Wie gehe ich mit jemandem um, der ADHS hat?

Hallo.
Ich habe einen Arbeitskollegen, der im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung ist, mit ADHS.
In den letzten 4 Wochen sind mehrere Vorfälle auf der Arbeit gewesen.
Um einige zu nennen
Respektlosigkeit gegenüber den Kollegen, körperliche Gewaltandrohungen und einfach nach nicht erfüllt er Arbeitzeit gegangen.

Er hat ein anderes Medikament verschrieben bekommen, dass er selber bestimmt hat, und dafür den Arzt so oft gewechselt, bis er dieses auch verschrieben bekam.

Wir haben festgestellt, dass seine Konzentration 4-6 Stunden durchhält, danach geht sie steil nach unten. Das Angebot, seine Arbeitszeit zu reduzieren will er nicht annehmen.
Unsere Tätigkeit ist umfangreich. Wir haben viel Telefon und Kundenverkehr. Bei uns laufen die Bestellungen und die gesamte Anlieferung/Abholservice zusammen. Wir sind auch der erste Ansprechpartner für alle produktzierenden Einheiten.
Es kommt häufig vor, daß man dann 3-4 Dinge auf einmal erledigen muss.
Dies überfordert unseren Kollegen und er reagiert verbal aggressiv auf die Situation.
Auf unseren Tip, er solle sich die Anliegen notieren und nacheinander abarbeiten, kommt als Antwort „das brauche er nicht“. Das Problem ist aber dann, daß arbeiten nicht ausgeführt sind und damit Kunden und auch Kollegen verärgert werden. Seine Entschuldigung dazu ist: „ist mir doch egal“

Wenn man ihm was versucht zu erklären, dann fällt er einem immer ins Wort und ist der Meinung, er kann und weiß es besser. Oder es wird über eine Anweisung ewig diskutiert, auch wenn von unserem Chef persönlich gesagt wird, daß es jetzt so gemacht wird.

Wir, als Kollegen, wissen nicht mehr weiter. Und seine Ausraster können wir auch nicht mehr weg atmen.

Vielleicht können wir ein paar Tipps haben, damit das Büroklima wieder besser wird.

Danke

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Moin @Teufelchen
Erstmal herzlich willkommen und Respekt dass du als indirekt betroffene/r nach Hilfe suchst.

Was du da schilderst ist alles andere als normales Verhalten.

Ja, manche Menschen fixieren sich auf ein bestimmtes Medikament. Ob das gut ist sei Mal dahingestellt da ich die persönlichen Beweggründe deines Kollegen nicht kenne.

Was jedoch, ADHS hin oder her, meiner Meinung nach gar nicht geht ist die Nichtbefolgung von Anweisungen sowie die verbalen Ausfälle.

Die Aufmerksamkeit deines Kollegen lässt nach der von dir benannten Zeit nach weil er da am wirkende seines Medikaments angelangt ist. Ich nehme Mal an dass dies so gegen Mittag sein dürfte?
Wenn er das erst seit etwa 4 Wochen nimmt ist er auf jeden Fall noch in der eindosierungsphase.
Normalerweise sollte er nach einer gewissen Zeit mittags noch eine zusätzliche Dosis nehmen um eben über den Tag zu kommen.

Weißt du zufällig was und wie viel er nimmt?

Als Beispiel möchte ich dir zeigen wie ein Teil meiner eindosierungsphase mit medikinet lief
Woche 1: morgens 10mg
Woche 2: morgens 10mg, mittags 10mg

In ähnlichen Schritten muss / sollte ärztlich begleitet dann die richtige Dosierung gefunden werden was mitunter etwas dauern kann.

Hast du einen guten Draht zu dem Kollegen bzw hat er dir das mit dem ADHS erzählt oder woher weißt du davon?

Für manche / viele Betroffene ist / kann das Thema ein rotes Tuch darstellen. Kommt da ganz auf die einzelne Person an…

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Für Azubis habt ihr eine besondere Fürsorgepflicht, auch unter dem Aspekt finde ich es toll, dass Du nach Lösungen suchst!

Du kennst den Auslöser (Wechsel Medikation). Ein gewisses Vertrauensverhältnis ist also vorhanden, sonst wüsstest Du es nicht. Die Auswirkungen sind aber absolut inakzeptabel! Er verbaut sich ggf seinen Abschluss, und euer Betriebsablauf ist empfindlich gestört. Er ist ja quasi nicht arbeitsfähig… Was für eine blöde Situation.

Ich würde mit der Schule sprechen, wie sein Verhalten und seine Leistung dort sind in den letzten Wochen. Vielleicht auch Eltern, falls unter 18? Je nachdem auch mit der IHK, welche Möglichkeiten es gibt bei einem ‚plötzlichen Leistungsabfall und impulsivem Verhalten’ bei uneinsichtigem Azubi. Die IHKs sind meist sehr darauf bedacht, allen den Abschluss zu ermöglichen. Für Prüfungen anmelden könnt ihr ihn in dem Zustand ja nicht. Wenn er abbricht, kann er diese Ausbildung nicht wieder anfangen. Varianten ausarbeiten, wie es weitergehen kann für ihn.

Und danach ein Interventionsgespräch führen (vormittags während der ‚guten‘ Zeit), um dem Azubi klar zu machen, dass er sich gerade seine Zukunft verbaut, wenn das so weitergeht, und dass der Auslöser aus eurer Sicht der Mediwechsel ist. Dass ihr ihn ganz anders kennt und er vorher gut mitgearbeitet hat. Fragen, wie seine Sicht der Dinge ist und wie lange die Eindosierung noch dauert. Er muss verstehen, dass das jetzt sehr ernst ist. Und welche Optionen er hat. Wenn er danach erst einmal wegläuft, gebt ihm etwas Zeit, um runterzukommen und zu überlegen.

Viel Erfolg… Es ist echt schwierig.

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@FrauMaske Sry, aber die Dauer der Eindosierung kann nicht pauschal festgelegt werden.
Die variiert von Person zu Person und hängt mitunter auch stark von der Unterstützung des behandelnden Arztes ab.

Ja, man kann sagen dass voraussichtlich Zeitraum X benötigt wird. Dieser „Richtwert“ ist aber leider nichts anderes als eine grobe Zahl und muss eben nicht zwingend zutreffen.

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@ZappelPhilipp Du hast Recht. Trotzdem wird es vom Arzt bestimmt einen Richtwert geben, wie die Eindosierung geplant ist. Und vielleicht hat auch der Azubi selbst Vorstellungen, welche Dosis er will, gerade wenn er Ärztehopping für ein bestimmtes Medikament betrieben hat.

Relevant ist ja nicht, ob es wenige Tage mehr oder weniger sind, sondern ob es noch Wochen oder mehrere Monate dauern kann. Gerade beim 3. Jahr Ausbildung gibt es Prüfungsanmeldungen usw. die laufen müssen, oder man verlängert.

Ach je, wie schwierig für alle!

Und super toll, dass Du Dich schlau machst!

Mein Sohn muss nächstes Jahr sein Praktikum machen und wie fangen auch an, zu überlegen und uns auszumalen, wie das dann so wird.

Wie alt ist Euer Azubi denn?

Ist die Pubertät vielleicht auch noch mit beteiligt?

Ich erlebe die Problematik von Medikamentenwechseln auch ganz schwierig grade mal wieder.

Mit der Eindosierung und Feindosierung haben die Ärzte leider häufig sehr wenig Ahnung.

Eine Krankschreibung für die Eindosierungsphase erscheint mir tatsächlich hier eine erste schnelle Maßnahme, um weiteren Schaden zu mindern.

Hier muss der junge Mann sofort couragiert zum Arzt in die Praxis gehen und die Situation schildern.

Das könnte ihm womöglich auch schwer fallen, was ich natürlich nicht hoffe.

Ihr müsst wie oben beschrieben auf jeden Fall immer nur dann mit ihm sprechen, wenn das Medikament wirkt. Das hat auch den Vorteil, dass vielleicht grade am Morgen noch nichts vorgefallen ist, das die Stimmung vermiest.

Oh Mann ich kriege Schiss wenn ich an meinen Sohn denke. Aber er ist zusätzlich noch hofunktionaler Autist. Was ihm aber fast niemand anmerkt, solange alles rund läuft. Wir sind auch nur durch die Rekrorin seiner Grundschule drauf gekommen, die zu dem Thema eine Schulung mitgemacht hatte.

Unser Sohn versteht nicht, merkt nicht, wenn Stimmungen kippen und merkt nicht, was in emotionaler Hinsicht in bestimmten Situationen angemessen wäre. Er braucht mehr Ruhe als andere und hat Schwierigkeiten, sich anzufreunden und sowas.

Ansonsten hat er Blickkontakt, ist auch gerne mit anderen Menschen zusammen und hätte gerne Freundschaften.

Der Psychiater, der das ADHS behandelt, mehrfach gesagt, dass er das gar nicht versteht mit der Autismusdiagnose. Aber wenn man sich im Besprechungszimmer gemütlich ein paar Minuten unterhält und eher nur so Smalltalk, dann fällt es eben auch nicht auf.

Ich erzähle das hier nur mal so, weil unser Sohn sich bei uns zu Hause auch so verhält wie das was du oben beschreibst.

Ich kann es nicht sagen, ob das alles nur ADHS ist oder ob erschwerend eine Schwierigkeit dazu kommt, die beim sozialen Umgang hinderlich ist. Ich kenne ja nur die Kombi meines Sohnes. Aber schon bei kleinen Meinungsverschiedenheiten entstehen hier Konflikte, bei denen es wirklich ganz ganz schwierig ist, eine Eskalation zu verhindern.

Aber einen Autismus zu erkennen, der sich dermaßen versteckt, das ist echt für Euch erst recht unmöglich.

Mein Sohn summt zeitweise vor sich hin, sucht sich, wenn er reiztechnisch viel erlebt hat, manchmal einen ruhigen Ort, an dem er mal ganz alleine ist, obwohl man denkt, Moment, grade sind wir hier doch alle schön gemütlich beieinander… manchmal klopft er so ein klein bisschen, schnickt mit dem Kugelschreiber die Mine rein und raus… oder erzeugt irgendwelche Geräusche, die uns merkwürdig vorkommen und auch nerven… das sind eventuelle kleine Hinweise auf eine autistische Komponente. Und natürlich hat er so seine Lieblingsthemen, von denen er dann allen um sich herum ganz viel erzählt…

Aber um Himmels Willen, wie soll man jemanden bloß darauf ansprechen…

… und das muss auch überhaupt nicht schon alleine für eine ASS Diagnose reichen…

Diese autistischen Sachen sind sogar oft im ADHS mit enthalten.

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Ja, aber diese bezieht sich darauf, den Auszubildenden zu schützen und nicht unbedingt darauf, ihn vor sich selbst zu schützen. Denn das muss entweder er selbst oder - falls minderjährig - seine Eltern tun.

@Teufelchen
Die Tatsache, dass ihr die Arbeitszeit verkürzen wollt zeigt, dass ihr schon die Möglichkeit einer Teilzeit in Erwägung gezogen habt und ihr eure Möglichkeiten kennt.

Ich finde es toll, dass ihr so sehr auf euren Auszubildenen eingeht, aber mir scheint, dass dies dazu führt, dass er meint, sich alles erlauben und seine ADHS-spezifische Impulsivität so richtig ausleben zu können.

Ihr habt als Ausbildungsbetrieb aber auch das Druckmittel der Kündigung, das ihr einsetzen könnt, wenn er eure Angebote nicht annimmt. Wie bereits erwähnt, solltet ihr diese Gespräche innerhalb der Wirkzeit seiner Medikamente führen.

Wenn er euch nicht genauso entgegen kommt, wie ihr ihm, hilft nur klare Kante zeigen, denn alles andere wird er in seiner Situation nicht verstehen. Nur weil er ADHS hat, müsst ihr euch nicht alles gefallen lassen. Meistens helfen da nur klare Grenzen und diese müssen ihm ebenso klar kommuniziert werden.

Dann hat er die Wahl: Entweder an sich zu arbeiten oder aber sich seine Zukunft zu verbauen!

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Aggressivität entsteht ja sehr oft durch ein Gefühl von allgemeiner Überforderung und Frust im Umgang mit Menschen und Situationen.
Das da ausgerechnet noch ein Problem mit der Medikation dazu kommt ist schwierig.
Eine wirklich schwierige Situation, da der junge Mann anscheinend in eine Art Abwehrhaltung fällt.
Ich bin keine Psychologin, aber wie gesagt Aggressivität bei Adhs steht oft mit dem Gefühl von Überforderung, dem Gefühl sich nicht verstanden zu fühlen, dem Gefühl abgelehnt zu werden, dem Gefühl zu wenig gelobt und stattdessen zuviel kritisiert zu werden, keine Anerkennung zu finden in Zusammenhang, was dann zu grossem Stress führen kann und impulsives Verhalten begünstigen kann, oder vielleicht auch eine Art von trotzigem abblocken, dicht machen, gefrustet sein.
Jedenfalls sollte man das Gespräch suchen, der Sache auf den Zahn fühlen, möglicherweise hat die Problematik mit mehr als nur der Medikation zu tun.
Vielleicht hat der junge Mann auch private Probleme, oder eine Ansammlung von mehreren Problemen, was dann zu einer totalen Überlastung führt, er aber typisch Adhs wieder mal zulange damit wartet sich Hilfe zu suchen, dass ganze vor sich herschiebt statt zu seinem Arzt:Ärztin, Psychiater:in, Psychologe:in zu gehen.
@Teufelchen ich finde es übrigens sehr lobenswert das Du hier in einem Adhs Forum nach unserer Meinung fragst, ihr müsst wirklich ein tolles Unternehmen sein wenn ihr euch so um eure Angestellten sorgt. :+1:

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@Nono Krankschreibung wäre wirklich angebracht, stimmt! Muss der junge Mann nur machen.

Ja-ein. Charakterliche Förderung ist zumindest auch Pflicht, weil zusätzlich zum Arbeitsverhältnis auch ein Erziehungsverhältnis besteht. Im jetzigen Zustand ist er charakterlich ungefestigt.

Außerdem ist es nicht möglich, Auszubildende einfach zu kündigen, das geht nur aus wichtigem Grund, wenn die Fortführung nicht zumutbar ist. Je nachdem, ob es einen übernehmenden Betrieb gibt, verbaut man damit die Möglichkeit permanent, diesen Ausbildungsberuf dual abzuschließen. (Deswegen auch mit der IHK Kontakt aufnehmen.)

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Hier in diesem Fall scheint es ja mit der ursprünglichen Medikation irgendwie besser gelaufen zu sein.

Aber warum wollte der junge Mann unbedingt ein anderes Medikament? Vielleicht hatte er unangenehme Nebenwirkungen… es gibt da ja leider ganz viele zur Auswahl… Herzklopfen, Schlafstörungen, Impotenz, … die Möglichkeiten sind endlos…

Aus unserer Erfahrung kann es sehr hilfreich sein, bei Tendenz zu Reizbarkeit bis Aggression beim Wirkende und danach, ein Spiegelmedikament zu suchen, das nicht irgendwann aufhört zu wirken. Und das, wenn man mal eine Einnahme vergisst, einen trotzdem noch irgendwie den Tag durchstehen lässt.

Aber wir haben - in diesem Fall war es Atomoxetin/Strattera - auch gemerkt, dass diese Mittel besonders schwer einzudosieren sind. Denn wenn man bei einer Dosis nach zwei Wochen denkt, OK die ist jetzt gut, dann kann die Wirkung sich schleichend und unbemerkt durchaus noch zwei Wochen lang weiter steigern und dann ist man überdosiert, hat aber aufgehört, sich so genau zu beobachten. Und irgendwann denkt man, Moment mal, bin ich so reizbar und aggressiv, weil ich eigentlich überdosiert bin.

Das hatten wir grade bei meinem Sohn… der Arzt wollte das Mittel dann ganz durch Methylphenidat ersetzen, eben sowas wie Medikinet und Ritalin. Aber das war eben dann wieder die Geschichte mit dem täglichen Drama am Ende der Wirkzeit. Ging gar nicht!!

Jetzt mal in eine extreme Richtung gedacht…

ADHS kann in einer Weise ausgeprägt sein, dass man als Minderjähriger einen Schulassistenten über das Jugendamt beantragen kann… ich habe hier im Forum auch schon von jemandem gelesen, der als Erwachsener für den Beruf einen Assistenten bewilligt bekommen hat.

Je nachdem könnte das perspektivisch gesehen ein wichtiger Bausteine sein, um auf dem Weg in das Berufsleben wichtige Fähigkeiten zu lernen.

So einen Assistenten braucht ein ADHSler ja nicht unbedingt ewig… irgendwann hat man ja mit Hilfe der Assistenz viel lernen können.

Die Assistenten heißen ja auch nicht umsonst Integrationsassistenz… sie können durchaus auch helfen, dass jemand in der Klasse/im Betrieb besser mit den Kollegen klar kommt, mehr in Kontakt kommt… besser erklärt bekommt, welche unausgesprochenen Regeln es vielleicht gibt, die so ein ADHSler mit gewisser Auslenkung gar nicht wahrnimmt und dann auch nicht berücksichtigen kann…

Dadurch - wie auch durch die sicherlich hier auch wichtige Medikation - kann das Abrutschen in Dauer-Arbeitslosigkeit, Sucht und Kriminalität verhindern, evtl auchdas Risiko, durch Armut in politisch abwegige Denkweisen zu rutschen…

Naja und - auch das sollte erwähnt werden - ADHS kann so stark ausgeprägt sein, dass man sogar einen GDB beantragen kann.

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@Teufelchen ich habe einen eigenen Thread eröffnet zu einer Frage, die uns grade umtreibt - was wir dem Betrieb sagen sollen, in dem unser Sohn nächstes Jahr Praktikum machen wird.

Hier der Link zu meinem Thread:

Vielleicht könntest Du ja etwas aus deiner Sicht schreiben.

Und andersherum könnten die anderen Antworten, die ich dort bekomme, für dich auch interessant sein…

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Und wie bitte soll der Ausbilder/die Ausbilderin dieser Pflicht nachkommen, wenn der Auszubildende noch nicht mal den Chef ald Führungsfigur akzeptiert???

Ich habe selbst einen Ausbilderschein und hätte das nicht geschrieben, wenn ich mir nicht ganz sicher wäre, dass es möglich ist.
Das beschriebene Verhalten ist auf Dauer nicht zumutbar, weil der Auszubildende seine Pflicht aus dem Ausbildungsvertrag verletzt, indem er den Weisungen des Weisungsbefugten nicht folge leistet, die vorgeschriebene Arbeitszeiten nicht einhält, sich ohne Erlaubnis während der Arbeitszeit vom Betrieb entfernt, etc…und ausserdem den Betriebsfrieden massiv stört.
Er strapaziert die Geduld seiner Umgebung massiv und ignoriert seine Mitwirkungspflicht vollkommen.

Ich gehe davon aus, dass dieser Kontakt bereits stattgefunden hat, sonst hätte man ihm kaum Teilzeit angeboten.

Außerdem waren hier keine Belehrungen bzgl. der Ausbildung an sich angefragt worden, sondern Tipps zum Umgang mit einem renitenten Azubi mit ADHS.

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Ok, Du hast Dich wohl irgendwie angegriffen gefühlt, keine Ahnung. Auf Deine Punkte gehe ich jetzt nicht mehr ein, keine Bock auf Drama.

Liebe @FrauMaske ich sehe das nicht so das sich @Andromache angegriffen gefühlt hat, vielleicht liegt hier ein Missverständniss von Deiner Seite vor, denn so wie ich es verstehe hat Andromache nur nochmals darauf hingewiesen das der Adhs Azubi ein recht aggressives Verhalten an den Tag legt wie: Arbeitsverweigerung bis hin zu körperlicher Gewaltandrohung und unerlaubtem Entfernen vom Arbeitsplatz, was nicht einfach nur ein Kavaliersdelikt ist, sondern wenn mich nicht alles irrt arbeitsrechtliche Verstösse sind die nicht ohne weiteres tolerierbar sind und sich dieser Azubi dadurch sehr viel verbaut, in Wahrheit hat er grosses Glück, dass @Teufelchen hier bei uns „trotz“ dieser schweren Verfehlungen dieses Azubis überhaupt noch nachfragt wie man mit so einem renitenten Adhs’ler Azubi umgeht, andernorts würde man sich wahrscheinlich nicht länger solche Gedanken machen, sondern den jungen Mann relativ schnell und unkompliziert an die frische Luft setzen.
Insbesondere körperliche Gewaltandrohung, sowas geht einfach nirgends, dass darf nicht passieren das sich andere Angestellte wegen jemand wie diesem renitenten Azubi eingeschüchtert oder körperlich bedroht fühlen, sich um ihre Sicherheit fürchten müssen, sowas ist einfach nigends tolerierbar, damit wird er immer und überall anecken.
Was mir bei nochmaligem durchlesens des Eingangsposts von Teufelchen übrigens noch als merkwürdig aufgefallen ist, ist das sich der Azubi anscheinend sehr stark darum bemüht hat ein „bestimmtes Medikament“ zu bekommen, dafür verschiedene Ärzte: innen aufgesucht hat um dieses Medikament zu bekommen, ich frage mich „was“ für ein Medikament das sein könnte.

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Hallo liebe @AbrissBirne :slight_smile: Den zitierten Satz sehe ich nicht so. Danke, dass Du versuchst zu vermitteln.

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Das stimmt! Ich habe öfter Azubis für ein paar Monate, bis sie im Konzern weiterziehen. Da schaue ich, dass ich mir ein Bild mache von jedem einzelnen und signalisiere, dass sie mit allem was sie bedrückt zu mir kommen können.

Die Ausbildungsbeauftragten achten zudem sehr darauf, dass die Azubis zu positiven Charakteren heran wachsen, sie geben Feedback und vermitteln zusammen mit uns in den jeweiligen Abteilungen, dass wir eine gute Fehlerkultur haben und es nicht schlimm ist, auch mal etwas falsch zu machen.

Ich weiss nicht, ob das so ein Punkt ist, wo man ansetzen kann? Dass dem Azubi zum einen Sicherheit vermittelt wird, dass es ok ist Fehler zu machen, aber zum anderen zu einem guten Betriebsklima auch jeder etwas beisteuern muss.

Ich finde, er muss lernen sich zu reflektieren und das s ein motziges Verhalten schwierig ist für alle.
Sein Trotzverhalten zeigt, dass er sich seiner Fehler bewusst ist, aber nicht weiss wie er sich abgrenzen kann und für sein Selbstbewusstsein sauber aus dem Dilemma raus kommt. Er hat Probleme in der Kommunikation seiner eigenen Bedürfnisse und Gedanken, vermute ich.

Hier ist natürlich auch der Chef gefordert, Grenzen freundlich, aber deutlich zu vermitteln und den „Tanzbereich“ zu klären.

Nicht leicht sowas…ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass ihr in einen guten Dialog kommt @Teufelchen! Ich find’s super, dass du privat recherchiert und dich schlau machst was man tun kann…Respekt ( :

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[quote=„AbrissBirne, post:14, topic:9185“]…
denn so wie ich es verstehe hat Andromache nur nochmals darauf hingewiesen das der Adhs Azubi ein recht aggressives Verhalten an den Tag legt wie: …
[/quote]

Danke, liebe @AbrissBirne,
genauso habe ich es gemeint. :slightly_smiling_face:

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Das wäre typisch für eine einmalige (morgendliche) Dosis eines halbtagesretardierten Methylphenidat.
Wie Zappelphilipp schon schrieb, ist es üblich, dass mit einem solchen Präparat einmal täglich begonnen wird (Eindosierungsphase). Später kommt dann eine zweite (meist etwas niedrigere) Gabe zur Mittagszeit dazu. Bei manchen Ärzten (nicht unbedingt den besten) kann ein Patient auch schon mal 4 Wochen warten müssen, bis er die zweite Tagesdosis nehmen darf.
Würde der Arzt dauerhaft nur eine Gabe erlauben, wäre das ein Grund zum Arztwechsel.

Vielleicht hat Euer Azubi lange gekämpft, um überhaupt einen Arzt zu finden, der ihm Stimulanzien verschreibt. Dann wäre ein Lob auf seine Geduld auszusprechen - Geduldmangel ist ein AD(H)S-Symptom.
Vielleicht hat er aber auch medizinische Umstände, die eine langsamere Eindosierung erfordern. Dann wäre er zu bedauern.

Impulsivität und dadurch zuweilen inadäquater Umgang mit anderen Menschen sind häufige AD(H)S-Symptome. Wenn er Vormittags ausgeglichener ist, weisst Du, wie der Mensch ist und was nur durch die Krankheit kommt.
Aggressivität ist eher eine komorbide Verhaltensstörung. Die lässt sich auch behandeln, aber es wäre normal und richtig, wenn der Arzt damit wartet, bis sichtbar wird, was die AD(H)S-Medikamente alleine bewirken.

Toll, dass Du Dich kümmerst und fragst. Frag gerne weiter.
Ich drücke Euch allen die Daumen.

P.s.: zu „ist mir doch egal“: auch jemand mit AD(H)S kann ein Arschloch sein. Das ist er dann aber auch während der Medikamentenwirkzeit. Ich denke, den Unterschied wahrzunehmen, wie er mit Medis ist und wie ohne kann Euch helfen, ihn zu erkennen.

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Ich persönlich frage mich ja, ob es für Schüler, Studenten, Azubis, oder schlicht und einfach Adhs’ler: innen die mehr oder weniger den GANZEN TAG konzentriert und leistungsfähig bleiben müssen, nicht sinnvoller ist ein Methylphenidat zu nehmen, das morgens eingenommen wird und bis abends wirkt?.
Warum sollte man es sich unter diesen Umständen, heisst wo den ganzen Tag „Aufmerksamkeit“ erforderlich ist, selber „schwer“ machen, indem man zu alledem das man sowieso den ganzen Tag aufmerksam bleiben muss, noch daran zu denken, wann man seine nächste Tablette nehmen muss?.

Also für mich persönlich ergibt das irgendwie keinen Sinn, und vielleicht liegt ja sogar genau da der Hund begraben bei diesem Adhs Azubi, dass er ein Methylphenidat braucht, dass ihm über den ganzen Arbeitstag verteilt hilft?.

Ausserdem braucht er vielleicht eine extra Portion Lob und Anerkennung sowie die Möglichkeit sich zwischendrin immer mal wieder ein bisschen zurück ziehen zu dürfen, etwas in RUHE machen zu dürfen?.

Denn permanente Aufmerksamkeit ist ja selbst für Nicht-Adhs’ler: innen ein Ding der Unmöglichkeit!.

Natürlich ist das Ziel einer Ausbildung „alles“ zu lernen, trotzdem ist zum Beispiel „Multitasking“ nicht jedermanns Sache, und meines Wissens erst Recht nicht mit Adhs, mit Autistischen Anteilen glaube ich eventuell sogar noch weniger als mit Adhs, obwohl wir ja nicht WISSEN, inwieweit oder überhaupt?, dieser Adhs Azubi „möglicherweise“ nebst Adhs „eventuell“ auch von Autismus betroffen ist?, dazu fehlen uns bis JETZT noch ausführlichere Beschreibungen über den Azubi im 3. Lehrjahr, heisst sowas „anzunehmen“, ist reine Spekulation.

So oder so ist im Prinzip viel Fingerspitzengefühl erforderlich, vielleicht würde es deshalb auf jeden Fall helfen einen Spezialisten:in hinzu zu ziehen?.

P.s. wegen der Bemerkung „er kann und weiss es besser“, stellt sich bei mir die Frage ob er sich nicht ernst genommen fühlt?, ob es möglich ist das er sich tatsächlich „eigentlich“ versucht sehr engagiert einzubringen?, dass er neue, andere Ideen hat?, diese aber irgendwie nicht wirklich erwünscht sind?, und er sich vielleicht deshalb abgelehnt und nicht genug wertgeschätzt fühlt?, was dann wiederum zu Frustration führt?, nur mal so als Gedankenspiel. :wink:

Aber leider fehlt uns auch hier wieder einmal die Sichtweise von dem über den wir hier sprechen, er selbst sich dazu nicht zu Wort melden kann.

Nur das mit der Gewaltandrohung, sowas geht überhaupt nicht, bei allem Verständnis für Adhs, und das sage ich als Adhs’lerin, dass geht eindeutig zu weit, dafür bringe ich keinerlei Verständnis auf.
Guten Abend und gute Nacht wünsche ich euch. :sleeping:

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Methylphenidat (MPH wie zB Medikinet, Ritalin etc) als „Ganztagsmedikament“ gibt es ja eben leider nicht…

Zweifach retardiert bedeutet, nach 5-6 Stunden mittags an eine zweite Kapsel zu denken. Das ist bei Erwachsenen auch das Übliche.

Dann gibt es dreifach retardierte MPH-Medikamente, die nach 8-9 Stunden gegen 16/17 Uhr aufhören… die werden eher Schulkindern gegeben, die mittags nichts selber einnehmen können oder die es sowieso vergessen würden. Danach kann man dann aber nur noch kurzwirksanes anstückeln…