Escitalopram HEC Pharm 10 mg 20 Filmtabletten N1 von der Psychiaterin verschrieben

Hallo liebes Forum,

Dies ist mein erster Beitrag und Entschuldigung, falls ich etwas zu weit aushole.

ich habe jetzt erst mit 36 Jahren (letzten Monat) meine Diagnose ADHS erhalten, obwohl ich bereits seit frühester Kindheit ausgeprägte Symptome zeige. Zwar wurde meinen Eltern damals bereits die Einnahme von Ritalin nahegelegt, die es jedoch aufgrund (noch immer) bestehender Vorurteile Mitte der 90er Jahre ablehnten. Entsprechend war ADHS bereits mein gesamtes Leben lang Thema und ich bin mir bereits seit mehreren Jahren sicher ADHS zu haben. In der Schulzeit und im Studium habe ich erfolgreich coping-Strategien / masking-Strategien entwickelt, die ich nun im Berufsleben als Sozialpädagoge und seit vier Jahren im familiären Umfeld mit zwei kleinen Kindern nicht mehr effektiv anwenden kann, so dass ich aufgrund erheblich gestiegener Überlastung und emotionaler, sowie kognitiver Erschöpfung mit regelmäßig wiederkehrenden depressiven Schüben psychiatrische Unterstützung aufgesucht habe.

Hier wurden mittels zwei Fragebögen, Selbst- und Fremdeinschätzung, sowie Grundschulzeugnissen die Diagnose ADHS bestätigt und generalisierte Angststörung (GAS) immer wieder seitens der Psychiaterin als Begleitsymptom betont. Aufgrund dessen hat sie mir heute Escitalopram HEC Pharm 10 mg 20 Filmtabletten N1 verschrieben mit der Annahme das Gedankenkarussel und die innere Unruhe / Impulsivität zu mindern und damit meine coping-Strategien wieder gestärkt werden.

Ich habe aber anhand von Recherchen auf der Seite hier gelesen, dass dieses Medikament eher kontraproduktiv sei (vgl. Citalopram & Escitalopram bei ADHS - ADxS.org ) und frage mich nun, ob ich es dennoch erstmal versuchen, oder direkt ein anderes Mittel verlangen soll. Ich bin mir total unsicher und würde mich freuen, wenn mir hier jemand antworten könnte, der bereits Erfahrung mit diesem Präparat hat. Ich soll das Medikament zunächst drei Wochen testen und im nächsten Gespräch auswerten.

Vielen Dank im Voraus und liebe Grüße

Ein ADHS-Medikament ist es nicht.

Manche Betroffene nehmen ein Antidepressivum zusätzlich zu einem ADHS-Medikament.

Dass es sich hierbei um ein Antidepressiva handelt ist mir ja klar, weshalb ich unsicher bin und mich freuen würde Erfahrungen zu lesen, von Personen, die zusätzlich dieses, oder vergleichbare Medikamente nehmen.

Ich nehme ein ADHS Medikament gegen ADHS-Symptomatik und seit einer Weile auch Escitalopram 5mg zur Behandlung wegen einer depressiven Episode und morgendlichem Gedankenkreisen.

Für mich funktioniert diese Kombi.
Für viele andere auch.

Wenn du oben über die Lupe in die Suchmaske „Escitalopram“ eingibst, wirst du viele Beiträge dazu finden. Allerdings im Kontext von ADHS + komorbide Depression, Angststörung etc.

Ein SSRI allein - oder auch andere Gruppen von Antidepressiva - haben mir jedoch nie bei der damals noch unbekannten ADHS geholfen.

Was im Nachhinein auch plausibel ist, da Antidepressiva überwiegend serotonerg und / oder noradrenerg wirken, während man bei ADHS von einer noradrenergen und dopaminergen Wirkung profitieren würde.

In dem verlinkten Artikel aus dem ADHS Kompendium wird speziell auf die Effektivität bezüglich der Behandlung von ADHS eingegangen.

Dafür ist Escitalopram eben nicht geeignet / zugelassen. Da bei (zu spät) behandelter ADHS aber nicht selten auch komorbide Begleiterkrankungen vorkommen, liest man hier entsprechend häufig von der Kombi-Medikation.

1 „Gefällt mir“

vielen Dank für deine Antwort und den Tipp.

Das hat mir sehr geholfen, beziehungsweise mir für die Einnahme des Medikamentes Kraft und Mut gegeben. Ich werde dann mal tiefer im Forum suchen und selber die Antidepressiva nehmen. Sollte es mir mit den ADHS Symptomen nicht besser gehen, kann ja immer noch ein spezifisches Präparat ergänzt werden.

Die S3-Leitlinien empfehlen zur medikamentösen Behandlung die dafür vorgesehenen ADHS Stimulanzien (Methylphenidat, Lisdexamfetamin) als Erstlinie - und bei Nichtansprechen oder anderen Gründen die Nicht-Stimulanzien (Atomoxetin, Guanfacin) als Zweitlinie.

Da eine ADHS Diagnose bestätigt wurde, sollte einer entsprechenden Behandlung auf Wunsch des Patienten also eigentlich auch nichts im Wege stehen.

1 „Gefällt mir“

Hallo,

ich nehme Medikinet adult 30mg morgens (logisch ADHS) und bereits seit mehr als 2 Jahren Escitalopram 20mg morgens und Trazodon Abends (gegen Depressionen und auch Angststörung). Ich komme gut damit klar und bin froh so „eingestellt“ worden zu sein. Escitalopram ist aber auch ein „Spiegelmedikament“;- allenfalls merkst du erst nach 2 Wochen (oder auch länger) einen positiven Effekt. Einmal im Jahr wird ein EKG und eben Blut abgenommen, um des „Spiegel“ festzustellen.

LG Daniel

1 „Gefällt mir“

Wenn du es längere Zeit nimmst wirst du auf jedenfall Probleme beim Absetzen durch die Absetzsymtome bekommen.

Was spricht denn gegen die Einnahme von Ritalin und zu schauen ob das nicht in ein pasr Wochen etwas besser wird uns wenn das liegtces nahe das sich mit der Ze ok t noch sehr viel tut

https://adhs-forum.adxs.org/t/eine-angehoerige-erzaehlt-der-lange-weg-zu-richtigen-diagnosen/25990

https://adhs-forum.adxs.org/t/starke-depression-und-ueberbrueckung-der-langen-wartezeit/24888/247

https://adhs-forum.adxs.org/t/einnahme-zeitpunkt-bei-gleichzeitiger-einnahme-von-methylphenidat-und-antidepressivum/27017

https://adhs-forum.adxs.org/t/wegen-escitalopram-wirkverlust-von-ritalin/27052/3

https://adhs-forum.adxs.org/t/erkenntnisse-und-ausblicke/10864/1476

https://adhs-forum.adxs.org/t/elvanse-escitalopram-ssri-einnahmezeit-falsch/27884

https://adhs-forum.adxs.org/t/elvanse-escitalopram-sorgen-wegen-wechselwirkung-euphorie-nach-einnahme-von-elvanse/28565

https://adhs-forum.adxs.org/t/adhs-und-depressionen/34190/4

https://adhs-forum.adxs.org/t/elvanse-paroxetin-einnahme-trotz-wechselwirkungen/35615/2

https://adhs-forum.adxs.org/t/eure-erfahrungen-mit-escitalopram-und-elvanse-lisdexamfetamin/25256

https://adhs-forum.adxs.org/t/escitalopram-abgesetzt-ist-das-jetzt-meine-psyche-oder-die-absetzeffekte/36196/4

https://adhs-forum.adxs.org/t/anspruch-an-gute-kommunikation-ohne-wut/36950/12

https://adhs-forum.adxs.org/t/absetzen-escitalpram-citalopram-unterschiede/36559

Ich hab mal ein paar Links aus dem Forum mit Themen zu Escitalopram herausgesucht.

Vielleicht hilft dir das schon mal ein wenig.

Du kannst auch mit der Suchfunktion nach Themen suchen. Versuche doch mal mehrere Stichpunkte im Zusammenhang mit Escitalopram einzusetzen und schau mal was die Suche ausspukt und ob Dinge dir da weiterhelfen.

Escitalopram ist ein sehr oft verordnetes Antidepressiva wo spätestens beim Absetzen zu wenig abgewogen wird, ob nicht ein anderes Medikament eine bessere Wahl dargestellt hätte. So gibt es auch manch andere Antidepressiva die deutlich problematisch beim Absetzen werden.

Mir haben in den ganzen Jahren wo ich richtig starke Depressionen hatte kein übliches Antidepressiva geholfen und ich fand oft die Nebenwirkungen als schlimmer wie der Rest war aber auch so verzweifelt das ich über 60 verschiedene ausprobierte und quasi durch Zufall => richtiger Beitrag im Fernsehen => viele Fragezeichen und hinterherrecherchiert und Onlinetests => Vermutung mit Therapeutin besprochen => positive Adhs Diagnose

Damit kamen Stimulanzien und Ritalin in mein Leben. Obwohl ich breit war am Anfang (so angeschnaxelt wie von einem feucht fröhlichem Abend mit Freunden und reichlich Wein) trotzdem klar und plötzlich sortiert, weniger stimmungsschwankend und dann hats Zeit gebraucht 3 bis 4 Monate bis die harten Depressionen gingen was ich aber so nicht wahrnahm weil ich immer noch Down war etc. und so nach 7 bis 8 Monaten waren auch die depressiven Verstimmungen weg und auch keine Ängst. Allerdings waren meine harten Panikstörungen, Sizialängst und Panikattacken schon länger halbwegs durch viel Eigenarbeit in einer Traumatherapie und den dort erlernten Techniken halbwegs im Griff doch schossen immer mal wieder phasenweise mehrere Tage durch.

Du wirst auch finden das gegen Ängste etc. Stimulanzien unterstützt haben, geholfen möchte ich so nicht sagen weil es zu pauschal wäre doch genug können es gut handhaben und andere brauchen zusätzlich noch andere Medikamente.

Stimulanzien muß man zuerst das richtige Stimulanz finden, dann in der richtigen Einzeldosis und dann, bei den Methylfinidat Präperaten, wieviele Einnahmen es für eine Tagesabdeckung bedarf.

2 „Gefällt mir“

Sehr interessant.

Wenn ich jetzt nur wüsste, warum mein ADHS und meine Unruhe durch Stimulanzien viel schlimmer anstatt besser werden?

Ich hatte eigentlich eine Beruhigung durch Stimulanzien erwartet, stattdessen drehe ich ziemlich ab. Meine Unruhe ist eh schon furchtbar, aber mit Stimulanzien ist sie ganz extrem.

Vielen Dank für eure Antworten.

Meine Psychiaterin ist der Annahme, dass ich über ausreichende adäquate coping Strategien verfüge, da ich bereits 36 Jahre lang mit unbehandeltem ADHS lebe und dennoch schulisch und beruflich erfolgreich bin.

Aufgrund dessen möchte sie mich primär zunächst mittels Antidepressiva darin unterstützen diese coping Strategien zu aktivieren.

Ich bin mir aber sicher, dass die depressiven Schübe gerade vom ADHS angesichts der gestiegenen Anforderungen (beruflich und familiär) ausgelöst werden und die Antidepressiva nur das Symptom und nicht die Ursache behandeln.

Sonst bin ich ein sehr straighter und selbstbestimmter Mensch, aber gegenüber meiner Psychiaterin eher zurückhaltend und hoffe auf ihre Expertise.

1 „Gefällt mir“

Hallo und Willkommen hier!

Ich habe Sommer 2025, vor meiner ADHS Diagnose, mit 5mg Escitalopram angefangen. Inzwischen nehme ich Ritalin und mein Ziel ist das Escitalopram ab Sommer wieder abzusetzen. Zumindest es zu probieren. Man kann beides nebeneinander nehmen, aber ich würde gerne darauf verzichten und nur Ritalin nehmen, weil mir das mit Abstand mehr hilft. So ist das mit meiner Ärztin besprochen.

Meine Gedanken zu deiner Situation:

Hat die Ärztin Angst vor BTM? Denn ich finde es unsinnig mit SSRI anzufangen, wenn bei ADHS noch kein Stimulanz probiert wurde. Vielleicht reicht dir Methylphenidat?

Escitalopram muss ein und wieder ausgeschlichen werden. Für mich persönlich kämen keine Tabletten in Frage, ich habe mir Tropfen verschreiben lassen, mit denen ich sehr langsam auf 5mg hochgegangen bin. Und genauso gehe ich dann in ein paar Monaten wieder zurück. Ganz, ganz behutsam.

Dabei wären wir beim Thema Absetzen. Das Absetzen eines SSRI ist kein Spaziergang, mir graut heute schon davor (ich hab das vor zehn Jahren schon mal gemacht) aber ich weiß dass es nicht leichter wird, wenn ich es noch Jahre nehme.

Also, man kann es nebeneinander nehmen, ich und andere machen das. Aber ich persönlich würde es erstmal nur mit MPH probieren. Und sollte das nicht reichen, würde ich dann erst ganz vorsichtig Escitalopram einschleichen und beobachten, wieviel mg mir ausreichen.

Wenn eine GAS vorliegt, kann evtl auch eine Verhaltenstherapie angezeigt sein.

Alles Gute dir!

3 „Gefällt mir“

Vielen Dank für deinen sehr hilfreichen Beitrag.

Ich habe auch einen Einnahmeplan erhalten. Zunächst soll ich für eine Woche jeweils morgens nur eine halbe Tablette nehmen und ab der zweiten Woche eine ganze.

Ich weiß nicht, ob die Ärztin Angst vor dem Verschreiben von BTM hat, aber in den Gesprächen habe ich schon den Eindruck erhalten, dass sie mindestens abgeneigt ist.

Zumindest bin ich beruhigt, dass dieser Weg nicht unüblich ist, dass zuerst Antidepressiva verschrieben wird. Weshalb hast du Angst bezüglich der Entwöhnung?

Das Problem ist, dass die besten Coping-Strategien oft zusätzlich Energie kosten und irgendwann das System überfordern können. Deswegen brechen so einige mit unerkannter ADHS im späten Erwachsenenalter zusammen.

Die Medikation könnte helfen weniger Coping-Strategien zu benötigen oder weniger Energie aufwenden zu müssen.

Man würde ja auch nicht zu jemanden sagen, der seit 36 Jahren mit einer Sehschwäche durch die Gegend läuft weil er es kompensiert hat, dass er dann keine Brille benötigt.

4 „Gefällt mir“

Das ist ein durchaus nachvollziehbares Beispiel.

Schließlich bekommen viele Personen auch erst mit zunehmendem Alter eine Sehhilfe, oder ein Hörgerät :+1:.

Ich merke ja auch, wie viel Anstrengung und Selbstdisziplin es abverlangt zu funktionieren und habe auch Hoffnung, dass es mit Stimulanzien leichter wird.

1 „Gefällt mir“

Das hast du vermutlich falsch verstanden. Ich habe Escitalopram bekommen als ich noch nichts von meinem ADHS wusste. Nachdem ich mit Ritalin anfing war schnell klar, dass ich vom Escitalopram weg will.

Sehr unangenehm. Es ist wie ein kleiner Entzug, zumindest stelle ich mir das so vor. Mir ging es in den Wochen psychisch gar nicht gut.

1 „Gefällt mir“

Dann wäre es seitens meiner Psychiaterin ggf. doch gescheiter direkt mit Methylphenidat anzufangen, statt nur Symptome zu unterdrücken.

Ich lass mich erstmal auf das Experiment ein und werde zunächst das Escitalopram nehmen. Bei Bedarf, oder ausbleibender positiver Entwicklung kann ich ja immer noch auf Ritalin, oder Elvanse umsteigen.

1 „Gefällt mir“

wenn du mph nimmst könntest du unterdosiert sein, es könnte an der Retardierung liegen und ein anderer Hersteller besser helfen du trinkst Koffein etc

Wird dann eher Elvanse empfohlen.

Habe bereits in diversen Beiträgen gelesen, dass es sowohl besser vertragen wird, als auch eine bessere Wirkung habe.

Wie verhält sich Elvanse mit Koffein und co? Tatsächlich bin ich ein Energy Junkie, da es mir hilft ruhiger zu werden. Muss bei einer Medikation mit Ritalin, oder Elvanse auf Koffein verzichtet werden?

Bis Escitalopram wirkt dauert es einige Wochen. Bei mir waren 2-3 Wochen schlimmer, dann wurde es langsam besser.

Was von den anderen besser vertragen wird, kann leider nicht auf dich übertragen werden. Tatsache ist, dass die, die hier schreiben eben schreiben, weil sie mit der Medikation nicht zurecht kommen. Die vielen die ein Standard Stimulans bekommen und damit gut zurecht kommen, eröffnen keinen Thread dazu.

Am Ende bleibt nur ausprobieren, es ist wirklich extrem individuell.

Bei der Eindosierung auf jeden Fall und dann einfach ausprobieren ob man es verträgt. Bei mir ging der Kaffeehype direkt mit der ersten Tablette zurück.