Nichts versaut einem ADHSler mehr den Tag als ein Termin um 17:00 Uhr

Das ist ein gutes Bild

Dabei fällt mir etwas ein, was ich mal auf Instagram gesehen habe:
Da sitzt ein Typ und will seine To-dos für den Tag aufschreiben
Anstatt untereinander, schreibt er sie aber alle über einander, so dass letzten Endes gar nichts mehr lesbar ist
So kommt es mir bei mir manchmal vor

Wichtige Aufgaben schreibe ich mir mittlerweile auch in den Kalender und im Job nutze ich die Aufgabenfunktion in Outlook

Nur für die kleinen, alltäglichen Aufgaben fehlt mir sowas

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Das ist mir auch schon aufgefallen, dass man z.T. rein auf mentaler Ebene es nicht zustande bringt, etwas anzugehen.
Das Körperliche, als das körperliche Gefühl kann (bei mir) ein gutes mentales Gefühl gleich eliminieren…
Heute konnte ich das gut beobachten: ich sah Spuren von meinem Hund… das stresste mich gleich, gab mir ein körperlich schlechtes Gefühl - wirkt sich gleich in meiner Brustgegend aus - und die Ruhe und die Ideen waren gleich weg.

Ich mache mir ja am frühen Morgen immer Notizen. Wie fühle ich mich vor dem Aufstehen, nach WC-Gang, und eben nach aufstehen. So sehe ich klar, dass ich mich im Bett und aufgestanden z.B. anders fühle.
Sehr oft, bin ich beim aufstehen noch ganz klar, und die Wolken kommen dann nach dem Aufstehen, und die Gedanken, Befürchtungen und Ängste können sich hochspielen.
Heute kam ich am Kaffeetisch dann wieder zu einer gewissen Ruhe, zum Glück.

Effektiv, bei mir ist es so - dass ich mir quasi in jedem Zustand der Befindlichkeit überlegen, ja gar ausprobieren muss, was geht… Selbst mentales Unwohl i.a. ist nicht ein NoGo für gewisse Arbeiten. Das ist noch merkwürdig, ist anders als die „Blockaden“ oder kann zwar auch eine Hürde/Blockade sein, aber eben anders.
Sehr oft hilft es ja noch, in eine Routinetätigkeit zu gehen, wenn sonst nichts geht.
Am Laptop ist alledings mein Lieblingsplatz… (war auch in IT tätig, so ist Tastatur eindeutig eine Routine-Tätigkeit).

Das ist ja eine sehr interessante Frage
Bei mir stecken oft Ängste dahinter, z.B. auch, „bin verspätet, sollte nicht sein und Gefühl deswegen ein Gefühl von starkem unwohl“, wo ich dann am liebsten den Kopf in den Sand stecken würde (Straussen machen das ja anscheinend nicht, aber ich gerne:-)
Vielfach steckt bei mir die Angst vor Suche im Nacken, allgemeine die Angst keine Zeit zu haben - denn schon nur der das Gefühl ev. Suchstress zu haben, wirkt aufs Zeitgefühle „sehr aufwändig“, „Zeit reicht nicht“ (auch die real mögliche Opton einen Unterbruch zu machen - spüre ich nicht mehr, ich sollte ja, es sollte ja schon).

Anscheinend sind die Ängste grösser als die Vorteile die man durch die Erledigung hätte… sehr merkwürdig

langweilige Arbeiten kann ich schon anfangen - aber nur 1/2 Stunde dranblieben… dann Sättigung und finito.

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Auch da kommt bei mir dann immer gleich die nächste Frage: „warum?“

Exkurs: kennt ihr die Five Why Methode?

Im Grunde meines Herzens bin ich ein extrem strukturierter Mensch und interessiere mich deshalb für solche Dinge wie Six Sigma, wenn das jemandem was sagt

Da bin ich sogar zertifiziert. :joy:

Das sind zwar Methoden, die in Unternehmen angewendet werden, die kann man aber in vereinfachter Form durchaus auch aufs private übertragen

Wenn ich mal dran bin, kriege ich es meistens auch fertig. Kommt halt immer drauf an was es ist und wie komplex

Aber das anfangen!!! :scream:

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Ich bin erst am Anfang der Aufarbeitung und Analyse meines Lebens - jetzt nachdem ich vor ~8 Wochen mit 50 meine ADHS Diagnose bekommen habe.

Mir ist bei mir aufgefallen das die Art des Termins einen enormen Unterschied macht. Im beruflichen Kontext haben Besprechungen und Termine nie solche Probleme gemacht, egal wie wichtig sie waren. Aber alles was dort nicht reinpasste - wie z.B. Arzt-Termine - hat bei mir genau das ausgelöst was du beschrieben hast.
Nach der anfänglichen Vermutung, dass es bei mir Teil eines Coping-Mechanismus ist um nicht zu spät zu einem Termin zu kommen glaube ich inzwischen zu erkennen, dass der Kontext-Wechsel bei mir der Hauptgrund ist. Je grösser die mentale Distanz zwischen dem Termin und dem aktuellen mentalen Kontext ist desto stärker stört es meine Konzentration. Wenn der Termin wie von dir beschrieben um 17:00 ist bringe ich praktisch den ganzen Tag nichts produktives mehr zu stande.
Vermutlich ist das der Grund warum ich irgendwann unterbewusst so viele Termine wie möglich auf den Vormittag gelegt habe.

Noch etwas ist mir bei mir aufgefallen: Auch wenn der Termin am Vormittag ist dauert es nach dem Termin noch 1-2h ich mich wieder auf das konzentrieren kann was ich eigentlich machen wollte oder sollte.

VG
SD

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Ahso :bulb:

Ja, das macht Sinn und würde auch zu einem typischen ADHS Symptom passen: Taskwechsel Schwierigkeiten

Das kostet halt viel Energie oder um das Bild mit den Türen zu verwenden: die Tür sieht schon so schwer und fest verschlossen aus, dass allein die Vorstellung, sie zu öffnen, anstrengend ist

Das finde ich dann quälend, beim Beispiel 17.00h Termin. Es gibt ja so viele Möglichkeiten, was dabei herauskommt.

Aber die Blockade bei mir ist auch Biographisch. Ich wusste früher schon, dass ich keine Hausaufgaben mache, etwas verplane, und der Anmecker-Schock sitzt tief.
Allein schon beim Wort Termin bekomme ich Blockaden. -Dann wird gemeckert!
Und es stimmt, morgens bin ich dann noch Aufnahmebereit. Aber erst gegen Mittags, da ich morgens Stundenlang im Hirnnebel bin. Da hilft auch kein Kaffee.

Same here…bei Terminen bin ich immer überpünktlich. Bin immer 15-20min früher da.
Ich hasse es nämlich selbst wenn andere Menschen zu spät sind.
Ich lege in meiner Spätdienstwoche die Termine ziemlich früh morgens, damit ich das dann für den Vormittag hinter mir habe. Mich stresst es einfach, wenn der Termin mitten im Vormittag ist. Ich hab dann vorher keine Lust was zu machen, weil ich alle 10min auf die Uhr schauen muss um den Termin nicht zu vergessen. Ist der Termin dann erst im Mittag rum, dann stresst es mich das ich nicht pünktlich zur Arbeit komme.
Ich mag keine Termine, das löst in mir ein Gefühl von „Verpflichtung“ aus. Mein ADHS Hirn mag keine Verpflichtungen.

Natürlich gibt es auch Termine wo ich mich anfangs drauf freue, aber wenn es dann soweit ist, hab ich plötzlich keine Lust mehr drauf.
Wer kann mir da eine Erklärung für geben?

Es ist einfach schrecklich…

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Eigentlich haben „wir“ alle mit Anhaftungen, Ängsten, Zwängen und Blockaden zu tun, die uns in eine Handlungsmuster zwängen.
Das unterscheidet „uns“ IMO nicht von den Neurotypical.
So ist ja die „Behandlung“ (oder vielmehr die Hilfe) für AD(H)Sler im Bereich, dass wir unser Verhalten ändern und besser mit diesen Sachen umgehen.
Es gibt halt Sachen, die uns stärker betreffen wie:

  • Alles oder nichts
  • zuviel aufs Mal
  • zu starker Anzug, was wir genre machen
  • grosse Ablehnung, was wir langweilig finden u.s.w.
    Alle Punkt sind ja eigentlich urmenschlich, und nicht alleine auf AD(H)S bezogen, und doch müssen „wir“ uns dessen bewusst sein, und mit gewissen Dingen halt anders umgehen.

Ich bin im Grunde genommen auch recht strukturiert, als IT-Analytiker und ich liebe im Grunde genommen ORDNUNG.
Auch wenn ich ein Fan bin z.B. vom Arbeittechnik-Buch von Michael Le Boeuf oder allerlei Techniken - ich spüre z.T. dass ich anders funktioniere, und gewisses extrem schwierig bis unmöglich zu implementieren ist. Gerade die Planung.
Es ist für mich fast unmöglich ohne Motivation-Impuls etwas anzugehen. Und dieser Impuls kann ich manchmal eben nicht aus mir selbst generieren, wenn mich die Sachen nicht interessiert.
Umgekehrt kann ich aber in meinem Haus rummarschieren, und sehe da was, und dort was - und ich kann durchaus die Sachen dann angehen. Aber eben bin ich kaum fähig „einen Ecken“ zu räumen (als gesamter Ecke). Bis anhin schaffe ich es einfach nicht, obwohl das fast eine Voraussetzung wäre, um mit Ordnung voranzukommen.

Dann gibt’s durchaus Zeiten, wo ich es kann, einen ganzen Schrank umzuräumen, aber ich muss es dann auch angehen, wenn mal so ein „Slot“ aufpoppt. Ich kann das unmöglich planen.
Zudem ist es mir zuwider auch mit Leuten was in Angriff zu nehmen, wenn ich innerlich für etwas nicht bereit bin.
Zusammenfassend „mein Problem“.
Heute morgen habe ich noch einen längeren TB-Eintrag geschrieben - es geht ja immer um diese diffusen Ängste
https://adhs-forum.adxs.org/t/paeddis-motivation-lab/17188/46?u=p%C3%A4ddi

Ich frage mich grade was es mit uns machen würde, wenn der Termin nicht um 17:00 Uhr wäre sondern um 16:59 Uhr?
Das hört sich trotz dieser nur einen Minute so anders an ? :crazy_face:

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Ich glaube, ich weiß, was du meinst. Bei mir ist es so ähnlich oder vielleicht auch anders, aber wenn ich am Nachmittag (eigentlich egal wann) einen Termin habe, wird alles, was ich mir davor zu machen vorgenommen habe, überschattet vom Gedanken, dass dann ja noch dieser eine Termin ist. Wenn ich kann, lege ich Termine auf den frühen Nachmittag, dann ist es vorbei und ich kann nach hinten wieder „normal“ leben.
Mit Terminen meine ich „Außerordentliches“ wie zum Beispiel Therapie, Ärztin, Untersuchungen, etc., Dinge, die nicht regelmäßig täglich sind und nicht in den Bereich Freizeit gehören. Hast du das auch so gemeint? Ich bin übrigens auch eher zuverlässig und gut organisiert, relativ pünklich ebenso (Typ Punktlandung).

Ich weiß nicht, ob es wirklich mit ADHS zu tun hat, aber vielleicht schon … Hypervigilanz fällt mir dazu als Stichwort ein. Und Strategien für den Umgang damit habe ich leider nicht wirklich.
Ich versuche es mit Ausblenden, mal mit Erfolg, mal ohne.

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Ja genau, das meinte ich. :blush:

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Weil dann das Dopamin verpufft ist. Diese Vorfreude, Angst, Spannung vor dem Termin. Als ob er schon hinter einem läge.

Diese Slots sind bei mir auch unberechenbar, unkalkulierbar. Mein Hirn weiss um 7 Uhr nicht, dass es um 14 Uhr das Fahrrad repariert.

Die Überschrift deines Beitrags trefft es so exakt,daß ich herzlich darüber lachen konnte.
Liebe Grüße, ich bin neu hier.