Offener Umgang oder Privatsache?

Hallo,
ich würde gerne wissen,wie ihr damit umgeht.Offensiv oder eher defensiv ?

Ich für meinen Teil habe das der Kernfamilie und auch einigen Freunden mitgeteilt ubd überlege nun auch den direkt Vorgesetzten zu informieren.Wir haben eigentlich ein gutes Verhältnis und ich bin auch für meine Arbeit geschätzt in der Firma.Ich habe nur den Ruf,ein wenig Eigen zu sein und Konflikte gab es auch schon genug mit Kollegen.Ich möchte gerne aufklären und sagen das ich daran arbeite „ruhiger“ zu werden.
Ist das eine gute Idee oder soll ich davon Abstand nehmen und sie einfach die Veränderung wahrnehmen zu lassen ?

Mich würden da gerne andere Sichtweisen interessieren.

Nein, ich glaube das ist keine gute Idee.

Dann sag ihnen genau das (letzter Nebensatz). Aber nicht mehr und nicht konkreter.

Du kannst es aber auch lassen und abwarten dass es sich verwirklicht. Das wird in der Regel mehr anerkannt als Ankündigungen. Und auch dann nicht warum, sondern genießen und schweigen.

Psychische Störungen und deren Behandlungen sind ohnehin stigmatisiert, und für ADHS gilt das nochmal besonders. Wenn dein Vorgesetzter nicht selbst ADHS-betroffen ist oder seine Kinder, wird er ein eher verzerrtes Bild von ADHS haben.

Du könntest im Ansehen deiner Kollegen in der Psycho-Kiste landen, das möchtest du bestimmt nicht. Bei eventuellen Konflikten am Arbeitsplatz wird es dir eher nicht helfen.

Meine Frau und meine Kinder wissen natürlich Bescheid, wenige Freunde auch, meiner Mutter und meinem Bruder habe ich nichts gesagt, und in Arbeitszusammenhängen sage ich nichts.


Liebe Nunu,

ich würde dir empfehlen den Leuten es zu erzählen, die dir wichtig sind. Das können Freunde, Familie etc. sein. Trotz jeglicher Sympathien rate ich dir tunlichst davon ab es deinem Vorgesetzten zu erzählen. Das kann zwar die Situation für kurze Zeit entspannen, jedoch weiß du nicht wie es in Zukunft sein wird. Solche Informationen sind je nach Art des Arbeitsverhältnis für eine Kündigung nützlich. Also nicht böse gemeint! Ist halt eine schwierige Sache. Du kannst ja deinen Arbeitskollegen sagen, dass du manchmal ein wenig aufgedreht bist :slight_smile:

LG
Max

Danke für die Rückmeldung @Falschparker

Ein Teil hast du falsch verstanden.
Die normalen Kollegen sollen gar nichts davon wissen und sind auch nicht Ziel dieser Offenlegung.

Ich habe vor über 2 Jahren schon mal das Gespräch gesucht,weil die Therapietermine in der Arbeitszeit lagen und ich wöchentlich eher gehen oder später kommen musste.
Das passierte in aller Vertraulichkeit und den eigentlichen Grund habe ich auch nicht genannt.
Es ist derjenige der seit 5 Jahren die Hand über mich hält,auf meiner Seite steht wenn es um Konflikte geht und nachvollziehen kann,dass es mir um das große Ganze geht.
Ich soll nur ruhiger werden und das anders transportieren.
Für mich wäre es ein Zeichen was zurückzugeben und mitzuteilen das ich jetzt weiß was nicht stimmt und es angehen kann.

Ich nehme den Hinweis dankend an und überlege da lieber nochmal in Ruhe.

@max435

Das wissen die Kollegen schon.:wink:
Du glaubst nicht wie oft ich zu hören bekomme,dass ich ruhiger werden soll.
Ich habe einfach Glück ,dass ich für meine Arbeit wertgeschätzt werde und das die zwischenmenschlichen Defizite ein wenig überstrahlt.

Auch dir danke für die Rückmeldung.:ok_hand:

Das Problem ist halt, dass die Stigmata weiter bestehen können, wenn psychische Krankheiten verheimlicht werden. Und dennoch, schlussendlich bleibts an einem selbst hängen. Seit ich ein Kind habe, bin ich sehr viel zurückhaltener geworden mit Infos über meinen Gemütszustand. Trotzdem will ich ihm auf den Weg geben, dass man sich dafür nicht zu schämen braucht. Es ist eine Gratwanderung.

Naja ich habe das gegenüber meinen Kollegen schon angedeutet. Zumindest wenn Fragen gestellt wurden.(z.B. bei frühem Feierabend aufgrund eines Termins)
Ehrlich gesagt habe ich so oder so das Gefühl dort anzuecken und ich fühle mich mit dem offenen Umgang wohler. Ich finde eben, dass der offene Umgang kein Tabu-Thema sein sollte. Wenn man aufgrund dieser Tatsache abgewertet oder verurteilt wird, spricht das ja nur für das fehlende Verständnis.

Dabei kommt es wahrscheinlich auch wieder auf den Beruf bzw. Die Stelle an!
:winken

Danke euch Beiden für das Feedback.

Ich möchte da mehr oder weniger 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen,da ich mich schon immer erfolgreich gedrückt habe, mich mit mir selber auseinanderzusetzen.
Mit dem offenen Umgang tauchen natürlich Fragen beim Gegenüber auf,die ich nur beantworten kann,wenn ich mich mit dem Thema auseinandersetze und mich somit auch mit mir beschäftige.
Das die Adressaten wohl überlegt ausgesucht werden müssen ist mir bewusst und das es eine Gratwanderung ist auch.
In mir überwiegt gerade eher die Freude zu wissen was anders ist und das möchte ich gerne auch mitteilen.
Die Gefahr besteht etwas zu erklären,was das Gegenüber nicht versteht,aber ich bin eher gewillt das Risiko einzugehen.
Vielleicht ist es besser,dass alles erstmal wirklich sacken zu lassen und sich weiter mit der Materie auseinanderzusetzen

Ich habe es allen Kolleg*innen und meine Chefin erzählt. Auch vielen Bekannten, Freunde und sogar paar Nachbarn. Ich schäme mich nicht, wozu auch?
Wenn blöde Kommentare kommen, weiß ich zu kontern. Bis jetzt sind es aber sehr wenige gewesen.
Die meisten waren neugierig und haben Fragen nach Symptomen gestellt.

Ich habe durchwegs nur schlechte Erfahrungen damit gemacht irgendwem von meiner Adhs Diagnose zu erzählen. Angefangen in der eigenen Familie, den Tag an dem mir da mal was „rausgerutscht“ ist, bereue ich bis heute. Am Arbeitsplatz würde ich das schon garnicht an die grosse Glocke hängen, das Risiko nachher gemobbt zu werden, möchte ich nicht herraus fordern. Aber meinem Partner habe ich es gesagt, denn wenn es zu typischen „Missverständnissen“ kommt, dann weiss er das ich das nicht extra mache um ihn zu ärgern. Andererseits sind ja auch die „nicht“ Adhs Menschen genauso „schwierig“ und auch nicht Fehlerfrei, wir Adhslerinnen sind nur schon so sehr daran gewöhnt, immer als Sündenbock hinzuhalten, das es den nicht-Adhslerinnen im Grunde ja genau recht kommt, Schuld generell auf uns „abzuwälzen“. Muss finde ich auch mal gesagt werden, denn wir Adhslerinnen begeben uns zu oft schon „freiwillig“ in die „Opferrolle“. Ok, bin vom Thema abgeschweift

Ich würde das einem Arbeitgeber niemals sagen. Aus dem Grund den AbrissBirne schon nannte.

Außerdem helfen Medis ja dabei, weniger ADHS-Symptome zu haben. D.h. gut eingestellt, sollte es am Arbeitsplatz eigentlich nicht mehr auffallen.

ADHS ist ein Reizbegriff… für sich behalten und nur was sagen, wenn es auf keinen Fall anders geht!

Das gilt zumindest für den Arbeitsplatz… was Freunde angeht, da bin ich persönlich dann schon viel offener, aber am Arbeitsplatz, nie!!!

Und auch wenn in Firmen, Behörden, Gesellschaft oberflächlich so auf Toleranz gemacht wird, wenn es hart auf hart kommt, is da nix mit Toleranz… erst recht nicht für den unter der Oberfläche von Gesellschaft, Psychiatrie, Ärzteschaft und Psychologie lodernden Schwelbrand ADHS…

…mehr dazu hier: <URL url="59% Häufigkeit von ADHS in der stationären Psychiatrie laut Studie text=„viewtopic.php?f=7&t=124“>59% Häufigkeit von ADHS in der stationären Psychiatrie laut Studie

Am Arbeitsplatz: Toleranz hat man da einigermaßen für Behinderte, die man sowieso nicht als ernst zu nehmende Konkurrenz betrachtet… bei ADHS dagegen kann das am Ende gegen einen verwendet werden…

Ich denke es kommt immer auf das vorherrschende Umfeld an und wen man einbezieht.
Menschenkenntnis und das dazugehörige Menschen lesen,würde ich schon als eine Stärke meinerseits bezeichnen.
Mir ist das allgemein zu sehr schwarz/weiß,da gerade Burnout,ADHS und allgemein psychische Erkrankungen mehr in mehr in den Fokus rücken.
Ich kenne mittlerweile soviele Menschen die sich Hilfe ,vielleicht auch nur temporär ,gesucht haben und damit offen umgehen.
Das kann natürlich auch an meiner Vorauswahl hängen,die im Unterbewusstsein passiert und in gleich und gleich gesellt sich gern mündet.
Das sind jedenfalls Beobachtungen hinsichtlich der Partnersuche.
Ich schweife ab…

Hallo Nunu,

ich würde da auf dein Gespür und deine Menschenkenntnis vertrauen. Ich habe es meiner Vorgesetzten und meinen beiden Team-Kolleginnen auch gesagt und damit fahre ich sehr gut. Ich habe ein Einzelbüro und ich kann dann einfach auch mal die Tür schließen, wenn ich mich konzentrieren muss. Außerdem werde ich von manchen Aufgaben, die ich wirklich nicht gut kann, verschont. Das heißt allerdings nicht, dass ich nur Cherrypicking betreibe. Ich übernehme auch Aufgaben, die meine Kolleginnen nicht so gerne machen. Das gleicht sich sehr gut aus.

Es kommt auch sehr auf die Haltung an und wie du damit umgehst. Aber so wie du es beschreibst, erhoffst du dir etwas Luft und vielleicht etwas Coaching für deine Entwicklung und das kommt immer gut an. Etwas anderes wäre es, wenn du einfach nur Verständnis erwarten würdest, ohne an dir zu arbeiten.

Tue am besten das, was dein Gefühl dir sagt.

Wie soll Toleranz entstehen, wenn jeder es versteckt und seine Disposition wofür man nichts kann als beschämend empfindet.

Wir hier im Forum sind ein Beweis dafür, dass man trotz Adxs stark und zuverlässig sein kann. Also ein durchaus positives Beispiel.

Aber ja, jeder soll auf sein Menschenkenntnis vertrauen bevor er sich outet.

Grundsätzlich sollte, oder „müsste“ es sogar möglich sein sich in einer vermeindlich „weltoffen“ Welt so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche als Adhs Mensch „outen“ zu können, oder zu dürfen. Ich habe zum Beispiel nie davon gesprochen, das man sich verstecken sollte, oder müsste. Aber meine ganz eigenen und persönlichen Erfahrungen damit, sind leider durchwegs schlecht, bedeutet das ich dafür offen, oder infantil gemobbt wurde. Anfangs als ich meine Diagnose erhielt, war ich erleichtert, sogar glücklich, weil ich endlich wusste, was für meine Art, mein Wesen, meine Art zu „sein“ verantwortlich ist. Ich dachte „mein Gott, ich bin halt so, das ist doch nicht schlimm, und warum sollte ich ein Geheimnis darum machen?“, also begann ich mich verschiedentlich zu „outen“. Was ich darauf hin zum Teil erlebt hatte, war eine regelrechte Welle von Hass die auf mich nieder prasselte, oder ich wurde z.B. als mit Ritalin vollgepumpter Psycho bezeichnet, um nur ein Beispiel zu nennen. Seien wir doch mal ehrlich, man kann sich heutzutage über vieles „outen“, besonders bezüglich der Sexualität, was ja auch in Ordnung ist (nicht das sich gleich wieder jemand aufregt), aber über Adhs?. Klar ist jedem seine eigene Sache wie er damit umgehen will, und ich zolle jedem Respekt wo sich tapfer „outet“, aber ich werde es nicht mehr machen.


Wobei ich nicht glaube, dass diese Menschen es leichter haben sich zu outen oder danach.

Wobei nicht Heterosexualität an sich weder Behinderung, noch Störung oder was ähnliches ist, sondern etwas ganz Normales bei Menschen und Tieren.


Von „leichter“ haben war nie die Rede, Hater suchen immer nach einem Opfer an dem sie ihrem Hass freien Lauf lassen können, und dafür eignen sich die in ihren Augen „schwachen“ Menschen am besten, und Adhs Menschen sind in den Augen von Hatern wohl schwache Menschen, die sie gerne als „behindert“ bezeichnen. Das ist traurig aber wahr, leider gibt es immer noch mehr als genug solcher Menschen die andere diskriminieren als sei das ihr persönliches Hobby.

Also ich werde mit dem ADS wohl genauso „offen“ umgehen wie auch mit meinen Depressionen…

Im „privaten“ Umfeld (Kern- wie „erweiterte“ Familie) weiß es eigentlich jeder, im Freundeskreis wissen es die engsten Freund ebenso. Bei „Bekannten“ guck ich immer so ein bisschen auf den „Background“, auch weil ich einfach „kein Bock“ auf (stupide) Stammtischsprüche habe (Und eine Diskussion/Aufklärung solcher Menschen meisten auch für unnütz erachte). Genauso habe ich es in den letzten Jahren im „Berufsumfeld“ gemacht. Oftmals bei den direkten Vorgesetzten oder „engen“ Kollegen offen damit umgegangen, bei allen anderen -wenn überhaupt- nur oberflächlich.

Der „offene“ Umgang mit meinen Erkrankungen hat mir bislang nur zweimal „Probleme“ bereitet, einmal in Form von wirklich sehr dummen & flachen Sprüchen, ein anderes Mal aber tatsächlich in der Form, das zumindest „angezweifelt“ wurde, ob ich noch im direkten „Kundenkontakt“ stehen solle. Bei der Stelle mit den „Zweifeln“ hat sich das aber schnell erledigt, da ich dort nach einem sehr aufschlussreichen Gespräch selbst gekündigt habe und somit aus dem Verhalten des AG mir gegenüber „Konsequenzen“ gezogen habe. War -nebenbei- eine der besten Entscheidungen der letzten Jahre die ich treffen konnte…

Und auch in Zukunft „brauche“ ich so etwas nicht. Wenn ich merken würde, dass da nur „Gegenwind“ kommen würde und man sich nicht mal auf Augenhöhe zu einem Gespräch (Und damit vielleicht auch zu gewissen Kompromissen) bereit erklären würde, dann ist es wohl tatsächlich nicht der richtige Ort/Arbeitgeber für mich…

Insgesamt bin ich ein Freund des „Offenen Umgang“ auch mit psychischen Erkrankungen. Ich sach mal so: In der Gesellschaft wird offen und sehr breit über Erkrankungen wie Krebs und ähnlich „schlimmen“ Krankheiten gesprochen… Sogar beim Thema Aids sind wir -Streckenweise- damit ziemlich offen umgegangen (Das ist allerdings in den letzten Jahre auch wieder „weniger“ geworden). Warum also dann nicht auch bei psychischen Erkrankungen?! Und nicht nur im Zuge der Coronapandemie! Rückt es raus aus dem „Schatten“, redet da „laut“ %& offen drüber und versteckt das nicht -wie so if- hinter vorgehaltener Hand und dem „Getuschel“!

Vielleicht ist es dann ja in ein paar Jahren dann auch „selbstverständlich“ wenn man ggü Arbeitgebern/Vorgesetzten auch mal ganz offen & ehrlich über die psychischen „Wehwehchen“ sprechen kann… :wink: