Erledigungsblockade

Manchmal aber eben auch nicht.

Am (jüngsten) Tiefpunkt fühlte es sich an wie (vermutlich) starke Flugangst oder Fahrstuhlphobie: lieber 17-mal mit dem Zug umsteigen oder zu Fuß in den 43. Stock, denn der Schritt vorwärts ging eben „einfach nicht“. Bis sich nicht-tun dann doch „einfach“ noch schlimmer anfühlte als tun.

Und ich hoffe, dass ich wenigstens diese Lehre mitnehmen kann. Weil alles andere auch wieder unfair sich selbst gegenüber ist, zumal dann, wenn der Prozess von A nach B ohnehin nicht so passiv erledigt werden kann wie Fahrstuhlfahren oder Fliegen, sondern jeder Schritt tatsächlich Arbeit ist.

Wie also sich selbst ermöglichen, „mit Würde zurückzukommen“ - wie es in diesem immer wieder sehenswerten Video (Hiltrud Bierbaum-Luttermann - Mit Würde wieder zurückkommen – Jugendliche nach großen Krisen - YouTube) heißt?

Indem man es nicht für einfach hält? Auch nicht in der Rückschau?

Aber was erzähle ich Dir? Ich habe den Medien entnommen, dass Du nach dem Abräumen der Weihnachtsdeko im Hause @Neinhorn jetzt die nächste Herausforderung annimmst und Dämme für den Frieden mitbaust: Ukraine Says Defenses Stronger Thanks to Local Beavers and Their Dams

Verglichen damit ist vieles dann doch manchmal einfach. Frage der Perspektive und der Alternativen, klar.

Wünsche Dir Seelenfrieden. Ganz einfach.

Liebe @Koouldnotresist

den Seelenfrieden wünsche ich dir auch, danke.

Ob einfach oder nicht ist vielleicht eine Frage der Perspektive, - schaue ich zurück oder nach vorne.

Wenn man eine Blockade überwunden hat zu sagen „Das war doch einfach, warum hab ich Idiot nicht eher gehandelt!“ ist respektlos und demotivierend sich selbst gegenüber. Man darf sich statt dessen auf die Schulter klopfen und realisieren welche Kraft man hier hineinstecken musste, - auch wenn das von außen gesehen vielleicht Pillepalle war.

Steht man aber vor dieser Aufgabe, dann kann es hilfreich sein sie nicht zu dramatisieren. Statt „Oh Scheiße, das schiebe ich schon seit 11 Monaten auf, woher soll ich die Kraft nehmen?“ ist vielleicht der Ansatz „Die reine Tätigkeit kann ja nicht so schwer sein. Auch wenn sich tausend Ängste und negative Gefühle aufbäumen, fange ich jetzt einfach mal an.“ mehr helfen.
Und in diesem Sinn hat es mir geholfen zu lesen, dass Frau Joss die Tätigkeiten für einfach hält, - wenn man den Anstoß hat anzufangen.

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Ich habe gerade überlegt, ob ich in den „Was mir gut getan…“ oder den „Was mir nicht gut getan…“-Thread posten soll (oder besser nirgendwo…). Es gehört wohl oszillierend genau in die Mitte und ist daher vielleicht doch teilenswert.

Hat noch jemand von Euch gestern den Newsletter von Martin Winkler bekommen? „Grandioses Scheitern und Monkey Mind“. Er beschreibt darin, die

„kleinen Momente bzw. emotionalen Stolperfallen, die dann irgendwie zum Nichts-Tun führen. Oder zu einem emotionalen Absturz bis hin zum neurodiversen Meltdown. Damit ist gemeint, dass eine Kleinigkeit reicht, damit wie ein Domino-Effekt das Gehirn irgendwie aussteigt. Entweder passiv wird und nichts mehr machen kann. Oder aber innere Unruhe, Druck und Anspannung schier unerträglich werden.“

Hier nachzulesen.

Mich hat der hohe Wiedererkennungswert bewegt, wie meistens bei seinen Beiträgen. Und gleichzeitig schwingt dabei immer mit, dass scheinbar auch der beste Zugriff auf neueste Erkenntnisse, Medis, etc. nichts an dem grundlegenden Problem ändert, dass … im Krisenfall genau das Organ stolpert, das eigentlich den Sturz am besten abfangen könnte. Inkl. Domino-Effekt und Teufelskreis. Kleiner haben wir es nicht.

Dass der zuletzt hier erwähnte Tiefpunkt ein Tiefpunkt war, habe ich u.a. daran gemerkt, dass ich so ernstlich wie selten die in einem anderen Thread geteilte Lieblingskolumne in Zweifel zog und das dortige Grund-Mantra „Du brauchst, nur schon für die Alltagsroutine, einen Stern, um ihm zu folgen. Dann lebst du, zwar immer noch ruppig, aber auf der Höhe deiner Fähigkeiten.“

Vielleicht, dachte ich, ist genau das die Quelle des Problems und nicht der Lösung. Diese immer noch nicht erwachsene Grundhaltung von „So tickt man mit ADHS. Anders als ruppig geht es nicht und alles unter der Höhe der Fähigkeiten ist inakzeptabel, weil nicht dopaminerg erstrebenswert.“

„No risk, no fun“ oder „no risk, no fuck-up“ - keine Ahnung. Die Zeiten sind noch zu ruppig.

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Habe mir gerade ruppig selbst geantwortet, wollte aber eigentlich nur auf die Kolumne verlinken. Statt Doppelpost eine Leseempfehlung:

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