Wem habt ihr von eurer Diagnose erzählt und wie waren die Reaktionen?

Ich habe es meinen Eltern, Geschwistern und auch meinen Arbeitgeber erzählt. Auf Arbeit hat es den Vorteil, dass ich nicht um den heißen Brei herumreden muss, sondern mein Problem offen kommunizieren kann. Das macht aber glaube ich nur Sinn, wenn das Arbeitsumfeld schon davor etwas verständnisvoll war…

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Moin und herzlich Willkommen @laurinski

Anfangs hab ich relativ n Deckel drauf gehalten. Mittlerweile stehe ich dazu, binde es aber nicht unbedingt jedem auf die Nase.

Entweder nehmen mich die Menschen wie ich bin oder eben nicht :man_shrugging:

Allerdings halte ich innerhalb der Familie n Deckel drauf. Jedoch aus persönlichen Gründen…

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Danke an jeden einzelnen von euch fürs Teilen. :smiling_face: Das hilft mir sehr und es tut gut, sich verstanden zu fühlen.

Vielleicht werde ich mehr Leute mit einbeziehen, wenn ich etwas gefestigter bin und es sich richtig anfühlt. Dank eurer Berichte fühl ich mich aber auch nicht mehr in der „Pflicht“ das zu tun und warte erst mal ab.

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Wichtig ist, dass du jetzt weißt dass du nicht alleine bist :wink:

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Es ist ein Bisschen auch eine Generationenfrage. Als ich meine Diagnose bekam (2003), war ADHS bei Erwachsenen noch unbekannter und der Ruf von Ritalin noch schlechter.

Vor einem knappen Jahr war ich in Berlin beim Gründungstreffen der „Neurodiversen“ innerhalb meiner Partei. Bisher hatte ich auch dort meine ADHS eher versteckt. Was sollen die Anderen denken, wählen die mich noch in den Kreisvorstand, wenn sie wissen dass ich nicht nur etwas verpeilt bin, sondern dass das bei mir an einer psychischen Störung liegt?

Und das war so ein schönes Treffen. Ich war zwar als 57-jähriger der Einzige über 30, aber die Anderen tickten so wie ich. Und diese jungen Leute gehen ganz offen damit um.

Inzwischen haben wir in unserem Landesverband ein Vielfaltsstatut verabschiedet, das nicht nur Angehörige verschiedener Glaubensrichtungen oder sexueller Identitäten einschließt, sondern eben auch neurodiverse Menschen. Ich hielt das bisher für neumodisches Zeugs, aber jetzt bin ich ein Fan davon.

Ich binde meine ADHS aber immer noch nicht Jedem auf die Nase! Berlin ist schließlich weit weg.

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Hallo @laurinski, willkommen hier!

Bei mir ist es auch noch frisch und ich mache mir viele Gedanken darüber, wie offen ich damit umgehen möchte. Ich neige grundsätzlich zum Oversharing, also Leuten, die ich sympathisch finde mehr zu erzählen, als angemessen ist. Das habe ich schon länger erkannt und bin dann vorsichtiger geworden. Ich habe auch Endometriose, eine chronische Erkrankung, die mich oft schon sehr eingeschränkt hat und mit der frau auch nicht so ohne weiteres hausieren geht - leider!! Dabei ist es mir ein Anliegen, darauf Aufmerksam zu machen, dass eine gynäkologische Erkrankung absolut nichts schambehaftetes sein sollte. Dennoch sage ich Termine nicht ohne weiteres mit dem Hinweis darauf ab.
Tja und ADHS? Bisher wissen es außer meinem Mann nur eine gute Bekannte, deren Tochter auch ADxSlerin ist und von der ich weiß, dass sie nicht tratscht und meine beste Freundin. Meine Mutter weiß, dass ich in der Diagnostik war, hat aber bisher nicht nach gefragt, was dabei rausgekommen ist… wie so viele sieht sie sich dadurch irgendwie angegriffen. Ahja, und ein lieber Bekannter, den ich noch gar nicht lange kenne, der selbst auch ADxSler ist und der jetzt so ein bisschen zu meinem ADxS-Buddy geworden ist.
Das wird auch erstmal dabei bleiben denke ich… Ich erlebe so viele Vorurteile, wenn man das Thema mal unverfänglich anschneidet und ich seh es nicht als meine Aufgabe an, das zu ändern, jedenfalls im Moment nicht. Außerdem habe ich die berechtigte Sorge, dass ich vergesse, wer es weiß und wer nicht und dann in dieser peinlichen Schleife hängen bleibe „äääh hab ich dir eigentlich erzählt dass…“

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Ich erzähle leider auch oft zu viel, manchmal dann auch situationsbedingt, wo ich jetzt denke, ich hätte besser den Mund gehalten. Meine Freundinnen haben es ganz gut aufgenommen, meiner Mutter und meinen Geschwistern hab ich es nicht erzählt. Ich wollte letztes Jahr, als ADHS erstmals für mich Thema war, meine 7 Jahre ältere Schwester nach meiner Kindheit fragen, aber sie hat das gleich abgetan. Meine Physio, die ich seit Jahren kenne und mit der ich auch viel Persönliches bespreche, erzähle mir dann, dass (allgemein) jede 4. Diagnose falsch sei :roll_eyes: Inzwischen bin ich vorsichtiger geworden, aber es ist halt alles noch ganz neu und beschäftigt mich und dann möchte ich drüber reden können.

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Bei mir weiß das Umfeld Bescheid, auch das Arbeitsumfeld. Die Reaktionen waren meist positiv, vor allem auf Arbeit. Allerdings bin ich in einer festen Anstellung im öffentlichen Dienst und es entstehen keine Nachteile durch mein outing. Differenzierter würde ich es betrachten, wenn es um zukünftige Arbeitsverträge ginge und die Diagnose in die falsche Waagschale gelegt wird. Die Gefahr besteht bei mir nicht und ich arbeite schon 20 Jahre unter demselben Chef und habe ein gutes Verhältnis zu ihm.

Eine Freundin habe ich durch meine Diagnose nicht mehr, weil ich jetzt Drogen nehme :melting_face:
So viel zu dieser Freundschaft.

In der Verwandtschaft hat keiner Probleme mit meiner Diagnose, hier habe ich 100%igen Support.

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Das aber ganz schön schräg …. Vor allem seit wann bekommt man mal eben „Drogen“ legal auf Rezept :crazy_face:

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Es gibt dazu sehr merkwürdige Verschwörungstheorien.
Man will uns alle mit Medikamenten ruhig stellen und unter Kontrolle bringen.
Ich weiß auch nicht, wer „man“ hier sein soll, vermutlich die herrschenden Echsen Menschen :crazy_face:

aber auch unter ansonsten eigentlich ganz vernünftigen Menschen herrschen große Vorbehalte gegenüber Psychopharmaka jedweder Art

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Dabei werden wir doch erst dann „zur Gefahr“ wenn wir durch die Medikation unser Potential voll ausschöpfen können :scream::rofl::wink:

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Hey !
Erst einmal : Schön, dass du jetzt die Gewissheit hast, was dich im Alltag so begleitet.
Das ist viel Wert- mir hat die Diagnose unheimlich geholfen, mich von meinen Problemen und Symptomen abzugrenzen und meinen Selbstwert gesünder aufzubauen.

Erzählt habe ich von meinem ADHS meinen engsten Freunden (wobei ich durch eine Freundin erst zur Diagnostik kam) und meinen Geschwistern sowie meiner Mutter.
Meine Schwester hat sehr neutral reagiert und versteht viele Probleme, die das mit sich bringt, nicht.

Meine Mutter glaubt nach wie vor nicht daran, dass ich ADHS habe, weil „WOHER DENN SO PLÖTZLICH?“
Sie versteht die Tragweite der späten Entdeckung dessen auch kein bisschen.

Seit ich weiß, woher meine Probleme kommen, fällt es mir leichter, Hilfe zu suchen und sie anzunehmen.
Ich bin deutlich offener geworden anderen Menschen gegenüber und suche Kontakte eher als dass ich sie vermeide.

Dazu kommt, dass mein Vater, der sehr sicher ADHS hatte, an den Folgen seines Alkoholmissbrauchs über Jahrzehnte vor ein paar Monaten gestorben ist.
Er war ein sehr empathischer , unfassbar schlauer und witziger Mensch, der immer weit unter seinem Potenzial gelebt hat.

Das bewegt mich dazu, die Schattenseiten der ADHS nicht zu sehr Kontrolle übernehmen zu lassen und das Positive daran herauskehren zu können.

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Hi!
Ich habe meine Diagnose auch erst vor kurzem erhalten, daher wissen es bei mir auch nicht alle. Aber in der Regel mache ich kein Geheimnis draus, generell bin ich mit meinen mentalen Krankheiten schon immer sehr offen umgegangen, da ich hoffe dass es dadurch mehr normalisiert wird. Vielleicht hatte ich immer Glück, aber bis jetzt ist mir noch niemand dumm deswegen gekommen und wenn doch, dann wäre es mir egal ^^
Ich denke ein guter Schritt ist es immer, gut mit Fakten vorbereitet zu sein. Viele denken bei ADHS nur an die Stereotypen und was halt so in den Medien gezeigt wird. Bei mir persönlich hatte niemand vermutet das ich ADHS habe und waren meist überrascht wenn ich davon erzählte. Meistens war’s das dann aber auch, trotzdem manchmal wurde aber noch nachgehakt. Dann habe ich eben erzählt wie ADHS sich bei mir äußert, aber auch Symptome die man noch dazu haben kann.
Manche Menschen sind einfach gemein und wenn sie merken das du nervös bist oder unsicher, dann greifen sie dich darauf an. Wenn man es aber selbstbewusst und einfach normal nebenbei erwähnt (ich mags gerne einfach Witze drüber zu machen), dann realisieren die meisten nichtmal das es etwas sein könnte, was komisch ist.
Ich will nicht sagen das es super einfach ist, so etwas von sich preiszugeben. Ich habe auch schon einen weiten Entwicklungsprozess hinter mir, aber wenn du okay damit bist das du ADHS hast, in den meisten Fällen werden es die anderen auch sein. Weder auf der Arbeit bzw. Schule (mache gerade eine Ausbildung), noch bei Freunden, neuen Leuten oder Familie hatte irgendjemand ein Problem damit. Und sollten die doch, dann ist das deren Ding.
Ich wünsche nur das beste für dich!

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Gibt nur sehr wenige die das wissen und ich erzähle es auch nicht gerne, weil niemand so richtig darüber Bescheid weißt.

Habe es einer guten Freundin erzählt, ihr Bruder hat auch ADHS seit Kindheit diagnostiziert. Sie meinte doch tatsächlich ADHS rührt daher, dass man als Kind zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.

Ich war sprachlos und wollte nicht weiter darüber reden. :relieved:

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Mir hat kürzlich jemand gesagt, das käme vom vielen zocken
Ähm… ich hab glaube ich 1998 zuletzt ein PC Spiel gespielt…

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Ich habs meinen Eltern erzählt, seitdem hatte meine Mutter die Erkenntnis, dass bei ihr vielleicht auch nicht alles so der Norm entspricht. Ansonsten macht sie sich halt Vorwürfe, dass es nicht bemerkt wurde.

Mein Freund weiß es, meine ehemalige Chefin (sie war nicht überrascht…)und zwei aktuelle Kolleg*innen. Eine, weil ich bei ihr auch ADHS sehe und sie das thematisiert hat, der andere, weil er mein Stellvertreter ist und wissen sollte, was Sache ist. er hat aber keinen so richtigen Plan, was dahinter stehen können - wir sind eh alle so überarbeitet, dass die ADHS-Symptome da auch nicht mehr auffallen.
Mein Chef weiß nix, ich will nicht, dass Auswirkungen der Arbeitsüberlastung darauf geschoben werden können.

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Hochspannend! Thread kommt genau zu rechten Zeit!

Ich (Mann, 33 J.) habe gerade in dieser Sekunde einen Text mit kopierten Textpassagen zu AD(H)S und dazugehörigen Komorbitäten erstellt. Das Wort selbst und Passagen zu AD(H)S habe ich geschwärzt. Es sollte geraten werden, um was es sich handelt. Den Text wollte ich meiner Mutter und vielleicht auch engen Verwandten zeigen und mich damit outen.

Allerdings bleibe ich zunächst zurückhaltend, erzähle meiner Familie wenn nur mündlich darüber, wenn überhaupt… Wie bereits geschrieben gibt es viel gefährliches Halbwissen zu dem Thema. Ich selbst kann auch nicht immer zu 100% hinter meiner Diagnose stehen (ich bin sehr gut im Zweifeln und Zerdenken…). Bei manchen Freunden bin ich offener. Mittlerweile habe ich auch festgestellt, dass die meisten meiner engsten Freunde allesamt neurountypisch sind :smile: (es erklärt mir tatsächlich auch, warum ich mit manchen so gut klar komme oder ich mich so hingezogen fühle…). Aber ich binde es niemandem auf und bin nachwievor vorsichtig. Ich habe große Angst vor Ablehnung und Unverständnis. Dass ich eigen, neurountyptisch, komplex, sehr empfindsam, hochsensibel etc. bin, das wissen alle, die mich kennen. Wie man es dann am Ende benennt, spielt da vielleicht gar nicht so eine entscheidende Rolle. Ich bin ja derselbe Mensch. Wichtig finde ich zunächst für mich, das Verständnis und die Perspektive für mich selbst zu gewinnen und mich (neu) zu verstehen. So geht es zumindest mir.

Und mir hat im Endeffekt dieses Interview gut dabei geholfen, meine eigenen Erwartungen an das eigene Outing runterzuschrauben. Darin wird gesagt, dass du im Endeffekt als dieselbe Person gesehen wirst, wie vor der Diagnose auch. Die tollen Erkenntnisse etc., das passiert nur in deiner Welt und in deinem Kopf :smiley: https://www.youtube.com/watch?v=DNCDwUv_gkQ

Tatsächlich habe ich mich aber vorhin auch gefragt, ob ich bei der Datingapp Bumble in der Beschreibung „neurountypisch“ oder so etwas ergänze. Fände es cool auf Verständnis zu stoßen und eine Partnerin zu finden, bei der man sich idealerweise in seiner Neurodiversität ergänzt.

@Falschparker Cool, welche politische Partei ist das?

Kann mir jemand sagen, wie ich mehr von Euch Gleichgesinnten im echten Leben treffen oder mich noch persönlicher austauschen kann? Komme aus der Region Mainz/Bingen.

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Hi Mr. Roby

Selbsthilfegruppen | ADHS Deutschland e. V. (adhs-deutschland.de)

Es gibt etliche Seiten mit Selbsthilfegruppe für jede Region, diese ist nur ein Beispiel.
ich habe meine Diagnose am Anfang rausgehauen und habe nicht mit soviel Unverständnis gerechnet und war in Erklärungsnot, was aber im Endeffekt nichts gebracht hat.
Jetzt sage ich es mal und mal nicht, steh aber über den Reaktionen der Menschen :upside_down_face:

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Ohje, wieder das gefährliche Halbwissen der Bevölkerung :sunglasses:

Geil ist auch: Nicht überall, wo ADHS draufsteht ist auch ADHS drin

ach watt :crazy_face:

@Hruna

Danke, wieder was gelernt heute. Dazu neige ich leider auch und so nennt man es. Ich hatte es bis jetzt auf das Nähe-Distanz- Problem geschoben, aber so ist es ein Schlagwort, noch besser!

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Hmm… Diese Frage hab´ ich mehrfach gewälzt, bevor ich bemerkte, dass mich 80% der interessierten Datingpartner langweilen. Entweder bin ich extrem wählerisch - mag sein - oder ich finde „normale Menschen“ wirklich weired und anstengend :ghost:, weil ich das Gefühl habe, auch immer normal sein zu müssen (?) → Thema Maskierung und Abspaltung. Während ich im Berufsleben als super strukturiert gelte - habe auch keine direkten Kollegen;)- bin ich privat oft „anstrengend“, also sag´ich´s lieber gleich, bevor die später wegrennen! Und wenn jemand nach meinem „ADHS-Outing“ dann meint, ich sei „behindert“, einfach nach links wischen? (bin Tinder-Analphabetin- ist mir zu krass das Löschen! :see_no_evil:)