übernehme Verantwortung dafür, dass ich loslassen kann…sagt sich so leicht.
Für Tatjana: Ich finde auch die Suchtberatung eine sehr gute Idee und würde das als Erstes angehen, solange die Sucht besteht und er zu Hause wohnt, wird er wahrscheinlich nichts anderes auf die Reihe bekommen.
Ich finde die Arbeit von Kathy Weber bezüglich Erziehungsfragen sehr sehr toll, habe auch diesen Kurs bei ihr gemacht und höre regelmäßig ihren Podcast. Hat meinen Blickwinkel auf meine Kinder, unser Zusammenleben und meine eigenen Erfahrungen sehr verändert.
Ein Recht drauf hast Du nicht, da er volljährig ist. Aber er könnte Dich trotzdem als Begleitung mitnehmen, wenn er es möchte. Dann kann auch ein Arzt nichts dagegen sagen.
Ich denke, Du hast ihm bisher zu viel abgenommen, weil Du ihm helfen wolltest. So lange Du seine „Hängematte“ bist, wird er nicht selbständig werden. Er weiß ganz genau, dass Du immer für ihn die Kohlen aus dem Feuer holst. Wozu soll er sich da selbst anstrengen?
Wir sind eine „ADHS-Family“ - meine beiden Kids und ich sind diagnostiziert und nehmen Medis, mein Mann ist ziemlich sicher auch betroffen, lehnt aber eine Diagnostik oder Medikamente für sich ab. Kann er machen. Ist sein Leben und sein Körper. Ich schone ihn aber trotzdem nicht. Er muss genau so seinen Beitrag zum Familienleben leisten, wie ich.
Mein Sohn ist 16 und scheint Deinem ziemlich ähnlich zu sein. Duschen, Aufstehen, Zocken, Zimmer… Aber hier gibt es ganz klare Regeln, die für alle gelten:
Jeder wird genau 1x geweckt (Ich mache den Weckdienst, weil ich meistens noch am Besten aus dem Bett komme). Ab dann hat jeder selbst dafür zu sorgen, dass er aufsteht. Verpennt er und verpasst seinen Bus - persönliches Pech. Muss er zusehen, wie er in die Schule kommt und hat halt unentschuldigte Fehlstunden. Dafür schreibe ich auch keine Entschuldigung. Ich muss morgens auch zur Arbeit und kann nicht ewig Teeny-Wecken spielen.
Duschen (betrifft nur den Sohn): Er wird 1x daran erinnert/darauf aufmerksam gemacht, dass eine Dusche fällig ist. Duscht er nicht - geht er halt müffelnd in die Schule. Mein Sohn war auch schon müffelnd und mit ungeputzten Zähnen zum Termin bei der Kinder- und Jugendpsychiaterin - mit mir gemeinsam. War es mir peinlich? Nein! Die Thematik war dort bekannt. Sie wusste also Bescheid und hat das dann auch noch mal von sich aus angesprochen. War dem Sohn ziemlich peinlich. Seitdem klappt es etwas besser.
Ich erinnere jeden Freitag daran, dass die Schmutzwäsche in den Keller gebracht werden soll. Was nicht da ist, wird nicht gewaschen. Ja, das ist schon blöd, wenn man irgendwann nur noch dreckige Klamotten im Zimmer rumfliegen hat und Mama sich nicht am Donnerstag Abend hinstellt und die Lieblings-Jeans wäscht, weil Teenager sie unbedingt am Freitag anziehen will, sondern stattdessen nur erklärt, wie die Waschmaschine funktioniert.
Wenn ich nach der Arbeit Hause komme und die Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld, darf der Verursacher sofort antanzen und das beseitigen.
Fürs Geschirr aus dem Teeny-Zimmer zurück in die Küche bringen, gibts eine 30-Minuten Deadline. Ist das Geschirr dann nicht im Geschirrspüler, geht das Internet aus.
In der Schulzeit ist das Internet ab 21.30 Uhr sowieso für die Teenager aus. Findet mein Sohn sogar gut, weil er selbst weiß, dass er sich da nicht regulieren kann.
Respektlosigkeiten und Beleidigungen lassen wir Eltern uns nicht bieten. Bei solchem Verhalten wird jedes Gespräch sofort unterbrochen und alle Beteiligten bekommen Zeit zum „Runterfahren“.
ADHSler können durchaus Regeln einhalten. Die müssen aber auch konsequent durchgesetzt und eingehalten werden. Ohne Ausnahme. Sobald man was schleifen lässt, fängt man wieder von vorne an.
Also wenn Dein Sohn ungeduscht zur Therapie oder sonstwohin geht - dann ist das so.
Wenn er gar nicht zur Therapie geht, weil er verschlafen hat, dann ist das auch so.
Wenn er mehr Geld ausgibt, als er hat, dann ist das auch so. Er muss lernen, mit den Konsequenzen seines Handelns (oder Nicht-Handelns) umzugehen.
Das wird er aber nicht, wenn Du ihn immer wieder vor den Konsequenzen bewahrst. Dadurch lernt er nämlich nur, dass Mama es schon richten wird, wenn er mal wieder Mist baut.
Und Du musst lernen, es auszuhalten, wenn er Die Suppe auslöffelt, die er sich eingebrockt hat. Du kannst ihm Tipps und Hinweise geben (sofern er es zulässt) - aber machen muss er es selbst.
Und auch wenn sich das alles bestimmt ziemlich böse liest:
Ich denke, Du bist eine liebevolle Mutter und willst nur das Beste für Deinen Sohn. Bisher hast Du halt nicht den richtigen Weg gefunden. Einfach wird es wohl nie sein. Aber es kann besser werden!
Deshalb denke ich ja, irgendeine Art von betreutem Wohnen wäre ideal - dann ist da noch jemand, der hinschaut, der sich aber emotional einfacher abgrenzen kann, weil er/sie nicht die Mutter/der Vater ist.
Ich würde mich wirklich mal über eine Therapie informieren wenn alles andere scheitert. Eigentlich noch vor dem betreuten Wohnen. Es wäre ja schön wenn er in der Therapie in die Bahn kommt und es den Startschuss gibt um angenehm miteinander zu leben und/oder er dann stark genug ist seinen eigenen Weg zu gehen.
Hier kannst du mal reinschauen um einen Eindruck zu bekommen, wie solche Einrichtungen aussehen. Dort wurde auch im Anschluss an betreutes wohnen vermittelt, wenn man entschieden hat danach noch was begleitendes zu machen. Dort findet man die Zeit sich auf sich zu konzentrieren. 3 Monate weg von daheim, kein Handy. Besuchen könnt ihr an Wochenenden und nach einer Zeit darf man auch über das Wochenende auch mal heim.
Ist halt echt schwierig weil es kein richtig gibt. Ich kann mich in euch beide gut reinversetzen. Dein Sohn der sehr wahrscheinlich selbst nicht weis wie es anders geht oder was ihm fehlt. Und auch in dich, die Ängste was falsch zu machen oder das Gefühl nicht helfen zu können. Das du dich austauscht, Lösungen suchst, abwegst was das Beste ist, zeigt schon das du alles in deiner Macht stehende versuchst.
Bei mir war es z.B ein unbehandeltes ADHS, dann kam die Sucht, dadurch natürlich auch Depressionen, wobei man mit ADHS sowieso schon anfällig ist. Und es war so, dass die Sucht die größte Baustelle war. Nachdem die überwunden war, war es erst möglich eine Routine aufzubauen, die Medikation ordentlich einzustellen wie dann auch zu heilen.