Wegen deines Hinweises ist mir wieder eingefallen, dass ich dieses pdf schon auf dem Handy habe, hatte es vergessen. Ich hatte es damals durch eine Stichwortsuche gefunden und nur den entsprechenden Abschnitt gelesen.
Zu finden ist es hier: https://www.adhspedia.de/wiki/Piero_Rossi
Der erste Link unter „Literatur“.
„Wenn dann - Pläne“ scheinen mir nicht das Optimale zu sein. Damit stellt man nur mechanische Verknüpfungen her, unbewusste Automatismen, Achtsamkeit und somit auch Problemlösefähigkeit können sich damit nicht einstellen. Für manches sind sie sicherlich nützlich, aber ich halte es für falsch, sie als Alternative für das innere Sprechen anzusehen.
Ich lehne mich nicht selbst ab, aber die Probleme, die mir das ADS macht - auf die könnte ich gern verzichten. Ich möchte nicht so ins Grab gehen, wie ich heute bin. Ich denke keineswegs: durch das ADS bin ich doch eine tolle, einzigartige, lustige Person und wer mich nicht mag, der kann mich mal! (oder so ähnlich)
Meine Antwort ist also: einen Teil meiner ADS-Symptome möchte ich sehr wohl „wegtherapieren“.
Nochmal zu Barkley und Rossi - man muss natürlich auch bedenken, dass Wissenschaftler sich gern mal gegenseitig „ans Bein pinkeln“. Deshalb sind Kritiken, vor allem, wenn es regelrechte Verrisse sind, mit Vorsicht zu genießen.
Ich möchte Barkley auch nicht verteufeln, er ist auf jeden Fall sehr engagiert und wenn man seine Vorträge ansieht und anhört, dann merkt man, dass er „ein Herz für AD(H)Sler“ hat, was schon mal sehr erfrischend ist. Auch finde ich gut, dass er in seinem Buch dem Leser quasi mit der Keule einzuprägen versucht, dass Medikamente unverzichtbar sind. Er sagt es so oft und vehement, dass zumindest ich beim Lesen mich davon habe überzeugen lassen. Ich nehme zwar meine Medikamente eh seit Jahren, habe aber zwischendurch immer wieder mal gedacht: vielleicht brauch ich sie ja doch nicht?
Siehe das, was @UlBre schrieb: sobald alles etwas besser läuft, denkt man, man braucht die Medikamente nicht mehr, man vergisst, dass es aber wegen der Medikamente besser läuft. Lässt man sie dann mal ein paar Tage weg (muss nicht mal so lange dauern) und es kommt irgendeine neue Situation auf einen zu, die einen fordert oder eine kleine Krise, merkt man schnell, dass man die Medikamente sehr wohl braucht.
Ich muss hier nachfragen: was meinst du? Was wurde womit verknüpft?
Jetzt nochmal konkret zum Thema „Selbstinstruktion / inneres Sprechen“:
Vielleicht ist es die übliche Anfangseuphorie, wenn ich auf etwas Neues gestoßen bin, jedenfalls habe ich das Gefühl, dass ich hier auf etwas wirklich, wirklich Hilfreiches gestoßen bin.
Warum? Bei mir ist auch ein großes Thema: fehlendes Selbstwirksamkeits-Erleben. Wie erfährt man Selbstwirksamkeit? Indem man Dinge tut (z.B. eine Hausarbeit erfolgreich durchführt oder ein Problem löst) und sich dabei bewusst ist, dass man es tut - vor allem - dass man selbst es ist, der diese Sache tut.
Vielleicht kennen das manche von euch, dass ihr eine Leistung erbracht habt, aber euch diese irgendwie gar nicht selbst zuschreibt. Die Sache ist irgendwie abgekoppelt von einem Selbst.
Wenn ich jetzt aber eine Handlung durchführe und dabei bei jedem Schritt sage (bzw. denke): ICH tue dies, jetzt mache ICH das, als nächstes gehe ICH da und da hin… dann muss einem ja bewusst werden, dass man selbst es ist, der diese Dinge tut. Man stellt eine Verbindung her zwischen TUN und SEIN. Man verbindet sich mit dem, was man tut.
Gestern habe ich die Selbstinstruktion zu Hause laut geübt, heute fast den ganzen Arbeitstag lang im Stillen. Irgendwann war ich zu ermüdet, um es aufrecht zu erhalten - aber nicht ermüdet von dem inneren Vorsprechen von dem, was ich als nächstes tue, sondern das war die normale Erschöpfung, die ich täglich erlebe. Was habe ich festgestellt: dass ich viel sorgfältiger vorgehe. Es war ein rundum achtsames Arbeiten, meine Aufmerksamkeit sprang nicht so viel hin- und her, somit habe ich Energie gespart und hatte ein gutes Gefühl während des Arbeitens - ich würd sagen, ich war mehr in Verbindung mit der jeweiligen Tätigkeit. Das habe ich in der Regel nur bei bestimmten Aufgaben, vieles ist langweilige Routine und da arbeite ich eher wie ein Computer als wie ein bewusster Mensch.
Ich habe mir für die nächsten Tage täglich dieses Training als Termin in meiner Kalender-App eingetragen, um da wirklich dran zu bleiben und zu sehen, ob sich in meiner Selbstwahrnehmung (wie gesagt s. Stichwort „Selbstwirksamkeit“) etwas erkennbar ändert dadurch.

von Magritte: