Tragen die "positiven Seiten" von ADHS zur Entvalidierung von Betroffenen bei?

Ich glaube, da braucht es fast schon eine Kohortenstudie im Lebenslängsschnitt. Weil sich auch die individuelle Meinung wieder ändern kann… Wegen „jetzt ist immer“ vergessen wir das nur vielleicht noch leichter als andere Menschen.

Ich habe selbst den Erbauungs-Thread mal in einer Zeit gestartet, als ich ein ziemlich düsteres, schattenseitenfokussiertes Buch gelesen habe und noch Ressourcen zu haben glaubte, einen lichtvollen Gegenpol zu suchen, gemeinsam zu sammeln und zu zeigen.

Da war dann auch Gegenwind gekommen von Betroffenen, die gerade kurz vor dem Ersaufen an ihrem Rettungsring hingen und es schon als zynisch empfanden, die Sonne suchen zu sollen.

Und genauso kenne ich selbst Rettungsring-Phasen, in denen ich nicht mal die Zeit habe, Threads wie diesen komplett zu lesen, weil es sich fast wie ein Luxus-Problem anfühlt, über Rettungsringe zu schreiben, wenn man beide Hände braucht, sich daran festzukrallen.

Vielleicht mildert das die gefühlten „zwei Seiten“ ab: Wer heute auf der einen paddelt, erreicht morgen vielleicht zeitweise das andere Ufer - und empathiefördernderweise manchmal auch wieder umgekehrt.

Wie uns @Bieber kürzlich in Erinnerung rief: Alles hat seine Zeit.

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ADHSler neigen halt auch zur schwarz- weiss- Malerei. In diesem Thread sieht man das mal wieder gut.

Und manchmal sehen sie etwas sehr positiv und zu dem mit viel Humor - das ist auch eine Überlebensstrategie und nicht die schlechteste!

Natürlich gibt’s dann auch den negativen Hyperfokus.

Und dann gibt’s einige die legen dann doch auch sehr viel Wert auf eine negative Sichtweise, weil sie eben auch einen höheren Leidensdruck haben.

Meiner Erfahrung nach hat das aber oftmals nichts mit dem objektiven Krankheitswert zu tun.

Es gibt sehr kranke (totkranke) Menschen die trotzdem sehr, sehr positiv sind bzw eine sehr positive Sichtweise haben und dann auch wieder Menschen mit relativ kleinen Problemen (im Vergleich) die stark in einer Opferrolle stecken.

Unabhängig von ADHS.

Obwohl ich mich schon bei manchen frage ob da nicht vielleicht doch eher eine Persönlichkeitsstörung dahinter steckt.

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Stimme ich vollkommen zu. Ich habe ja zB auch mehrmals betont, dass man von sich sprechen sollte und ich würde niemals zu jemandem gehen und sagen: Hey, du hast nur die tollen Seiten von ADHS nicht verstanden, haha!

Erwarte ich einfach andersrum auch.
Du hast nur nicht verstanden wie scheiße ADHS ist und wie du Ertrinkende am Rettungsring dir selbst in die Tasche lügst du kleines Dummerchen.

Ich bin nicht fucking Bruce Willis in The Sixth Sense, der nur nicht checkt dass er auch tot ist. Und ich bin tatsächlich dazu in der Lage, komplexe Sachverhalte zu verstehen und muss nicht von anderen „Erleuchteten“ so gönnerhaft aufgeklärt werden. Vielen Dank.

Das suggeriert, dass es einer Seite komplett toll und der anderen komplett beschissen geht. Also nicht du suggerierst das, sondern diese bekloppte Diskussion hier. Einfach furchtbar, ehrlich. (Das geht nicht an dich @anon48277439, du hast ja bei vielem eine wirklich nuancierte Ansicht und hier auch :heart:)

Und ist das nicht die allertollste Seite vom ADHS, dass ich einfach keine Ruhe geben kann? Da können wir doch jetzt alle mal beherzt drüber lachen.

Und da möchte ich auch widersprechen. Tust du ja im Prinzip darunter schon, aber ja.

Die, die es nur negativ sehen sprechen denen, die auch positive Seiten sehen, Leidensdruck ab. So empfinde ich das.

Für mich war es ein weiter Weg durch die tiefsten Täler, um auch positive Seiten an dem Ganzen zu sehen. AUCH bedeutet, dass es negative Seiten für mich gibt. Viele. Einige. Die haben mir mein Leben schwerer gemacht, als es auch ohne ADHS gewesen wäre.

Ist also der Umkehrschluss, dass ich auf der Sonnenseite des Lebens stehe und mein ADHS als Superpower begreife? :unamused:

Ich bin viel zu emotional (Alarm! Leidensdruck! Hier könnt ihr sie noch kriegen und überzeugen!) für diese dämliche Diskussion hier. Ich überlasse sie den armen, gebeutelten, leidenden ADHSlern die noch einen Zugang zur Realität haben und nicht so verblendet im goldenen Schloss sitzen wie ich :princess:t3:

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Ja, es ist immer auch eine sehr individuelle Sache.
Ich hatte mal ne Kollegin die schon unter der Vorstellung litt, dass ich mit dem Fahrrad gleich mehrere Kilometer durch den strömenden Regen muss.
Man was hat sie mir ihr Leid dazu geklagt.

Bis ich ihr sagte , :“wie so ist dass für dich so schlimm? Du musst doch gar nicht durch den Regen, wenn hier überhaupt jemand darunter zu leiden hat , dann bin ich dass, weil ich muss gleich dadurch , aber es ist für mich nicht schlimm , ich habe manchmal sogar Spaß daran ….,!“

Und es kam von ihr ein weiterhin leidendes „ja aber“…,:sweat_smile:

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Wir haben sie doch schon längst … mit an Bord. Und gut so. Die Passion dahinter zeugt m.E. davon, dass Du den Leidensdruck dunkler Tage kennst, aus eigener Anschauung.

Von solchen Leuten lasse ich mir noch am ehesten den Weg Richtung Sonne zeigen, wenn sie gerade nicht aus meinem eigenen Hintern scheint.

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Wäre mal ein interessantes Spiegelkabinett: aus Spiegelneuronen. Wenn Du dann leiden würdest, dass sie leidet und dann daran mehr leidest als am Regen selbst…

PS/Edit:
Zu „Spiegelneuronenkabinett“ gibt es wenigstens schon Google-Treffer. Ich frage mich seit dem Wochenende, warum offensichtlich noch niemand Kurzgeschichten geschrieben hat mit den Titeln „Schrödingers Kratzen“ oder „Schrödingers Kratzbaum“. Und das würde ich wahnsinnig gern, wäre sicher Ausdruck meiner kreativen Seiten… Leider muss ich mich erst noch bis zur nächsten Lichtung durchschlagen, bis ich dazu wieder Ressourcen habe.

Schon die letzte Teilnahme am Kurzgeschichtenwettbewerb zieht wahnsinnig Aufmerksamkeit ab, weil ich den Ausgang kaum abwarten kann und mich gleichzeitig mein Über-Ich immer nervig diszipliniert, mir keine Hoffnung zu machen. Obwohl ja Hoffnung neurobiologisch das Frontalhirn anschmeißt!

Und vielleicht trägt genau das zur Sensibilität des Themas bei: Der Weg zur Lichtung führt quälend durch die Schattenarbeit… Und manchmal muss man sich die Sonnenanbetung verkneifen, damit es nicht noch finsterer wird um die Seele. Ein bisschen wie bei Schrödingers Kratzen. Da weiß man auch nicht, ob und wen es gerade noch juckt.

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Ja, der Leidensdruck ist für mich immer da. Es ist nie alles super, es ist immer schwer.
Und es wird auch vermutlich immer schwerer bleiben, als für Menschen ohne ADHS.

Es war mal deutlich schlimmer, ja. Irgendwoher muss ich doch Kraft nehmen, weiterzumachen, mich zu akzeptieren, Spaß im Leben zu haben. Ich hab keinen Bock mehr so eine Sicht auf mich zu haben, die hat mich mehr als nur einmal fast mein Leben gekostet. Weil ich nichts, wirklich gar nichts Gutes an mir gesehen habe.

Das ist vernichtend, wenn man sich selbst als einzigen Defekt erlebt. Und ich wurde mit diesem „Defekt“ geboren, er ist Teil von mir. Und da sehe ich positive Aspekte, also schmeißt mich bitte aus dem Club, wenn das nicht passt. Denn davon bin ich lieber kein Teil anstatt etwas aufzugeben, was ich bitter bezahlt habe mir zu erkämpfen.

Aber ist doch wichtiger, hier in den eigenen Reihen mal aufzuräumen und zu sortieren, wem es am schlechtesten geht und die anderen entweder zu bekehren oder zu belächeln.

Im Prinzip geht das alles an UlBre, nicht an euch hier. Sorry.

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Das erinnert mich jetzt ein bisschen an Groucho Marx und „Ich mag keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnimmt.“

Ich fürchte nur, es ist ein Club mit Zwangsmitgliedschaft und man sucht sich Mitglieder und Mitgliedschaft doch gar nicht aus. Wir können also im besten Fall weiter miteinander rudern, im Idealfall doch hier sogar meistens in die gleiche Richtung.

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Ich möchte damit sagen, dass dieser Club hier wohl exklusiver ist.

Es ist schädlich und verletzend, wenn man untereinander auch noch solche Gespräche führt. Seh ich ja auch dauernd in der Politik, da ist man ja auch nie genug wenn man keinem Extrem angehört.

Ich erleb das unter Veganern, da pinkelt man sich auch noch gegenseitig ans Bein und macht sich fertig, wenn man nicht vegan genug ist. (Bloß nicht die Energie an das gemeinsame Ziel verschwenden, erstmal aussortieren!)

Es gibt da draußen bescheuerte Menschen, da gehört sowas hin. Die Energie hier, die kann man nutzen, um draußen etwas positiv zu verändern. Und nicht, um sich gegenseitig ein Schlückchen Gift in den koffeinfreien Kaffee zu kippen.

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Vor allem wenn es so übertrieben ist und da so viel diskutiert wird - verletzt mich das persönlich gar nicht.

Kann ich gar nicht ernst nehmen und ich sehe das dann erst recht - das das alles Kopfkacke ist.

N Kindergarten is nix dagegen.

Jemand soll mal gesagt haben (glaube jemand wie Osho oder so)

„alle Menschen (oder Köpfe🤔) sind Kinder zwischen 2 und 5 die Erwachsene spielen“

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Oder vielleicht so? :thinking:

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Max, jetzt antworte bitte „einfach“ mal. Ich gucke schon die ganze Zeit auf

Max

und hoffe, Du sagst was Erbauliches, vielleicht sogar zu Schrödingers Kratzbaum. Und ich frage mich, wie Du ihn als Comic zeichnen würdest, falls Dir Deine kreative Ader Raum dafür lässt.

Ich muss aber los jetzt in mein Selbstrettungsboot. Sonst wird das nie mehr was mit Schrödingers Kratzen. Aber wen würde es schon jucken.

Ich glaube, der wahre Dissens ist weiter da draußen. Darüber scheint eigentlich sogar Konsens greifbar:

Bin mit beiden Thesen einverstanden. Fast bisschen langweilig. Im Abnehm-Thread gab es wenigstens richtiges Schlammcatchen…

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Eigentlich wollte ich erst gar nichts hier schreiben, um nicht diese eh schon volle Diskussion mit meinem Senf weiter zu belasten. Dann wollte ich zumindest diesen unsäglichen Satz mit dem Gaslighting kommentieren, den ich persönlich extrem „triggering“ finde – für mich ist Gaslighting eher das jahrzehntelange Abtun meines Andersdenkens als „misslungenes Normalsein“, an dem ich gemessen wurde und mich auch selber habe messen lassen, und ich war bis zum Lesen jenes Satzes froh, da endlich raus zu sein, vielen Dank auch --, konnte das aber nicht gut genug auf den Punkt bringen.

Deshalb nur ein Wunsch: Können wir mal ein bisschen weniger binär an die Sache rangehen? Wir sind doch angeblich geborene Out-of-the-box-Denker. Oder sind wir doch nur gescheiterte In-the-Box-Denker?

Die Vorteile, die mit ADHS in Verbindung gebracht werden, sind wahrscheinlich eher Vorteile divergenten Denkens, das mit ADHS meist zusammenfällt, auch weil wir oft Umwege nehmen müssen, um uns Dinge plausibel zu machen, die anderen selbstverständlich sind. Es kann auch zum Leiden beitragen, denn besser anpassen können wir uns damit nun wirklich nicht. Aber wenn wir diese Fähigkeit schon mal haben, können wir sie auch nutzen. Unter Anderem, um unsere Gehirne besser zu verstehen, unsere Schwächen und Stärken, und so weit irgend möglich unser Leben danach auszurichten. Und meinetwegen auch kreative Meisterleistungen zu schaffen.

Sind vielleicht nicht so eindeutige Vorteile wie mit IQ von 150 und super Sehstärke geboren zu sein, aber ich arbeite mit dem, was ich habe, und lasse mir das nicht (mehr) kleinreden. Und schon gar nicht Gaslighting vorwerfen, denn die Nachteile von ADHS sind auch so schon unangenehm genug.

Natürlich ist ADHS keine Superkraft. Niemand lässt sich damit diagnostizieren, weil er/sie so ein tolles Leben hat und nur noch eine schicke ND-Plakette zum Glück fehlt.

Beides kann wahr sein. Nicht nur das eine oder das andere.

Du hast es nicht anders gewollt… :innocent:

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Wisst ihr was?

Jetzt zeig ich euch mal was ganz tolles, ihr werdet Augen :star_struck: machen!

Die 2 Seiten der ADHS-Medaille:

Ich bin so emotional aufgerieben, das schreit doch geradezu nach einer Belohnung in Form eines Impulskaufes! Also werde ich jetzt losgehen und mir den glitzerndsten, glitzerigsten, funkelnsten Nagellack kaufen, den ich finden kann. Da ich UV-Lack benutze, kostet der 10€. Die sollte ich eher nicht ausgeben, weil zu arm und ich zieh um.

Aber was soll der Geiz! Glitzer hat doch am Ende alles immer irgendwie besser gemacht oder nicht? (Wehe, jemand sagt Nein!)

Also gib mir mein Dopamin, Glitzerlack! :nail_care:t3:

Und so hab ich gleich einen wunderschönen, neuen Lack der mein verdurstendes Hirn für einen kurzen Augenblick mit Dopamin schwemmt und bin 10€ ärmer.

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Jetzt hast Du zwar Justines Avatar zu der Aussage erwischt, aber irgendwie wollen wir Deine Antworten doch alle.

Und erinnert das nicht irgendwie ganz stark an Schrödingers Katze? So lange man die Tür zum alltäglichen Elend geschlossen hält und die Katze keinen Diagnose-Fragebogen ausfüllen lässt, weiß niemand, ob sie ADHS hat oder nicht.

Ein Quantenkatzensprung!

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Wenn es Dir hinterher Leid tut, schlaf nochmal drüber. Wenn es Dir nicht Leid tut, lad ein Foto hoch.

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Ja, keine Ahnung, ie das passiert ist. Nach dem Speichern erschien mein ganzer Text sogar als Justines, das war nach dem Neuladen zum Glück weg.

Am Ende sind wir alle die gleiche Person und führen nur Sockenpuppengefechte im Inneren Team unseres Spiegelneuronenkabinetts einer neurodiversen Matrix.

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Ja, das wird’s gewesen sein.

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