ADS - Eingeschränkter Realitätsbezug? Aktivitätshemmung

Hallo,

ich bin aktuell noch in der Diagnosephase an der Uniklinik. Bisher steht der Verdacht auf ADS. Deshalb bin ich in diesem Forum.

Was mich jedoch auch sehr stark einschränkt, ist das ständige abdriften und Träumen, was zwangsläufig zu verminderter Aktivität führt. Im Kopf geht der Traum aber weiter führt meiner Meinung nach zu Zwängen.

Mein Vater ist da Ähnlich. In einer Beurteilung von einem Arbeitsamt steht:

„Dieses übersteigert wunsch-gefühlsbetonte Denken wird von Überzeugungen in einem realen Gegebenheiten und Notwendigkeiten nicht berechtigtem unangemessenen Ausmaß geprägt. Auch seine sozialen Beziehungen und seine beruflichen Vorstellungen bleiben davon nicht unberührt, was nahezu zwangsläufig Probleme bei der sozialen Einordnung nach sich zieht. Er ist derzeit für eine Beschäftigung nur schwach motiviert. Er befürchtet, den Anforderungen einer solchen Tätigkeit nicht gewachsen zu sein“.

Kennt Ihr das auch? Würdet Ihr sagen, dass hat was mit dem Träumen bei ADS zu tun, oder ist das eher ein Resultat aus einer Aktivitätsschwäche, die von woanders her kommen kann.

So pauschal ist das schwer zu sagen.
Ich versuchs trotzdem…
Träumst Du Dich in bestimmte Rollen hinein, legst Du die Messlatte über kurz oder lang so hoch an, dass Du das in der Realität nicht erfüllen kannst. Was bedeutet, dass Du in jedem Fall vor Dir selbst versagen musst. Die Konsequenz ist, dass Du die Realität meidest, um das Versagen zu vermeiden.
Das Träumen fühlt sich gut an, und dank ADS ist die Gefahr sehr groß, immer schneller in diese Welt auszuweichen. Damit ist eine Spirale in Gang gesetzt und die Diskrepanz zwischen Soll und Ist wird größer, die Realität immer unangenehmer.
Das ist natürlich eine sehr subjektive Auslegung. Mein Ausgangspunkt ist, dass ich das als junger Mensch auch hatte… und auch heute noch. Ich war musikalisch recht ehrgeizig, habe auch sehr gern und gut Musik gemacht. Aber ich habe auch sehr viel Musik gehört, natürlich von den weltbesten Interpret:innen. Dabei habe ich mich immer in sie reingeträumt, war auch entsprechend euphorisch. Irgendwann war das Üben unmöglich.

Rückblickend würde ich sagen: typisch AD(H)S.
Ohne ADHS hätte mich das Üben nicht so sehr gestört. Ich hätte bessere Fortschritte gemacht, mehr Sicherheit und Souveränität gewonnen (wie meine Freunde)… und dadurch an der Realität mehr Spaß gehabt.
Stattdessen bekam ich irrationale Versagensängste, Blockaden, Verspannungen. Seit 30 Jahren gabe ich das Instrument nicht mehr angerührt.
Bei der Musik war das am heftigsten, ich habe das aber in jedem Bereich, der mir wichtig ist. Hochemotionale Großartigkeitsfantasien. Groß denken. Und dann feststecken aus der Angst raus, das nicht erfüllen zu können. Als Tiger starten, als Bettvorleger landen.

Das, was Du als Aktivitätshemmung betrifft, fällt m.E. unter ADS-Prokrastination. Du ziehst das Träumen vor - und Du kannst das nicht steuern.

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Danke für die super Beschreibung meines Zustandes in den letzten Monaten.

Tatsächlich habe ich diese Art Träumen verlernt ( in der Kindheit und Jugendzeit extrem ausgeprägt), seit Elvanse lebe ich wieder die meiste Zeit in meiner Traumwelt und ich habe wirklich Schwierigkeiten da raus zu kommen. Ab und zu denke ich, ich bin kurz davor den Verstand zu verlieren und steigere mich in Illusionen ein.
Aber ich hoffe es ist nur eine Phase, die zum Prozess gehört und ihre Berechtigung hat.

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Ja das träumen kann manchmal ein wenig zur Sucht werden, weil es entspannt und man kann alles Andere um sich herum ausblenden. Wie du schon sagst „Euphorisch“. Eine Heile Welt - aber wehe Jemand spricht mich dann an. Und mit Noise-Canceling Kopfhörer ist der Gesprächskontakt zu Anderen Menschen dann erst Recht gestört und verwirrend…:smiley:

Was mich ja noch interessiert ist, inwiefern sich das nach eurer Erfahrung mit Medikamenten verbessert.

Oder wohl erst, wenn man merkt, dass man anfängt auch was zu tun und das „Reinquatschen“ Anderer keine Belästigung mehr darstellt?

Lustig, dass es Dir so geht wie mir. Und sehr interessant, denn es führt mich zu folgender, für mich bahnbrechender Erkenntnis:
Bei mir hat das mit Emotionen zu tun. Erst wurde ich beim Phantasieren emotional und euphorisch, dabei scheinen sich Emotion und Ausweichen in die Phantasie derart verkoppelt zu haben, mit der Folge, dass ich seither phantasiere, sobald positive Emotion ins Spiel kommt. Ich habe eine gute Idee und freue mich darüber? Zack, ab auf die Wolke und die Umsetzung in der Phantasie auf einem derart hohen Niveau vorweggenommen, dass ich das in der Realität gar nicht einhalten KANN.

Durch Elvanse hat sich das nicht verbessert. Heißt: ich muss das aktiv entkoppeln. Über Achtsamkeit, über Skillstraining (Verhaltenstherapie) und so weiter.

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Medikamente erleichtern (bei mir) das Handeln im Hier und Jetzt und machen es angenehmer. Und sie ermöglichen Lernprozesse, die Du aber selbst in Angriff nehmen musst. Der Goldstandard ist nicht umsonst: Medikation + Psychoedukation + Therape /Coaching.

Ich sehe gerade nebenher auf Netflix „Explained. Unser Kopf“ die Folge über Kreativität. Passt gut dazu.

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Das haut mich gerade komplett um… So viel Lebenserkenntnis in den wenigen Zeilen.
Ich habe genau das gleiche Problem. Diese Träumerei hält mich vom Leben ab.
Sind sie falsch, die Träume? Wie kann ich damit aufhören?
Bei mir werden sie auch, jetzt wo du es geschrieben hast, von positiven Emotionen getriggert. Ebenso träume ich mich beim Musikhören in viele Situationen hinein.
Die Zeit, die ich mit Träumen verbringe, ist verlorene Zeit. Aber, es ist wie eine Sucht.
Andere nehmen Drogen, Alkohol oÄ. Das ist meine Droge. Ich bin Produzent und Konsument in einem. Wer braucht schon Dealer? Ganz blöde Situation.

Wo habe ich mich einzuordnen? Was ist richtig? Mein Realitäts-Ich: teilweise unglücklich? Oder mein Traum-Ich: unerreichbar, aber glücklich? Irgendwas dazwischen?

Danke @Hibbelanna für diese Zeilen. Ein richtiger Augenöffner.

Ich wünschte ich könnte diese ganze Träumerei über Bord werfen. es war mal mein Rettungsanker, aber es kostet mich zu viel Zeit.

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Ist das vllt nicht auch eine Folge, dass wir unser Potential irgendwo spüren es aber nicht auf die Reihe kriegen es umzusetzen?
Ich habe jetzt viel frei gehabt, und ich habe die Zeit 0 produktiv für mich nutzen können. Einfach much much Müllzeit. Es kotzt mich an.

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Vielleicht kannst Du „Träumen“ noch ein bisschen näher beschreiben, @Hansi85 ?

Wir haben uns u.a. in diesem Thread Maladaptives Tagträumen schon über einige Facetten ausgetauscht.

Evtl. gibt es da noch Unterschiede zwischen Visionen/Perfektionismus/erträumten Ergebnissen realer Herausforderungen und anders gelagerten Gedankenreisen.

Ist sicher hilfreich, dazu mal Erfahrungen zusammenzutragen . Ich fand z.B. die Kombination aus „Neigung zu Tagträumen“ (als Coping-Strategie) und Elvanse für mich nicht ganz risikolos.

Auch verschiedene NLP-Hinweise zu produktiven und evtl. kontraproduktiven Zielvorstellungen finde ich ganz hilfreich: Wer sich selbst schon mit jeder Faser beim Zieleinlauf des 10 km-Rennens in Bestzeit visualisiert, macht das evtl. so gut, dass er gar nicht mehr laufen „muss“, um die guten Gefühle zu erreichen. Da gibt es ja auch ganz gute Strategien inzwischen, welche Vorstellungen sinnvoller sind.

Ich schreibe mal etwas hin, ohne mich von den Anderem Thread beeinflussen zu lassen:

Träumen: Alle Möglichkeiten der Vorgehensweise ausschöpfen (10 Verschiedene Lösungswege für einen selbst und die Reaktionen der Anderen, Möglicherweise aus Unsicherheit) → Führt dann dazu, dass ich manchmal laut vor mich hinlache, weil ich mir gerade eine lustige Szene eines Gespräches vorstelle.

Manchmal bin ich durch das Träumen und den daraus resultierenden Zukunftsvorstellungen schon viel weiter, als die Anderen. Die wissen dann manchmal nicht wovon ich rede und ich fühle mich dadurch ausgebremst und denke mir dann „Sag mal, bin ich der einzige der schon so weit im voraus denken kann. Warum beschäftigen sich die Anderen nicht schon intensiv mit der Sache, die ja wichtig zu sein scheint (manchmal ist sie wichtig, manchmal eben belanglos“) → Und dabei überspringe ich die eigentliche Aufgabe, die noch vorher zu erledigen ist. (Erst die aktuelle Aufgabe zuende machen und nicht schon wieder die nächste anfangen). Das hat auch was gutes: Ich sehe Schwierigkeiten die in Zukunft kommen können und kann sie so ganz gut abwenden, ohne ins offene Messer zu laufen wie die Anderen es scheinbar machen, ohne zuvor darüber nachzudenken, welche Konsequenzen Ihre Handlungen haben werden.

Flucht vor scheinbar zu komplizierten (mehrschrittigen) Arbeitsweisen (Prokastination) → man fängt erst gar nicht an, weil man die Kraft der kognitiven Anstrengung scheut…also Flucht in die Phantasiewelt, wo man springen kann wie man will :smiley:

Entspannung nach zuvor anstrengenden (längeren) Konversationen, um ausreichend das Erlebte reflektieren zu können. Da brauche ich oft Zeit für mich, weil mir der Schädel dröhnt (mehrfaches visuelles nacherleben des real Erlebten…möglicherweise um die Dinge die man erlebt hat überhaupt zu begreifen, weil man das oft nicht so schnell verarbeiten kann wie die Anderen)

Manchmal auch die Angst vor einem bevorstehenden Ereignis (wie antworte ich am besten auf bestimmte Fragen, weil sonst wieder nur dünnsch*ss / Gestammel rauskommt)

Die Vorstellung des „live“ Miterlebens der Handlungen Anderer im hier und Jetzt (Möglicherweise perfektionistischer Kontrollzwang einer delegierten Aufgabe, weil man erwartet, dass der Andere die Arbeit genauso ausführen soll, wie man sich selbst vorstellt? Und wenn das nicht so abläuft, ist der Plan dahin und man hat das Gefühl, es läuft alles aus dem Ruder / in die falsche Richtung. Das quält einen ja richtig.

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Da muss ich auch mal kurz einhaken, auch wenns so halber offtopic ist. Ich finde mich da grade sehr stark wieder.
Ich hab eigentlich immer zuviel geträumt, war dadurch aber auch kreativ. Interpretationen von Gedichten und so weiter waren z.B. mühelos. Gleichzeitig, war ich aber auch immer mit den Gedanken in einer anderen Welt. Ich hatte beispielsweise immer so das Gefühl, dass ich nah an Amerika dran bin, weil ich immer soviele Serien verschluckt habe, dass ich das dort gezeigte amerikanische Leben besser verstanden habe als die unmittelbare Realität. Und mich indess auch wohl dort fühlte (ist ja sowieso utopisch und idealisiert). Um das zu verdeutlichen, der Gedanke mich dorthin zu fliehen war damit immer präsent, weil die reale Welt auch einfach nicht genug reiz geboten hat, natürlich war sie auch schwerer zu bewältigen und es gibt sicher noch mehr Gründe, aber vllt versteht man es auch so schon. Allerdings und jetzt der eigentliche Punkt hab ich das Gefühl, dass die träumerei ein Ende hat und ich sogar etwas dystopisch mit meiner Zukunftsvision umgehe. Bin ich einfach nur erwachsen geworden? Wie gehst du damit jetzt um, vor allem wenn du jetzt wieder träumst? Siehst du das als Rückschritt oder erkennst du es als Fähigkeit an und bist froh es wieder zu haben etc.?

@Hansi85
du hast grade geanwortet während dem tippen - und aua, das sticht grade mitten ins Herz. Das Träumen das du grade beschreibst, ist mir leider auch abhanden gekommen.
Ich hatte vor ein paar Jahren noch ein ganz ähnliches typisches Erlebnis, dass ich so eigentlich immer gewohnt von mir war. Wir waren bei der Gruppenarbeit, haben ein POL gemacht (Problem Orientiertes Lernen, im prinzip vom Brainstorming zur verteilung der aufgaben zur ausarbeitung und dann gemeinsames vortragen) und wir fangen an mit dem Brainstorming, da sag ich den Leuten welche Idee ich habe, merke es hört keiner so richtig zu, bin genervt, sag es nochmal. Keiner hakt ein, findet die Idee gut, ich mach also einfach weiter, meine damalige noch nicht Freundin mit dabei, die einzige die es Verstanden hat - wir also schon am beflügelten Disukutieren, voll im Rausch, merken wir wie im Hintergrund nochmal nach einem großen „stop stop, ich habe die Idee!!“ genau das vorgetragen wird was ich vor 20min schon gesagt hatte. Bei sowas hab ich mich dann einfach nur entsetzt umgeschaut und gefragt ob ich im falschen Film bin, unsichtbar oder träume. Das fehlt mir auf jeden Fall. Ich hab es zwar schnell aufgefasst, bin dabei aber auch die belanglosen SChritte überflogen und hab typischerweise Flüchtigkeitsfehler gemacht.

Vielleicht kennst du das auch: Ich hab oft nach einem Tag in der Schule oder Ausbildung oder mit Freunden, danach erstmal völlig erschöpft irgendwo entspannen müssen, dabei sind dann andauernd die Gedanken um den Tag geirrt, vor allem im Bezug auf Dinge die, die Leute zu mir gesagt haben. Aber auch Sachen die ich gesagt habe, dabei lief das Gespräch real vor Augen nochmal ab, ich hab die Mimik nochmal neu interpretiert und dadurch auch gewusst, was der jenige eigentlich damit sagen wollte. Oft dann auch erst die Erkenntnis gehabt, dass ich mal wieder durch das lesen der Mimik und Gestik dabei so vom Gespräch abgelenkt war, dass ich völligen unsinn darauf geantwortet habe, festgestellt habe, dass der jenige was ganz anderes sagen wollte und ich meistens sogar unterbrochen habe, vorschnell. Wenn ich überhaupt am Ende wusste was er mir sagen will. Was natürlich immer zu diversen Gefühlen, oft negativen geführt hat.
Aktuell hab ich das weniger und sollte wohl dankbar sein? Ich kann gar nicht richtig beschreiben wie ich mich jetzt fühle. Irgendwie fehlt mir innerhalb der Konversation jetzt einfach die Energie darüber nachzudenken und ich bin nur noch angestrengt. Was wohl dazu führt, das mich mein Konversationspartner als weniger anstrengend empfindet, ich mich aber weniger sinnhaft fühle

Ich bin damit eher immer so umgegangen, dass ich, um Konfrontationen zu vermeiden, es einfach selbst gemacht habe und dabei so getan habe als würde ich es für die Leute tun, damit sie ein bisschen weniger machen müssen. Was bei der Arbeit schon mal ein bisschen zu Größenwahn(oder besser Überschätzung) geführt hat, weil am Ende ich gerannt bin und mein Team sich dadurch entspannen konnte.

Das Durchspielen kenne ich. Mit der Mimik und Gestik bin ich mir nicht so ganz sicher. ASS Differenzialdiagnostik ist denke ich noch nicht ganz durch. Manchmal verstehe ich die Anderen einfach nicht :smiley:

Da würde ich aufpassen :smiley: - Mir geht es manchmal auch so, dass ich Denke, dass ich genau das gleiche vor 20 Minuten bereits gemeint habe. Die Traumwelt und die Realität sind aber zwei verschiedene Realitäten und manchmal meint man zwar das gleiche, drückt es aber so umständlich und weitschweifig aus, dass es beim Anderen nicht so ankommt, wie man es wirklich meint.

Ich habe das Problem häufig, wenn ich weitschweifig erzähle und nach gefühlten 20% meiner Gedankenströme aber schon unterbrochen werde und das Gefühl habe, dass sie mich immernoch nicht verstanden haben (80% ist ja noch gar nicht ausgesprochen). Oft kommt es auch vor, dass, wenn man die Möglichkeit hat lange über seine Meinung zu Philosophieren, die Anderen nach den besagten 20% Gesabbel bereits gedanklich abschalten, weil du immernoch nicht zum Punkt gekommen bist. (Gedanklich bist du das, aber nicht für die Anderen)…kennst Du das?

warum leider?

xD erwischt… ich hab schon Ganze Gespräche mit meiner Freundin in meinem Kopf geführt, knüpfe dann in der Realität daran an und wunder mich wieso sie keine Ahnung hat wovon ich rede :sweat_smile:

Damit hab ich auch schon Erfahrungen gemacht, wobei ich mich eigentlich immer versuche Präzise auszudrücken und dabei auch Worte verwenden die ich sofort verstehen würde ohne weitere Erklärung, aber die Leute sind in dem Moment natürlich nciht auf einer Wellenlänge (so Jemanden zu finden ist nunmal auch einfach die one in a million) und dann werde ich fast ein bisschen sauer und sag ganz energisch was ich ausdrücken will. Woraufhin dann immer ein „sag das doch gleich!!!“ kommt, gefolgt von einem „hab ich doch!?!?!!=“ dabei grinse ich dann aber verschmitzt, dann ist mir meistens keiner böse.

Aber ich weiß was du meinst mit dem Unterbrochen werden, gibt doch echt nichts schlimmeres? Dabei unterbrech ich andere auch viel zu schnell. In der Pubertät hatte ich permanent dejavü gefühle, als hätte ich das Gespräch schon gehabt, den tag teilweise einfach schonmal erlebt. Das war echt ermüdend. Du weißt sicher was ich meine?

Ich glaube es war nie besonders hilfreich zu wissen was andere fühlen, das hat immer nur dazu geführt, dass ich noch mehr überanstrengt war. Eine Freundin von mir hat einen starken ASS Verdacht, sie kommt mir soviel unbedarfter vor. Leider hat das bei ihr stark zu diversen Ängsten geführt. Z.B. nicht richtig verstanden zu werden oder das Thema Ironie… Wie ist das bei dir?

genau mein Ding :smiley:

Kenn ich man :smiley:

Ironie verstehe ich. Manchmal aber auch nicht, wenn es ein Witz für Schlaue war. Dabei bin ich mir manchmal nicht sicher, ob es an der Intelligenz liegt, oder ich auf der Leitung stehe.

Zurück zum Thema: Die Angst nicht verstanden zu werden, ist natürlich schon ein wenig da. Deswegen ja auch das gedankliche Durchspielen der Gespräche manchmal. Vor und nach den Gesprächen.

Nach Außen hin sieht es dann vielleicht manchmal während den Gesprächen so aus, dass man die Meinung der Anderen nicht akzeptiert, oder sie nur mit Worten anerkennt, Kritik gegenüber verschlossen ist und von der Problemstellung abweicht.

Ist „Träumen“ denn dann die Terminologie, die Dich weiterführt?

Ist das nicht eher schnelles Denken in Varianten? V.a. mit Blick auf die verschiedenen Lösungswege?

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Hallo Hansi und herzlich willkommen, :adxs_knuddel:

doch, Medis verbessern die Wahrnehmung. Man hat mehr Überblick und kommt aus seinen Gedankenschleifen raus.

Das ist ja eine heftige Einschätzung, die dein Vater da gekriegt hat. Der Arme! Wie alt ist diese Einschätzung denn? Hat er danach doch noch einen Job gefunden? Und hat er selbst eine ADHS-Diagnose?

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Vieles was ihr beschreibt würde ich als das typische Denken in Bildern und das Querdenken ansehen. Ich habe es nie als Träumen angesehen, sondern als mein normales Denken.

Für mich ist Träumen tatsächlich in Phantasie Welten abzudriften und mir ein perfektes Leben auszumalen.

Als Kind/ Jugendliche war es da, um mich zu schützen, Realitätsfluch. Jahrelang war es weg und ich hatte das Gefühl nur zu funktionieren und dass meine Gedanken nur tatsächlich auf die aktuellen Probleme fokussiert waren, ohne Lösung zu finden, einfach nur grübeln und sich die schlimmsten Szenarien auszumalen.

Jetzt seit paar Monaten und durch Elvanse kam die Träumerei wieder zurück. Ich empfinde es nicht unbedingt als belastend, denn sie kommt tatsächlich nur wenn es mir langweilig ist oder durch irgendwelche Trigger ( Musik z.B.). Ok, ganz schlimm ist es doch wenn ich dadurch nicht einschlafen kann.

Leider habe ich immer noch Probleme damit zu Ende zu denken, wahrscheinlich wegen dieses „in hier und jetzt leben“ Gedöns.

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:heart_eyes: :star_struck: :smiling_face_with_three_hearts:

Stelle mir gerade vor, wie Realitätsflucht in Buchstabenkekse geschrieben ist… Und kleine Kugelwesen (oder Elvanse-Pillen-Figuren) stellen sich eine Leiter auf und allerlei Gerät und reißen das T am Ende ab wie ein Denkmal des alten Machthabers nach politischen Umbrüchen. Und zerbröckeln es und machen eine riesige Neujahrs-Keksparty in Neurodiversien. Mit Lampions und Musik und Konfetti. Eigentlich mehr aus einem spontanen Impuls heraus.

Und am nächsten Tag, wenn alle aufwachen, sehen sie, was sie da gemacht haben: Keine Flucht mehr. Übrig bleibt nur noch dieser Realitätsfluch. Und das ganze „Hier und Jetzt“-Gedöns.

Soviel zu „eingeschränkter Realitätsbezug“. Und das ist ja nur ein Erzählstrang davon… Ein anderer denkt bei „eingeschränkter Realitätsbezug“ an zu klein geratene Bettwäsche.

Ob die realitätsflüchtenden Keksfiguren und die Bettwäsche ein Problem darstellen, hängt wohl ganz davon ab, was gleichzeitig auf den 8 anderen Gedanken-Tonspuren abgeht und ob sich da etwas dominierend und unkontrollierbar in den Vordergrund schiebt. Entschuldigt mich, das Krümelmonster und ich sind zum Reste-Essen in Neurodiversien eingeladen.

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Das kann ich unterschreiben. Dieses Denken in Bildern, Querdenken mache ich auch sehr sehr oft…
Hinzu kommt aber noch das Tagträumen, bei Musik ganz oft.
Zum Beispiel habe ich in meiner Jugend geträumt wie ich Teil von meinen Lieblingsserien werde. Zb Pokemon, oder Sailormoon. Das mit der Träumerei hat schon angefangen als ich ca. 3 oder 4 Jahre alt war. Meine Eltern haben mir das immer berichtet.

Heute ist es eher das Ausmalen meines Lebens, wenn ich irgendwelche Ziele erreicht habe. zB 10kg abnehmen. Oder ganz toll mein Musikinstrument auf der Bühne spiele.
Oder endlich mein Traumstudium finde und erfolgreich werde.
Manchmal frage ich mich, ob ich narzisstisch bin, wenn ich sowas träume…?
10kg abgenommen habe ich, lustigerweise war die Realität dann nicht so wie ich es mir ausgemalt habe…komisch…? Naja, inzwischen sind wieder 15kg drauf, Problem solved xD

Ich baue damit Stress ab, merke aber auch, dass die Träumerei dafur sorgt, dass mir die Realität vorkommt wie eine Werbeunterbrechung. Zumindest früher war es noch so krass.
Ebenso habe ich dadurch ein Persönlichkeitsproblem. Wer bin ich?

Also Analysieren/Querdenken und dann das Träumen. Ich mache beides. Das Analysieren/Querdenken kann ich leichter unterbrechen, das Träumen nicht. Das ist wie eine Droge.