Zu anspruchsvoll für eine Therapie?

Kein Schuh, den Du Dir anziehen musst. Sie ist der Profi und muss auch mit „unangenehmen“ Patienten klar kommen oder eben damit, dass die nicht bei ihr bleiben.

Manche(r) muss halt sehr viele Frösche küssen (und auch einige Kröten schlucken), bevor er/sie den Prinzen findet. :adxs_zwinker:

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Cool!!

Selbstreflektion ist doch auch wichtig.

Das ist vielleicht erstmal ein guter Zwischenschritt…

Vielleicht hilft es, eher den richtigen passenden Psychologen zu erkennen… oder seine Bedürfnisse deutlicher ausdrücken zu können…?

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Berufsrisiko :grinning:

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Hallo zusammen!

Das Thema triggert mich, daher muss ich meinen Senf dazugeben, nachdem ist beim Surfen im Netz falsch abgebogen und nach längerer Zeit mal wieder unbeabsichtigt hier gelandet bin:

Aus meiner Sicht wird das Thema Bindung immer noch viel zu einseitig durch die Brille der Normalos betrachtet. Nach meiner Erfahrung ist die Bindungsfähigkeit bei ADHS nämlich vor allem anders, was aber nicht notwendigerweise etwas über ihre Qualität aussagt und was sie vor allem nicht defizitär gegenüber Nicht-Betroffenen macht.

Ein Beispiel ist das angesprochene Thema „Objektkonstanz“. Viele ADHSler brauchen offenbar nicht ständig Kontakt, um dennoch intensive Bindung zu anderen aufrecht erhalten zu können. Treffen sie z.B. nach Monaten oder gar Jahren ohne Kontakt wieder mit einer Bezugsperson der Vergangenheit zusammen, so scheint es oft, als hätte die Zeit dazwischen gar nicht stattgefunden und es wird einfach da wieder angeknüpft, wo man aufgehört hatte. Die Bindung ist gefühlt sofort wieder da, was letztlich bedeutet, dass sie nie weg war. Spräche das nicht - ganz im Gegenteil zu dem, was du gesagt hast, UlBre - für eine besonders starke Bindung bzw. gute Bindungsfähigkeit?

Das Pflegen von Freundschaften ist bekanntlich für viele ADHSler ein großes Problem. Möglicherweise ist hier ein anderes Bindungsverhalten die Ursache: Die Bindung muss nicht ständig durch intensiven Kontakt bestätigt werden, sie bleibt dennoch erhalten. Wie bei dem Kind, das bei Bolby weiterspielt, auch wenn die Mutter den Raum verlässt - das Vertrauen ist da, dass sie wiederkommt. Ein Zeichen einer besonders starken Bindung?

Letztlich dürfte das Thema Freundschaftspflege erst in zweiter Linie ein Problem für ADHSler sein: Normalos verstehen das Bindungsverhalten nicht, deuten es als Desinteresse und nehmen ihrerseits keinen Kontakt mehr auf. Damit wird es für den ADHSler zum eigentlichen Problem.

Das Problem der Freundschaftspflege ist also eigentlich sehr einfach zu lösen: regelmäßige Erinnerungen im Handy, bevorzugte Bezugspersonen zu kontaktieren, auch wenn es keinen rechten Anlass und kein echtes Bedürfnis gibt - einfach nur, um den Erwartungen nicht-Betroffener an regelmäßige Bindungsbestätigung gerecht zu werden und nicht fallen gelassen zu werden.

Vielleicht hat das Ganze aber auch gar nichts mit ADHS zu tun, sondern eher mit ASS, vielleicht ist es aber auch einfach nur Blödsinn…

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@Addy_Haller Schön dich mal wieder hier zu lesen :innocent:

Ich nehme mir regelmäßig vor meine Kontakte besser zu pflegen und zack ist schon wieder der Tag , die Woche ein Monat , ein Quartal, ½ Jahr, ¾ Jahr und ein ganzes Jahr vorbei.

Ich denke bei Menschen mit ADHS kommt auch noch das mangelnde Zeit und Planungsgefühl hinzu. Ebenso der Hyperfokus für Neues für den Hobbyfriedhof.
Dann gibt es das erhöhte Ruhe- und Erholungsbedürfniss und ich habe wiederum allein zu Hause auch nie Langeweile .
Ich glaube aber auch verdaddeln am PC und Smartphone machen es noch schwieriger.

Stimme allem zu!:grinning_face:

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Hey @Addy_Haller !!!

Wie konntest Du einfach so lange verschwinden?!!

Also das ist jetzt auch klarer Fall für so ein ND Bindungsverhalten!

Komm, hier ist ein Stuhl, setz dich zu uns und trinke mer einen… :grinning_face:

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Irgendwie ist es gerade, als wärst du nie weggewesen :wink:

Ich finde, wir beschreiben dieselbe Sache, nur einmal von links und einmal von rechts.
Dass das ADHS-typische Phänomen der mangelnden Verbundenheitskonstanz beim Wiedersehen ein Gefühl der Verbundenheit zeigt, als wäre man nie weggewesen, kann ja nur auffallen, wenn man doch weg war.
Und das Empfinden der verringerten Verbundenheitskonstanz hätte niemand, der beim Wiedersehen nicht feststellt: oh, ja, da ist was verbindendes. Das würde ja sonst nur das Gefühl ergeben: "Hatte ich zu recht vergessen ".

Es heisst ja eben auch Problem mit der Verbundenheitskonstanz und nicht Problem mit der Verbundenheit.

Viele ADHS-Betroffene leiden leider daran, die Verbindung bei Abwesenheit nicht mehr so stark zu empfinden. Liebe ist ja auch nicht deshalb toll, weil man weiss, dass es da jemanden gibt, der einen liebt, sondern weil man selbst Liebe fühlen kann…

Ist das nicht so ein, „ich war mit was anderem beschäftigt“ ding? also man ist mit etwas anderem beschäftigt und hat kein platz im arbeitsgedächtnis für andere dinge bzw. auch menschen und die in beziehung stehenden emotionen ( sind aber im langzeitgedächtnis verankert). sobald irgend ein erinnerungstrigger an die person kommt ist alles wieder normal sofern man eine bindung zu dieser hat. im hyperfokushokuspokus wirds extra schwer… ausser man ist natürlich hyperfokushokuspokust auf die person selber…

gezielt erinnerungen an die person ( Bilder, Gegenstände, musik usw.) aufrufen hilft mir zB. enorm und ich zweifel ständig an meiner verbundenheit zu allem und jedem sogar zu mir selbst. mit diesen techniken klappt es aber gut, darfs nur nicht vergessen auch zu tun. kann auch mal ein bisschen dauern bis was fühlbar wird, achtsam dran bleiben muss ich dann schon.

ist aber je nach komorbidität natürlich nicht immer ganz so einfach versteht sich. :people_hugging:

edit: medikation spielt natürlich auch eine rolle… wer in der alltagsdissoziation hockt wird nicht viel fühlen nehm ich an und die hat jeder mensch und manche nun mal mehr.

edit2: achso und zur reizüberflutung gehört auch emotion wahrnehmen, manche vielfühler schießt es dadurch auch direkt wieder in die alltagsdissoziation, kann auch bei positiven wohl passieren.

bin kein psychologe oder sowas daher sind meine aussagen keine tatsachen, ich sags mal lieber dazu.

Und dann benötigt man eine neue Gemüsereibe/Gemüsehobel und zack taucht man ab im abwägen und vergleichen und googelt und schaut auf YouTube macht sich „schlimmstenfalls“ noch ne Excel und bleibt dann bei Excel hängen wie man nun für den besten Vergleich am besten die Tabelle aufbaut.

Während der Neurotypische vielleicht schon längst was neues im Küchenschrank hat, hätte er schon Zeit für ein Treffen während wir weiterhin Zeit ins recherchieren investieren und investiert haben.

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Leiden sie wirklich darunter oder leiden sie an der Folge, aus Enttäuschung in die Wüste geschickt zu werden?

Es dürfte sich mE auch hier um eine Folge der fehlenden Aufmerksamkeitssteuerung handeln, wodurch enge Bezugspersonen tatsächlich zu wenig Aufmerksamkeit abbekommen und ihre Konsequenzen ziehen.

Ohne Menschen mit Dingen gleichstellen zu wollen: Ist es nicht ganz ähnlich wie mit der Jacke, die vergessen im Schrank hängt und an die man sich nicht erinnert, so lange man sie nicht sieht? Mit dem Unterschied, dass sich die Jacke nicht vernachlässigt fühlen kann und stoisch vor sich hinghängt?

Und was mir zum Schluss noch einfällt: Gibt es überhaupt eine Norm für Gefühle von Verbundenheit oder Liebe, die für alle Menschen gilt, oder ist es doch sehr individuell, was man da so fühlt?

Schließlich wissen wir inzwischen, dass sich z.B. das Phänomen der Bindung, aus dem oft fragwürdig Bindungsstörungen abgeleitet werden, keineswegs für alle Menschen gleichermaßen Gültigkeit beanspruchen kann (siehe Keller 2019: Mythos Bindungstheorie), sondern maximal für die „weiße Mittelschichtsfamilie“ mit der Mutter als einzige Bezugsperson. Wenn es also in anderen Kulturen und Familienkonzepten mit der Bindung anders ist, warum nicht auch bei neurodiversen Menschen, um nicht zu sagen, Familien?

Nach meiner Wahrnehmung schon recht deutlich, ja…

Und wie äußert sich das konkret?

und es gibt ja auch immer noch den Unterschied von Quantität und Qualität. Es gibt ja auch genug Beziehungen wo viel Zeit miteinander verbracht wird und trotzdem keine tiefe Bindung vorhanden ist .

Dass das Gefühl für den anderen verloren geht, wenn keine Begegnung stattfindet. Es ist dann wieder da, wenn man sich wiedersieht, aber dazwischen ebbt es ab.

Ich verstehe, worauf du hinauswillst, frage mich aber, ob das wirklich bei so vielen der Fall ist und was das überhaupt genau bedeutet: „Das Gefühl ebbt ab ohne Begegnung“.

Aber sagen wir mal, es wäre so: Was wäre daran das Problem bzw. worin bestünde konkret der Leidensdruck, wenn es doch bei Begegnung wieder da ist?

Anders gefragt: Sind nicht eher die Folgen bzw. die Handlungen bzw. Nicht-Handlungen gegenüber anderen, die daraus entstehen und von diesen ggf. negativ sanktioniert werden, das Problem?

Das denke ich auch, kenne es von mir selbst aber gar nicht. Ich glaube, bei „geeigneten“ Menschen kann ich sehr schnell eine sehr enge Bindung eingehen, die überhaupt erst den Wunsch entstehen lässt, Zeit miteinander zu verbringen. Langeweile dagegen wirkt aversiv, auch auf andere Menschen bezogen.

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Noch ein Gedanke dazu:

Die Bindungstheorie geht ja davon aus, dass sich sehr kleine Kinder zum einen explorativ verhalten, also ihre Umwelt erkunden wollen, zum anderen Bindung zu einer Person aufzubauen versuchen, um sich vor Gefahren zu schützen.

Dieser Bindungswunsch könnte allerdings voraussetzen, dass Gefahren überhaupt ausreichend wahrgenommen werden und ins aktuelle Bewusstsein geraten können - eine Fähigkeit, die bei ADHS bekanntermaßen oft unterentwickelt ist und das Bindungsverhalten von vorne herein anders gestalten könnte als ohne ADHS.

Die Folge könnte ein größerer Drang des Kindes nach Exploration und weniger nach Bindung sein als „normal“, was dem beobachtbaren Verhalten von ADHS-Kindern ja nicht gerade widerspricht (ständige Suche nach Neuem, Spannenden, „Sensation Seeking“).

Weitere „Risikofaktoren“ für „normales“ Bindungsverhalten könnten klassische ADHS-Problematiken wie eine zu starke Reizwahrnehmung (Körperkontakt wird ggf. als unangenehm empfunden), Hyperaktivität („Mein Kind wendet sich immer gleich wieder von mir ab“) und Regulationsstörungen (Kind lässt sich schlecht füttern/trösten) sein, die enge Bezugspersonen - auch bei besten Bindungsabsichten - auf eine harte Probe stellen.

Und kommen dann noch die in der Regel vorhandenen eigenen ADHS-Anteile der Eltern mit ins Spiel, dann könnten zusätzlich ganz ähnliche, dazu passende Bedürfnisse der Eltern mit daraus resultierendem Verhalten hinzukommen, was eine grundsätzlich ganz andere Bindungsdynamik zur Folge hätte und aus bindungstheoretischer Sicht den Stempel „unsicher-vermeidende Bindung“ nach sich ziehen würde.

Nur: Was sagt das dann tatsächlich über die Qualität der Bindung zwischen Eltern und Kind aus? Oder bewegt man sich mit einer solch negativen Bewertung nicht auf dem Niveau küchenpsychologischer Pathologisierungen wie Bindungsangst, Bindungsunfähigkeit usw.

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Also ich habe endgültig meine Psychotherapie abgebrochen! 30 Jahre war ich mit kurzen Unterbrechu gen in psychotherapeutischer Behandlung wegen Depressionen und Angsterkrankung. Es hat mir nicht geholfen. Auch Antidepressiva halfen nicht, im Gegenteil: Ich habe dadurch immer ziemlich stark zugenommen, was meine Depressionen noch verstärkt hat. Vor 2 Jahren las ich zufällig über ADHS bei Erwachsenen und mir kamen die meisten Symptome sehr bekannt vor. Daraufhin habe ich sofort meine damalige Psychotherapeutin angesprochen und gefragt, ob ich nicht auch ADHS haben könnte, denn all die Medikamente und Therapien hätten mir doch in den letzten Jahrzehnten nicht geholfen. Sie vereinte sofort, gab mir aber ein Buch mit, in dem ich mich zu 100% wiederfand. Ich bat daraufhin um einen Test, den sie auch mit mir durchgeführt hat, aber ich war zu dem Zeitpunkt schon über 70 , und es gab niemanden mehr, der etwas über mein Verhalten in meiner Kindheit sagen konnte. Nur ich konnte mich noch an vieles erinnern, aber das reichte ihr nicht. Sie kam zu dem Ergebnis, ich hätte kein ADHS, sondern es wären Depressionen. Ich gab mich damit nicht zufrieden und hatte wirklich viel Glück, einen kurzfristigen Termin bei dem Chefarzt unserer psychiatrischen Klinik zu bekommen. Nach einem zweistündigen Gespräch war dieser schon ziemlich sicher, dass ich ADHS habe, und er verordnete mir daraufhin sofort Medikinet adult, was ich jede Woche steigern sollte. Nach 4 Wochen hatte ich den 2. Termin, und ich sagte, dass ich das Medikament vom Magen her nicht vertragen würde. Es folgte ein Wechsel auf Ritalin adult, was Ich inzwischen morgens (30mg) und mittags (10mg) nehme und gut vertrage. Meine Therapeutin war damals empört, dass mir der Psychiater gleich nach dem ersten Termin ein Medikament verschrieben hat. In gegenseitigem Einvernehmen haben wir die Therapie beendet, das Vertrauen war nicht mehr vorhanden. Aber ich fand durch ihre Hilfe relativ schnell einen anderen Therapeuten. Doch der sagte mir gleich, dass er keine Erfahrung mit ADHS Patienten habe. Ich glaubte jedoch, dass er sich meinetwegen über die Störung informieren würde und er mir dann helfen könnte. Aber das war nicht der Fall, Woche für Woche ging ich zu ihm und es half mir überhaupt nicht, bis ich nach 12 Wochen beschloss, diese Therapie abzubrechen. Nun lese ich sehr viel über ADHS und nehme online an Kursen zu Achtsamkeitstraining und Entspannungsübungen teil. Außerdem gehe ich 2 bis 3 mal in der Woche in ein Fitnessstudio und mache auch Aquafitness. Das alles hilft mir weitaus mehr als die vorangegangenen Psychotherapien, die waren in meinen Augen Zeit- und Geldverschwendung. Manch einer/ m mag sie vllt helfen, aber mir hilft Ritalin und Sport sehr viel besser.

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Herzlichen Glückwunsch, @Shoppingqueen73 ! :adxs_anfeuer:

Die Therapeutin war empört, dass er dir gleich Medikamente verschrieben hat; und dann auch noch Medikamente, die dir besser helfen als die Gespräche bei ihr, das ist ja eine unerhörte Frechheit! :adxs_grins:

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