Abgrenzung Neurotypen/Diagnosen

Das ist aber super für einen Familienrat. Als Beispiel, er bringt an, ich möchte selbst bestimmen wann ich die Hausaufgaben machen. Er muss sich überzeugende Argumente einfallen lassen. Er wird eventuell sagen, ich bin alt genug und mache die auf jeden Fall am Abend. Dann sagst du als Beispiel: Ich habe jetzt allerdings oft die Erfahrung gemacht, dass du sie dann gar nicht machst. Dann wird er eventuell sagen, aber ich verspreche, wenn ich selbst entscheiden kann wann ich die mache, dann mache ich die wirklich. Dann könntest du zum Beispiel sagen, ok da vertraue ich dir. Allerdings bei so einer wichtigen Regel ist es wichtig das wir dann einen richtigen Vertrag machen, den wir alle unterschreiben. Er wird dann zustimmen, du erstellst ihn, ihr unterschreibt und klärt aber auch vorher, was passiert wenn der Vertrag von einer Seite gebrochen wird. Zum Beispiel, dass der Vertrag dann wieder aufgelösst wird und ab dem Zeitpunkt, du erstmal wieder sagst, wann die Hausaufgaben gemacht werden und wenn du den Vertrag brichst muss er sich etwas überlegen, was deine Konsequenzen sind.

Also nur als Beispiel, dass wird so wahrscheinlich nicht ablaufen. Nur hier lernt er direkt, das Verhalten Auswirkungen auf andere aber eben auch für einen selbst hat.

Super gerade das gleiche aufgegriffen​:joy:

Das ist ein Prozess, hier ist es tatsächlich wichtig dran zu bleiben. Auch wenn es 100 mal schief geht. Irgendwann klappt es dann aber auch mal. Und wie Stolz er dann sein wird. Auch wenn es erstmal nur zwei Tage klappt. Loben, Loben, Loben.

Und wenn es nicht klappt und die Regel dann wieder geändert wird. Immer darauf hinweisen, pass auf wir hatten einen Vertrag, schau hier hängt er und du hast dich leider nicht dran halten können. Jetzt müssen wir das erstmal wieder ändern und machen jetzt mal wieder so wie ich denke das es klappt und wir können nach einer Zeit gucken, ob wir einen neuen Versuch starten. Das kannst du dann ja im Familenrat sagen, wenn du bereit bist dich an den Vertrag zu halten.

Nachtrag: eventuell gibt es auch drei Fehlschläge die er machen kann, bevor deine Regeln erstmal wieder angewandt werden. Da musst du gucken, was realistisch ist.

Noch ein Nachtrag: immer reflektieren, warum es bei ihm nicht geklappt hat, wenn er lernt das ausdrücken zu können, hat er echt dazugelernt.

Vertrag haben wir schon mal mit den Kindern abgeschlossen.

Da haben wir die Regeln für Eiskonsum festgelegt. Es gab da ein paar mal Drama, weil kein Eis zu Hause war und natürlich die Kinder auch nichts selber welches holen wollten… wir haben dann festgelegt, dass es keinen Anspruch auf Eis gibt, wir Eltern kein Eis holen müssen (an sich klar, möchte man meinen… :zany_face: ) und Dramamachen verboten ist - so halt die Kurzform.

Entstanden ist das ganze aus der naiven Regel: Eis gibt es nur von Ostern bis Ende September.
Daraus haben unsere Kinder gleich einen Anspruch auf tägliches Eis in der Zeit abgeleitet. Gedacht war das aber von mir nur, dass ich nicht das ganze Jahr mit Eis genervt werde… :zany_face: und ja, ab Herbst hat die Regel an sich super funktioniert. :sweat_smile:
Naja, dann brauchten wir nach einem richtig großen Drama den „Eisvertrag“. :grin:

äh, man muss so aufpassen, sage ich euch.

Um ehrlich zu sein, da geht es ja nur um das was du willst, klar das dein Kind damit nicht einverstanden ist. Es hat einfach keinen Vorteil davon.

ich weiß… das ist das große Drama an der Schule. :see_no_evil_monkey:

Noch dazu sagt er ja, dass er eh geschimpft wird, egal was er macht und ja, die Rückmeldung der Schule ist manchmal schon „ungeschickt“, sagen wir es mal so… :roll_eyes:

Er muss seine Vorteile erkennen lernen. Daher ist es manchmal hilfreich, wenn der Vorteil, gute Noten verbessern meine Zukunftschancen, noch viel zu Abstrakt sind. Vorteile die näher sind zu erschaffen. Wie zum Beispiel. 5 mal hintereinander ohne ermahnen Hausaufgaben gemacht, gibt als Belohnung etwas was er wirklich gerne macht oder mag.

Nachtrag: und sowas muss mit den Lehrern besprochen werden. Wie, wir als Familie wollen eine Verhaltensänderung mit unserem Kind erarbeiten. Unser Kind reagiert besonders positiv auf Lob und trotzt sofort bei kritik. Daher wären wir ihnen dankbar, wenn sie uns da unterstützen und alles was positiv ist auch loben. Auch im Heft. Und das was nicht so gut war nur als Anmerkung, wie wenn du hier weiter übst, wirst du das auch bald richtig gut können.

Verkauft es der Lehrerin als, wir wissen sie haben recht, aber eine Verhaltensänderung wäre für sie bestimmt auch leichter.

Hab grad kurz nachgeschaut worums in dem Thread ursprünglich ging, und festgestellt, dass wir ganz leicht vom Thema abgekommen sind :joy:

Aber ich weiss nicht wo es sonst reinpasst, deshalb doch hier: Wir hatten hier genauso ein Drama. Jetzt darf der 10-jährige am Morgen 30min vor Unterrichtsbeginn ins Klassenzimmer und die Hausaufgaben dort machen. Volle Medi-Wirkung, keine zwei nervigen Schwestern daneben, der „Druck“ dass „mache ich später“ nicht geht, und es funktioniert super. Vielleicht gibt’s bei euch ja auch so eine Möglichkeit?

Nein, ich denke ODD und PDA passen schon. Es geht ja noch immer um Unterscheidung von Diagnosen. :wink:

Da PDA von manchen als eine Art Autismus gesehen wird, sind wir sogar recht genau On Topic.

Ich selber zweifle inzwischen ziemlich am PDA, je mehr ich drüber nachdenke. Diese Sache mir „ich mache etwas nicht, weil ich Angst habe vor der Anforderung“ ist mir einfach nicht schlüssig genug. Also ich hänge mich am „Angst“ Thema auf, wenn ich ehrlich sein soll.

Und das „nicht können“ finde ich eine doofe Unterscheidung, weil niemand tut nur Drama machen „einfach so“. Niemand kann aus seiner Haut.

PDA ist echt für mich immer mehr die Soft Version von ODD - wobei ja sicher viele Kinder auch gar keine ODD haben, weil ich denke sowas ist schon extremer…

Dein Beispiel ist übrigens super. Nur mein Kleiner will es ja gar nicht machen. Sprich, wenn wir ihn nicht „zwingen“ würden, ihm wäre es echt total wurst. Er verweigert z.B. auch vollends das Englisch Vokabellernen. Und inzwischen sage ich: „willst du lernen?“ Das mache ich maximal 2-3 mal als Angebot und erkläre ihm auch, was die Konsequenz ist, aber dann lernt er halt nicht. Letztens hat er dann Original im Auto rumgebrüllt, wegen uns hat er ja den Test versemmelt, weil wir nicht mit ihm gelernt haben.
Dann gab’s aber eine entsprechende Ansprache von meiner Seite.

Jetzt war wieder Test, er wollte wieder nicht lernen. Am Vorabend beim schlafengehen hat er es wieder probiert mit „ja, er hätte ja gelernt…“ äh, nein er wollte kein einziges mal und es gab wieder Ansprache - sein Unwillen = seine Verantwortung. Und ganz ehrlich, dann versemmelt er halt die Englisch Tests. Nicht mehr mein Problem. :smiling_face_with_sunglasses:
Später hat ihm mein Mann auch nochmal erklärt, dass wir uns echt mehr Ehrgeiz von ihm wünschen würden… ob es was bringt, weiß auch nicht.

In Deutsch und Mathe können wir das nicht so machen, weil da könnte er effektiv sitzen bleiben, da müssen wir ihn halt motivieren wenigstens zum Minumum… Ab der Mittelschule werde ich da aber auch überlegen, ob ich noch Lust habe ihn zu schieben.

Für mich passt Angst da auch nicht rein. Ich sehe es eher als stark ausgeprägtes Autonomiebestreben. Wenn Angst, dann Angst vor dem Verlust der Autonomie.

Das hatte ich bei uns auch das Gefühl. Er lernt auch nicht für Tests. Aber ich glaube, manchmal tun sie abgeklärter als sie eigentlich sind, und eine schlechte Note oder ein Rüffel der Lehrperson trifft sie trotzdem. Nicht dass sie das zugeben würden natürlich.

Ich weiss nicht, was die Konsequenzen bei euch wären, aber wäre es vielleicht eine Option, ihm wirklich mal eine Weile die Verantwortung komplett zu überlassen und euch komplett rauszuhalten?

Das hier zeigt ja schon, dass es ihm nicht komplett egal ist, oder?

Ich nehme mich inzwischen bei beiden grossen Kindern ziemlich aus der Gleichung raus.

  • „Ich mache diesen Sch… nicht!“ - „Na gut, dann erklärst du morgen der Lehrerin weshalb du es nicht gemacht hast.“
  • „Ich gehe nicht zum Musikunterricht!“ - „Gut, dann rufst du jetzt an und meldest dich ab.“

Ich helfe ihnen, daran zu denken, dass sie noch etwas tun müssten, und ich biete meine Hilfe an, Aber ich sehe mich nicht mehr in der Verantwortung, dass SIE IHRE Pflichten erledigen.

Die Noten sind nicht besser aber auch nicht schlechter als vorher, aber meine Nerven werden massiv geschont.

Aber ich glaube, der Punkt ist, man darf sich tatsächlich nicht mehr verantwortlich FÜHLEN. Die Kinder spüren das.

Aber es ist mir klar, dass das ganze nicht einfach ist, wenn sitzenbleiben im Raum steht…

Dem stimme ich zu. So empfinde ich es schon bei meinem Sohn.

Liebe @moya , also ich persönlich hatte „das Problem“ mit der Unlust zum Lernen ja tatsächlich früher überwiegend mit meiner Tochter, und das eigentlich seit Schulbeginn, heisst wenn ich ehrlich bin, eigentlich sogar während der gesamten Schulzeit, heisst solange ich mich zurück erinnern kann, heisst vom Anfang bis zum Schluss hatte meine Tochter „Null Bock“ darauf um zuhause etwas für die Schule „zu lernen“, sondern machte ihre Hausaufgaben „nur weil sie es musste“, aber niemals mit Begeisterung.

Und höchstwahrscheinlich hat sie die Schule eigentlich von Anfang an gehasst, weil sie aus ihrer Sicht ständig zu Sachen gezwungen wurde, die sie entweder nicht die Bohne interressierten, oder sie den Lernstoff in Wahrheit irgendwie einfach nur blödsinnig und total langweilg fand, und es deshalb auch nur total unnötig empfunden hatte, dann für den ganzen Schwachsinn z.B. auch noch Sachen auswendig lernen zu müssen, und das nur damit man dann deshalb gute Noten im Zeugnis kriegt.

Und es eigentlich, glaube ich heutzutage jedenfalls nachträglich, z.B. nie wirklich etwas in der Schulzeit gab, was meine Tochter damals in ihrer Schulzeit wirklich interessant gefunden hätte.

Heisst meine Tochter fand damals alles ausserhalb ihrer eigenen Welt, heisst den Dingen die in ihrem eigenen Kopf stattfanden, absolut uninterressant.

Doch andererseits war es für Aussenstehende, heisst selbst für mich als ihre Mutter, noch weniger für ihren Vater, möglich in ihre Welt vordringen zu können, da sie damals nur selten, wenn überhaupt irgend jemand, in ihre Welt hinein liess, sondern meistens nur sehr schwer, oder nur Bruchstückhaft, heisst selbst zulassen konnte, dass man zu ihr „vordringen“ konnte, heisst sie dort, in ihrer Welt, „antreffen“ konnte, heisst es Augenblicke gab, in denen man einen Blick auf sie, so wie sie ist, in ihrer eigenen Welt, kurzzeitig mal echt erhaschen konnte.

Ansonsten musste ich mich als Mutter eigentlich immer auf meine eigene Intuition verlassen.

Oder musste mir, aber vor allem immer wieder anderen gegenüber versuchen klar zu machen, dass meine Tochter weder „faul“, noch „dumm“, noch „aggressiv“, noch „auf Krawall gebürstet“ war, und das es ihr auch nie darum gegangen ist das sie prinzipiell sowas wie eine Schulverweigerin gewesen ist.

Sondern Nein, dass alles einfach Bullshit ist, falls ihr jemand sowas damals unterstellen wollte.

Sondern meine Tochter ganz einfach „anders“ als andere ist.

Doch inwiefern „anders“, dass wusste ich ja damals selbst noch nicht, sondern habe das alles erst langsam geschnallt, nämlich erst als ich schon fast 50 J. alt war, und dann in diesem Altersabschnitt, ja selbst erst meine ADHS Diagnose damals bekam.

Jedenfalls, heisst so oder so, und egal wie schwierig vieles im Leben ist, gibt es im Umgang mit Kindern nichts wichtigeres, als das man erstens nie gewalttätig gegenüber seinen Kindern ist, und zweitens immer seine aufrichtige Liebe gegenüber seinen Kindern zeigt, und drittens seine Kinder niemals dafür bestraft weil sie Kinder sind, heisst Kinder logischerweise nicht wie ein erwachsener Mensch denken oder handeln können, sondern immer nur nach der Entwicklung des eigenen kindlichen Verstandes.

Und wenn ein Kind „Probleme“ mit etwas hat, dann braucht es erst Recht unsere Unterstützung, und alle nur erdenkliche Liebe und Verständnis von uns.

P.s.
Trotzdem hatte meine Tochter übrigens immer genug gute Noten um den nötigen Durchschnitt zu erreichen damit sie weiter versetzt wurde.
Und sie ist auch nie „sitzen geblieben“, oder sowas.
Aber sie war halt nie eine „Spitzenschülerin“, obwohl sie es vom Intellekt her hätte seien können.
Sie hatte aber ganz einfach keine Ambitionen, oder keinen Ehrgeiz, wie es viele wahrscheinlich nennen würden.
Und z.B. hatte sie früher auch nie auch nur irgend eine Vorstellung davon was für einen Beruf sie will.

Da haben wir ja Glück mit unseren Kindern. Vor allem der Große lässt sich immer schnell für ein Thema begeistern, ist dann kaum noch davon abzubringen und lässt sich dadurch auch nicht mehr abzulenken. Er bekommt leicht eine Art Tunnelblick aus dem er nicht mehr ohne weiteres herauskommt.

Ich habe die letzten Kommentare nur überflogen, aber ich möchte noch hinzufügen, dass es bei diesen Verträgen für mehr Eigenverantwortung ein Problem gibt. Selbstverständlich ist das eine tolle Idee und so etwas haben wir auf Empfehlung einer Psychotherapeutin auch schon ausprobiert aber das Ganze ist gescheitert. Die Kinder mit ADHS verstehen die Vorteile und den Zweck solcher Vereinbarungen sehr gut und ihnen ist auch durchaus bewusst, dass wenn sie sich an die Vereinbarungen halten in Zukunft einen Vorteil erhalten. Das Problem ist, dass sie viel zu sehr im Hier und Jetzt leben. Sie haben ein echtes Problem damit etwas aufzuschieben, auch wenn sie wissen, dass es sich lohnen könnte z.B. für bessere Noten oder später mehr Zeit und Eis etc.

Unsere Kinder diskutieren in solchen Situationen ausgiebig, uneinsichtig und versuchen eine Ausnahme für die Vereinbarung zu erreichen.

Uns blieb gar nichts anderes übrig als klare Regeln einzuführen.

Ich habe in letzter Zeit in meinem Umfeld bemerkt - also rein anekdotische Erlebnisse - dass zweimal zu einem ADHS-Verdacht gleichzeitig die ASS-Testung mit vorgeschlagen und auch durchgeführt wurde. Trotz eindeutig nicht klassischer Präsentation bei den Betreffenden (Aussage der Betroffenen selbst).

Da stelle ich mir einmal mehr die Frage, wo denn das Autismus-Spektrum beginnt. Es gibt offensichtlich Menschen, bei denen erklärt die ASS-Diagnose die Probleme ihres ganzen Lebens, so wie man es auch von ADHS kennt. Und dann gibt es Menschen, bei denen der Autismus „nur“ eine Form von leicht ausgeprägten sozialen Besonderheiten darstellt, auf denen basierend sie die Diagnose dann erhalten. Die haben sicherlich auch Leidensdruck, das will ich nicht invalidieren. Ich stelle mir nur die Frage, ob Autismus so wenig ausgeprägt sein kann, dass es fast schon auf reine Persönlichkeitszüge rausläuft. Und ich spreche hier nicht von Masking oder anderen Coping-Strategien, die den Leidensdruck unsichtbar machen, sondern gehe von offenen, ehrlichen Antworten der Betroffenen in der Diagnostik aus (vermutlich eine utopische Annahme dank verinnerlichtem Masking, aber gehen wir mal von dieser Utopie aus).

Auf der anderen Seite finde ich das gestiegene Bewusstsein definitiv gut und das sollte weiter ausgebaut werden. Das kann wirklich viele Leben retten und verbessern.

Uta Frith kritisiert ja, dass Schüchternheit, Ungeselligsein oder Nerdismus, intensive Hobbys usw., Dinge, die man als Persönlichkeitszüge bezeichnen kann, die ganz normal in der neuronormativen Gesellschaft verteilt vorkommen, pathologisiert werden. Dabei sind diese Persönlichkeitszüge überhaupt kein Nachteil innerhalb einer Population, sondern lediglich Varianz.

Uta Frith sagt in einem Interview, sie beobachte, dass sich die Gruppe, von in letzter Zeit diagnostizierten Autisten deutlich von den Autisten unterscheidet, mit welchen sie früher zusammengearbeitet hat.

Viele Personen, die sich vorstellten, zeigten demnach überhaupt keine Schwierigkeiten in der Kommunikation oder zeigten sogar eine ausgezeichnete Kommunikationsfähigkeit. Repetitionen, die die Flexibilität, die man zum Leben braucht, um sich anpassen zu können, die die Lebensqualität einschränken würden, scheinen kaum noch der Rede wert zu sein.

Sie bemängelt, dass große Unterschiede zu den Autisten bestünden, die ihre Bedürfnisse nicht ausdrücken können. Ich denke, sie meint darüber hinaus auch autistische Kinder, die keinen Augenblick unbeaufsichtigt sein können, weil sie abhauen könnten, oder solche, die gewaschen werden müssen und beim Essen nicht ohne Unterstützung zurechtkommen und so weiter.

Sie hat Zweifel daran, dass es sich um dasselbe Spektrum handelt, und schlägt vor, eine eigene Diagnose-Kategorie für diese Gruppe zu schaffen.

Was haltet ihr davon?

Ich glaube, die Idee eines Spektrums, in das auch Persönlichkeitsstörungen oder Nuancen von Persönlichkeitsstörungen aufgenommen werden sollten, stammt noch aus einer Zeit, in der bislang nicht absehbar war, wie knapp einmal die Ressourcen der jeweiligen Gesundheitssysteme werden könnten.

In Deutschland wurde das Diagnosemanual, das Autismus und ADHS, als dimensionale Kategorien auffasst, noch nicht mal etabliert. Da stellt sich schon die Frage, ob sie überhaupt zielführend und zeitgemäß sind.

Unabhängig davon wie man zu Friths Ansichten steht, bin ich der Meinung, dass mehr Diagnosen oder das Widereinführen von Subtypen im Autismus-Spektrum auf keinen Fall mehr Ressourcen bedeuten würden.

Wir in Deutschland haben mit dem ICD 10 aktuell ja sogar noch die veralteten Subtypen des Autismus, die diagnostiziert werden. Diese Aufspaltungen wurden deshalb abgeschafft, weil sie sich wissenschaftlich nicht halten ließen. Zu viele Menschen haben Entwicklungen in ihrem Leben durchgemacht, in die eine oder die andere Richtung, sodass ein Subtyp nicht mehr gepasst hat.

Ich habe im englischsprachigen Raum öfter von der Forderung gelesen „Profound Autism“ als eigene Kategorie einzuführen. Gegenargument war unter anderem, dass das keinem Betroffenen mehr Ressourcen oder Unterstützung bringen würde, sondern bloß wieder eine Spaltung in der Gruppe der autistischen Menschen einführen würde.

Deshalb bin ich der Meinung, eine erneute Aufspaltung in welche Subtypen auch immer würde rein gar nichts bringen. Außer vielleicht, dass im Gesundheitssystem noch mehr gespart werden kann, weil man „leichter Betroffenen“ jede Unterstützung verweigert.

Was wichtig wäre: mehr Expertise und Genauigkeit in der Diagnostik, um wirklich herauszufinden, woher Leidensdruck kommt. Menschen ernst nehmen, sich Zeit nehmen, Ernst nehmen usw.

Vielleicht haben wir auch das ein bisschen vergessen in den letzten Jahren als Gesellschaft? Menschen haben verschiedene Persönlichkeiten.

Dass Frith diese Unterschiede aufmacht, halte ich wie oben schon erklärt für Unsinn. Ja, es gibt eindeutig verschiedene Schweregrade von Behinderung, und das sollte offensichtlich sein. Jemand, der sich gut ausdrücken kann, hat aber unter Umständen dennoch viel Leidensdruck durch den eigenen Autismus. Denjenigen dann die Diagnose zu verweigern, führt auch zu endlosem Leid und kann daher nicht der Sinn der Sache sein.

Worauf Frith eventuell hinaus will, ist der Fakt, dass Autismus eine Behinderung darstellt - und wenn jemand durch die autistischen Persönlichkeitszüge gar nicht (!) behindert wird, ist die Person nicht autistisch. Das ist für mich eine Tatsache.

Ihr bringt mich ganz schön ins grübeln.

Ich gehöre zu den „hochfunktionalen“ AuDHSlern. Allein der Begriff „hochfunktional“ ist schon eine Beleidigung. Ich kämpfe jeden Tag mit meinen Beeinträchtigungen. Bin mehrfach im Burnout gelandet und in Depressionen gerutscht. Lustig ist das ganz sicher nicht.

Mir geht es aber insgesamt zu gut um einen GdB oder gar eine Pflegestufe zu beantragen. Es fühlt sich für mich völlig falsch an, mich mit stark beeinträchtigen Autisten oder ADHSlern zu vergleichen. Das empfinde ich geradezu als Hochstapelei.

Das spricht -meines Erachtens nach - für eine gestufte Diagnose.

ASS Stufe 1 bedeutet ja „geringer Unterstützungsbefarf“. Das waren bisher halt die Asperger.

Aber OHNE Diagnose existiert man ja quasi gar nicht. Und braucht daher auch nicht auf irgendeine Unterstützung hoffen.

Holen sich wirklich so viele Leute eine Autismus Diagnose ohne beeinträchtigt zu sein??? Wozu? Das würde doch auch bedeuten, dass es genug Geldgeile Kurpfuscher gibt, die die Diagnosen bedenkenlos stellen. Da läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken (rw).

Die Stufen sind nicht fix, das kann sich auch mal von 1 in 2 Wandeln und auch wieder zurück. Je nachdem wie man sich überfordert bzw. überfordert wird.

Ja…das macht schon Sinn. Aber willst Du deswegen wieder eine strikte Aufteilung in „Aspie“ und „echte Autisten“?

Bearbeitet: Das klingt für mich schon schrecklich wenn ich es noch mal lese…!