Tipps um ausreichend zu essen

Hallo zusammen,

ich wollte euch nach allen Tipps und Tricks fragen, die Ihr nutz, um im Alltag ausreichend und gesund zu essen und zu trinken.

Seit Anfang des Jahres habe ich meine Diagnose und nehme LDX. Leider war ich schon vorher immer sehr dünn und mir fällt es schwer, auch weil ich im Rettungsdienst arbeite, genug und gleichmäßig zu essen. Auch fehlt mir häufig der Appetit, ich nehme mein Hungergefühl nicht richtig wahr oder ich bin sehr wählerisch, was essen angeht.

Wichtig ist mir, dass ich nicht immer auf Fast Food oder Süßigkeiten zurück greife.

Falls Ihr Ideen oder Vorschläge für gesunde Snacks habt, die ich auf der Arbeit mitnehmen kann, gerne her damit.

Vielen Dank euch

Hm, vielleicht Ansätze wie Meal Prepping, Overnight Oats, so was in der Richtung?

Im ADHS-Krimi-Adventskalender 2024 kommt das übrigens auch vor. :wink:

Hallo!

Ich habe mein gesamtes Erwachsenenleben Probleme, genug zu essen. Schlank war ich schon immer, aber Untergewicht ist erst seit dem Erwachsensein ein Problem. Weil ich für alles selbst verantwortlich bin und mir oft selbst was zubereiten muss. Zunächst die Kurzfassung.

Ich habe für mich folgende Ursachen ausmachen können:

  • Überforderung durch zu große Auswahl an Lebensmitteln
  • Überforderung durch zu viele nötige Schritte bei der Zubereitung
  • Planung generell überfordernd
  • Antriebsstörung, nicht Anfangen können zu kochen oder zu essen
  • zu spätes Wahrnehmen von Hunger → Unterzuckerung
  • phasenweise „wählerisch“, es gehen nur bestimmt Lebensmittel

Was mir hilft:

  • ADHS-Medikation gegen Antriebsstörung
  • gemeinsam mit anderen Kochen und essen
  • beim Essen beschäftigen (Fernsehen, YouTube etc.)
  • Kochbox
  • alternativ Speiseplan (Planung… :unamused_face:)
  • sofort Essbares da haben, auch Fertiggerichte
  • Kalorienreich essen, Öle, Fette, Nüsse etc. hinzufügen
  • Jedes Essen ist besser als kein Essen

Die lange Fassung, bzw. das Drumherum:
Ich habe mich damit abgefunden, mit dem Thema Schwierigkeiten zu haben. „Einfach essen“ gibt es für mich nicht. Das Thema ist unfassbar komplex und direkte Folge meines ADHS (und leichten Autismuseinschlägen).
Ich muss zunächst immer erstmal überlegen, was ich gerade essen kann. Nicht will, sondern kann. Dabei kann es vorkommen, dass ich längere Zeit in der Küche stehe und Möglichkeiten durchgehe. Selbst, wenn z.B. frisches Brot da ist, muss ich es in dem Moment auch essen können. Es gibt Tage, da kann ich erstmal nur mit einer Trinkmahlzeit überbrücken. Dann ist das so. Es gibt auch Tage, da geht nur Safe-Food oder Hyperfixation-Food. Dieses ist nicht immer gesund, machmal sind es Chicken Nuggets mit Kartoffelecken oder tagelang das gleiche Essen. Dann ist das so.
Es kommen auch Phasen, da habe ich Energie und Bock auf ausgefallene Sachen. Dann gehe ich eben nochmal einkaufen und bereite mir das zu.

Nahrungsmittelzubereitung ist ein sehr komplexes Thema. Man muss planen, was man essen möchte, Einkaufsliste anlegen, einkaufen gehen, alles einräumen, Zutaten vorbereiten, kochen, aufräumen, essen. Das alles sind sehr viele Schritte. Besonders, wenn sonst noch viel im Leben passiert. Bin ich irgendwie gestresst, habe schlecht geschlafen, habe zu viel Interessen, zu viel schönes Erlebt, bin krank, habe plötzlich Urlaub und zu viel Zeit, was auch immer, dann ist das zu viel. Die Anforderung zu hoch. Dann muss ich auf leicht zugängliche Mahlzeiten zurück greifen. Und dann ist es auch absolut egal, was das ist! Hauptsache, es ist etwas zu essen. Untergewicht ist gefährlich und sich da raus zu kämpfen, dauert unfassbar lange. Jede Kalorie zählt. Selbst, wenn das Nahrungsmittel an sich als ungesund gilt. Gar nichts essen ist ungesünder.

In meinen schlimmsten Untergewichtsphasen (ich wusste noch nichts vom ADHS, BMI 16) habe ich meine Ernährung auf vegan umgestellt, eine App zum Tracken meiner Mahlzeiten genutzt und konsequent auf hochkalorische Nahrungsmittel geachtet. Hülsenfrüchte, gesunde Fette, Nüsse, Saaten etc. Das hat mir damals sehr geholfen. Auch, weil ich durch die Umstellung quasi einen neuen Hyperfokus hatte und das Thema interessant war. Die App zum Tracken zeigte einen Streak an und bot damit eine Art Gamification. Insgesamt also für mich eine gute Methode. Später habe ich langsam wieder auf gemischte Kost umgestellt, aber trotzdem achte ich noch darauf, möglichst nicht nur gesund und frisch zu essen, sondern eben auch die hochkalorische Option zu wählen.

Aktuell habe ich für mich und die Tochter eine Kochbox abonniert. Das entlastet mich enorm. Die komplette Planung wird mir dadurch abgenommen. Wir suchen nur noch raus, was wir essen wollen. Da meine Medikamente auch am Abend noch wirken, habe ich genug Energie, um dann auch kochen zu können. Es ist alles schon portioniert und ich muss nur noch das machen, was auf dem Zettel steht.

Außerdem achte ich darauf, immer was Essbares da zu haben. Zutaten-Haushalte klingen zwar gesund, aber wenn man immer erstmal was aus den vorhandenen Dingen zubereiten muss, ist das hinderlich. Dann „ist nichts zu essen da“. Es ist nichts schlimmes daran, Fertigmahlzeiten im Haus zuhaben. Das ist dann eben ADHS-gerecht.

Morgens kann ich nichts essen. Wenn ich es erzwingen würde, würde ich es wieder hoch bringen. Also starte ich morgens ohne Essen, aber mein Tagesablauf ist sehr regelmäßig. Daher weiß ich inzwischen, welches Frühstück bei mir von der Frühstückspause bis zum Mittagessen satt hält.
Ich habe seit über 10 Jahren das gleiche Frühstück. Müsli mit Joghurt und Banane.
Bin ich unterwegs, habe ich Müsliriegel oder Trinkmahlzeiten dabei.
Ich esse, wenn ich Hunger habe. Nicht erst, wenn die übliche Zeit für eine Mahlzeit ran ist. 16 Uhr Hunger auf Abendessen? Klar. Dann 21 Uhr nochmal Hunger? Essen. Ich schaffe sowieso immer nur kleine Portionen. Dann halt öfter am Tag.

Wichtig war für mich, die Auslöser für mein Untergewicht zu finden. Was genau macht mir Schwierigkeiten? Was ist in meinem Leben los, wenn ich schlecht essen kann? Wie kann ich den Auslöser abstellen?
Außerdem ist eine gelassene Haltung zum Thema wichtig. Je mehr Stress ich mir dadurch mache, desto schlimmer wird es. Deshalb auch ganz wichtig, das jedes Essen erstmal gutes Essen ist.
Ich habe auch akzeptiert, dass diese Phasen immer mal wieder auftreten können. Sie machen mir aber inzwischen keine Angst mehr. Denn wie gesagt, ich kenne meine Auslöser und kann gegensteuern oder mir eben zugestehen, dass es auch mal Phasen mit nur Safe-Food gibt. Das geht vorbei. Dafür kommen wieder bessere Phasen.

Ich hoffe, dass dir meine Erfahrungen helfen. Was genau du an Snacks mitnehmen kannst, musst du für dich selber herausfinden. Manche lieben geschnittenes Obst oder Gemüse, Riegel oder Nüsse, andere mögen Sushi, Wraps, belegte Brote… schau, was du magst.

Alles Gute und bleib gelassen. Jedes Essen ist besser als kein Essen.

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Nur Ideen auf die Schnelle

1. Allgemeine Ernährungsprinzipien bei ADHS
  • Regelmäßige Mahlzeiten erzwingen

    Appetit folgt Struktur. Ohne feste Zeiten bleibt der Hungerreiz oft aus.
    → Erinnerung durch Handy-Timer oder Apps (z. B. Tiimo, Due, iOS Erinnerungen etc…).

  • Erst essen, dann Medikation

    Stimulanzien (z. B. Methylphenidat, Lisdexamfetamin) hemmen Appetit und Magentätigkeit.
    → Frühstück 15 Minuten vor Einnahme.

  • Priorität auf Nährstoffdichte

    Wenn wenig gegessen wird, sollte jede Mahlzeit zählen: Eiweiß, gute Fette, komplexe Kohlenhydrate, Mikronährstoffe.

  • Reduzierter Perfektionismus

    „Gut genug gegessen“ ist besser als „perfekt geplant, aber nicht umgesetzt“.


2. Frühstück (vor Medikamenteneinnahme)
  • Ziel: Basis für Blutzucker, Fokus und Stimmung

    ADHS-Gehirne profitieren von stabiler Glukose- und Proteinversorgung.

  • Beispiele (schnell & realistisch):

    • Overnight-Oats mit Haferflocken, Milch, Nüssen, Beeren, Honig.

    • Vollkornbrot oder Wrap mit Ei, Käse oder Hummus.

    • Proteinshake (Milch + Proteinpulver + Banane + Nussmus).

    • Müsli mit griechischem Joghurt und Leinsamen.

    • Smoothie (Hafermilch, Beeren, Haferflocken, Mandelmus, etwas Öl).

  • Tipp: Den Abend vorher alles vorbereiten (z. B. Frühstücksshake in den Mixer stellen, morgens nur Start drücken).


3. Snacks tagsüber (trotz Appetitverlust)
  • Ziel: Kalorien und Mikronährstoffe trotz fehlendem Hungergefühl.

  • Kriterien: schnell, ohne Zubereitung, bei Reizüberflutung essbar.

  • Snack-Ideen:

    • Studentenfutter, Nüsse, Mandeln, Walnüsse.

    • Trockenfrüchte (Datteln, Aprikosen, Feigen).

    • Energieriegel, Proteinriegel, Müsliriegel.

    • Trinkjoghurt, Kefir, Skyr to go.

    • Hummus mit Cracker oder Gemüsesticks.

    • Käsewürfel, Eier, Mini-Frikadellen, Tofu-Sticks.

    • Smoothies (Fertig oder selbst gemixt).

  • Strategien:

    • Vorportionieren in kleine Boxen oder Zipbeutel.

    • Sichtbar platzieren (z. B. neben Schreibtisch).

    • Timer alle 3 Stunden stellen, Snack nehmen, auch ohne Hunger.


4. Hauptmahlzeiten am Nachmittag oder Abend
  • Ziel: Nach Ende der Medikamentenwirkung Kalorien nachholen.

  • Beispiele:

    • Vollkornnudeln mit Lachs und Spinat.

    • Gebratener Reis mit Gemüse, Ei, Sojasauce.

    • Chili con/sin Carne mit Bohnen.

    • Ofenkartoffeln mit Quark und Öl.

    • Couscous-Salat mit Feta und Olivenöl.

    • Suppen mit Hülsenfrüchten (z. B. Linsensuppe mit Öl).

  • Tricks:

    • Große Portionen vorkochen und einfrieren.

    • Gerichte in Gläsern oder Boxen aufbewahren.

    • Wenn zu müde: Fertiggerichte + Öl + Nüsse = akzeptabler Kompromiss.


5. Kalorien- und Nährstoffsteigerung
  • Ziel: Energiezufuhr sichern bei geringem Appetit.

  • Kaloriendichte erhöhen durch:

    • Fette: Olivenöl, Avocado, Butter, Käse, Nussmus.

    • Flüssige Kalorien: Shakes, Suppen, Brühen, Smoothies.

    • Zusätze: Haferflocken, Proteinpulver, Milchpulver, Samen.

  • Beispielshake (ca. 700 kcal):

    • 300 ml Milch oder Hafermilch
    • 1 Banane
    • 2 EL Haferflocken
    • 1 EL Erdnussmus
    • 1 EL Honig
    • 1 Messlöffel Proteinpulver
    • 1 TL Öl (z. B. Leinöl oder Rapsöl)
  • Alternative: flüssige Trinknahrung (z. B. Fresubin, Ensure, Orthomol, nach Rücksprache).


6. Organisation & Strukturhilfen bei ADHS
  • Meal-Prep-Routine: 1–2 Stunden am Wochenende vorkochen.

  • Standardgerichte: 3–5 einfache Rezepte, die man immer wieder nutzt.

  • Einkaufsroutine: feste Einkaufstage und Checklisten.

  • Visuelle Unterstützung: Wochenplan an Kühlschrank, Fotos der Mahlzeiten als Anker.

  • Energie-Backup: Tiefkühlgerichte, Instantreis, Dosenlinsen, TK-Gemüse.

  • Hilfreiche Tools:

    • Apps: Tiimo, Goblin Tools, Notion, iPhone Notes, Mealime, Yazio.

    • Kalendererinnerung „Kochen oder Essen besorgen“ als feste Routine.


7. Nahrungsergänzung (nur bei ärztlicher Kontrolle)
  • Typische Mangelrisiken bei ADHS:

    • Magnesium (beruhigt, unterstützt Dopaminhaushalt).

    • Zink (Dopaminproduktion).

    • Eisen/Ferritin (v. a. bei Frauen, Restless-Legs, Erschöpfung).

    • Omega-3 (EPA/DHA für neuronale Membranen).

    • Vitamin D (Stimmung, Konzentration).

    • B-Vitamine (v. a. B6, B12, Folat).

  • Supplementierung nur nach Blutbild.

  • Kein Multivitamin ohne Bedarf.


8. Flüssigkeitszufuhr
  • Ziel: 2–2,5 Liter täglich.
    Stimulanzien erhöhen Puls, Schwitzen und trocknen Schleimhäute aus.

  • Tipps:

    • Große Flasche mit Markierungen („vormittags“, „nachmittags“).

    • Geschmack durch Zitrone, Gurke, Minze.

    • Kalorienarme Alternativen: Tee, Saftschorle, Brühe.

    • Apps mit Erinnerungsfunktion.


9. Praktische Notlösungen für ADHS-Alltage
  • Wenn Kochen nicht klappt:

    • TK-Gerichte + Öl + Ei oder Nüsse = vollwertiger.

    • Instant-Haferflocken + Milch + Nussmus = 2 Minuten Frühstück.

    • Tiefkühlreis + TK-Gemüse + Tofu = 5 Minuten Pfannengericht.

    • Brot mit Hummus, Avocado oder Käse = besser als nichts.

  • Wenn Einkaufen überfordert:

    • Lieferdienste oder Online-Einkauf (Lieferzeit fix planen).

    • Vorratsboxen-System (1 Box = 1 Gericht komplett).


10. Ernährungspsychologische Aspekte bei ADHS
  • Sensorische Empfindlichkeiten

    Konsistenzen, Temperaturen, Gerüche können triggern → „sichere Lebensmittel“ akzeptieren und drumherum ernähren.

  • Hyperfokus-Essen

    Nicht essen während langer Konzentrationsphasen → Timer setzen, Wasser griffbereit halten.

  • Belohnungsessen

    Essenslust nach Medikamentenende → gesund kalorienreich essen, statt Junkfood kompensieren.

  • Emotionales Essverhalten

    Strategien gegen Dopamin-Unterzuckerung: Bewegung, Musik, kurze Erfolgserlebnisse statt Zuckerexzesse.


11. Beispiel-Tagesplan (unter Stimulanzien)
Zeitpunkt Beispielmahlzeit Ziel
07:30 Haferflocken + Milch + Banane + Nüsse Basis vor Medikation
10:30 Snack: Riegel + Wasser Blutzuckerstabilität
13:00 Snack: Smoothie oder Skyr leichte Mahlzeit
17:00 Hauptmahlzeit: Reis, Gemüse, Lachs Nährstoffausgleich
20:00 Snack: Nüsse, Joghurt oder Shake Kalorienergänzung
Ganztägig 2–2,5 l Flüssigkeit Hydration

12. Zusammenfassung der Schlüsselpunkte
  • Essen planen statt fühlen.

  • Vor der Medikation ausreichend frühstücken.

  • Flüssige Kalorien nutzen, wenn fester Appetit fehlt.

  • Fett und Eiweiß priorisieren, um Energie und Fokus zu stabilisieren.

  • Erinnerungssysteme sind wichtiger als Motivation.

  • Kein Perfektionismus: besser irgendwas essen als gar nichts.


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Sorry, ist kein wertvoller Beitrag, aber ich bin baff, was es so alles gibt. Bei mir ist das genaue Gegenteil das Problem. :pensive_face: Wenn die Wissenschaft jemals einen Weg findet, solche Kandidaten wie mich mit Kandidaten wie dir/euch zu fusionieren und bei beiden ein Normalmaß zu bewirken: Call me. :sweat_smile:

Alles Gute

Ich finde, du hast dich selbst übertroffen. Ist druckreif. Danke!

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Den Esel nennt man immer zu erst, also mich. :+1:

Ich hätte gerne einen “drucken” Button für diesen Beitrag :zany_face:

Prompt Engineering is the key, sagen viele Fachleute.
Dachte, ich versuchs mal. Ich gebs weiter :face_with_hand_over_mouth: - aber passt inhaltlich natürlich trotzdem.

Du kannst ja Ctrl+C / V machen, oder machst es dir in Word vorher noch schön - mit Headern, Farben und *huiiiiii :adxs_woo:

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Jippiiii. Du lebst :adxs_knuddel: welcome back :partying_face:

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Dein Text hat mich gerade wirklich tief bewegt. Selten habe ich mich so verstanden gefühlt, wenn es ums Thema Essen geht.
Ich habe mit diesem Thema auch einen wirklichen Leidensweg hinter mir. Als Jugendliche habe ich den Stempel Essstörung bekommen. Genauer Anorexia nervosa. Denn es ging mir psychisch nicht gut und parallel war ich im Untergewicht. Das war die einzig logische Erklärung für die Ärzte. Nach dieser Diagnose habe ich jahrelang immer wieder dafür gekämpft, dass man mein wahres Problem beim Essen sieht und mir glaubt. Dabei wusste ich lange selbst nicht, was mit mir und meinem Essverhalten nicht stimmt. Beziehungsweise wusste ich es, es passte nur nirgendwo herein. Und so erklärte ich meine atypische Essstörung immer und immer wieder, stand damit aber alleine da. Mit der ADHS-Diagnose hat sich endlich eine neue Perspektive geöffnet. Es ist genau, wie du in deinem Text beschrieben hast. Und ich lerne langsam, damit umzugehen und alle Dinge, die mir eingetrichtert wurden, aktiv zu verlernen. Wie oft ich mich für mein Safe-Food geschämt habe oder ich mir mein Hyperfixation-Food verboten habe, weil ich so fest davon überzeugt war, dass ich nicht schon wieder xy essen dürfte. Der Druck von außen und damit schlussendlich auch von innen war enorm.

Es ist Balsam für die Seele, endlich von ähnlichen Erfahrungen zu lesen. Danke!

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Vielen Dank, dass du mir so persönlich geantwortet hast :people_hugging:
Es tut auch mir gut zu wissen, dass meine Zeilen bei irgendwem ankommen. Also nicht nur, dass sie ins Internet gesendet und gespeichert wurden, sondern dass da auch wirklich Menschen sind, denen mein Text hilft.

Ich habe vor einer Weile einen Vortrag eines Arztes gehört, der in einer Klinik für Essstörungen arbeitet oder sie sogar leitet… hab die genauen Umstände vergessen. Jedenfalls hat er gesagt, dass er inzwischen immer auch auf ADHS testet, weil so viele seiner Patienten unerkannt diese Diagnose haben und somit auch in Folge eine Essstörung entwickeln. Wobei man das in dem Fall ja eigentlich gar nicht so nennen kann.

Es freut mich total zu hören, dass du auf einem guten Weg bist! Wenn man einmal die richtige Erklärung hat und das auch von außen anerkannt wurde, geht es leichter. Mit Anerkennung meine ich, dass es zumindest die ADHS Diagnose gibt. Die Zusammenhänge mit dem Essverhalten kennen viele Ärzte trotzdem nicht, aber man selber hat eine viel bessere, weil offiziell bestätigte, Begründung an der Hand.

Mein Mann hat früher auch immer vermutet, dass ich eine Essstörung hätte. Dem habe ich mich vehement entgegen gestellt. Ich wusste auch schon immer, dass das keine gute Erklärung darstellen kann. Ich liebe ja Essen. Es muss mir nur jemand hinstellen. Und die Stressphasen, in denen ich nur bestimmte Dinge essen kann, sind ja auch nur temporär. Danach kann ich wieder normal essen. Wenn es mir jemand hinstellt :grin: Es ist also gut, dass du dich trotz der Diagnose Anorexia nervosa weiter mit der Problematik befasst und für dich deine Erklärung gefunden hast und auch dabei geblieben bist. Ich weiß, wie schwer es ist, immer dagegen zu halten, wenn man offenbar die einzige Person ist, die es checkt.

Alls Gute weiterhin!

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mega aufstellung :smiley:

dieser punkt „Mahlzeiten erzwingen“ löst bei mir abwehr, da ich zu den kids gehörte, die als letzte am tisch sitzen bleiben musste, bis ich aufgegessen hätte (schule). ich konnte mich schon damals nicht zwingen und bin froh, dass ich als erwachsene entscheiden kann und auswärts mag ich daher nur buffets. eben las ich in einem buch über meal prep, daher suchte ich hier nach erfahrungen… vorkochen geht max für folgezptag und selbst dann ist es eher „resteessen“, da es sein kann, dass ich am nächsten tag keinen bissen davon runter bekomme … „allesesser“ würden mich als mäkelig bezeichnen… jedoch ist das für mich ein ernstes thema. und gemein ist es, wenn ich es versuche und es dann zu lebensmittelverschwendung kommt :face_with_diagonal_mouth: … ich bleibe dran… tipps sind willkommen (der airfryer, sandwichmaker helfen hier und da, weil ich auf knusprig stehe und experimentiere auch mit reispapier :slightly_smiling_face: )

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Meeeeeega, CFlow - danke für Deine super strukturierten und für mich so hilfreichen Beitrag!

Ich habe mir es über Copy+Paste in Word gepackt und mache mir das jetzt hübsch.

Ich war hier im Forum auf der Suche nach Tipps für Frühstück. Ich habe eher keine Probleme zu essen bzw. eine Hauptmahlzeit am Tag ist für mich passend. Jedoch fällt es mir schwer, vor der Arbeit morgens zu frühstücken, ich hab einfach keinen Appetit. Muss jedoch essen :nauseated_face:, um Elvanse nehmen zu können.

Nein, keine spezifische Abneigung, sondern eher die blöde Angewohnheit, vor der Diagnose erst im Büro das hastig gekaufte Brötchen zu verschlingen. Das wäre für an und für sich - naja - halbwegs vertretbar, ist aber jetzt für die Medikation dann einfach zu spät. Und ja, es ist auch ernährungstechnisch betrachtet, ziemlicher Unfug.

Also gewöhne ich mir gerade an, direkt nach dem Aufstehen zu frühstücken, damit die Medis genügend Zeit haben, ihre Wirkung zu entfalten und ich dann klar und fokussiert im Büro sitze.

Da ich aber keinen Appetit oder Hunger verspüre, kann ich dann auch nicht sagen, was ich essen will oder mir gut tut. So stopfe mir dann tapfer eine Scheibe Brot mit irgendwas drauf rein und fühle mich mies, weil es sich für mich einfach nach “Materie zerkauen und verschlucken” anfühlt und ich mich danach fühle wie ein schlecht gestopfter Hefekloss. (Keine Ahnung, ob es schlecht gestopfte Hefeklösse gibt, es umschreibt aber sehr gut mein Gefühl.)

Also war ich auf der Suche nach einer anderen Motivation, der Motivation durch das Wissen, dass es zumindest gesund ist und meinem Körper gut tut. Darüber bekommt es dann zumindest eine Sinnhaftigkeit für mich. Ich dachte erst, vielleicht gibt es hier Tips zu sowas wie “Astronautennahrung” - alle Nährstoffe, aber wenig Aufwand. Ich hasse es, zu kochen oder aufwändig Nahrung zu zu bereiten.

Daher hast Du mir mit Deiner “Ideen-Sammlung auf die Schnelle” :slight_smile: einen Rahmen gegeben, in dem und mit dem ich arbeiten kann und was mir diesen ätzenden, nervigen, sich am Ende doch selten sicher anfühlenden, “Entscheidung-treffen-müssen-Frust” nimmt. Und ein Over-night-Müsli krieg ich wohl noch hin :slight_smile:

Ein herzliches und begeistertes Danke :star_struck: - Ella

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Hast du denn morgens lieber was warmes oder kaltes, mit Textur / ohne Textur, oder gibts was, das du ansonsten sehr gerne magst?

Ich bekam jahrzehntelang morgens auch nichts runter.
Mit Beginn der ADHS Medikation damals habe ich mich bewusst gezwungen. Dann hat sich der Biorhythmus nach 1-2 Wochen so verschoben, dass ich morgens in der Regel mit einem Bärenhunger aufstehe.

Es gibt aber auch Tage wie heute. Ich hatte vorhin also Medis eingenommen und keinen Hunger. Also erstmal n‘ Käffchen und 30 Min. sinnlos rumgedümpelt.

Futter muss aber rein, sonst fühlt es sich bei mir spätestens 4h nach der Einnahme eher gestresst an :man_shrugging:

Habe dann zwei griechische Joghurts in eine Schüssel gekippt und einen Löffel Proteinpulver dazugegeben.

Ein bisschen Hafermilch dazu, um es zu verdünnen und noch 2-3 Myprotein Flavordrops (Mango). Ein Esslöffel Leinöl für‘s Fett (und den nussigen Touch) durfte auch mit rein.

Dann paar Esslöffel Müsli und Dinkel-Crunch dazu.
Ein bisschen Fuchs Porridge Gewürz (Kurkuma, Zimt, Ingwer, Anis, Kardamom, Tonkabohne, Muskatblüte) drüber und das Ganze mit einem Schuss Honig getoppt.

Dann ist mir aus Versehen noch eine Kiwi und ein bisschen Apfel reingefallen.

Futterklappe


Nach anfänglichem Nicht-Hunger habe ich dann fast die ganze Schüssel verputzt. Die restlichen paar Löffel gibts dann nach dem Mittagessen oder zwischendurch.

Die Lust und der Hunger kamen erst beim Zubereiten und dem ersten süßen Löffel zwischendurch.

Ich muss allerdings bestimmte Lebensmittel auch offen und griffbereit lagern, denn was ich nicht sehe, ist futsch. Die Ideen kommen dann meist während der Zubereitung.

Wenn ich drüber nachdenke, wie ich mich jetzt gerade - im Vergleich zu später ohne Futter - fühle, dann lieber so wie jetzt :adxs_woo:

Das Anfangen bzw. ins Tun kommen ist bei ADHS oft so‘n Problemchen für sich. Vielleicht klappt es bei dir ja auch so - mit ein bisschen Hirn-Verarsche :four_leaf_clover:

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Wow, coole Fragen - ich liebe crispy und Würziges! Das Foto mit in den Joghurt geplumpsten Kiwis sieht verdammt lecker aus und die Poesie in dem Rezept tut ihr Übriges!

Im Übrigen hat der Hinweis mit “Wichtiges muss sichtbar sein” bei mir ein “Ahaaaa!” ausgelöst, ich mag seit jeher keine geschlossenen Schränke. Einzig der Vorratsschrank ist ein Schrank mit Tür und dort fristen häufig Lebensmittel alleine und irgendwann auch nutzlos ihr Dasein. Jetzt verstehe ich, warum! Nervig, immer dieses Türe auf, reingucken, wieder vergessen, was ich da wollte, Türe wieder zu. Naja, Ihr wisst, was ich mein.

Hirn-Verarsche oder “Umwege führen auch zum Ziel” ist wie Shoppen ohne Geld ausgeben. Durch einschlägige Shopping-Apps schlumeln, Einkaufskorb voll packen, App wieder schliessen. Der Dopaminkick ist, für mich zumindest, auch hier schon spürbar, aber ohne das später häufig folgende schlechte Gewissen, (mal wieder) Geld für Mumpitz ausgegeben zu haben.

Will sagen, die Suche nach den individuellen Tricks, die den “Haben-wollen-Reflex” entweder hemmen oder befördern, lohnt sich wirklich.

Danke für Deine Impulse, SneedleDeeDoo!

LG

Ella

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Ich habe eine offene Küche, aber für die haltbaren Lebensmittel verwende ich eine große Pappkiste vom Edeka.

Da ist alles sortiert drin, was ich regelmäßig brauche.
Reis, Pasta, Thunfisch, Dosentomaten und all sowas.

Man könnte meinen, ich hätte meinen Einkauf noch nicht ausgepackt. Oder, dass ich einen am Helm habe und im Laden vom Kassenband alles fein vorsortiere :adxs_crazy:

Gemüse, Obst und Eier lasse ich wöchentlich liefern.
Das wird offen in einem kleinen Gemüseregal gelagert.

Wenn ich die Eier nach einer Woche noch nicht angerührt habe, werden die alle hartgekocht. Ein hartgekochtes Ei geht zwischendurch eigentlich immer und lässt sich wunderbar mit anderen Snacks kombinieren.

So lässt sich immer flott was zaubern. Und wenn es nur eine Scheibe Brot mit Thunfisch und Trüffelmayo ist.

Der Kühlschrank darf nicht zuuu voll sein und alles schnell Verderbliche muss vorne stehen, sonst ist es futsch bzw. taucht gerne mal zu spät wieder auf :adxs_gruebel:


Crispy & Spicy kommt immer gut.

Wir haben hier einen Futter-Thread.
Vielleicht ist da noch etwas dabei.

Ab hier abwärts gibts ein paar Frühstückchen: Essen und kochen Thread - #638 von SneedleDeeDoo


Das mit dem Shoppen ist supi. Dieses in den Einkaufswagen legen und noch eine Nacht drüber schlafen wird im ADHS Kontext öfter empfohlen :adxs_grins:

ein Supertip, damit Eier länger halten - mit Öl einreiben und wöchentlich drehen… ich habe meine Eier in so einer Spirale, da drehen sich alle automatisch, wenn ich das untere wegnehme… aber stimmt, zwischendurch ein gekochtes Ei ist auch super…

@Ella38 das Menü aus der Futterklappe von @SneedleDeeDoo könnte man Notfalls auch durch den Blender/Standmixer jagen und dann mit Strohhalm schlürfen,

Bei Zeitknappheit nehme ich einen Shake mit ins Bad und schlürfe während des fertigmachens und später Sachen packen etc … den Futterklappenshake.

Ich glaube notfalls könnte man sowas auch im Auto mitnehmen.

Hirn: :thinking::zany_face::partying_face: *malt Bilder

Ich: Nein, Nein, Nein! Schnauze, beklopptes Hirn!
Hier gehts um Essen! :adxs_aufsmaul: Essen. Essen. Essöööön!

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