Wirkung von Bupropion

Hallo in die Runde! :slightly_smiling_face:

Ich bin nicht ADHS-diagnostiziert, vermute es aber stark bei mir. Auch mein Neurologe sieht Hinweise darauf, möchte aber noch nicht diagnostizieren, da ich aktuell auch in einer Depression hänge und das eventuell das Ergebnis verfälscht.

Nun verschrieb er mir gegen die Depression Bupropion 150mg 1x morgens. Ich habe im Internet gelesen, dass es bei Depressionen erst nach einigen Wochen wirken würde. Nun nehme ich es ja erst den zweiten Tag und ich schwöre Stein und Bein, dass ich eine starke Wirkung verspüre. Gestern (also am ersten Tag) nahm die Wirkung meinem Empfinden nach bereits gegen 14/15:00 wieder ab. Abends war ich wieder ziemlich fertig inklusive Weinen und „Alles ist scheiße“-Gefühl. Erinnert mich irgendwie an eure Schilderungen eines Rebounds bei euch(?)

Ist es möglich, dass es bei mir wegen der ggf. vorliegenden ADHS schon wenige Stunden nach der Einnahme den Antrieb steigert und aufhellend wirkt und am Nachmittag zu einer Art Rebound führt? Es gibt auf jeden Fall Ähnlichkeiten zu MPH bei diesem Medikament, das hatte mein Neurologe auch schon im Gespräch gesagt. Aber kann es tatsächlich so schnell so deutlich wirken?

Heute Morgen war ich auch wegen zu wenig Schlaf sehr müde, eine Stunde nach Einnahme dann plötzlich ganz normal wach und in der Lage Frühstück zu machen, Schlagzeug zu spielen usw. Eben habe ich das Bad geputzt und Staub gesaugt :exploding_head:

Was meint ihr?

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Vielleicht hilft Dir dieser Thread: Bupropion (Elontril) inkl Verweis auf adxs darin.

Es gibt auch noch einen zur Frage „Sofortwirkung“.

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Hey YellowBird,

Ich habe letztens Jahr auch Bupropion gegen meine Depressionen bekommen.
Ich fing mit 150mg morgens an, vorher hatte Milnacepran genommen. Das half überhaupt nicht und war ein ständiges auf und ab, besonders während der Menstruation.
Ich sollte laut meinem Psychiater Milnacepran sofort absetzen und mit Bupropion anfangen. Das hab ich auch gemacht. Die ersten Tage waren fantastisch und ich habe mich sehr gut gefühlt, so wie lange nicht mehr.
Am dritten Tag der Einnahme, hatte ich Gruppentherapie und wir haben dort über das Traumagehirn gesprochen und wie es sich auf das Leben auswirkt und alles andere.
Im laufe der Sitzung wurde ich immer unruhiger und ängstlicher, mein Bein konnte ich nicht still halten. Ich war fertig. Nach der Sitzung ging ich nach Hause und habe schrecklich geweint und konnte mich nicht beruhigen. Tags drauf habe ich meinen Psychiater angerufen und er sagte mir, dass ich es erst mal weiter nehmen soll und wenn es bis Dienstag nicht besser wird, dann soll ich noch mal anrufen.
Es wurde nicht wirklich besser, also rief ich ihn an.
Er hat mich beruhigt und gesagt ich soll Bupropion erstmal absetzen und mich bis zum nächsten Termin bei ihm ohne Medikamente beobachten.
Es waren lange 10 Tage :sweat_smile:, aber auch da gab es helle Momente und eine Erkenntnis.
Als ich den Termin bei ihm hatte, haben wir gesprochen und ich habe ihm über die ganze Situation bei mir berichtet. Wir haben uns geeinigt, dass ich es nochmal mit Bupropion versuche, da echt viel in der anfangs Phase zusammengekommen ist und er ausschließen, dass Bupropion der Auslöser für meine Ängste und Verhaltensweisen war.

Ich habe mich darauf eingelassen und fing wieder mit 150mg an. So wie du es beschreibst, war es bei mir auch. Bis 14 Uhr war es gut und dann ging es bergab. Mir ging es aber in den 6 Stunden die es gewirkt hat, sehr gut.
Das ging über 4 Wochen so weiter, da ich dann wieder beim Psychiater einen Termin hatte.
Wir haben gesprochen und er sagte mir dass er mich gerne in der Tagesklinik behandeln möchte.
War nicht sehr begeistert davon, aber nach einem Gespräch mit meinem Herzmenschen, habe ich zugestimmt.

In der Klinik bin ich hoch auf 300mg, was viel besser war. Es wurde mir nur gegen meine Depression verschrieben. Dass ich ADHS habe, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, da wir mit der Diagnostik erst angefangen haben.
Heute ist es okay. Bevor ich meine Menstruation bekomme, wird es noch mal knifflig. Da hilft es nicht wirklich.

Nächste Woche werde ich auf Medikinet eingestellt und bin gespannt wie es damit ist.

Also du bildest dir nichts ein mit der Wirkung, es ist so. Kann ich dir bestätigen. Vielleicht kannst du auch fragen ob ihr die Dosis erhöhen könnt?

Ich hoffe es hat dir etwas geholfen.

Liebe Grüße Kate :blush:

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Liebe @King-Kate ,

vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht! Der hilft mir wirklich weiter :slightly_smiling_face:

Ich bin gerade emotional ein bisschen überfordert und kann deswegen jetzt gerade nicht mehr schreiben, aber nachher möchte ich mich nochmal zum weiteren Verlauf bei mir äußern :yellow_heart:

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@YellowBird freut mich, dass ich dir etwas helfen konnte.

Mach dir keinen Druck und ich freue mich nachher zu lesen, was du noch zu berichten hast. :yellow_heart:

So, jetzt habe ich mich ein wenig gefangen :slight_smile:

Ich protokolliere mal knapp (hups, doch nicht so knapp :sweat_smile:):

Tag 1-4 : fühle mich einige Stunden nach der Einnahme wach. Entwickle Langeweile und daraus Impulse, um den Haushalt oder (für mich) ein umfassendes Frühstück zu machen. (sehr ungewöhnlich in den letzten Wochen und Monaten davor). Die Abende wurden von tag zu Tag zunehmend stabiler.
Tag 5: Ich wache nach 7h Schlaf 4:00 auf und bin sofort wach. Ich mache für meine Verhältnisse extrem viel im Haushalt, gehe morgens dann 20 Bahnen zu je 50m Schwimmen, koche mir anschließend Mittag, hole das Kind + einen Freund und Mama von der Schule ab, gehe nach dem Besuch noch zum Bäcker und hole Brötchen und anschließend zum Volleyball. Eingeschlafen bin ich erst gegen 00:00. → Dieses Aktivitätslevel gab es bei mir seit etlichen Jahren nicht.
Tag 6: fast wie vor den Antidepressiva, vermutlich weil ich einfach total erschöpft war
Tag 7: Ich wache 5:30 auf, habe wieder viel Energie, aber gehe diesmal sparsamer damit um. Lese 160 Seiten in dem Buch, das mir mein Psychiater empfohlen hat, hole mein Kind von der Schule und wir haben erneut Besuch. Diesmal stört mich das aber etwas, weil ich eigentlich noch gedanklich fest am Buch hänge (Hyperfokus?). Obwohl der Tag eigentlich sehr gut lief und ich ihn entspannt in der Badewanne beendete und ganz positiv gestimmt war, schaffte es mein Partner, den Abend vollends zu ruinieren. Er weiß, dass ich aktuell sehr reizempfindlich bin und hat sich heimlich vor die geschlossene Badtür gestellt und mit einer Nerf-Gun in sehr schneller Geschwindigkeit Pfeile auf die Tür geschossen. Weil es sehr, sehr laut war, habe ich mich sehr heftig erschrocken und war sofort völlig überfordert, was dann auch nach wenigen Sekunden in Tränen resultierte. Das Herzklopfen hatte ich noch eine halbe Stunde später.

Diese Situation am Abend war wie ein Schalter. Seitdem bin ich heftig gereizt und frustriert. Ich bin heute wieder mit viel Energie aufgewacht und konnte wieder gut den Haushalt anpacken. Aber sobald mein Partner wach war, hat mich einfach alles an ihm massiv genervt. Er hat auch leider etliche seiner mich nervenden Eigenschaften ausgepackt. Ich weiß nicht genau, ob es an den Antidepressiva liegt, aber ich habe das Gefühl, es so klar wie vorher nie zu sehen. Ich kann hier meine Angriffsfläche reduzieren und reduzieren, er wird immer etwas finden, um sich zu beschweren, um noch mehr zu fordern und er wird immer wieder passiv-aggressiv oder offen aggressiv zu mir sein. Er tut so als hätte er vor der Aktion mit der Nerf-Gun nicht gewusst, wie sehr mich das trifft. Ich kaufe es ihm nicht ab. Ich glaube zunehmend, dass er einfach phasenweise große Freude daran hat, mich zu provozieren und zu quälen. Ich hoffe, dass der Psychiater und das Medikament oder was auch immer mir hilft, diese Beziehung nun endlich zu beenden. Ich ertrage es hier kaum noch.

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Diese Reizüberflutung und das empfindlich sein ist bei mir auch gerade sehr stark.
Ich beziehe alles als Angriff gegen mich und bin so aggressiv meiner Umwelt gegenüber, dass ich mich selbst vor mir erschreckt habe.
Meine Wahrnehmung ist sehr verzerrt. Ich merke es immer dann, wenn es zu spät ist und ich jemanden verletzt habe.

War das bei deinem Freund schon immer so?
Es ist nicht schön, wenn man von dieser Seite keine Unterstützung bekommt, die man braucht.

Andere Medikamente nimmst du erst mal nicht und Diagnostik wird gerade nicht gemacht, weil sie Angst haben, dass die Depression die Symptome überlagert. Hab ich das richtig verstanden?

Genau, ich nehme keine anderen Medikamente (außer gegen den hohen Blutdruck). Und genau, die Diagnostik liegt erstmal auf Eis.

Ja, er war spätestens seit der Geburt unseres Sohnes eigentlich schon immer so. Ich habe immer Gründe dafür gefunden, z. B. dass er erst in die Vaterrolle reinwachsen muss, dass er gerade sehr belastet ist, dass seine Gesundheit ihn gerade runterzieht, dass er autistisch zu sein scheint.

Aber egal was die Ursachen sind: Ich möchte es nicht mehr. Ich hänge schon lange in einem Kreislauf, in dem ich immer wieder von ihm erniedrigt werde. Das habe ich auch im Dezember schon schriftlich festgehalten. Es gibt sogar von 2019(!) einen Foreneintrag von mir, ob man eine Teilzeitdepression haben kann, die immer nur in Gegenwart des Mannes auftritt, weil der einen so runtermacht. So lange ertrage ich es schon irgendwie und habe wohl oft geglaubt, ich hätte ja auch irgendwie eine Mitschuld, weil ich nicht genügend im Haushalt schaffen würde usw.

Fakt ist jedoch, dass selbst an den Tagen, an denen ich hier richtig gepowert habe, es nie reichte. Er ist nie zufrieden und auch wenn er immer mal wieder etwas ändert und dann von mir Schulterklopfen dafür haben möchte, kann es so einfach nicht weitergeben.

Es ist ja nichtmal so, dass ich sagen würde: Woanders werde ich glücklich. Von Glück bin ich sehr weit entfernt. Ich wünsche mir einfach, dass ich gern nach Hause gehe. Im Moment fühle ich nur ein „oh Gott, es ist alles so schrecklich. Ich muss hier unbedingt weg.“ Ich habe schon 2019 angefangen, abends nachdem das Kind im Bett war, liegen zu bleiben, um den Abend nicht mit meinem Partner verbringen zu müssen.

Hey,

ich wurde zunächst fehldiagnostiziert mit Depressionen (also die waren auch da, extrem) und ich habe diverse Antidepressiva probiert. Keins hat gewirkt. Am Anfang hatte ich jedes Mal Hoffnung, weil ich natürlich wollte, dass es mir besser geht. Stellte sich als Placebo heraus.

Nach einem Arztwechsel haben wir dann Bupropion erst 150mg, dann 300mg. Da er auch den Verdacht in den Raum warf, dass ich evtl fehldiagnostiziert bin. Hab ich auch kaummmm gemerkt. Wollte natürlich wieder, dass es wirkt. In der Zeit kam auch die ADHS Diagnose und das ADHS Medikament wirkte ganz anders.

Es gibt hier einen Symptomtest. Habe den vor kurzem gemacht und finde ihn ziemlich gut, da es zu meiner Diagnose passt (da habe ich auch diverse Tests gemacht). Du kannst den Test am Ende abspeichern und auch ausdrucken und deinem Arzt zeigen.

LG

Es tut mir so leid, wie er dich behandelt! Das kostet sicher verdammt viel Kraft das auszuhalten.

Klingt zudem nach eindeutigem Fingerzeig in Richtung „Toxische Beziehung“. Im Grunde bist du aktuell durch das Medikament in der Lage deutlich zu unterscheiden zwischen dem was dir gut tut, was du willst und was dich runterzieht. Und das ist dein Partner! Eigentlich ist es ein Geschenk dass du es so deutlich erkennst! Es ist sehr deutlich.

Ich kann dich gut verstehen. Bei meinem Ex (ist lange her) hab ich schon beim Heimkehren abends nach der Arbeit gejubelt, wenn in der Wohnung von weitem kein Licht an war. Ich wusste dann, er ist nicht da, der Abend wird schön :slight_smile:

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Den Test habe ich schon einige Male gemacht. Nach DSM 5 passt es, nach ICD 10 wegen der fehlenden Hyperaktivität nicht. Der Neurologe, bei dem ich zuerst war, wollte auch die Diagnostik beginnen, da er viele Hinweise im Gespräch sah, aber die ersten zwei Fragebogen sprachen eher gegen ADHS, weil die Impulsivität nun auch weg war, was aber sehr wahrscheinlich der Depression geschuldet war. Ich saß halt den ganzen Tag auf der Couch und wollte einfach gar nichts tun - das entspricht aber eben nicht meinem eigentlichen Naturell.

Das ist alles ein Teufelskreis.
Und man dreht sich im Kreis.

Ich wünsche dir sehr, dass du dich bald von deinem Partner trennen kannst. Du hast den Mut dazu!
Tue es dir bitte nicht mehr selber an und leide noch mehr dadurch. Dein Kind wird es dir auch danken, die kriegen das alles mit, auch wenn sie klein sind.
Ich kenne das nur zu gut von meiner Ehe.

Hast du guten familiären Rückhalt? Das ist auch ein wichtiger Punkt.

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Ja, auf meine Familie kann ich vertrauen. Ich denke, ich muss da ein paar Ängste überwinden, auch die Angst davor, allein nicht funktionsfähig zu sein. Aber da kann mir die Therapie hoffentlich helfen. Ich bin da eigentlich sehr zuversichtlich.

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Dann würd ich mich erstmal nicht verunsichern lassen. Bei mir wurden auch andere Tests/Fragebögen gemacht, weiß leider nicht mehr wie die heißen und ob ICD10 überhaupt dabei war. Es gab auch viele Fragen zur Kindheit, fand ich teilweise schwer mich zu erinnern. Zur Diagnose findest du hier auch viel, vielleicht findest du da Tipps zur Vorbereitung. Ich hatte mir auch immer mal wieder Notizen gemacht.

Das mit der aktuell nicht vorhandenen Impulsivität würde ich auch so unterschreiben, dass die Depression einen starken Einfluss darauf hat. Hab dann mit ihm versucht es so zu beantworten, wie es vor der Depression war bzw. beim Online shoppen bin ich immer impulsiv :joy: Kann auch schnell überfordernd sein, wenn man dann da sitzt und antworten soll. Vielleicht hilft dir aber ja auch Bupropion, leider dauert das alles ja immer seine Zeit, was viel Kraft kostet, die man eigentlich eh gerade nicht hat.

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War bei mir ebenso. Zumindest 150mg hatten keinerlei positiven Auswirkungen auf die damals noch fehlbehandelten ADxS Symptome. Erst (bei mir) Ritalin Adult brachte Besserung.

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Auf Konzentration, Vergesslichkeit, Desorganisation usw. hat es bei mir auch keinen Einfluss. Ich würde die Wirkung als antriebssteigernd und angstlösend bezeichnen.