Ja da hoffe ich jetzt auch auf den Arzt das er ihr da evtl besser zuredet oder auch Klartext. Die andere KJP meinte immer nur wenn sie es nicht will kann man sie nicht zwingen… ja stimmt ja auch irgendwo aber was es eben für Auswirkungen hat wurde nie so von ihr auf den Tisch gebracht. Das kommt eher von mir aber als Elternteil kommt man da nicht so gut ran wie als Außenstehender.
lustig, aber funktionieren tut das nie im Leben. ![]()
Hallo Siri, ich melde mich auch mal.
Bei uns ist die Situation ein wenig anders, weil mein Kind anders ist, aber manches überlappt sich dann doch wieder. Ich versuche mal, das zu teilen, was für uns hilfreich war, auch wenn es vielleicht nicht immer zu 100 % auf eure Situation passen wird.
Wir kennen die Gefühlsausbrüche auch. Und auch die Überforderung bei Anforderungen. Dabei ist es auch egal, ob das Anforderungen von außen sind oder an sich selbst gestellte. Es ist auch egal, wie logisch sie eigentlich ist. Sobald eine Anforderung eintrudelt, entsteht eine körperliche Stressreaktion, ein Verkrampfen, ein Gefühl, als kippe man gleich mit dem gerade noch ausbalancierten Stuhl nach hinten um. Es folgt sofort eine Art Panikreaktion.
Bei uns war es so, dass die Tochter zu diesem Zeitpunkt noch unerkannt ASS mit PDA-Anteilen hatte. Sie war also auch aus diesem Grund überfordert, vor allem durch das kräftezehrende Maskieren den ganzen Tag. Außerdem hatte sie keine Medi, die die Eindrücke filtert und die Energiereserven schont.
Bei ihr hat die Tagesklinik in sofern geholfen, dass erstmal der Schuldruck raus war. Außerdem hat ihr der Kontakt mit anderen Jugendlichen, die auch Probleme haben, sehr gut getan. Sie konnte dadurch ihre Maske und den hohen Anspruch an sich selbst etwas fallen lassen. Sie hat gemerkt, dass sie nicht alleine ist. Ich halte Reha also für eine gute Idee, vor alle, da sie von ihr selber kam.
Was wirklich, sehr, sehr hilfreich war: PANDA-Strategie!
Ich habe hier im Forum auch einen Beitrag über Umgang mit schwierigem Verhalten Jugendlicher, vor allem der Rejection Sensitivity. Da wurde mir PANDA empfohlen und das wirkt bis heute Wunder. Ich konnte eine sofortige Verbesserung im Umgang mit ihr feststellen.
Teil dieser Strategie ist auch, sich zu überlegen, welche Kämpfe man wirklich austragen will. Ansonsten baut sie sehr auf ein Miteinander und gekonnte Gesprächstechniken. Man muss da etwas kreativ werden. Dein Beispiel mit der Spülmaschine ist dafür sehr gut geeignet, denn das ist im Grunde schon PANDA.
Das Zimmer meiner Tochter ist für mich immer der Indikator dafür, wie es ihr mental geht. Sie kann aber grundsätzlich auch selbst sehr gut strukturieren und für Dinge einen Platz finden. Nur das Halten der Ordnung ist je nach äußeren Umständen und Kraftlevel das Problem. Es ist aber trotzdem ein Spiegel ihres Inneren, was in gewisser Weise auch hilfreich ist.
Ich habe ihr relativ zeitig die Waschmaschine erklärt und ihr insgesamt schon recht viel Freiraum gelassen. Ich selbst wasche ja auch nicht zu festen Zeiten und habe schon Teile ins Kurzprogramm geworfen. Wir handhaben es so: Wäsche, die im Wäschekorb ist, wird von mir gewaschen. Sonst nichts. Sie selbst darf auch waschen und wenn noch Platz in der Maschine ist, soll sie Sachen aus dem Wäschekorb gleich mit rein schmeißen. Kurzprogramm ist erlaubt. Sie hat selber irgendwann bemerkt, dass das auch nicht immer schnell genug fertig ist und der Trockner und selbst der Fön nicht immer die Lösung sind. Inzwischen nutzt sie es eigentlich gar nicht mehr.
Wie weit man da hart ist, muss man individuell schauen. Hier gab es auch am Anfang schlimme Szenen, aber das hat sich gegeben. Ich habe das nicht persönlich genommen, sondern als Ausdruck der PDA, die es übrigens auch bei ADHS geben kann.
Sie hat auch Phasen, wo sie mitten in der Nacht aufräumt. Ja, dann ist das halt so. Solang ich nichts davon höre und selber schlafen kann, soll mir das egal sein. Kann sie dann aus Müdigkeit nicht in die Schule, ist das halt so. Dazu muss ich aber auch sagen, dass wir hier sehr individuelle Voraussetzungen wie z.B. inzwischen gelungene Eindosierung, hohe Begabung und intrinsische Motivation haben. Wir können das so handhaben, weil es für uns passt.
Ich schreibe das aber um dir Mut zu machen, weiter nach deinem Bauchgefühl zu gehen. Individuelle Situationen erfordern individuelle Lösungen.
Ab und an bitte ich darum, beim nächsten Gang nach oben gleich noch Geschirr aus dem Zimmer mit zu bringen. Spätestens, wenn ich keine Schüsseln oder Löffel mehr finde.
Inzwischen können wir da auch sehr humorvoll miteinander reden. Aber Achtung! Das geht nur, wenn die Grundlage dafür geschaffen ist! Aber selbst da geht nicht alles. Das mit den leeren Packungen auf den Schulbroten ist als Real lustig, aber für die Praxis eher nicht zu empfehlen ![]()
Noch vor 2 Jahren hätte ich keinesfalls humorvoll reagieren dürfen. Das wäre sofort als Angriff gewertet worden. Dafür mussten wir erstmal Stabilität rein bringen und die PANDA-Strategie wirken lassen.
Außerdem war es wichtig, dass wir beide über unsere Empfindungen gesprochen haben. Ich habe ihr auch von meinen Schwierigkeiten mit meinem ADHS erzählt und sie konnte mir von ihren erzählen. Das klappte besonders gut, als ich ihr die Fragebögen zu ADHS und ASS bzw. Maskieren gegeben habe.
Wir konnten uns also gut aufeinander einstellen.
Was auch eine große Rolle spielte:
Unsere Tochter hatte extrem Angst davor, Fehler zu machen. Sie hatte richtig Angst davor, in irgendeiner Art kritisiert zu werde oder zu scheitern. In der Theorie wusste sie, dass das dazu gehört, aber für sie selbst konnte sie das nicht annehmen. Sie war entweder perfekt oder eben absolut unfähig.
Das hat sich dann gebessert, als sie für ihr Hobby einen wirklich tollen Lehrer bekam, der sie durch diese Phasen begleitet hat und insgesamt auch nie Fehlerorientiert arbeitet. Außerdem durch die richtigen Diagnosen und das Runterfahren des Maskierens.
Eventuell kann dir auch ein Erfahrungsbericht bezüglich meines inzwischen erwachsenen Sohnes helfen. Er wurde als Kind diagnostiziert und falsch eindosiert. Wir wussten es Damals nicht besser und haben der Ärztin vertraut. Ihm taten die Medikamente nicht gut und er hat sie dann irgendwann nicht mehr genommen. Er wollte auch Jahre lang nichts von seiner Diagnose wissen und hat lieber alles still ertragen, als etwas zu tun. Zumal früher ja weder Medi noch Ergo oder Lerntherapie was gebracht hatten.
Das hat sich erst geändert, als er bei seiner jüngeren Schwester und bei mir beobachten konnte, wie wir jetzt (mit neuem Wissen) damit umgehen. Er hat dann von selbst angekündigt, es nochmal mit Medi versuchen zu wollen.
Inzwischen lässt er auch immer mal wieder durchblicken, dass er hier und da Hilfe benötigt und holt sich Rat ein. Er lernt langsam, dass auch bei ihm nicht alles verloren ist.
Ich kann mir also gut vorstellen, dass die Reha auch hier etwas bewirken kann. Sie wird bestenfalls sehen, dass es immer irgendwo eine Lösung gibt und auch sie kein hoffnungsloser Fall ist.
Mein Rat: Höre auf dein Bauchgefühl. Warte die Reha ab. Versuch mal die PANDA-Strategie.
Das Thema ist: Der Platz muss da sein, wo es für deine Tochter passt.
Nochmal mein Beispiel mit Wäschekorb - wenn die Wäsche nicht drin liegt, aber nicht daneben. Dann muss der Korb woanders hin. Gibt es 2 Haufen braucht man halt zwei Körbe an den Haufenstellen - das Geheimnis ist, den Aufwand wirklich verschwindend gering zu machen.
Wenn die Wäsche direkt neben dem Wäschekorb liegt (ja, meine Jungs schaffen Sachen in dieser Art zeitweise - z.B. beliebt ist Jacke liegt am Boden VOR der Garderobe
), dann musst du mit ihr reden. Sie soll dann aber sofort gehen und die Wäsche reinwerfen - da hilft dann nur die vielgerühmte Konsequenz. Sprich etwa ein Jahr immer wieder rummeckern, bis es gemacht wird. ![]()
→ So muss es bei allen Sachen gemacht werden. Ein paar Sachen gibt’s immer, die schwierig zuzuordnen sind, oder wo es keinen guten Platz gibt… Aber wenn sie wenig Zeug hat, dann musst du mit diesem Restchaos leben.
In einem Teenagerzimmer gibt es für mich drei Hotspots: gebrauchte Wäsche, Schulsachen, Müll → wenn die einen Platz haben, dass man echt keinen einzigen Schritt gehen muss, ist es schon weit ordentlicher.
Was/ob bei Mädels Kosmetikkram da noch eine eigene Rolle spielt keine Ahnung. Bei meinen Jungs ist da das Zeug hauptsächlich im Bad.
→ Für diese „Basis-Kategorien“ kannst du z.B. auch eine Checkliste erstellen, die sie immer durchgehen soll beim Aufräumen a la (könnte man an die Tür hängen z.B.
):
Müll in Mistkübel
Wäsche in Wäschetonne
Schulsachen in Regal/Schultasche
—> Das ist vom Aufwand so, dass sie es in einem Rutsch machen kann. Dann sieht das Zimmer meistens schon besser aus.
Rest würde ich definieren, wenn die Sachen gut klappen…
Außerdem kann man für manche Dinge auch einen Platz beschriften - Beschriftungsband ist für so etwas super - Highend ist mit abkeblebter Fläche, wo es hin soll. ![]()
Genau, Form folgt Funktion sozusagen.
Aber selbst dann kann es sein, dass es nicht klappt, weil die Energie fehlt. Ist dann halt so.
Ich glaube, Siris Tochter könnte zum jetzigen Zeitpunkt aber so oder so nicht die Ordnung im Zimmer aufrecht erhalten. Selbst dann nicht, wenn alles einen perfekten Platz hätte.
Wahrscheinlich muss sie erstmal emotional stabiler werden, mit genug Vertrauen in neue Ärzte und die Zukunft die Medi nochmal versuchen und dann erkennen, dass sie kein hoffnungsloser Fall ist.
Ich kenne das auch von mir und meiner Schulzeit. Ich war halt die schlechte Schülerin, die eh alles vergisst und nichts rafft. Da habe ich mir irgendwann gar keine Mühe mehr gegeben, um nicht schon wieder enttäuscht zu werden. Auf konstantes Versagen konnte ich mich wenigstes verlassen.
Ich musste erst lernen, dass ich in Dingen gut bin. Mit der richtigen Unterstützung in der richtigen Umgebung. Auf einmal habe ich meine Ausbildungen immer als eine der drei Klassenbesten abgeschlossen. Insgeheim wusste ich vielleicht auch schon während meiner Schulzeit, dass ich Dinge schaffen kann, aber eben nicht dort unter dien dort gegebenen Umständen. Dort habe ich mich meinem Schicksal ergeben.
Mein Sohn hat das im Grunde ähnlich gehandhabt und hat erst sehen müssen, dass es bei uns in der Familie besser wurde, als wir uns mit den Diagnosen auseinander gesetzt hatten. Er musste das für sich selbst begreifen und jetzt wird er auch aktiv.
Ich befürchte, die Tips, die wir jetzt geben, werden erst ein bisschen später Anwendung finden können, wenn Siris Tochter mehr Vertrauen in sich aufgebaut hat.
@Siri Hat deine Tochter ein Hobby, bei dem sie erfolgreich ist? Bei uns war es wie gesagt sehr hilfreich, dass wir einen ganz wunderbaren Musiklehrer für unsere Tochter bekommen haben. Über die positiven Erfahrungen in der Freizeit kämm auch nach und nach mehr emotionale Stabilität und dadurch hat sich der Gesamtzustand verbessert.
Danke dir für deinen Beitrag ich finde meine Tochter in vielen Punkten wieder und der Satz Überforderung bei Anforderung passt sooo gut. Nicht nur wenn es um das aufräumen geht. Das zieht sich durch alle Bereiche. Zähne putzen, Kleidung oder Schuhe kaufen….
Ich habe mal bei der alten KJP das Thema Autismus angesprochen aber sie meinte klar nein
obwohl ich immer wieder in sehr schweren Situationen denke das das nicht nur ADHS sein kann… aber gut ich bin keine Fachfrau werde es aber heute bei unserem Termin mit dem neuen KJP nochmals ansprechen. Ich bin sehr aufgeregt wegen des Termins und gespannt was dabei rauskommt. Habe Hoffnung aber auch Angst das es wieder eher umsonst ist.
Aktuell fängt sie ja auch an die Schule an einigen Tagen zu verweigern und letztens musste sogar die Sozialarbeiter kommen und sie holen. ![]()
Hast du denn gute Erfahrungen mit der Tagesklinik gemacht, wir haben Sorge das es alles nur noch schlimmer macht oder trifft das eher auf die stationären Aufenthalte zu? Aber irgendwie schaffen wir es alleine auch nicht zu Hause. Wir sind bemüht aber scheitern und es frustriert so sehr.
Auf konstantes Versagen verlassen… ja wahrscheinlich trifft das zu und das treibt mir Tränen in die Augen…. Es kommt oft von ihr das sie dumm ist, sie es eh nicht schafft usw.. alles was man dagegen sagt kommt aber nicht an.
Als sie letzte Woche nicht zur Schule ging hat sie tatsächlich angefangen aufzuräumen, lange und gründlich und sogar gesaugt… ich habe mir Sätze wie „Schau wie toll du es doch kannst“ ect gespart weil das nicht hilfreich sein soll. Wusste aber auch gar nicht was ich sagen soll was dann richtig ist. Habe es dann mit einem „WOW, krass damit hatte ich nicht gerechnet, ich glaub jetzt fühlst du dich viel wohler“ versucht. Keine Ahnung ob das gut war oder nicht. Jedes Lob das kommt will sie nämlich auch nicht hören. Sie sagt sie kann mir Lob nicht umgehen. Dabei dachte ich immer das es so wichtig ist das bei ADHS zu tun.
Hobbys hatte sie zum Glück schon immer, sie ist viele Jahre geschwommen und hat das irgendwann gegen Turnen eingetauscht. Das tut ihr definitiv auch gut. Aber auch da haben wir immer extreme Probleme damit anzufangen und hinzugehen. Wenn sie mal da war dann war es super und sie war glücklich.
Ähnlich ist es mit Klavierspielen. Sie spielt seit 7 Jahren aber letzten Monat habe ich gekündigt. Der Unterricht dauert nur eine halbe Stunde und es war jede Woche ein Kampf sie dorthin zu bekommen und wenn sie da war blieb kaum mehr Zeit. Hab ihr dann erklärt das ich nicht weiter bereit bin sie jede Woche zu einem Hobby das ihr eigentlich Spaß machen sollte zu zwingen zumal das auch nicht billig ist. Wenn sie nicht mehr möchte ist es auch ok. Sie sagt sie hat keine Energie. Jetzt liegt das erstmal auf Eis und der Lehrer meinte aber das sie jederzeit wieder einen Platz bei ihr bekommt wenn es ihr besser geht. Das fand ich schon mal sehr hilfreich.
Was du von deiner Tochter erzählst, habe ich vor einiger Zeit auch alles über meine geschrieben. Wir kennen das also wirklich gut und ich kann dir als Mutti sagen, dass ich dich aus der Ferne mal ganz dolle umarmen möchte. Ich weiß wie es dir geht und wie du dich fühlst ![]()
Also zur Tagesklinik: Das war bei uns ein zweischneidiges Schwert, weil die Klinik einen wirklich schlechten Ruf hat und sich das auch bestätigte. Das ist natürlich ein individuelles Problem, was nicht auf jede Klinik zutrifft.
Gut war die Pause von der Schule und der Kontakt zu anderen Betroffenen.
Schlecht war, dass die Klinik grundsätzlich erstmal bei allen unterstellt, die Eltern – speziell die Mütter – seinen das Problem. Man hat also versucht, die Jugendlichen emotional von ihren Eltern zu distanzieren. Zum Glück ist unsere Tochter in Sachen Psychologie und Menschenkenntnis wirklich begabt und hat das Spielchen sofort durchschaut. Uns hat das gemeinsame Feindbild sehr verbunden.
Außerdem hat man dort bis zuletzt versucht, uns in Sachen Diagnose dumm dastehen zu lassen. Ich habe gebeten, auf ADHS zu testen, was lange abgeschmettert wurde. Zur Entlassung kam dann „plötzlich“ die gesicherte Diagnose.
Autismus habe ich dort ebenfalls angesprochen. Man sagte mir, das könne nicht sein, weil sie Freunde habe und in die Augen schauen könne. Absoluter Quatsch. Von Maskieren hat man dort och nichts gehört und konnte das natürlich auch nicht erkennen, wenn es stattfand.
Ich war einmal dort, um einen Fragebogen auszufüllen. Diesen bezeichnete unsere spätere Diagnostikerin als den Stereotypen-Fragebogen und gab wenig drauf. Sie hat den nur dabei, weil er zum Standard dazu gehört. Die Fragen sind sehr altbacken und die Beispiele hauptsächlich auf Jungs und eben Stereotypen bezogen. Wenn ich Fragen damals nicht verstand oder „kommt drauf an“ angeben wollte, saß mir nur eine unangenehme, gruselige Ärztin gegenüber, die bei jeder Frage „Ja oder Nein? Kreuzen Sie an, was zutrifft
“ sagte.
Natürlich habe ich Dinge angekreuzt, die gar nicht stimmten, weil ich die Fragen nicht deuten konnte.
Diesbezüglich hat mir Embrace Autism und der dort auffindbare Masking-Fragebogen sehr geholfen. Den habe ich der Tochter aufgemacht und sie gefragt, ob sie sich da mal durchklicken will. Normalerweise braucht man da vielleicht ne halbe Stunde. Sie hat über eine Stunde dran gesessen, weil sie mir so oft erzählen musste, dass dieses oder jenes bei ihr auch so ist, seit wann und in welchen Situationen. Ich hätte das von außen niemals erkennen können!
Daraufhin habe ich eine Diagnostikstelle gesucht, die auch wirklich ordentlich arbeitet. Wichtig war mir z.B., dass mit ADOS diagnostiziert wird und auch gesehen wird, dass es nicht nur darauf ankommt, was das Kind kann, sondern auch darauf, welche Anstrengung das bedeutet. Siehe in die Augen schauen. Meine Tochter kann das, weil sie es gelernt hat und versteht, dass man das tun sollte. Sie achtet dann gezielt darauf. Sie würde aber lieber drauf verzichten.
Ließ dich mal zum Thema PDA ein. Wir haben hier zwar keine offizielle Diagnose, weil es die als solches auch nicht gibt, aber es passt. Die Symptome wurden im Laufe der Zeit weniger, aber es ist trotzdem immer irgendwo da. Wir können nur besser damit umgehen, weil wir wissen, womit wir es zu tun haben.
Dass deine Tochter ohne Schule auch Energie zum Aufräumen hat glaube ich sofort. Ist hier ja auch so. Und ja, sprich das bitte nicht an! Auch kein Lob. Außer, sie kommt selber damit zu dir und dann reicht ein Lächeln und ein „hast du gut gemacht
“. Denn Lob ist bei PDA auch nichts anderes als eine weitere Anforderung: Lob bedeutet, dass der Anspruch ab jetzt höher liegt. Es geht ja offensichtlich und muss ab jetzt immer so sein.
Das wird erst besser, wenn man selber erkannt hat, dass das Leben in Zyklen verläuft und es Phasen der Aktivität und Phasen der Erholung gibt. Wenn ich heute Höchstleistungen erbracht habe, muss ich morgen genau diese Energie wieder aufladen. Was eine Höchstleistung ist, ist individuell.
Habe ich über Wochen und Monate Höchstleistungen erbracht, brauche ich Wochen und Monate, um mich wieder zu erholen. Stichwort (autistischer[1]) Burnout.
Zu fehlender Energie in Bezug auf Hobbys: meine Tochter hat es so beschrieben, dass sie morgens beim Aufwachen eine unvorhersehbare Menge „Coins“ hat. Diese muss sie einsetzen, um Dinge tun zu können. Will sie ans Klavier, kostet sie das Coins. Auch hier ist das nicht immer die gleiche Anzahl. Der Kurs wechselt täglich. Manchmal kann es sein, dass sie nur mit 5 Coins aufwacht und das Klavier schon 4 will, um sich überhaupt ran zu setzen. Da hat sie noch keine einzige Taste gedrückt.
Seit der Medikation hat sie meist morgens mehr Coins und die Tätigkeiten verlangen auch weniger.
Sie hatte in der schlechten Phase, die wir heute eben als Burnout bezeichnen, kaum Energie für irgendwas. Ab und an mal ein Hyperfokus, meist nachts, aber das wars. Inzwischen hat sich das alles stark gebessert!
Ich kann dir also aus eigener Erfahrung wirklich nur Mut machen, dass es besser werden kann. Ich kann natürlich keine Diagnose stellen und nur Parallelen zu unserer Geschichte ziehen. Es KÖNNTE bei deiner Tochter PDA und Autismus sein. Es KÖNNTE eine Art Burnout sein.
Ließ dich auf jeden Fall ein, um die Fragebögen verstehen zu können. Man muss da wirklich wissen, was die meinen. Gerade bei Mädchen zeigen sich die abgefragten Dinge oft anders als in den Beispielen angegeben.
Solltest du hier später noch Fragen haben, weil ihr beide in diese Richtung weiter forschen wollt, dann beantworte ich die gern soweit mir das möglich ist.
Aber wie gesagt, ich kann hier natürlich nur Vermutungen anstellen und Tipps für die Suchrichtung geben, aber keine Diagnosen stellen.
Ich wünsche euch für heute ganz viel Erfolg und drücke die Daumen! Uns selbst wenn der Temin nicht so gut verläuft, gibt es andere Anlaufstellen. Wir haben auch einige durch, aber es gibt die guten Fachkräfte. Wirklich. Du bist eine starke Mutti, die schon so viel geschafft hat! Das wird alles, ganz sicher ![]()
Falls es zu dieser Diagnose kommmt ↩︎
Ich fühle mit dir.
Meiner Tochter verhält sich genau so.
Bei der Diagnostik war der ADOS eher unauffällig. ABER. Unsere KJP Praxis bietet auch Therpie an. Und in dieser Therapie zeigten sich immer mehr autistische Verhaltensweisen. Meine Tochter kann halt meisterhaft maskieren. Sie hat dann letztendlich zu ihrer ADHS auch die ASS Diagnose bekommen.
Meine Tochter hatte davor schon 3 Therapien abgebrochen.
Von insgesamt 4 Therapeutinnen haben 2 den Verdacht auf ASS geäußert, 2 meinten immer, sie sehen keinen Autismus. 1 der Damen sah sogar kein ADHS. ![]()
All die Schwierigkeiten, die ich hier lese, haben wir auch. Ich kann dich nur ermutigen, so lange zu suchen, bis du jemanden findest, der sich wirklich gut mit ASS Mädels - gerade in Kombination mit ADHS, die meisterhaft außer Haus maskieren - auskennt. Ja, es wird aufwändig, nervenaufreibend und langwierig werden/sein. ABER es wird sich für deine Tochter und eure Familie lohnen. Haltet durch und traut euch zu wechseln, wenn ihr kein Gehöhr findet.
Ich wünsche euch viel Kraft. ![]()
In der Autismustherapie neulich meinte die Therapeutin zu mir, dass einige Kinder im Spektrum allgemein Angst vor der Reaktion der Bezugspersonen hätten, egal ob diese positiv oder negativ ist. Weil es für sie nicht vorhersehbar wäre. Wobei negative Reaktionen für manche Autisten „eher/besser vorhersehbar“ sind.
Genau das. Wenn man als Eltern diesen Verdacht hat und es sich richtig anfühlt, dann sollte man dran bleiben. Man hat ja auch ein Gespür dafür, ob einem eine kompetente Person gegenüber sitzt oder nicht.
Ich konnte die Aussagen bezüglich des nicht Vorhandenseins der Diagnose auch nicht akzeptieren. Nicht, weil ich unbedingt eine Diagnose für mein Kind wollte, sondern weil diese Einschätzungen schlicht falsch und nicht begründbar waren. Die Alternativen machten schlicht keinen Sinn.
Bei der Ärztin, die am Ende den Autismus diagnostiziert hat, war ich mich sicher, dass sie das gut einschätzen kann. Ihr hätte ich am Ende sogar geglaubt, wenn sie eine andere Ursache für die Probleme genannt hätte. Sie war aber sogar so aufmerksam zu erkennen, dass mein Mann keine verlässlichen Aussagen tätigen konnte, weil er selber betroffen ist. Wäre sie nach seinen Aussagen gegangen, hätte die Tochter keine Diagnose bekommen. Eben, weil er alles als normal und unauffällig bezeichnet hat. Klar, für ihn ist das ja auch alles normal, weil er selber Autist ist. Damals noch undiagnostiziert.
Die Diagnostikerin hat mich schon beim ersten telefonischen Kontakt ernst genommen und ich habe mich sofort verstanden gefühlt. Die Tochter auch. Zu keiner Zeit wurde etwas abgetan, runtergespielt oder (vor-)verurteilt.
Vor allem wusste sie genau, das sich bei Mädchen der Autismus anders präsentieren kann als bei Jungs und wie sich Maskieren äußern kann. Für sie waren alte Vorurteile auch kein Grund, eine Diagnose auszuschließen.
Wie gesagt, bei einer so sachverständigen Frau hätte ich auch eine andere Diagnose akzeptiert.
Ich musste mir aber erstmal selber genug Wissen aneignen, um zu erkennen, wer kompetent ist und wer nicht. Und auch, um überhaupt erstmal mit genug Vorwissen in den Prozess einsteigen zu können.
Genauso ist es. Du hast es auf den Punkt gebracht.
Und das sich der Autismus in Kombination mit AD(H)S auch noch mal anders äußern kann.
Das ist so ein neuer Gedanke für mich, dass ich das direkt mal ausprobiere…
So einfach und man kommt nicht drauf…
Vor allem:
Den letzten Rebound nach der letzten Einnahme kann man durch Gabe einer geringen (!) Dosis unretardierten (kurz wirksamen) MPHs beseitigen.
Ich würde alle Erziehungskämpfe komplett stoppen und nur eine einzige Forderung an deine Tochter stellen:
Wir suchen einen neuen, kompetenten ADHS-Arzt und machen eine neue Eindosierung mit Tagesabdeckung.
Bis dahin kriegst du Mengenrabatt beim Rumspinnen, aber keinen kompletten Dispens.
Kannst du jetzt Scheisse finden, darfst du auch. Machen wir aber.
Denn das hier kann, darf und wird nicht so weitergehen.
Punkt.
Falls Hinweise auf (subklinischen) Autismus bestehen: Autisten vertragen oft nur geringere Dosen an Medis. Da können 20 mg LDX schon too much sein. Und LDX kommt bei Erwachsenen besser als bei Kindern, bei Kindern liegt MPH vorne,
Hallo @Siri ,
hat der Termin bei dem neuen KJP stattgefunden? Kann sich deine Tochter einen neuen Versuch mit Medikament vorstellen?
Ich wünsche euch eine schöne Osterzeit! ![]()
Ich muss gestehen, dass ich eine Teenagerin nicht zwingen/erpressen würde ein MEdikament zu nehmen, dass sie nicht möchte.
Dafür müssten echt driftige Gründe vorliegen, die ich aber bei einem vermüllten Messie Teenagerzimmer noch nicht sehe…
Kann natürlich sein, dass das andere Eltern so nervt, dass sie es anders sehen.
Wenn unbedingt Medis, dann eher versuchen ihr Medikamente nahe bringen - evt. auch durch andere, weil Eltern eh „doof“ aktuell.
Frage mich auch, ob sie nicht eh ab 14 dann selber über so etwas entscheiden darf rechtlich? Weiß gar nicht.
Habt ihr irgendwelche Ideen? Ist es falsch von mir ihr das immer noch abzunehmen?
Meine Meinung: Wenn es für deine Tochter ok ist, dann mach es einfach.
Ich habe meinen ADS-ler noch in der ersten und zweiten Klasse teils auch noch morgens echt angezogen, wie ein Baby. Ich fand das irgendwie erst nicht richtig (eher widerstrebte es mir total!), aber es hat echt geholfen.
Ich dachte einfach:
Er ist nicht wie der neruonormale Bruder, der sich schon als Kleinkind (ab 4 - davor schon auch selbst angezogen) immer selbst Kleidung aus dem Kasten gesucht hat und angezogen.
Er wird mit 20 sich sicher nicht mehr von Mama morgens anziehen lassen - das geht vorbei ![]()
Auf einmal war der ganze Stress und Druck raus. Und wirklich in dem Moment, wo ich es voll akzeptiert hatte und nicht schimpfte und nichts, auf einmal ging es von alleine und seither sind unser Morgen (meistens
) total entspannt.
Und es geht jetzt von alleine - nur das Gewand legt mein Mann noch jeden Tag schon bereit, sonst wühlt der Sohn einmal den kompletten Kasteninhalt raus und findet trotzdem nichts… ![]()
Es war aus meiner Sicht nur meine Einstellung, die ich geändert habe. Damit war der Druck raus… Ja, es ist nicht immer so einfach, aber einen Versuch wert.
Und selbst, wenn deine Tochter lebenslang Chaotin bleibt. Erstens es ist nicht deine „Schuld“ und zweitens, es ist kein so schlimmer Charakterfehler. Es gibt es schlimmeres.
Also, wenn es für sie und natürlich auch für dich funktioniert, dann verabschiede dich von irgendwelchen blöden Vorgaben, von LEuten, die das Problem nicht mal haben. Weil gerade in so Videos: „ich als Mutter bin soooo supertoll, daher macht mein Kidn dies und das“. Ja, blöd nur dass wir gar nicht wissen, ob das stimmt und zweitens ist halt jedes Kind anders… ![]()
Nachtrag:
Und möge ich nun meine Weisheit von oben noch auf die Schule umsetzen können, dann wäre sicher auch der Schulbesuch des ADS-lers viel entspannter und einfacher…
… in weiterer Folge wäre ich endlich eine Supermutter und könnte auch auf Erziehungsvideos umsatteln, würde reich werden und damit immer entspannter. ![]()